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INHALTSVERZEICHNIS
I ) Einleitung Seite 3
II ) Die Entwicklung des Einsatzes ausländischer Arbeitskräfte Seite 5
a) Die Situation vor Kriegsbeginn Seite 5
b) Zwangsarbeit vom September 1939 bis zum Überfall auf die Seite 8
Sowjetunion
c) Die Entwicklung nach dem Angriff auf die Sowjetunion Seite 12
d) Der Einsatz ausländischer Arbeiter nach den ersten Seite 17
deutschen militärischen Niederlagen
e) Das Ende des Zweiten Weltkrieges und das Problem Seite 21
der Repatriierung
III ) Zwangsarbeit in der Stadt Essen als Fallbeispiel Seite 25
IV ) Zusammenfassung Seite 32
V ) Literaturverzeichnis Seite 34
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I.) EINLEITUNG
In der Geschichte gibt es für ein solches Ausmaß von zwangsweisem Einsatz ausländischer Arbeitskräfte wie in Deutschland während des Zweiten Weltkrieges wohl kaum Beispiele – und das vor allem, wenn man sich den kurzen Zeitraum der Entwicklung vor Augen führt. Vor Beginn des Krieges war die Zahl ausländischer Arbeitskräfte in Deutschland mit 650 000 Anfang September 1939 noch vergleichsweise gering. In den Folgejahren stieg dieser Wert dann kontinuierlich an: Waren es im September 1940 noch 1,3 Millionen Arbeiter, so verdoppelte sich dieser Wert bis zum Mai 1941 schon auf 3 Millionen Kriegsgefangene wie auch zivile Personen, die in der Landwirtschaft wie zunehmend in der Industrie des sogenannten „Dritten Reiches“ tätig waren. Auch in den folgenden Jahren stieg diese Zahl weiter an, so dass schließlich 1944 auf jeden Fall über 7 Millionen ausländischer Arbeitskräfte in Deutschland tätig waren. 1 Herbert nennt in seinen Ausführungen sogar die Zahl von 8 Millionen Zivilarbeitern und Kriegsgefangenen zuzüglich einer halben Million meist ausländischer KZ-Häftlinge in den Grenzen des sogenannten „Großdeutschen Reiches“. 2 Diese Menschen, die immer mehr die zum Wehrdienst eingezogenen deutschen Arbeiter ersetzten, machten zu dieser Zeit 20-30 Prozent der Gesamtzahl der in Deutschland erwerbstätigen Personen aus. Menschen aus ganz Europa waren zum allergrößten Teil zwangsweise ins Land gebracht worden: Allein aus der Sowjetunion kamen mehrere Millionen Zivilarbeiter und Kriegsgefangene, auch Polen und Franzosen bildeten mit 2 bzw. 1,5 Millionen Menschen einen großen Anteil. In Deutschland war ein regelrechter Lagerkosmos entstanden: In allen größeren Betrieben waren Zwangsarbeiter beschäftigt, daneben in einer Vielzahl von kleinen Firmen, staatlichen Einrichtungen, in der Landwirtschaft und sogar in privaten Haushalten. Die annähernd 20 000 Lager prägten besonders in den letzten Kriegsjahren das Bild in den Städten und waren auch für die deutsche Bevölkerung nicht zu übersehen.
Wie hatte es zu einer solch drastischen Entwicklung kommen können? Auffällig ist eindeutig der kurze Zeitraum, in dem Millionen von Arbeitskräften nach Deutschland gebracht wurden. War dies das Ergebnis einer langfristigen Planung oder das Resultat kurzfristiger Entscheidungen, die eigentlich ursprünglich so nicht gewollt waren und auch der NS-Ideologie selbst widersprachen? Wie waren die Reaktionen in der Partei und der NS-Führung auf die Entscheidungen – kam es auch zu Widerständen und Machtkämpfen, oder ist
1 Benz, S. 3f
2 Herbert: Der „Ausländereinsatz“ in der deutschen Kriegswirtschaft 1939-1945, S. 15
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eine einheitliche Sichtweise zu beobachten? Diese Fragen stellen sich wohl zuerst bei einer Beschäftigung mit dieser Thematik. Zu Beginn dieser Hausarbeit soll deshalb in einem allgemeinen Teil die Entwicklung in Deutschland hin zur millionenfachen Zwangsarbeit näher analysiert werden. Ob diese einheitlich verlief oder ob es massive Veränderungen der politischen Entscheidungen gab, soll hierbei ebenfalls untersucht werden. Zu vermuten ist bereits an dieser Stelle, dass es insbesondere im Zusammenhang mit dem Verlauf des Krieges zu Veränderungen gekommen ist. Insbesondere beleuchtet werden sollen deshalb auch Phasen der ersten deutlichen militärischen Niederlagen der deutschen Truppen nach dem Überfall auf die Sowjetunion. Wie reagierte die deutsche Propaganda? Gibt es auch Veränderungen im Verhalten der Zwangsarbeiter selbst, sind also Formen des Widerstandes angesichts der aufkommenden Hoffnung auf Befreiung zu beobachten?
Als ein konkretes Fallbeispiel ist sicherlich die Analyse der Situation in einer deutschen Großstadt für das Verständnis der Zwangsarbeit insgesamt von Bedeutung. An dieser Stelle soll Essen betrachtet werden, das damals durch die Krupp-Werke überaus wichtig für die deutsche Rüstungsindustrie war. In welchen Bereichen wurden Zwangsarbeiter eingesetzt? Insbesondere stellt sich bei einer solchen lokalen Einzelbetrachtung die Frage nach Berichten über den Umgang der deutschen Bevölkerung mit den Zwangsarbeitern. Dass es eine Vielzahl von ausländischen Arbeitskräften in Essen gab, war für den einzelnen angesichts der zahlreichen Lager auf jeden Fall offensichtlich. Aber wie reagierten die Menschen nun? Kam es ausschließlich zu einer schlechten Behandlung? In welchem Umfang gab es Hilfeleistungen? Anhand konkreter Beispiele soll auf diese Fragen eingegangen werden.
Zwangsarbeit in Deutschland während des Zweiten Weltkrieges – die Forschung hat sich schon in großem Umfang und in vielen Teilbereichen mit diesem Thema auseinandergesetzt. Insbesondere in den vergangenen Jahren gab es durch die Debatte über eine Entschädigung damaliger Zwangsarbeiter neue Aktualität und ein wachsendes Medieninteresse. Aber gerade wegen dieser vielen Bereiche und möglichen Fragestellungen muss diese Arbeit auf die genannten Fragen reduziert werden, so dass ebenfalls wichtige Aspekte in der Betrachtung entfallen werden: So etwa eine Analyse der Entschädigungsdebatte der vergangenen Jahre. Ein ebenfalls bedeutender Bereich ist der Arbeitseinsatz von KZ-Häftlingen, der insbesondere in der letzten Kriegsjahren große Ausmaße annahm und bei dem Hunderttausende von Häftlingen auch in Deutschland selbst zur Arbeit in der Industrie und ab 1944 etwa in unterirdischen Fertigungsstätten gezwungen wurden. Auf diese Thematik soll aber nur am Rande eingegangen werden.
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II.) DIE ENTWICKLUNG DES EINSATZES
AUSLÄNDISCHER ARBEITSKRÄFTE
a) Die Situation vor Kriegsbeginn In den Jahren vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs war die Zahl in Deutschland arbeitender Ausländer relativ gering. So handelte es sich etwa im Jahr 1936 um 250 000 Menschen, auch direkt vor dem Angriff auf Polen waren es nicht mehr als 650 000 Personen. Oft waren es traditionelle Formen der Saisonarbeit, durch die etwa eine größere Anzahl von Polen in der deutschen Landwirtschaft tätig war. Hinzu kamen angeworbene Arbeiter, die auch in der Bauwirtschaft und teilweise in der Industrie beschäftigt waren. Wichtig vor allem für das Verständnis der späteren Ereignisse ist es zunächst, sich die tarifpolitische Stellung der Arbeiter gegenüber ihren deutschen Kollegen zu verdeutlichen. Es bestand noch das Tarifrecht von 1918, durch das ausländische und deutsche Arbeiter gleichgestellt waren. Zumindest offiziell wurde dieses Recht auch während des Krieges nie aufgehoben: So hatte diese Regelung formell auch noch für die späteren Zwangsarbeiter Geltung. Die massiven Lohnabschläge und die oft menschenunwürdigen Lebensbedingungen wurden deshalb von den Arbeitgebern bzw. dem NS-Regime gesondert begründet, jedoch immer noch unter Bezug auf die offizielle tarifpolitische Gleichbehandlung seit 1918. 3 Spätestens seit 1937 war auf dem deutschen Arbeitsmarkt ein Mangel an Arbeitskräften zu beobachten. Dieser konnte weder durch die genannten Anwerbungen, noch durch die in größerer Zahl illegal nach Deutschland kommenden Menschen aus den Grenzgebieten Polens und der Tschechoslowakei ausgeglichen werden. 4 Von Seiten der NS-Propaganda wurde dieser Arbeitskräftemangel jedoch als ein nur vorübergehender Notstand bezeichnet, der im Hinblick auf eine künftige „europäische Großraumwirtschaft“ gelöst werden könne. Konkrete Handlungsansätze wurden hier aber nicht genannt. Auch Herbert nennt diese Beruhigungsstrategie einen „naiven Zukunftsglauben“, der zudem noch einen gewonnenen Krieg voraussetze. 5 Auf der anderen Seite kam es innerhalb der Parteiführung der NSDAP zu einer ersten Diskussion, wie das Problem des Arbeitskräftemangels gelöst werden könne – und das auch im Hinblick auf einen baldigen Krieg, der das Problem noch deutlich verstärken würde. Im Mittelpunkt steht hier natürlich die Frage, ob es an dieser Stelle schon konkrete Planungen des Regimes bezüglich eines Einsatzes von Zwangsarbeitern in Deutschland gegeben hat. Einerseits gab es durchaus Pläne, wie die deutsche Wirtschaft etwa
3 Herbert: Fremdarbeiter, S. 57
4 Ebd. S. 62
5 Ebd. S. 63
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auf die Ressourcen der besetzten Länder zugreifen könne. Allerdings kann dies für diese Zeit eindeutig nicht auf die Nutzung der Arbeitskräfte der besetzten Staaten erweitert werden. Die Überlegungen der Parteiführung vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges beschränkten sich eher auf eine Grundsatzdiskussion, in der sich schon erste Widerstände gegen den Einsatz von „Fremdarbeitern“ zeigten. Insgesamt sah das Regime zwei grundsätzliche Möglichkeiten einer Lösung des Arbeitermangels: Zum einen erschien es denkbar, ähnlich wie im Ersten Weltkrieg auf eine Dienstverpflichtung von Frauen zurückzugreifen, um insbesondere die zum Militär einberufenen Männer bei der Arbeit ersetzen zu können. Gegen diesen Ansatz regten sich aber schnell große Widerstände: So fürchteten die Kritiker eine Destabilisierung und eine Unzufriedenheit der Bevölkerung, wie sie während des Ersten Weltkriegs auch zu beobachten war. Das zweite Gegenargument der Kritiker eines Einsatzes der weiblichen Bevölkerung war aber wahrscheinlich maßgeblich für die letztendliche Grundsatzentscheidung: So wurde in einer Dienstverpflichtung ein massiver Verstoß gegen das NS-Bild der deutschen Frauen gesehen, die laut der nationalsozialistischen Ideologie stattdessen dazu bestimmt waren, sich zuhause um die Familie zu kümmern. Auf der anderen Seite sah das Regime die Möglichkeit, ausländische Arbeiter in Deutschland zu beschäftigen. Das musste nicht unbedingt durch Zwangsarbeit geschehen: So hoffte die Parteiführung auch nach Beginn des Krieges auf viele Anwerbungen, etwa polnischer Landarbeiter. Doch auch dieses Konzept kollidierte in den Augen der Kritiker massiv mit der NS-Ideologie. Die „Massenbeschäftigung von Fremdvölkischen“ hätte die „Reinheit des deutschen Volkes“ gefährdet, so die Ansicht der Skeptiker. 6 An dieser Stelle werden also bereits ideologisch motivierte Einwände gegen eine Beschäftigung von „Fremdarbeitern“ in Deutschland offensichtlich. Dies ist insbesondere von Bedeutung im Hinblick auf die weitere Entwicklung, während der sich ideologisch motivierte Kritiker immer wieder zu Wort meldeten und wichtige Bestimmungen bezüglich der Behandlung der ausländischen Arbeitskräfte durchsetzten. Insgesamt entschied sich die Parteiführung an dieser Stelle jedenfalls doch für die zweite Möglichkeit, also den Einsatz von Ausländern, wenn auch mit der Maßgabe einer eindeutigen zahlenmäßigen und zeitlichen Begrenzung sowie der Beschränkung auf die Landwirtschaft und das Baugewerbe. Die „Gefahren“, die sich aus einem solchen Einsatz ergeben würden, schienen überschaubarer und im Notfall leichter durch repressive Maßnahmen zu lösen. Nach der damaligen Entscheidung äußerte sich der NS-Arbeitswissenschaftler Willeke zu der Grundsatzentscheidung: So mache sie deutlich, „wie sehr man das Wertopfer einer vorübergehenden Einfremdung bestimmter
6 Herbert: Der „Ausländereinsatz“ in der deutschen Kriegswirtschaft, S. 13
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Berufe eher zu bringen bereit ist als das Wertopfer einer Gefährdung der volksbiologischen Kraft des Deutschen Volkes durch stärkeren Einsatz der Frau.“ 7 . Jedoch gab es wie gesagt zu diesem Zeitpunkt noch keine Planungen zum Einsatz von zivilen Zwangsarbeitern. Neben der Hoffnung auf weitere Anwerbungen waren zwar Pläne vorbereitet, polnische Kriegsgefangene in der deutschen Landwirtschaft arbeiten zu lassen. Nach der Auffassung Herberts spielte die Frage, ob die „Fremdarbeiter“ auf freiwilliger Basis oder unter Zwang nach Deutschland kommen sollten, auch überhaupt keine Rolle in der damaligen Diskussion. Wichtig sei lediglich die Grundsatzentscheidung für einen solchen Einsatz gewesen. 8 Einen weiteren wesentlicher Einschnitt vor dem Ausbruch des Krieges stellte die Besetzung des nach dem Münchener Abkommen verbleibenden Teils der Tschechoslowakei und die Bildung des „Protektorats Böhmen und Mähren“ im März 1939 dar. Dies hatte zunächst die Auswirkung, dass nun viele weitere ausgebildete Facharbeiter für die deutsche Wirtschaft zur Verfügung standen. So arbeiteten bereits im Juni 1939 40 000 tschechische Fachkräfte im sogenannten „Altreich“, und das weniger für private Unternehmen, sondern in größerem Maße für neue staatliche Konzerne wie die Volkswagen GmbH oder die Herrmann-Göring-Werke. 9 Zunächst erfolgte der Einsatz in Deutschland auf freiwilliger Basis: Schon direkt mit der deutschen Besetzung waren Anwerbekommissionen mit in das „Protektorat“ gekommen, um – die noch recht große Arbeitslosigkeit ausnutzend – tschechische Fachkräfte zu werben. Jedoch kam es nach dieser ersten, bis zum Sommer andauernden Phase zu immer weniger freiwilligen Anwerbungen: Viele Tschechen hatten sich auch aus Vorsicht gar nicht mehr arbeitslos gemeldet, um einem möglichen Einsatz in Deutschland zu entgehen. 10 Dieses Fernbleiben vom Arbeitsamt wurde daraufhin im Sommer 1939 durch mehrere Erlasse unter Strafe gestellt. Jedoch gingen die Vermittlungszahlen nach Deutschland auch weiterhin zurück. Zum einen waren die hohen Erwartungen an Arbeit und Bezahlung bei den ersten Angeworbenen nicht erfüllt worden, und zudem traten sowohl der Widerstand im Untergrund als auch mehrere Intellektuelle gegen eine Arbeitsaufnahme in Deutschland ein. Die deutsche Reaktion hierauf war die Einrichtung von Arbeitsvermittlungen mit deutschen Beamten, die nun eine Monopolstellung bei der Vermittlung von Stellen nach Deutschland innehatten. Bis zum Juni 1940 wurden so 117 000 Tschechen nach Deutschland geschickt. 11 Doch erst im weiteren Verlauf des Krieges ging die deutsche Seite dazu über, ganze Jahrgänge zur Arbeit in Deutschland zu verpflichten. Besonders Ende 1942 war diese Zahl hoch: So wurden
7 Herbert: Fremdarbeiter, S. 74 8 Ebd. S. 76 9 Ebd. S. 69 10 Spanjer, S. 86 11 Ebd. S. 87
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innerhalb weniger Monate über 64 000 Tschechen gezwungen, in Deutschland eine Arbeit aufzunehmen. Jedoch blieben die Zahlen auch im weiteren Verlauf immer hinter den deutschen Forderungen zurück. 12 Für viele Tschechen ist diese jahrgangsweise Zwangsarbeit in Deutschland immer noch mit negativen Erinnerungen verbunden. So erinnert sich die Zeitzeugin Libuše Voglová an den Transport: „Es war ein richtiger Albtraum. In meiner Erinnerung sehe ich noch immer die Bahnhofshalle vor mir, gefüllt mit Jungs und Mädchen des Jahrgangs 1924. Bis heute klingen mir die Befehle der deutschen Kommandeure und Arbeitsamtbediensteten in den Ohren. [...] Und so wurden wir mit einem unbeheizten Personenzug abtransportiert, um am späten Abend im Sammellager Wilhelmshagen anzukommen.“ 13 In der Phase bis zum Beginn des Krieges sind solche Ereignisse allerdings noch nicht festzustellen. Deutlich werden jedoch bereits die deutschen Bemühungen, die Ressourcen des „Protektorats“ wie auch die vorhandenen tschechischen Arbeitskräfte, vor allem der ausgebildeten Fachkräfte, zur Besserung der Arbeitsmarktlage im „Altreich“ sowie zur Intensivierung der Rüstungswirtschaft zu nutzen.
b) Zwangsarbeit vom September 1939 bis zum Überfall auf die Sowjetunion Auch nach der Besetzung Polens gab es innerhalb der Parteiführung der NSDAP noch starke Widerstände, die ebenso wie bei den dargestellten ersten Überlegungen vor dem Krieg ideologisch begründet waren. So hatte der Einsatz von „Fremdarbeitern“ in Deutschland immer noch die offizielle Bezeichnung einer „vorübergehenden Maßnahme“. In dieser Phase sind jedoch vor allem die Maßnahmen und Regelungen von großer Bedeutung, die die ideologisch motivierten Kritiker eines dauerhaften Arbeitseinsatzes durchsetzten. Auch im Vorfeld dieser Regelungen fallen schon einige Maßnahmen des Regimes auf: So betonte die deutsche Propaganda im November 1939 erneut die „rassische Überlegenheit der Deutschen gegenüber dem „slawischen“.“ 14 Zu gut war das Verhältnis etwa zwischen deutschen und polnischen Landarbeitern noch aus der traditionellen Zusammenarbeit heraus, so dass das NS-Regime hier durch gezielte Propaganda Änderungen zum Negativen herbeizuführen suchte. Auch das Reichssicherheitshauptamt (RSHA) gab eine erste Anordnung gegen die „arbeitsscheuen Polen“ heraus, nach der diese nach wiederholter Arbeitsverweigerung in ein Konzentrationslager zu bringen seien.
12 Ebd. S. 88
13 Voglová, S. 96
14 Herbert: Fremdarbeiter, S. 86
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Ersten Überlegungen zufolge sollte es dann eine „rassische Auslese“ der Polen geben, so dass nur die „rassisch“ für „ausreichend“ befundenen Polen nach Deutschland zur Arbeit gebracht werden sollten. Doch selbst Himmler, der zu den ideologisch motivierten Kritikern eines langfristigen „Fremdarbeitereinsatzes“ gehörte, hielt dies für unrealistisch: „Ich kann nicht in vier Wochen eine Million Menschen sieben ... Die Polen werden insgesamt herübergeholt und insgesamt als Polen behandelt“ In seiner Denkschrift „Gedanken über die Behandlung der Fremdvölkischen im Osten“ schrieb Himmler: „Diese Bevölkerung wird als führerloses Arbeitervolk zur Verfügung stehen und Deutschland jährlich Wanderarbeiter und
Arbeiter für besondere Arbeitsvorkommen ( Straßen, Steinbrüche, Bauten) stellen“ 15 . Gleichzeitig forderte er aber strenge Vorschriften für die zur Arbeit eingesetzten Polen, beispielsweise eine äußere Kennzeichnung.
Auch Hitler stimmte diesen Forderungen Himmlers zu. Resultat dieses Entscheidungsprozesses waren bald darauf die sogenannten „Polenerlasse“ vom 8. März 1940, die eindeutig ein Auftakt zu ähnlichen Verordnungen anderen Nationalitäten gegenüber waren und den Beginn einer rechtlichen Differenzierung zwischen den einzelnen Nationalitäten darstellten. So wurden die polnischen Arbeiter zu einer äußeren Kennzeichnung verpflichtet. Die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel sowie das Betreten vieler deutscher Einrichtungen wurde ihnen verboten, auch wurde neben einer gesonderten Unterbringung nur eine beschränkte Bewegungsfreiheit erlaubt. Auf Beziehungen zu Deutschen, den sogenannten „GV-Verbechen“, wurde die Todesstrafe für die beteiligten Polen verhängt. Bei Verstößen gegen diese Vorschriften und sonstigen Strafverfolgungen war nicht etwa die Polizei, sondern ausschließlich die Gestapo zuständig. Ergänzt wurden diese ersten Anordnungen in den nächsten Jahren durch eine Vielzahl von Einzelbestimmungen. 16 Zusammen mit den Erlassen verfügte das NS-Regime eine zeitliche Begrenzung wie auch eine zahlenmäßige Obergrenze von 3 Millionen ausländischen Arbeitern. Um diese Zahlen einhalten zu können, war eine Voraussetzung ein schnelles Kriegsende, ein erfolgreicher Verlauf der „Blitzkriege“ und damit ein rasches Rückkehren der deutschen Arbeiter vom Militär. Stimmen in der Parteiführung, die ein Erfüllen dieser Voraussetzungen bezweifelten, gab es damals nicht.
Bei der Beschreibung der tatsächlichen Entwicklung ist es notwendig, in zwei verschiedene Gruppen zu unterteilen. Zum einen gab es die Gruppe der zur Arbeit verpflichteten polnischen Kriegsgefangenen. 300 000 Personen wurden in den Monaten nach der Besetzung nach Deutschland zur Zwangsarbeit gerbacht, vorwiegend in 15 Ebd. S. 87
16 Ebd. S. 88ff
Arbeit zitieren:
M.A. Volker Mohn, 2003, Zwangsarbeit in Deutschland während des Zweiten Weltkrieges, München, GRIN Verlag GmbH
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Arbeiter im Volkswagenwerk im Dritten Reich - Ein Vergleich der Lebens...
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