Inhalt
1. Einleitung 2
2. Mimesis-Begriff 3
2.1 Mimesis bei Aristoteles 3
2.2 Die Verankerung des Mimesisbegriffs Walter Benjamins innerhalb seiner
sprachtheoretischen Ausführungen 4
2.2.1 Mimesisbegriff Walter Benjamins 7
2.2.2 Unsinnliche Ähnlichkeit 8
3. Mimesis und Gefühl 9
3.1 Mimesis, Erfahrung und Körperausdruck 9
3.2 Die Bedeutung von Emotionen innerhalb Benjamins Mimesistheorie 11
4. Fazit 13
5. Quellen- und Literaturverzeichnis 15
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1. Einleitung
Walter Benjamin 1 begründet innerhalb seiner sprachtheoretischen Ausarbeitungen den Begriff der Mimesis. Gleichzeitig zeichnet er mit der Mimesisentwicklung bzw. der Rückentwicklung der mimetischen Fähigkeiten die Entwicklung des Menschen nach, so dass beide eng miteinander verknüpft sind und bei Benjamin von einem anthropologischen Mimesisbegriff gesprochen werden kann.
In der vorliegenden Ausarbeitung möchte ich auf die Bedeutung der Gefühle innerhalb Benjamins Mimesisverständnisses eingehen. Dementsprechend werde ich zunächst auf den seit der Antike etablierten Begriff der Mimesis eingehen, indem ich mich vorerst der Entstehung des Begriffs nach Aristoteles widme, den man als Urheber einer ästhetischen Mimesis bezeichnen kann. Anhand der Aufsätze „Über das mimetische Vermögen“ 2 und „Lehre vom Ähnlichen“ 3 werde ich dann den sprachtheoretischen Kontext darstellen, an dem Benjamin seinen Mimesisbegriff festgemacht hat. Die beiden genannten Aufsätze stelle ich in einem Kapitel zusammenfassend dar, da viele Überschneidungen in den Texten gegeben sind. Im Folgenden trage ich einige Ergebnisse aus den Aufsätzen zusammen, um den Mimesisbegriff dann durch den Benjaminschen Begriff der „Unsinnlichen Ähnlichkeit“ weiterzuführen. Anschließend untersuche ich den Stellenwert, den Benjamin den Gefühlen innerhalb des mimetischen Vermögens des Menschen bzw. der transformierten Mimesis beimisst. Bevor es um die Verortung der Emotionen geht, stelle ich den Zusammenhang zwischen ‚Mimesis, Erfahrung und Körperausdruck’ dar. Ziel ist es, aus den Aufsätzen zunächst Benjamins Mimesisbegriff herauszuarbeiten und schließlich aufgrund dessen auf die menschliche Erfahrung, also der Bedeutung des Gefühls bei der Entwicklung des Menschen einzugehen und den Stellenwert von Emotionen innerhalb des Mimesisverständnisses zu untersuchen.
1 Im Folgenden abgekürzt Benjamin genannt.
2 Benjamin, Walter: Über das mimetische Vermögen. In: Tiedemann, Rolf/Scheppenhäuser, Hermann [Hrsg.]: Gesammelte Schriften. Band 2. Frankfurt am Main 1991².
3 Benjamin, Walter: Lehre vom Ähnlichen. In: Tiedemann, Rolf/Scheppenhäuser, Hermann: Gesammelte Schriften. Band 2. Frankfurt am Main 1991².
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2. Mimesis-Begriff
Der Begriff ‚Mimesis’ beinhaltet verschiedene Bedeutungsdimensionen, die seit der Antike immer wieder verändert und auf unterschiedliche Bereiche bezogen wurden. Allgemeiner Konsens besteht jedoch darin, dass es sich bei Mimesis um eine ‚Nachahmung’ handelt, ausgehend vom griechischen Wort ‚mimos’ (Schauspieler). Auch im literaturtheoretischen Kontext wird Mimesis meist mit Nachahmung übersetzt und verweist damit auf Aristoteles. Auf dessen Begriffsdeutung wird hier zunächst eingegangen und so der Ursprung eines ästhetischen Mimesisbegriffes gekennzeichnet.
Im darauf folgenden Kapitelunterpunkt soll eine anthropologische Deutung der Mimesis nach Benjamin behandelt werden. Mimesis steht für Benjamin „im Zentrum des Verhältnisses des Menschen zur Welt, zum Anderen und zu sich selbst.“ 4 Mimetisches Vermögen führe diesem Verständnis entsprechend dazu, Ähnlichkeiten zu empfinden und Übereinstimmungen mit der umgebenden Natur zu schaffen. Durch die Korrespondenz des Menschen mit seiner Umwelt vollzieht sich eine Sinnerfahrung, die über die Wahrnehmung und die Herstellung von Ähnlichkeiten ermöglicht wird. Nach Benjamin wird die Hervorbringung von Ähnlichkeiten als eine der frühesten Fähigkeiten des Menschen angesehen.
2.1 Mimesis bei Aristoteles
Aristoteles verwendet den Mimesisbegriff vor allem im ästhetischen und außerästhetischen Kontext. Er geht von einem Grundbedürfnis des Menschen nach Nachahmung aus, dieses unterscheide den Menschen von anderen Lebewesen. Der Mimesisbegriff umfasst im ästhetischen Zusammenhang die Dichtung, Musik und bildende Kunst, ist demnach allen Künsten gemeinsam. Die Künstler werden zu Produzenten von Ähnlichkeiten. Doch entscheidend ist, dass Mimesis Fiktion produziere, „jeder Bezug zur Wirklichkeit verliert seine Unmittelbarkeit“ 5 . Ähnlich der Natur sollen die Künstler ihre Werke schaffen, d.h. es wird keine Nachahmung angestrebt, deren Produkt der Natur gleiche, sondern mit der gleichen Schaffenskraft, die der Natur eigen ist, sollen die Künstler produzieren (vgl. Gebauer/Wulf, 1998, S.84). In diesem Sinne ahmt die Kunst die Natur nach, doch der Ursprung der Kunst sei der Künstler. Durch diesen Anspruch ergibt sich eine Differenz zwischen Natur und Kunst, „die die Kunst als eigenen ästhetischen Bereich entstehen lässt“ 6 .
4 Gebauer, Gunter/Wulf, Christoph: Mimesis. Kultur - Kunst - Gesellschaft. Reinbek 1998. S. 374.
5 dies., S. 84.
6 Gebauer, Gunter/Wulf, Christoph: Mimesis. Kultur - Kunst - Gesellschaft. Reinbek 1998. S. 374.
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2.2 Die Verankerung des Mimesisbegriffs Walter Benjamins innerhalb seiner sprachtheoretischen Ausführungen
In den Aufsätzen „Lehre vom Ähnlichen“ und „Über das mimetische Vermögen“ behandelt Benjamin den metaphysischen Bereich der Sprache, indem er die Transformierung der mimetischen Gabe des Menschen mit der Sprachentwicklung verbindet. Dabei besteht der ein Jahr später entstandene Text „Über das mimetische Vermögen“ (1933) zum großen Teil aus wörtlich übernommen Passagen aus der „Lehre vom Ähnlichen“ (1932). Unterschiede der beiden Aufsätze bestehen darin, dass sich der Umfang in „Über das mimetische Vermögen“ im Gegensatz zu dem früheren Aufsatz verringert hat und zwar unter Beibehaltung verwendeter mystischer Terminologie. Deshalb werden in diesem Kapitel in zusammengefasster Form beide Texte dargestellt, jedoch vornehmlich die „Lehre vom Ähnlichen“. Benjamin eröffnet seinen Aufsatz „Lehre vom Ähnlichen“, indem er betont, dass eine Einsicht in die Bereiche des „Ähnlichen“ mit dem Wissen über metaphysische Bereiche einherginge. Doch gehe es nicht um das Aufzeigen angetroffener Ähnlichkeiten, sondern um wiedergegebene Prozesse, „die diese Ähnlichkeiten erzeugen.“ 7 Er geht auf die Mimikry ein und verdeutlicht so zunächst, dass die Natur Ähnlichkeiten erzeugt. Darauf führt er seine Ausgangsthese an: „Die allerhöchste Fähigkeit im Produzieren von Ähnlichkeiten aber hat der Mensch.“ 8 Das mimetische Vermögen des Menschen hat nach Benjamin eine historische und eine anthropologische Geschichte. Zur Veranschaulichung der ontogenetischen Seite nennt er das Kinderspiel als Beispiel, das nicht nur durch die Nachahmung anderer Menschen bestimmt ist, sondern auch durch die Nachahmung von Objekten wie beispielsweise einer Eisenbahn oder einer Windmühle (vgl. Benjamin, 1991, S.205).
Benjamin fragt nach dem Nutzen durch die Übung des mimetischen Verhaltens und erläutert im Folgenden die phylogenetische Seite des mimetischen Vermögens. Der Mikro- und Makrokosmos war der Lebenskreis, der ehemals von dem Gesetz der Ähnlichkeit durchwaltet schien. Für heutige Erfahrungen lasse sich behaupten: „die Fälle, in denen sie im Alltag Ähnlichkeiten bewusst wahrnehmen, sind ein winziger Ausschnitt aus jenen zahllosen, da Ähnlichkeit sie unbewusst mitbestimmt.“ 9 Benjamin betont, dass die nicht mehr bewusst wahrgenommenen Ähnlichkeiten gegenüber den bewusst Wahrgenommenen überwiegen. Benjamin weist darauf hin, dass diese „Korrespondenzen“ „grundsätzlich, Stimulantien und Erwecker
7 Benjamin, Walter: Lehre vom Ähnlichen. In: Tiedemann, Rolf/Scheppenhäuser, Hermann: Gesammelte Schriften. Band 2. Frankfurt am Main 1991². S. 204.
8 ebd.
9 Benjamin, Walter: Lehre vom Ähnlichen. In: Tiedemann, Rolf/Scheppenhäuser, Hermann: Gesammelte Schriften. Band 2. Frankfurt am Main 1991². S. 205.
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Arbeit zitieren:
Manel Hell, 2009, Die Bedeutung der Emotionen innerhalb Walter Benjamins sprachtheoretischem Mimesisbegriff, München, GRIN Verlag GmbH
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