INHALT Seite
1.Einleitung 2
2. Veränderte Lebenslagen von Familien und Kindern 3
3. Gesellschaftlicher Kontext der Kinderbetreuung 4
3.1.Versorgung mit Betreuungsangeboten 4
4. Das soziale Netzwerk der Familie 5
4.1. Das verwandtschaftliche Hilfenetz 7
5. Einrichtungen und Betreuungsangebote 8
5.1. Plätze für Kinder unter drei Jahren 8
5.2. Plätze für Kinder von drei Jahren bis zum Schuleintritt 9
5.3. Hortplätze für Schulkinder 9
5.4. Familientagespflege 10
6. Chancen und Risiken außerfamiliärer Betreuung 10
7. Maßnahmen des Gesetzgebers zur Verbesserung 11
der Betreuung in Familien
8. Schlußwort 12
1
1.Einleitung
In den letzten Jahren haben einige erhebliche Veränderungen im Bereich von Familie und Kindheit stattgefunden. Kindheit wird heute als Familienkindheit gesehen, dennoch verbringen Kinder ihre meiste Zeit in Institutionen. Dies hängt mit der Verschulung der Kindheit und der verlängerten Schultage zusammen. Die geänderte Stellung der Frau hat ihr übriges getan. Sie ist im allgemeinen durch die Ausübung eines eigenen Berufes nicht mehr so stark wirtschaftlich von ihrem Mann abhängig. Die Tätigkeit der Frau macht jedoch eine Tagesbetreuung der Kinder durch Fremde notwendig. „Familialisierung“ und Institutionalisierung“ von Kindern wirken also nicht gegeneinander, sondern miteinander. Von der Qualifikation und beruflichen Leistung der heutigen (Klein-)Kinder wird es abhängen, ob der „Wirtschaftsstandort Deutschland“ die Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte meistern kann. Kinder sind eine wichtige Ressource. Vor allem das Bildungswesen sollte größte Anstrengungen unternehmen, um die neue Generation auf die Anforderungen in der Zukunft vorzubereiten. Auch die reinen Betreuungseinrichtungen sollten auf der quantitativen, als auch auf der qualitativen Ebene um Verbesserung bemüht sein. Das KJHG stellt zwar die Jugendämter vor die Aufgabe, den wohngebietsspezifischen Betreuungsbedarf festzustellen und darauf hinzuwirken, daß Betreuungsmöglichkeiten geschaffen werden, die diesem Bedarf entsprechen (vgl. § 80 KJHG). In den meisten Fällen und Wohnorten ist dies aber noch nicht im geforderten Maße umgesetzt worden. Es ist eine gesellschaftspolitische Aufgabe von hoher Bedeutung, Frauen und Familien dabei zu helfen, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren und auch aus pädagogischen Gründen für eine ausreichende und gute Kinderbetreuung zu sorgen. Die Qualität (früh-)kindlicher Erziehung, Bildung und Betreuung muß in den Familien und in den Institutionen nachhaltig verbessert werden. Im folgenden werde ich zunächst auf einige Aspekte der veränderten Lebenslagen von Familien und Kindern eingehen und über den gesellschaftlichen Kontext berichten. Daran schließt sich ein Überblick über die Familie als soziales Netzwerk und eine Beschreibung der Betreuungsangebote in Einrichtungen. Letztlich erläutere ich kurz die Chancen und Risiken der außerfamiliären Betreuung und erkläre die Maßnahmen des Gesetzgebers zur Verbesserung der Betreuung in Familien.
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2.Veränderte Lebenslagen von Familien und Kindern
Das auffallendste Merkmal ist der Rückgang der Kinderzahl. Die durchschnittliche Anzahl von Kindern pro Frauen im Alter zwischen 15 - 45 Jahren hat sich von 2,0 (1970) auf 1,4 (1988) verringert. Auch die Kinderdichte in der Wohnbevölkerung ist um ein Drittel gesunken. 1 Dies führt dazu, daß keine oder nur wenige Nachbarskinder als Spielkameraden oder Freunde zur Verfügung stehen. Geschwistererfahrungen werden immer seltener, 9 von 10 Kindern wachsen als Einzelkind auf. 2 Der traditionelle Verband Ehe verliert durch ein Anwachsen der Scheidungsrate zunehmend an Bedeutung. Man nimmt an, daß fast 30 % der Kinder bis zum Erlangen ihrer Volljährigkeit mehrere Jahre mit nur einem Elternteil zusammenleben. 3 Das liegt unter anderem an der gestiegenen Erwerbstätigkeit der Mütter, welche sich oft nachteilig auf den Zusammenhalt der Ehe auswirkt. Die Mütter sind nicht mehr ausschließlich familienorientiert. Die Phase ausschließlicher Familientätigkeit wird zunehmend verkürzt und eingeschränkt, die Mütter kehren nach der Geburt des Kindes relativ schnell in den Beruf zurück und auch das Durchschnittsalter der Mütter bei der Geburt hat sich erhöht. 4 Die Frauen orientieren sich nicht mehr nur an den Aufgaben in der Familie, sondern erstreben auch eine Teilnahme im öffentlichen Leben. Bedeutende Veränderungen sind auch in der Wohnumwelt des Kindes zu beobachten. Die Zunahme des Straßenverkehrs, die Abgrenzung öffentlicher Plätze und Räume sowie mangelnde Spielangebote, erschweren es den Kindern zunehmend, eigenständig und gefahrlos ihre Umwelt zu erschließen. Zusätzlich muß die ökonomische Benachteiligung vieler Kinder beachtet werden. Kinder verfügen im Regelfall über kein eigenes Einkommen und sind damit von ihren Eltern abhängig. Die Verfügbarkeit von Ressourcen ist in Haushalten mit mehreren Kindern von vornherein begrenzter als in Haushalten mit nur einem Kind. Es hängt von der Höhe des Einkommens der Eltern und der Zahl der Kinder ab, ob ein Dasein an der Armutsgrenze vorliegt oder nicht. Zwar existiert in Deutschland keine absolute Kinderarmut wie in den Ländern der Dritten Welt, aber es gibt dennoch sehr viele Kinder, die unter oder hart an der Armutsgrenze leben (müssen). Dies sind vor allem Kinder aus Einelternfamilien, aus
1
vgl. Statistisches Bundesamt (Hrsg): Zahlen und Fakten der BRD
2 vgl. Schriftenreihe des Bundesministeriums für Frauen und Jugend: Betreuungsangebote für Kinder im vorschulischen Alter. S.8
3 vgl. Schwarz, K.: In welcher Form wachsen unsere Kinder auf? S. 27 - 48
4 vgl. Kirner, Schulz.: Angebot an Arbeitskräften in Deutschland auf längere Sicht. S. 683
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kinderreichen Familien und aus Alleinverdienerhaushalten. Eine Benachteiligung der Kinder durch die Gesellschaft findet sich z.B. in der Stadt- und Verkehrsplanung oder im Bildungswesen. In fast allen öffentlichen und privaten Bereichen werden Kinder in einer Art und Weise behandelt, wie man es einem Erwachsenen nie zumuten würde. Die Entwicklung der individuellen Rechte hat fast die gesamte Erwachsenengesellschaft erfaßt, Frauen, Senioren, Behinderte, aber kaum die Kinder.
3. Gesellschaftlicher Kontext der Kinderbetreuung
Von 1948 - 1989 entwickelten sich unterschiedliche Systeme der außerfamilialen Kinderbetreuung in der DDR und der BRD. In der DDR war die Erwerbstätigkeit der Frauen politisches Ziel, so daß genügend ganztägige Betreuungsangebote vorhanden waren. Die Kindergärten waren staatlich finanzierte Bildungseinrichtungen zur Bildung der „sozialistischen Persönlichkeit“. Das Recht auf einen Kindergartenplatz wurde schon früh gesetzlich verankert, Krippenplätze und Tageseinrichtungen wurden kontinuierlich ausgebaut. In der BRD dagegen wurde 1952 das Jugendwohlfahrtsgesetz (JWG) mit dem Subsidiaritätsprinzip verabschiedet, nach dem öffentliche Träger (Kommunen, Gemeinden) erst dann Betreuungsangebote schaffen sollen, wenn keine entsprechenden Angebote der freien Träger (die von Staat, Land und Kommune subventioniert werden), vorhanden waren. Dieses Prinzip wird erneut im Kinder - und Jugendhilfegesetz (KJHG) verankert. Die Beteiligung der Frauen im Beruf war viel geringer, Tageseinrichtungen wurden eher als Einrichtungen für Familien in Notlagen gesehen, so daß der Ausbau von Betreuungsangeboten nur zögerlich vorankam. Erst in den 70er Jahren wurden die Kindergärten als Bildungseinrichtungen verstanden und zunehmend ausgebaut. Nach dem KJHG (1990) hat nun jedes Kind seit dem 01.01.1996 einen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz nach Vollendung des 3.Lebensjahres. Zuständig für die Ausführung der Gesetze des KJHG sind die 16 Bundesländer. 5
3.1. Versorgung mit Betreuungsangeboten
Kinder werden in der Gesellschaft in vielfältiger Weise betreut. Es lassen sich vier große Bereiche unterscheiden:
5 vgl. Oberhuemer, P.; Ulich, M.: Kinderbetreuung in Europa, S.82
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Arbeit zitieren:
Bärbel Backhaus, 2000, Qualität von Kinderbetreuung, München, GRIN Verlag GmbH
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