Inhaltsverzeichnis
I. Schule unter multikulturellem Aspekt
1. Die multikulturelle Situation in Deutschland.
2. Die seit vielen Jahren existierende Vielfalt und ihre Veränderung.
3. Wie Bildungssystem und Schulen der multikulturellen
Vielfalt mit einem monokulturellen Habitus entgegentreten.
4. Auffällige Probleme von Migranten mit und in der Schule.
5. Das Erzeugen scheinbarer sozialer Ordnungen durch die Schule.
6. Die Nachteile des deutschen Bildungssystems.
7. Die Interkulturelle Pädagogik als "Zielsetzer"
8. Die Schule als adäquater Rahmen für Interkulturelle Bildung und
Erziehung.
9. Andere Länder als Vorbilder
(Norwegen, Schweden und die Niederlande)
10. Positive Entwicklungen in Deutschland.
11. Weitere Voraussetzungen, die geschaffen werden müssen, um
Interkulturelle Bildung zu ermöglichen.
12. Erste Schritte sind getan- weitere müssen folgen.
II. Literatur.
III. Anhang mit verwendeten Tabellen.
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I. Schule unter multikulturellem Aspekt
1. Die multikulturelle Situation in Deutschland
In Deutschland leben (Werte von 2000) ungefähr 82,2 Millionen Menschen, darunter 7,3 Millionen (9%) Migranten.
Ungefähr 12% (9960800) aller in Deutschland lebenden Menschen sind Kinder, Jugendliche oder junge Erwachsene, die eine allgemeinbildende Schule besuchen. Unter ihnen sind 10% (950500) Migranten (wobei man allerdings immer beachten muss, dass es sich dabei um eine gesamtdeutsche Statistik handelt, die besonders markante Fälle egalisiert und so die Situation, wo vielleicht 50% oder mehr der Schüler allophone Schüler sind, völlig im Verborgenen lässt). Jugendliche Migranten unterliegen genauso wie deutsche Schüler der Schulpflicht (Entschluss der Kultusministerkonferenz von 1952 - Einzig Asylbewerber unterliegen nicht der Schulpflicht, wenn sie voraussichtlich nur einen kurzen Aufenthalt in Deutschland haben werden, sie haben zwar ein Recht auf Schule, jedoch keinen Anspruch auf außerschulische Förderung wie z.B. gesonderte Nachhilfestunden).
Schüler, die einen ausländischen Pass haben (dies ist das nivellierende Kriterium für „ausländisch“ in Statistiken und auch in vielerlei Empfehlungen), sind in allen Schularten der Bundesrepublik vertreten und haben unterschiedlichste Migrationsmotive, Nationalitäten, Muttersprachen, sind in unterschiedlichsten Kulturen aufgewachsen, haben in ihrem Leben unterschiedlichste Erfahrungen gesammelt (nicht selten sogar sehr einschneidende Erlebnisse erlebt, sei es nun „nur“ ein Umzug von weit her oder gar eine Flucht gewesen, haben mitunter Hass und Angst erfahren müssen) und wie auch die Kinder deutscher Herkunft haben Sie völlig unterschiedliche soziokulturelle Familienhintergründe und so ihr ganz besonderes individuelles Selbstverständnis.
2. Die seit vielen Jahren existierende Vielfalt und ihre Veränderung
Eine gewisse Vielfalt existiert schon seit vielen Jahren - seitdem vor ungefähr fünfzig Jahren erste Arbeitsmigranten (damals Gastarbeiter genannt), von der Wirtschaft zu Zeiten des Wirtschaftsaufschwungs angeworben, nach Deutschland kamen. Doch während damals Migranten aus ganz „typischen“ Anwerbeländern wie Griechenland, der Türkei, Italien, Spanien, Portugal und dem ehemaligen Jugoslawien kamen, ist die Vielfalt nun, zu Beginn des dritten Jahrtausends (und war natürlich auch am Ende des zweiten Jahrtausends) bei weitem größer. Auf der einen Seite wurden die Beziehungen zwischen europäischen Ländern
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inner- und außerhalb der Europäischen Union neu geregelt, was Migrationen von Menschen aus diesen Ländern nach Deutschland (und natürlich auch umgekehrt) sehr erleichterte und auf der anderen Seite immigrierten immer mehr Menschen auch aus Asien, Afrika und Lateinamerika.
Somit wurde auch die Palette der Sprachen, die von Schülern gesprochen werden, die ihrer Heimatsprachen, immer größer und vielfältiger.
So vielfältig wie die von ihnen gesprochenen Sprachen sind auch die soziokulturellen Hintergründe, die ihr Zurechtkommen im Migrationsland besonders stark beeinflussen, und auch ihr Wissenshintergrund, den sie mitbringen. Dieser kann unterschiedlichste Ausprägungen haben - von Kindern und Eltern mit einem sehr hohen Wissens- und Bildungsniveau bis hin zu komplett analphabetischen Familien.
3. Wie Bildungssystem und Schulen der multikulturellen Vielfalt mit einem monokulturellen Habitus entgegentreten
Diese Darstellung der Vielfalt zeigt, dass die Schule wie auch die Gesellschaft bei weitem keine nationale, sondern eine internationale Angelegenheit ist, bei der Heterogenität in jeglicher Hinsicht auf der Tagesordnung steht und beachtet, wie auch einbezogen werden muss.
Auf diese sehr ausgeprägte Vielfalt muss sich die Schulpolitik, die Schule und jeder einzelne Lehrer einstellen und damit gezielt umzugehen wissen.
Dies ist jedoch leider noch immer nicht überall der Fall, denn während die Gesellschaft und so auch die Schülerschaft nahezu überall multikulturell und auch multireligiös geprägt ist, tritt die Schule dem mit einer monokulturellen Prägung und lediglich christlicher Orientierung (meist existiert sogar nur die Differenzierung zwischen „katholisch“ und „protestantisch“auch der orthodoxe christliche Glaube wird nicht mit einbezogen) entgegen. Die Schule mit ihrem von Ingrid Gogolin beschriebenen monolingualen Selbstverständnis, welches sich im Laufe vieler Jahrzehnte entwickelt hat, verhält sich „unter den Umständen zunehmender Pluralisierung der Schülerschaft, die sich als eine Konsequenz der Migration für Bildung und Erziehung einstellt“ (Gogolin 1994; S. 3) äußerst dysfunktional. Noch immer sind die Lehrpläne, Unterrichtsinhalte und Lehrbücher zu großen Teilen monokulturell und monolingual ausgerichtet und auch die Lehreraus- und -weiterbildung findet eher selten unter multikulturellen Aspekten statt, sondern beziehen sich Fortbildungen meist nur auf homogene Gruppen mit länderspezifischer Schwerpunktsetzung z B. auf Griechen, Türken, Italiener oder andere größere Migrantengruppen.
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An den meisten Schulen sind die Klassen zudem so groß (ca. 30 Schüler/innen), dass eine individuelle Betreuung in jeglicher Hinsicht kaum möglich ist und ein normiertes Leistungsverständnis, sowie eine Unterrichtsorganisation wie am Fließband, in der die Lehrer im ¾-Stundentakt die Klasse wechseln, verhindern zusätzlich eine zumindest ausreichende Betreuung jedes Schülers.
Nicht selten wird von Schülern mit einer anderen Herkunftssprache, die erst kurze Zeit in Deutschland sind, erwartet, dass sie sich in eine deutsche Klasse selbstständig integrieren und sich so am Unterricht beteiligen, wie die Mitschüler, so dass sich eine homogene Lerngruppe ergibt, welche organisations- und selektionskonform die tägliche Arbeit der Lehrer erleichtert. Doch diese scheinbare Homogenität, die nicht selten als eine Bedingung für erfolgreichen Unterricht gesehen wird, verhindert, dass der Umgang mit Heterogenität gelernt werden kann und verfehlt so seine Integrationsaufgabe völlig.
4. Auffällige Probleme von Migranten mit und in der Schule
Ganz besonders auffällige Probleme von Migranten mit und in der Schule zeigen ganz besonders die Ergebnisse eines Forschungsprojektes von Ingrid Dietrich, zusammengefasst in dem Buch „Voll integriert?“ (I. Dietrich 1997), in dem bei einer Befragung von Zuwanderer-Eltern „erheblicher Leidensdruck, was die Schulkarrieren ihrer Kinder betrifft“ (Dietrich 2001; S. 62) deutlich wurde. Sie bemängelten, dass sprachliche und kulturelle Voraussetzungen ihrer Kinder zu wenig beachtet würden, nur wenig Rücksicht genommen würde auf andere Sitten und Gebräuche, Fördermaßnahmen gerade im Gegensatz zu anderen Ländern sehr kärglich seinen und interkulturelle Sensibilität weitgehend fehle. Trotz einer Empfehlung des Kultusministeriums von 1964, die empfiehlt, allophone Kinder so lange durch zusätzlichen Deutsch-Unterricht (in gesonderten Klassen oder durch zusätzlichen Unterricht) zu fördern, bis sie am regulären Unterricht teilnehmen können, erzählen Eltern immer wieder von der schlechten Aufnahme ihrer noch schlecht Deutsch sprechenden Kinder und der nicht im geringsten individuellen Einstufung des Kindes in der Schule.
5. Das Erzeugen scheinbarer sozialer Ordnungen durch die Schule
Viele dieser Probleme wirken sich jedoch nicht bloß auf die Schullaufbahn einzelner Schüler aus, sondern auch auf das allgemeine Bewusstsein aus, was womöglich noch weitaus gravierender ist.
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Arbeit zitieren:
Eva Busch, 2002, Schule unter multikulturellem Aspekt, München, GRIN Verlag GmbH
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