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Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG 5
ERNÄHRUNGSVERHALTEN MEDIENKONSUM UND
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SPORTLICHE AKTIVITÄT BEI GRUNDSCHULKINDERN 7
2.1 Ernährungsverhalten 7
2.1.1 Die Bedeutung der Ernährung für das Kind 8
2.1.2 Gesunde Ernährung 10
2.1.3 Zum Forschungsstand des Ernährungsverhaltens von Kindern 14
2.1.4 Ursachen und Folgen falscher Ernährung 23
2.2 Medienkonsum 29
2.2.1 Bedeutung der Medien für Kinder 29
2.2.2 Veränderungen des Medienkonsums 31
2.2.3 Der Einfluss der Medien 32
2.2.4 Risiken und Folgen 35
2.2.5 Ergebnisse aktueller Untersuchungen zum Medienkonsum von
Kindern 38
2.3 Sportliche Aktivität 44
2.3.1 Veränderung des Bewegungsverhaltens 45
2.3.2 Die Bedeutung der sportlichen Aktivität für Kinder 46
2.3.3 Studien zur sportlichen Aktivität und motorischen Leistungsfähigkeit 51
2.3.4 Einflussfaktoren auf die sportliche Aktivität und seine Folgen 54
2.4 Zusammenfassung 60
3 DIE GRUNDSCHULE 63
3.1 Begriffsbestimmung 63
3.2 Schulen mit besonderen Programmen und Aktivitäten 64
3.2.1 Konzept Schule und Gesundheit 65
3.2.2 Montessori-Schule 66
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3.2.3 Die Waldorfschule 69
3.3 Die Grundschule im Stadt-Land-Vergleich 72
3.3.1 Kinder in der (Groß-) Stadt 72
3.3.2 Das Leben auf dem Land 73
3.3.3 Studien zum Stadt-Land-Vergleich 74
3.4 Zusammenfassung 75
4 PLANUNG UND DURCHFÜHRUNG DER EMPIRISCHEN
UNTERSUCHUNG 78
4.1 Zum Stand der Forschungen in Stadt und Landkreis Kassel 78
4.2 Methodische Überlegungen 80
4.2.1 Fragestellungen 81
4.2.2 Hypothesen 82
4.3 Konkretes Untersuchungsdesign 87
4.3.1 Vorgehensweise 87
4.3.2 Aufbau und Struktur der Fragebögen 89
4.3.3 Untersuchungsumfang 92
4.3.4 Datenauswertung 100
4.4 Darstellung der Ergebnisse 102
4.4.1 Ernährungsverhalten 102
4.4.2 Medienkonsum 117
4.4.3 Sportliche Aktivität 126
5 DISKUSSION 146
ZUSAMMENFASSUNG 162
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7 LITERATURVERZEICHNIS 164
ABBILDUNGSVERZEICHNIS ................................................... 178
8
4
9 T ABELLENVERZEICHNIS 184
10 ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS 186
ANHANG ............................................................................. 189 189
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1 E i n l e i t u n g
Aufgrund der Veränderungen in der Gesellschaft und der Lebensbedingungen im Laufe der letzten Jahre und Jahrzehnte, verändert sich zunehmend auch das Erleben der Kindheit durch die entsprechend erzeugten Auswirkungen auf das seelische und körper- liche Wohlbefinden der Kinder von heute. Vor allem in den Bereichen Ernährung, Be- wegung, synonym auch häufig als sportliche oder körperliche Aktivität bezeichnet, und im Umgang mit Medien zeigen sich primär negative Einflüsse, die sich auf die Gesund- heit der Kinder niederschlagen.
Kinder können heutzutage nicht mehr so frei ihre Umwelt durch Bewegung erforschen und entdecken. Ein eingeschränkter Lebens- und Bewegungsraum, beispielsweise durch wachsenden Verkehr, führt häufig zu Bewegungsmangel mit weiteren Folgeerscheinun- gen in Motorik und Koordination.
Der gestiegene Medienkonsum beeinflusst ebenfalls die Bewegungsgewohnheiten und trägt zusätzlich zu geistigen Defiziten bei, vor allem, wenn zu viel und zu häufig elekt- ronische Medien konsumiert werden.
Im Hinblick auf die Veränderungen der Ernährung werden mehr und mehr natürliche und gesunde Lebensmittel durch Fertiggerichte sowie fett- und zuckerreiche Nah- rungsmittel ersetzt.
Längst ist der natürliche Rhythmus, den das Kind vor Jahren noch durchleben konnte und der ein gesundes Aufwachsen unterstützt hat, gestört. Viele Eltern sind sich der Folgen von zu viel Medienkonsum, zu wenig Bewegung und falscher Ernährung nicht bewusst und merken häufig nicht, dass ein „fahrlässiger Umgang“ mit diesen Faktoren ein potenzieller Auslöser von gesundheitlichen Beeinträchtigungen ihrer Kinder sein kann. Diese Problematik ist mittlerweile auch den Schulen bewusst geworden. Daher versuchen sie mit entsprechenden Maßnahmen mehr und mehr gegen die negativen Einflüsse von Umwelt und Gesellschaft anzugehen und ihnen entgegenzuwirken. Dafür wurden von den Kultusministerien neue Programme erstellt, die die Schule und nicht zuletzt der Lehrer bei der sogenannten „Gesundheitserziehung“ unterstützen sollen.
Hier setzt die Idee dieser Arbeit an. Denn im Hinblick dieser vorliegenden Informatio- nen stellen sich folgende Fragen: Können Schulen tatsächlich durch ihre erzieherischen Maßnahmen und verschiedenen gesundheitsfördernden Programme das Ernährungs- verhalten, den Medienkonsum und die sportliche Aktivität der Kinder beeinflussen oder bleibt dies primär Aufgabe der Eltern? Und zeigen sich die Auswirkungen in städtischen
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Gebieten sogar stärker als in ländlichen Regionen, da hier der Lebensraum noch stärker eingeschränkt ist als auf dem Land, oder sind möglicherweise doch Landkinder von den Veränderungen eher „bedroht“, weil sie weniger Möglichkeiten haben, Alternativen wahrzunehmen? Diese Fragen sollen im Rahmen der vorliegenden Examensarbeit the- matisiert und beantwortet werden.
Um jedoch eine Untersuchung durchzuführen, muss zunächst eine Grundlage geschaf- fen werden. Denn nur wenn eine Basis besteht, ist eine gezielte Untersuchung durch- führbar. Daher gliedert sich die Arbeit in einen theoretischen und einen empirischen Be- reich.
Die Theorie befasst sich in Kapitel 2 zunächst mit den Aspekten Ernährungsverhalten, Medienkonsum und sportliche Aktivität. Dabei wird darauf eingegangen, welche Bedeu- tung der jeweilige Aspekt für ein Kind hat, welche Ursachen und Folgen ein falscher Umgang mit sich führen kann und was bereits vorliegende Untersuchungen über den tatsächlichen Zustand aussagen können.
Kapitel 3 beschäftigt sich daraufhin zum einen mit dem Begriff Grundschule und stellt dabei verschiedene Schulformen vor. Zum anderen werden in Bezugnahme auf einen Stadt-Land-Vergleich die verschiedenen Lebensweisen von Kindern auf dem Land und Stadtkindern betrachtet und vorliegende Forschungen berichten über bereits erlangte Erkenntnisse von Zusammenhängen und Unterschieden.
Kapitel 4 umfasst den empirischen Teil dieser Arbeit. Es werden methodische Überle- gungen beschrieben und das konkrete Untersuchungsdesign vorgestellt. Im Anschluss erfolgt eine Diskussion, in der sich kritisch mit der Auswertung und den gewonnenen Erkenntnissen der Untersuchung auseinandergesetzt wird, bevor eine Zusammenfas- sung die Arbeit abschließt.
Anmerkung:
Viele der verwendeten Quellen stammen aus dem Internet. Die Begründung dafür liegt in der Aktualität der aufbereiteten Informationen. Viele Monographien entsprechen inhaltlich nicht mehr dem jüngsten Forschungsstand und erwähnen oftmals keine Beispiele.
Des Weiteren wird zugunsten der besseren Lesbarkeit bei dieser Arbeit auf bigeschlechtliche Formulie- rungen verzichtet und ausschließlich die maskuline Form verwendet. Aus dem gleichen genannten Grund werden Altersangaben nicht ausgeschrieben, sondern numerisch dargestellt. Verwendete Abkürzungen können im Abkürzungsverzeichnis eingesehen werden.
Zitate älterer Jahrgänge werden nach den alten Rechtschreibregeln beibehalten.
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2 E r n ä h r u n g s v e r h a l t e n , M e d i e n k o n s u m u n d s p o r t -
l i c h e A k t i v i t ä t b e i G r u n d s c h u l k i n d e r n
Bezüglich aktueller Untersuchungen und Diskussionen zur Gesundheit der heutigen Kinder werden vor allem die Aspekte Ernährungsverhalten, Medienkonsum und sport- liche Aktivität seziert und kontrovers debattiert. Sie stellen auch im Rahmen der theore- tischen Auseinandersetzung und der darauf folgenden Untersuchung fundamentale Komponenten dar. Daher sollen diese drei Gesichtspunkte im Folgenden näher be- trachtet werden. Nach kurzer Erläuterung der Begrifflichkeiten wird des Weiteren über deren Veränderungen im Laufe der Zeit informiert. Darüber hinaus werden ebenso po- tenzielle Einflussfaktoren sowie deren Auswirkungen auf das Kind in Betracht gezogen.
2.1 Ernährungsverhalten
„Als Ernährungsverhalten bezeichnet man alle Aktivitäten, Vorgänge und Reaktionen, die mit der Ernährung in Beziehung stehen. Es ist zu einem bestimmten Zeitpunkt das Produkt der zentralen psychischen Informationsaufnahme, -verarbeitung und - strukturierung von inneren und äußeren Bedingungen“ (Diedrichsen, 1990). Das Ess- verhalten ist somit dadurch gekennzeichnet, was, wie viel, wie schnell, wann, wo, mit wem und warum gegessen wird (Stübing et al., 2004, S. 665). Es schließt die Nahrungs- mittelbeschaffung, -zubereitung und den Verzehr (Oltersdorf, 1995) unter Berücksichti- gung der Mahlzeitenfrequenz, des Mahlzeitentimings und der räumlich-sozialen Mahl- zeitengestaltung mit ein (Diehl, 1986) und dokumentiert sich somit sowohl in der Quan- tität als auch in der Qualität der gekauften, zubereiteten und verzehrten Nahrungsmittel (Koletzko, 2003). Ändern sich die äußeren Bedingungen, kann sich dies auch auf das Essverhalten auswirken. Um welche externen Einflussfaktoren es sich dabei handelt wird in Kap. 2.1.4 näher beschrieben. Zunächst wird jedoch die Relevanz der Ernäh- rung, insbesondere für das Kind, behandelt.
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2.1.1 Die Bedeutung der Ernährung für das Kind
„Ernährung beinhaltet die Aufnahme von Nahrungsstoffen, die ein Organismus zum Aufbau seines Kör- pers, zur Aufrechterhaltung seiner Lebensfunktionen und zum Hervorbringen bestimmter Leistungen in verschiedenen Lebenslagen benötigt. Ernährung ist eine Voraussetzung für die Lebenserhaltung jedes Le- bewesens.“
Ernährung bedeutet folglich nicht nur Nahrungsaufnahme oder hat die Funktion, ein Grundbedürfnis zu befriedigen, vielmehr steuert sie in wesentlichen Zügen auch das körperliche, psychische und sogar soziale Wohlbefinden eines Menschen (ebd.). Sie ist essentiell für den Aufbau und Erhalt von Körperfunktionen und deshalb in jeder Le- bensphase für Gesundheit und Wohlbefinden von Bedeutung (Mensink et al., 2007). Zwischen Kindern und Erwachsenen besteht allerdings ein gewaltiger Unterschied: Während Erwachsene lediglich die verbrauchten Kalorien und Nährstoffe durch Spei- sen und Getränke ersetzen, müssen Kinder daraus zusätzlich ihren Bedarf für das Wachstum ihres Körpers und ihrer Organe bestreiten (Nagel, 2001, S. 6). Die Ernäh- rung ist deshalb bei Kindern für eine gute gesundheitliche Entwicklung während der Wachstumsphase von besonders großer Bedeutung (Mensink et al., 2007).
Des Weiteren hat ein gesundes Ernährungsverhalten noch eine weitere große Bedeutung für das Kind, denn Lebensmittel ernähren auch das Gehirn. Damit das Gehirn seine volle Leistung erbringen kann, benötigt es neben einer kontinuierlichen Energie- und Sauerstoffversorgung über den Blutkreislauf viele weitere Nährstoffe, die direkt oder in- direkt Einfluss auf die mentale Leistungsfähigkeit nehmen. Somit reguliert das Gehirn nicht nur die Nahrungsaufnahme, indem es Hunger, Durst und Sättigung signalisiert, sondern es ist ebenso in seinem Funktions- und Leistungspotential selbst wiederum von der Ernährung und deren Qualität abhängig. Dies bedeutet nicht, dass das Kind, wie ein Sprichwort sagt: „die Intelligenz löffelweise fressen kann“, allerdings kann durch eine sinnvolle Auswahl der Nahrungsmittel das Gehirn insgesamt leistungsfähiger und die Denkarbeit effektiv unterstützt werden (Nagel, 2001, S. 99f.). Folglich lassen sich bei ei- ner bedarfsgerechten Ernährung am Vormittag auch positive Erfolge im Unterricht be- obachten. Die Konzentration und die Aufnahmefähigkeit der Schüler verbessern sich, und Körper und Geist können Höchstleistungen erbringen (Nagel, 2001, S. 6; siehe Kap. 2.1.4).
Die Ernährung ist jedoch nicht nur auf psychischer oder physischer Ebene relevant für das Kind, sondern auch in kultureller und sozialer Hinsicht. Man bezeichnet sie daher auch als Bedürfnisbefriedigung auf mehreren Ebenen (Schlarmann, 2004).
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Während Jugendliche und Erwachsene Essen und Trinken mit Genuss und Geselligkeit in Verbindung bringen (AOK, 1994, S. 66) beispielsweise durch Kochen für oder mit Freunden, hat ein gemeinsames Essen für Kinder eine noch ganz andere, aber große Bedeutung: Für sie spielt hauptsächlich die Familie eine wichtige Rolle. Eine gemeinsa- me Mahlzeit innerhalb der Familie bestimmt häufig das Tagesgeschehen (Schlarmann, 2004) und stellt ein gesellschaftliches Ereignis dar, bei dem es um Gemeinschaftsgefühl, das Beieinandersitzen und um gemeinsame Gespräche und Diskussionen geht (von Kries, 2005). Hier erlebt das Kind Geborgenheit und Empathie, es erfährt, wo es hinge- hört und welche Rolle die ihm vertrauten Menschen in der Gesellschaft einnehmen. Es lernt in einem überschaubaren Rahmen des „Familientisches“ einen Teil der „großen Welt“ kennen und erfährt dabei viel über gesellschaftliche Umgangsformen, Sanktionen und Hemmschwellen. Das Kind lernt außerdem, auf andere Rücksicht zu nehmen: Der Schnellesser wartet auf den Langsameren; sprechen kann immer nur einer; wenn zum Essen gerufen wird, ist für alle Pünktlichkeit angesagt. Aber auch viele andere Kultur- techniken, die das Leben in der Gemeinschaft mit anderen Menschen gestalten helfen, werden beim gemeinsamen Essen ganz selbstverständlich praktiziert und soziale Kon- takte vertieft (Nagel, 2001, S. 93f.).
Solche Erfahrungen sind für die Entwicklung von Kindern ebenso wichtig wie eine ge- sunde Ernährung (von Kries, 2005). Zum einen übertragen sich die Verhaltensweisen der Eltern auf die Kinder, zum anderen erfahren sie, wie sich gesellschaftliche Werte auf das Essen auswirken (Schlarmann, 2004). Welche Speisen es als Erwachsener einmal mag und welche nicht, hängt oftmals gar nicht von den Speisen allein ab, sondern von den ganzen Geschehnissen, die damit in Zusammenhang stehen. Rituale und Essensze- remonien prägen spätere Speisenvorlieben und vor allem Abneigungen. Untersuchun- gen haben eindeutig ergeben: „Was Mutter oder Vater nicht gerne mögen, verschmäht in der Regel auch das Kind“ (Nagel, 2001, S. 93) oder, was bereits der Volksmund dazu schon immer sagte: „Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht.“
Da folglich die Ernährung für die Gesunderhaltung des Menschen eine wesentliche Rol- le spielt (Brockhaus Ernährung, 2004) und eine ausgewogene Ernährung den Grund- baustein für die Gesundheit bereits in der Kindheit legt (Nagel, 2001, S. 6), sollte darauf geachtet werden, dem Körper genügend Energie sowie wichtige Nährstoffe in ausrei- chender Menge von Anfang an zuzuführen (Brockhaus Ernährung, 2004). Dazu eignet sich eine reichhaltige und abwechslungsreiche Mischkost (BLJA, 2002). Eine gesunde
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Ernährung gehört somit zu den wichtigsten Maßnahmen der Gesundheitsförderung (Nagel, 2001, S. 6).
Für eine entsprechende Umsetzung sind beispielsweise Ernährungsempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), die sowohl für Erwachsene als auch für Kinder gelten, oder das speziell für Kinder entwickelte Konzept der Optimierten Misch- kost (optimiX) vom Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund (FKE) hilfreich. Im folgenden Kapitel werden die genannten Empfehlungen der DGE und FKE vorgestellt und näher beschrieben.
2.1.2 Gesunde Ernährung
Gesund ist eine Ernährung dann, wenn sie für eine optimale körperliche und geistige Entwicklung sorgt, die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit fördert und der Entste- hung von Zivilisationskrankheiten vorbeugt und vor diesen schützt. Dafür müssen dem Körper alle Nährstoffe in einem ausgewogenen Verhältnis zugeführt werden (Renner- Weber, 2007). Für eine solche Ernährungsweise sollen im Folgenden zwei Konzepte vorgestellt werden:
Ernährung nach den 10 Regeln der DGE
Die DGE hat 10 Regeln zusammengestellt, die eine bedarfsgerechte, vollwertige Ernäh- rung zum Ziel haben. Diese Regeln werden mit der folgenden Abbildung (2-1) direkt von der DGE übernommen und sollen nur zur Veranschaulichung dienen, da sie nicht zum Schwerpunkt dieser Arbeit gehören.
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Abb. 2-1: 10 Ernährungsregeln der DGE (www.dge.de, 2007)
Der Ernährungskreis der DGE zeigt das zu verwendende Schema für eine gesunde und vielseitige Ernährung: Verschiedene Gruppen von Lebensmitteln werden mit ihren empfohlenen Anteilen an der Gesamternährung in diesem Kreis dargestellt. Er lässt al- lerdings ausreichend Spielraum für die individuelle Gestaltung des Speiseplans und wird somit auch als Wegweiser für eine vollwertige Ernährung betrachtet (DGE, 2007):
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Abb. 2-2: Ernährungskreis (www.dge.de, 2007)
Das Konzept der Optimierten Mischkost – optimiX
Quelle: www.fke-do.de
gendliche gelten, gibt es speziell für die richtige Ernährung von Kindern und Jugendlichen das Konzept der Optimierten Mischkost – kurz optimiX, welches vom Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund (FKE) entwickelt wurde (Rösch et al., 2003). Das Konzept basiert auf der Grundlage aktueller wissen- schaftlicher Erkenntnisse, den so genannten „D-A-CH-Referenzwerten für die Nähr- stoffzufuhr“ (ebd., Kap. I, S. 4), die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Zusammenarbeit mit den österreichischen (A) und schweizerischen (CH) Fachgesellschaften herausgegeben wurde. „Optimiert“ bedeutet in diesem Konzept, dass mit den empfohlenen Referenzwerten die Nährstoffversorgung von Kindern und Jugendlichen garantiert wird. Zusätzlich dient die optimierte Mischkost auch der Prä- vention ernährungsbeeinflussender Krankheiten (siehe Kap. 2.1.4). Das Konzept opti- miX berücksichtigt ebenfalls von Kindern und Jugendlichen geliebte Speisen wie Süßig- keiten oder Fastfood und stellt daher keinesfalls einen Diätplan dar, der von Kindern und Jugendlichen tagtäglich eingehalten werden muss. Vielmehr bietet optimiX einen Rahmen innerhalb dessen, wie in einer Familie eine ausgewogene Ernährung von Kin- dern und Jugendlichen im Alltag umgesetzt werden könnte (aid infodienst, 2005). Damit bei der Umsetzung des Konzeptes keine komplizierten Nährstoffberechnungen durchgeführt werden müssen, gibt optimiX drei Regeln zur Auswahl der Lebensmittel vor, welche die wichtigsten Merkmale der Lebensmittelauswahl zusammenfassen. Sie werden in den drei Farben einer Ampel vorgestellt (Renner-Weber, 2007):
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Grün signalisiert reichlich pflanzliche Lebensmittel und Getränke
Gelb bedeutet mäßig tierische Lebensmittel
Rot steht für sparsames Umgehen mit fett- und zuckerreichen Lebensmitteln
Folglich kann für die noch bessere Orientierung auch die Ernährungspyramide entspre- chend der Ampelfarben eingeteilt werden. Die Ernährungs- oder auch Lebensmittelpy- ramide stellt das Mengenverhältnis für eine gesunde Ernährung bei der Konsumierung verschiedener Nahrungsmittel zueinander dar (DGE, 2007).
Nagel (2001, S. 9) beschreibt die Ernährungspyramide als roten Faden und als ein sinn- volles Grundgerüst für die Ernährung, denn eine allein gesundheitsbringende Ernäh- rung gibt es ihrer Meinung nach nicht. Aus diesem Grund könnte man sich auch vom Begriff der „richtigen“ Ernährung verabschieden. Besonders beim heranwachsenden Kind sollten die verschiedenen Nährstoffe in einem ausgewogenen Mengenverhältnis in der Nahrung enthalten sein.
Dieses ausgewogene Verhältnis stellt sich wie folgt dar: An der Spitze befinden sich die in geringen Mengen zu verzehrenden Nahrungsmittel, die Basis beziehungsweise das Fundament der Pyramide bilden die Lebensmittel, die reichlich verzehrt werden sollten (DGE, 2007).
Abb. 2-3: Ernährungspyramide (www.aid.de, 2007)
Eine Ernährung nach optimiX stellt folglich eine ausgewogene Nährstoffversorgung der Kinder und Jugendlichen sicher. Der Hauptteil der Nahrungsenergie wird durch 55 Pro- zent Kohlenhydrate geliefert. Diese stammen vorwiegend aus Getreide, Kartoffeln,
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Obst und Gemüse. Weitere 30 Prozent der Energie liefern Proteine (Eiweiße) wie Käse oder Fisch. Die restlichen 15 Prozent stammen aus Fett, die zur Hälfte aus tierischen und zur anderen Hälfte aus pflanzlichen Produkten stammen. Somit kann optimiX auch mit Nährstoffen angereicherte Lebensmittel ausschließen, da die Vorgaben Kinder und Jugendliche bereits mit allen notwendigen Vitaminen und Mineralstoffen versorgen (Kersting & Alexy, 2005).
Ausgewählt wurden diese beiden Konzepte an dieser Stelle, da sie die renomiertesten ih- rer Art sind und nach Ausführungen von Experten als uneingeschränkt empfehlenswert betrachtet werden können. Daher werden sie auch in einigen Ernährungsstudien be- rücksichtigt beziehungsweise als Vergleichsgrundlage verwendet, wie im nächsten Kapi- tel gezeigt werden soll.
2.1.3 Zum Forschungsstand des Ernährungsverhaltens von Kindern
Zum Themenfeld Ernährungsverhalten gibt es eine Vielzahl sowohl abgeschlossener als auch laufender Untersuchungen. Im Folgenden werden die Donald-Studie, die KiGGS- Studie mit zugehörigem Studienmodul „EsKiMo“, die KidsVerbraucherAnalyse sowie das LBS-Kinderbarometer vorstellt. Diese Untersuchungen sind im Kontext zum Er- nährungsverhalten von Kindern die bekanntesten Studien und liefern weitgehend bun- desweit repräsentative Forschungsergebnisse.
Die Donald-Studie
der aktuell 700 Probanten aktiv teilnehmen. Sie läuft bereits seit 1985 und verfolgt das Ziel, das Ernährungsverhalten und die körperliche und gesund- heitliche Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zu erfassen und zu bewerten. Da- bei werden der Lebensmittelverzehr und die Ernährungsgewohnheiten von 2- bis 18- Jährigen mit dem vom Forschungsinstitut entwickelten und bereits in Kap. 2.1.2 erläu- terten Konzept der Optimierten Mischkost verglichen und beurteilt. Bisher zeigt die Studie, dass sich die Ernährung der untersuchten Kinder und Jugendlichen teilweise er- heblich von dem lebensmittelbezogenen Konzept der Optimierten Mischkost unter-
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scheidet. Folglich kamen laut Kersting et al. (2004) Wissenschaftler zu der Erkenntnis, dass zwar die Gesamtzufuhr an Energie konstant blieb, jedoch sich die Zusammenset- zung der zugeführten Nahrungsmittel hinsichtlich des Verhältnisses der verschiedenen Lebensmittelgruppen verändert hat. Es wurde beobachtet, dass die verzehrte Menge an Gesamtfett sank, die Zufuhr von Kohlenhydraten hingegen stieg, außerdem der Zu- ckerverzehr in der beobachteten Zeitspanne konstant war und der Verzehr von Süßwa- ren und Gebäck unverändert blieb. Diese Ergebnisse resultieren aus der Untersuchung des Zeitraums von 1985 bis 2000.
Der Vergleich mit der Nationalen Verzehrsstudie bei Kindern und Jugendlichen aus den Jahren 1987 bis 1988 ergab Übereinstimmungen, die damit auf einen positiven Trend der Ernährungsgewohnheiten bei Kindern und Jugendlichen schließen ließen (BLL, 2007). Während der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) die un- veränderten Ernährungsgewohnheiten allerdings als ein positives Resultat beschreibt, berichtet Kersting & Libuda (2005) darüber, dass dennoch zu wenig Gemüse, zu viel tierische Produkte sowie fett- und zuckerreiche Süßwaren konsumiert werden und die Zufuhr von Eiweiß, Fett und Zucker immer noch zu hoch ist, während kohlenhydrat- reiche Nahrung, wie zum Beispiel Nudeln, Kartoffeln und Vollkornprodukte, zu wenig vertreten ist.
Während es sich bei der Donald Studie um eine Längsschnittuntersuchung handelt, ver- öffentlichte eine weitere große Studie zunächst erste repräsentative Resultate, zu denen es noch keine Vergleichsforschungen gibt. Daher konnte bisher zwar ein momentaner Stand veröffentlicht, jedoch noch kein eindeutiger Trend prognostiziert werden. Diese Untersuchung soll nachfolgend beschrieben werden:
Die KiGGS-Studie
Quelle: www.bmfsfj.de
sich um einen am Robert-Koch-Institut durchgeführten Kin- der- und Jugendgesundheitssurvey im Zeitraum von 2003 bis 2006 mit 18.000 Proban- ten (Opper, 2007). Die Untersuchung kooperierte mit der Fachgruppe für Ernährung und Verbraucherbildung der Universität Paderborn und wurde vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) finanziert. Durch die-
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se Studie sollte in Erfahrung gebracht werden, wie es tatsächlich um die Gesundheit der heutigen 3- bis 17-Jährigen steht. Heute, fast fünf Jahre später, liegen erste Ergebnisse vor. Insgesamt handelt es sich um 43 Einzelbeiträge, die über die einzelnen Einflussfak- toren der Gesundheit von Kindern berichten (Spahl, 2007). Sie bieten neue Erkenntnis- se über das Gesundheitsverhalten, die körperliche und psychische Gesundheit der Kin- der und Jugendlichen, sowie deren Lebensqualität und soziale Einbettung (Scriba, 2007).
Für den Bereich Ernährungsverhalten war diese Untersuchung die erste bundesweite repräsentative Studie. Sie wurde anhand eines Fragebogens erfasst und an rund 14.000 Kindern und Jugendlichen zwischen 3- und 17 Jahren durchgeführt. Die Ergebnisse las- sen schlussfolgern, dass der Konsum von Fastfood und Süßigkeiten zu hoch ist. 19 Pro- zent der Jungen und zehn Prozent der Mädchen nehmen mindestens einmal wöchent- lich Fastfood zu sich (Kurth, 2006, S. 1228). 72 Prozent der Jungen und 75 Prozent der Mädchen bis zu dreimal pro Monat und nur neun Prozent der Jungen beziehungsweise
15 Prozent der Mädchen halten sich strikt vom Fastfood fern. Mensink hingegen inter-
pretiert dieses Ergebnis als positives Resultat. Er ist der Meinung, dass relativ selten Fastfood konsumiert wird, der Konsum allerdings mit steigendem Alter wächst. Nur beim Vergleich zu den Empfehlungen zu Wurst, Schokolade und Süßigkeiten gibt sich Mensink nicht zufrieden. Ein Großteil der Mädchen und Jungen isst zu viel davon (Mensink et al., 2007a). Bei Süßigkeiten sind es 19 Prozent der Probanten, die mindes- tens täglich einmal zugreifen (Kurth, 2006, S. 1228). Diese Zahl sinkt allerdings mit zu- nehmenden Alter (Mensink et al., 2007a). Bei Süßgetränken konsumieren etwa ein Drit- tel täglich Cola, Limo, Eistee und ähnliches. Die Untersuchung zeigte weiterhin, dass zwar mehr als 80 Prozent der Probanten täglich Obst und Gemüse essen, allerdings we- niger als drei Prozent die (von der DGE) empfohlene Menge von fünfmal am Tag (Kurth, 2006, S. 1228). Über einen zu geringen Anteil der empfohlenen Tagesration, speziell bei Obst und Gemüse, aber auch im Allgemeinen berichtete ebenfalls die Do- nald-Studie.
Abb. 2-4: Anzahl derjenigen, die täglich frisches Obst essen (Mensink et al., 2007a)
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Abb. 2-5: Anzahl derjenigen, die täglich Gemüse essen (Mensink et al., 2007a)
Weiterhin lassen sich ebenfalls geschlechtliche, alters- und herkunftsbezogene Unter- schiede im Lebensmittelkonsum feststellen. Deutlich ist vor allem die Verschlechterung des Ernährungsverhaltens mit zunehmenden Alter, und der Trend, dass sich Mädchen ausgewogener ernähren als Jungen (Mensink et al., 2007a).
Mit der KiGGS-Studie konnte zwar das Ernährungsverhalten von Kindern und Jugend- lichen charakterisiert, jedoch keine sehr detaillierten und quantitativen Einblicke gewon- nen werden. Aufgrund dessen wurde von Januar bis Dezember 2006 eine Nachfolgeer- hebung des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys durchgeführt, die EsKiMo-Studie.
EsKiMo-Studie
stoffversorgung neue beziehungsweise genauere Ergebnisse bringen und Auswertungen zur Beziehung von Ernährung, weiteren Verhaltensweisen und Gesundheitsindikatoren ermöglichen (Mensink et al., 2007b). Die Teilnehmer dafür wurden als Unterstichprobe von KiGGS deutschlandweit in 150 Orten nach Alter und Geschlecht statifiziert und zufällig ausgewählt. Die Resultate liegen dafür erst seit Okto- ber 2007 vor. Gemessen an den Empfehlungen der optimierten Mischkost vom FKE (siehe Kap. 2.1.2) zeigen die Untersuchungen, dass Kinder zu wenig pflanzliche und mit zunehmenden Alter zu viel fettreiche Lebensmittel konsumieren. Viele verzehren noch nicht einmal die Hälfte der empfohlenen Menge an Obst und Gemüse. Ebenso werden Kohlenhydrate in optimaler Menge nur von zwei Prozent aufgenommen. Dabei stellen Brot und Süßwaren die Hauptquelle dar. Süßwaren, inklusive Süßgetränke werden in
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viel zu großen Mengen konsumiert. Durchschnittlich liegt der Anteil mit mehr als 20 Prozent über den geduldeten Angaben. Dabei kommen Ballaststoffe sowie die Zufuhr von Vitamin D, Folsäure und primär bei 6- bis 11-Jährigen Calcium, Vitamin E und Ei- sen zu kurz. Nicht zuletzt wurde eine deutlich über den Empfehlungen liegende Prote- inzufuhr festgestellt (Mensink et al., 2007c).
Die KidsVerbraucherAnalyse
und 13 Jahren zu ihrem Medien- und Konsumverhalten be- fragt. Im Bereich Ernährungsverhalten lassen sich Tendenzen erkennen, dass Kinder und Eltern mit dem Thema Ernährung bewusster umgehen. Der langfristige Trend bei Süßigkeiten beispielsweise zeigt, dass weniger „genascht“ wird. Gaben im Jahr 2001 noch fast die Hälfte aller Kinder an, mehrmals pro Woche zu naschen, so sind es inzwi- schen nur noch rund 40 Prozent (vgl. Abb. 2-6). Im Vergleich zur Studie in 2006 stieg der Konsum in 2007 allerdings wieder leicht an (Höhn & Bauer, 2007).
Abb. 2-6: Süßigkeitenkonsum im Zeitraum 2001-2006 (KVA, 2006)
Auch bei Getränken greifen Kinder immer häufiger zu Mineralwasser (vgl. Abb. 2-7). Wie die folgende Grafik zeigt, holte das prickelnde oder auch stille Getränk stark auf und überstieg im Jahr 2004 sogar den Limonadenkonsum. Seitdem entwickelte sich der
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Konsum von Wasser als Getränk konstant aufwärts und lag im Jahr 2006 bei 67 Pro- zent, während Limonade als bisheriger Favorit mehr und mehr an Bedeutung verlor und in dem Zeitraum von 2001 bis 2006 um sechs Prozent auf 61 Prozent sank. Damit lie- gen seitdem nur noch die Fruchtsäfte knapp vor dem Getränk Mineralwasser (KVA, 2006). Laut einer Presseinformation der KVA 2007 (Höhn & Bauer, 2007), hat sich das Mineralwasser zum neuen Lieblingsgetränk durchgesetzt und führt das Feld mit 71 Pro- zent an, dicht gefolgt von den Fruchtsäften, die von 70 Prozent konsumiert werden. Be- rücksichtigt man allerdings den Trend, lässt sich vermuten, dass sich auch hier die Span- ne von Mineralwasser und Fruchtsäften in den nächsten Jahren noch weiter auseinander entwickeln könnte. Nochmals gesunken ist auch der Konsum von Softgetränken. Limo- nade liegt mit 56 Prozent aktuell auf dem letzten Rang der untersuchten Getränke, noch hinter Milch (Höhn & Bauer, 2007).
Abb. 2-7: Entwicklung für vier Getränke im Zeitraum 2001-2006 (KVA, 2006)
Über den Konsum von gesunder Nahrung oder Fastfood liegen allerdings in dieser Stu- die keine Untersuchungsergebnisse vor. Weiterhin kann auch kein direkter Vergleich dieser Studie zu den beiden anderen vorgestellten Untersuchungen erstellt werden, da sich die angegebenen Daten der KidsVerbraucherAnalyse auf den durchschnittlichen Gesamtverbrauch eines Jahres beziehen und nicht auf die Häufigkeit innerhalb einer kurzen Zeitspanne (beispielsweise einer Woche).
LBS-Kinderbarometer
Das LBS-Kinderbarometer ist ein Projekt des Dachverbandes der Landesbausparkassen „LBS-Initiative Junge Familie“ und läuft in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Kin- derschutzbund (DKSB) unter der Schirmherrschaft von Bundesfamilienministerin Ursu-
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la von der Leyen. Die letzte Durchführung der Untersuchung vollzog sich in den Jahren 2006/2007 am PROSOZ Herten ProKids-Institut und liefert neben Themen wie Me- dien, Wohlbefinden, Krankheiten, Körperempfinden und Sport ebenso jüngste Er- kenntnisse über das Ernährungsverhalten von 9- bis 14-jährigen Kindern aus sieben Bundesländern. Erstmalig im Jahre 1997 ausschließlich in Nordrhein-Westfahlen durch- geführt, liegen nun erstmalig bundesweite Daten von 6.194 Probanten vor, die durch Befragung der Kinder ermittelt wurden. Im Bereich Ernährung werden verschiedene Facetten der Ernährungsgewohnheiten beschrieben und mit dem Wohlbefinden sowie den Gewohnheiten der Familie in Zusammenhang gebracht.
Die Untersuchungen zeigen, dass zwei Drittel der Kinder oft oder sehr oft Obst essen und nur sieben Prozent selten oder nie. Bei Gemüse sind es etwa die Hälfte, die oft bis sehr oft zugreifen (vgl. Abb. 2-8).
Abb. 2-8: Verzehr von Obst (links) und Gemüse (rechts);(LBS, 2007, S. 62; S. 65)
In diesem Kontext wurde, wie schon bei der KiGGS-Studie herausgefunden, dass Mäd- chen häufiger zu Obst und Gemüse greifen als Jungen. Darüber hinaus ernähren sich Kinder gesünder und konsumieren häufiger Obst und Gemüse, je mehr Eltern auf ge- sunde Ernährung achten (LBS, 2007).
Süßigkeiten werden von einem Drittel der befragten Kinder oft bis sehr oft konsumiert wie Abbildung 2-9 zeigt:
Abb. 2-9: Verzehr von Süßigkeiten; (LBS, 2007, S. 64)
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Zur Befragung dieses Aspekts konnte ebenfalls ermittelt werden, dass Kinder mit zu- nehmendem Alter häufiger zu Süßigkeiten greifen und dass ebenso wie beim Obst fest- zustellen war, dass sich der Süßigkeitenkonsum nach den Ernährungsgewohnheiten der Eltern richtet (ebd., 2007). Chips und Fastfood sind für ein Fünftel aller Kinder fester Bestandteil der Ernährung (von der Leyen, 2007; vgl. Abb. 2-10).
Abb. 2-10: Verzehr von Chips (links) und Fastfood (rechts); (LBS, 2007, S. 67; S. 72)
Unter diesem Punkt konnte des Weiteren ermittelt werden, dass zum einen Mädchen weniger Chips und Fastfood verzehren, ältere Kinder mehr als Jüngere und Kinder mit Migrationshintergrund und aus niedriger Sozialschicht zu den häufigsten Konsumenten gehören.
Ein weiterer erwähnenswerter Teilaspekt der Untersuchung war das Frühstück. Dem- nach frühstücken ein Zehntel der Kinder morgens nie vor der Schule (vgl. Abb. 2-11).
Abb. 2-11: Häufigkeit des Frühstücks vor der Schule (LBS, 2007, S. 88)
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Der Trend, ohne Frühstück aus dem Haus zu gehen, ist steigend mit zunehmendem Al- ter. Auch hier gibt es wieder einen Zusammenhang zum Ernährungsverhalten der El- tern. Nicht zuletzt soll die Untersuchung Einblick geben, wie es um das gemeinsame Mahlzeitenverhalten innerhalb der Familie steht. Hierbei konnte festgestellt werden, dass immerhin vier Fünftel der Probanten oft bis sehr oft mit den Eltern gemeinsam es- sen (vgl. Abb. 2-12). Kinder Alleinerziehender haben dazu allerdings seltener Gelegen- heit (LBS, 2007, S. 62ff.).
Abb. 2-12: Häufigkeit, der gemeinsamen Mahlzeiten mit den Eltern (LBS, 2007, S. 91)
Zusammenfassung
Fakt ist, dass sich vergleichsweise bei allen Studien ähnliche Tendenzen zeigen, auch wenn die Resultate möglicherweise unterschiedlich interpretiert werden. Es kann fest- gehalten werden: Es wird zu wenig Obst und Gemüse gegessen und zu viel fettreiche und süße Nahrungsmittel konsumiert. Fast alle Studien sind sich darüber einig, dass vor allem der Fastfood-Konsum mit zunehmendem Alter steigt. Die Studien Donald und KVA berichten allerdings beide über eine positive Entwicklung des Ernährungsverhal- tens mit steigendem Trend zur gesünderen Ernährung. Von KiGGS beziehungsweise EsKiMo und dem Kinderbarometer konnten allerdings hierzu keine zustimmenden Hinweise für eine Zustimmung gefunden werden. Die Erkenntnisse der Donald- und KiGGS-Studie beziehungsweise EsKiMo stimmen in vielen Bereichen überein. Beide Untersuchungen vergleichen darüber hinaus ihre Ergebnisse mit den Empfehlungen der optimierten Mischkost.
Nachdem einige Zahlen zur Orientierung genannt wurden, stellt sich nun die Frage nach potenziellen Hintergründen und Ursachen für die vorliegenden Ergebnisse. Was genau das heutige Ernährungsverhalten von Kindern beeinflusst, soll im Folgenden aufgezeigt werden.
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2.1.4 Ursachen und Folgen falscher Ernährung
Diehl (1986) unterscheidet bezüglich des Ernährungsverhaltens interne und externe Einflussfaktoren. Dazu zählen unter anderem die Erziehung, Schule, Kultur, Religion, Status, Tradition, Schicht, die Bezugsgruppe, etc. (vgl. Abb. 2-13).
Abb. 2-13: Interne und externe Faktoren des Ernährungsverhaltens (Diehl, 1986, S. 5)
Zwei wesentliche Aspekte sollen im Folgenden näher betrachtet werden. Zum einen spielen die Veränderungen der letzten Jahre im Lebensmittelkonsum eine entscheidende Rolle, zum anderen trägt das soziale Umfeld und dabei primär die Familie zum richtigen beziehungsweise falschen Ernährungsverhalten bei. Wie sich dabei die Ursachen für den nachhaltigen Umgang mit Ernährung äußern, soll im weiteren Verlauf detaillierter erläu- tert und gleichzeitig auf potenzielle Folgen eingegangen werden.
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Veränderungen der letzten Jahre im Lebensmittelkonsum
Der allgemeine Wandel der Lebensbedingungen in den letzten Jahrzehnten hat gleich- zeitig auch zu Veränderungen des Ernährungsverhaltens geführt (Kersting, 2005, S. 62). Primär beeinflusst die Umwelt die Lebensmittelauswahl und das Ernährungsverhalten hauptsächlich durch das vielfältige und attraktive Lebensmittelangebot und die Werbung (Bös et al., 2007a). Aufgrund dessen hat sich unsere Gesellschaft auch zu einer konsum- orientierten Gesellschaft entwickelt (AOK, 1994, S. 66), die
nicht nur von der Werbung sondern auch hauptsächlich durch die Industrie unterstützt wird. Sie fördert ein ungesundes Er- nährungsverhalten insbesondere durch das große Angebot an kalorienreicher industrieller Fertignahrung (Wikipedia, 2007a).
Fertiggerichte (www.br-online.de, 2007) Dabei führt vor allem die Wertigkeit industriell verarbeiteter spezieller Kinderlebensmittel häufig zu einer Fehl- oder Mangelernährung, da diese nicht den Anforderungen des menschlichen Organismus entsprechen, so Reinhard Mann von der BZgA (Reinke, 2007). Auch internationale Studien machen die erhebliche Erweiterung des spezifisch auf Kinder ausgerichteten Lebensmittelangebots, das Spekt- rum an nährstoffangereicherten Produkten, Convenience-Produkten (Fertiggerichte) und Fastfood für die Veränderungen in den letzten Jahren verantwortlich (Mensink et al., 2007a). Es wird zu fett, zu viel und zu süß gegessen, obwohl die Möglichkeiten, sich gesund zu ernähren, nie besser waren als heute (Reinke, 2007). Doch mit der Verbesse- rung der Nahrungsmittelversorgung ist es leider nicht nur zu größerer Auswahl an ge- sunden Lebensmitteln gekommen (Bös et al., 2007a). Auch der vermeintliche Fort- schritt, das ganze Jahr über alles im Supermarkt kaufen zu können, hat in Wirklichkeit zu einem Rückschritt in der Aufnahme von Vitaminen und Mineralstoffen geführt (Na- gel, 2001, S. 4f.). Somit müssen nicht nur die Folgen einer Überversorgung getragen werden sondern auch die einer ungesunden Überversorgung, die Fastfood, Fertiggerich- te und weitere „Gesundheitskiller“ beinhaltet (Bös et al., 2007a).
Während ein Nährstoffmangel oder eine Unterernährung aus Gründen falschen Lebens- mittelkonsums im Kindesalter langfristige Folgen für Ernährungsstatus, Wachstum, Ge- sundheit und kognitive Fähigkeiten haben kann, bringt eine Überversorgung weitrei- chende Konsequenzen wie Adipositas (Fettleibigkeit), Bluthochdruck oder Diabetes mellitus mit sich (Mensink, 2007a).
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Auch international wird zu diesem Thema
debattiert und über die Folgen scheint man sich einig zu sein. Die österreichische Zeitung „derStandard“ (2007) berichtet: „Aus an- gegessenen und überschüssigen Fettpolstern in der Kindheit wird der Grundstein für frühzeitige Erkrankungen Erwachsenenalter gelegt. Herz-Kreislauf- Erkrankungen, Diabetes mellitus Typ II und degenerative Skeletterkrankungen sind die Folge von Übergewicht“ (derStandard.at, 2007).
Hella Hansen vom Verbraucher-Magazin „Ökotest“ macht in ihrer Kritik zu Ursachen und Folgen falscher Ernährung Schadstoffe in Lebensmitteln dafür mitverantwortlich, dass Kinder bereits in frühem Alter an Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht, Dia- betes und Depressionen leiden. Schadstoffe wie Phosphate fördern die Hyperaktivität, Süßstoffe prägen die Vorlieben für zu viel Süßes und Zitronensäure kann Karies verur- sachen, so Hella Hansen (Reinke, 2007).
Erschreckend ist auch, dass der heutige Trend, Fertiggerichte vermehrt zu konsumieren, dazu geführt hat, dass viele Kinder einen Großteil der verschiedenen Obst- und Gemü- sesorten nur noch in verarbeiteter Form eines Fertigproduktes und kaum noch in ihrem Originalzustand kennen. Sie wissen kaum noch, wo und wie eine Obst- oder Gemüse- sorte wächst oder welche Sorten zu welcher Jahreszeit geerntet werden (Nagel, 2001, S. 4f.). Diesbezüglich äußerte sich auch eine Grundschullehrerin: „Erstklässler kennen teilweise Obst- und Gemüsesorten nicht mehr beziehungsweise die Unterschiede von Obst und Gemüse, und diese Meinung vertreten viele Lehrer!“ (Doblies-Kerl, 2007).
Doch nicht nur die Industrie hat das heutige Ernährungsverhalten beeinflusst. Es gibt noch weitere Faktoren, die sich auf das Essverhalten auswirken und zu Fehl- und Man- gelernährung führen können. Vor allem liegt eine Ursache auch in einer unausgewoge- nen Ernährung durch mangelndes Wissen über eine gesunde Ernährung und ungünstige Essgewohnheiten. Eine Grundschullehrerin äußert sich in einem persönlichen Gespräch zu diesem Kritikpunkt: „Bei Info-Veranstaltungen in Schulen fragen Eltern sehr viel, sind neugierig, und vieles ist ihnen nicht bekannt. Dies berichten auch immer wieder Ernährungsberater in Schulen.“
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Die Familie und das soziale Umfeld
Die verfügbare Zeit und der Ort der Nahrungsaufnahme werden durch das soziale Um- feld der Kinder wie Schule, Freizeit und bei älteren Kindern und Jugendlichen durch Freunde bestimmt. Eine entscheidende Rolle spielt diesbezüglich ebenfalls die Herkunft der Bezugsgruppen sowie kulturelle und religiöse Zugehörigkeiten, verbunden mit Tra- ditionen (Diehl, 1986).
Den größten Einfluss auf die Essgewohnheiten des Kindes hat jedoch maßgeblich die Familie beziehungsweise die Erziehung der Eltern (siehe Kap. 2.1.1); (Mensink, 2007a). Wie man isst und sich gesund ernährt, lernen viele Kinder heute nicht mehr zu Hause (von Kries, 2005). Auch Reinhard Mann von der BzgA sieht in einer abnehmenden Be- deutung der Familienernährung die Ursache einer Fehlernährung (Reinke, 2007). Dabei ist eine Vorbildfunktion der Eltern immens wichtig für das Kind. Doch manchmal müs- sen auch die Eltern erzogen werden, damit den Kindern ein gesunder Lebensstil vermit- telt werden kann. Die heutige Elterngeneration hat das richtige Essen oftmals selbst ver- lernt und die Großeltern, die noch gesunde Essgewohnheiten hatten, wohnen häufig nicht mehr in der Nähe. Das Problem der Mangelernährung von Kindern liegt folglich zunächst einmal bei den Eltern. Sie handeln nicht vorbildlich, wenn sie selbst eine Fer- tigpizza vor dem Fernseher verzehren und somit genau dieses Verhalten ihrem Kind vermitteln (von Kries, 2005). Ihnen fehlt oft das Wissen über eine kindgerechte Ernäh- rung (Bös et al., 2007a). Dabei stellen sie die Weichen für die Ernährungsgewohnheiten ihrer Kinder, denn das Fundament wird bis zum Alter von 3 Jahren gelegt (Reinke, 2007). Eltern prägen das Essverhalten ihrer Kinder, da sie für die Lebensmittelauswahl, die Mahlzeitenzubereitung und die Portionsgrößen verantwortlich sind (Bös et al., 2007a, S. 15). Die Präferenz für bestimmte Lebensmittel bleibt dabei oft bis zum Er- wachsenenalter bestehen (Mensink et al., 2007a). Somit suggeriert die Familie bezie- hungsweise die Eltern primär, vor institutionellen Einrichtungen, als entscheidende Ein- flussfaktor das Ernährungsverhalten des Kindes. Die gesunde Ernährung von Kindern beginnt daher bei der gesunden Ernährung der Erwachsenen (Reinke, 2007). Sie erler- nen das Essverhalten wie alle sozial vermittelten Verhaltensweisen vor allem durch Mo- dell-Lernen in der Familie. Auch die Vorliebe für den Verzehr bestimmter Nahrungs- mittel wird durch die Verfügbarkeit der Lebensmittel zu Hause bestimmt. Wenn im Haushalt vorwiegend fettige und zuckerhaltige Lebensmittel vorhanden sind, lernt das Kind diese geschmacklich zu favorisieren – im Gegensatz zu „gesunden“ Lebensmitteln, deren Geschmack das Kind kaum kennt (Petermann & Häring, 2003, S. 264).
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Doch Unkenntnis der richtigen Ernährungsweise ist nicht zwangsläufig der Hauptgrund für die Ursachen im sozialen Umfeld. Viele Eltern wissen, welche Nahrungsmittel unge- sund sind und trotzdem werden zu viele Kinder falsch ernährt. Offensichtlich scheitert eine ausgewogene Ernährung daran, die bekannten Empfehlungen in das tägliche Leben der Familie zu integrieren oder aber an falschen Erziehungsmaßnahmen beispielsweise wenn verlangt wird, den Teller leer essen zu müssen (Reinke, 2007). Dies kann zur Fol- ge haben, dass sich Kinder im Erwachsenenalter primär auch nicht mehr an dem durch Hunger- und Sättigungsgefühl angezeigten Bedürfnis orientieren. Sie essen möglicher- weise mehr als nötig, wodurch das Risiko zu Übergewicht entsprechend steigt. Ähnlich ist es, wenn Süßigkeiten als Belohnung verabreicht werden (Leitzmann et al., 2001). Es liegt häufig eine gestörte Regulation vor, wenn Eltern Nahrungsmittel als Belohnung oder deren Entzug als Bestrafung einsetzen und diese als Ersatz für emotionale Zuwen- dung beispielsweise Trost benutzen. Babys bekommen beim ersten Geschrei die Fla- sche, bei Unzufriedenheit älterer Kinder (Traurigkeit, Langeweile) reagieren Eltern oft mit einem Nahrungsangebot. „Dieses Fütterungsverhalten fördert bei Kindern Essen als „Problemlösstrategie““ (Petermann & Häring, 2003, S. 264f.), die auch im späteren Al- ter beibehalten wird und zur Gewichtszunahme führen kann.
Als weitere Problematik zeigt sich zunehmend, dass das Frühstück ausgelassen wird. Neben den Aussagen der LBS Studie zum erwähnten Aspekt in Kap. 2.1.3, berichtet auch Volker Gustedt (2007) darüber, dass laut Untersuchungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung fast jedes zweite Kind aus einkommensschwachem Elternhaus mit leerem Magen zur Schule kommt, weil Eltern das Geld oder die Zeit fehlt, mit ihren Kindern morgens zu frühstücken. Und selbst aus wohlhabenden Familien betrifft dieses Problem jeden vierten Schüler.
Auch die Lehrerin einer Grundschulklasse äußert sich laut eigener Erfahrungen zu die- ser Problematik: „Frühstücken die Eltern nicht, frühstückt das Kind auch nicht.“ Die daraus folgende Konsequenz ist eine Beeinträchtigung der Leistungsbereitschaft mit Folgen auf das Konzentrationpotenzial (von Kries, 2005). Nagel (2001, S. 89f.) infor- miert darüber, dass bei „Nicht-Frühstückern“ laut wissenschaftlichen Untersuchungen die Leistungen des Gehirns wie beispielsweise das Erinnerungsvermögen im Vergleich zu „Frühstückern“ reduziert sind. Weitere Studien in diesem Kontext zeigen, dass nur knapp 40 Prozent der Schüler vormittags ernährungsphysiologisch bedarfsgerecht ver- sorgt sind. Von den noch verbleibenden 60 Prozent frühstücken zehn Prozent erst gar nicht und weitere 20 Prozent nehmen kein Pausenfrühstück zu sich (ebd., 2001).
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Dies erklärt auch, warum vermehrt Kinder während des Unterrichts vom Stuhl kippen oder unkonzentriert sind, wie Gustedt (2007) berichtet. Sie sind entweder unterzuckert oder haben einfach nur Hunger.
Laut Erfahrungen einer Lehrerin fragen viele Kinder bereits nach der ersten Stunde, wann denn endlich Pause sei (Doblies-Kerl, 2007). Ebenso beeinflusst der vermehrte Verzehr von Snacks das Ernährungsverhalten (Mensink et al., 2007a) bei gleichzeitiger Zunahme der Außer-Haus-Verpflegung (Reinke, 2007). Dies hat zur Folge, dass die Familie immer seltener gemeinsam eine Mahlzeit einnimmt (Mensink et al., 2007a). Be- reits 70 Prozent essen gar nicht mehr oder maximal einmal am Tag noch zusammen (Nagel, 2001, S. 90ff.).
Das LBS-Kinderbarometer Deutschland berichtet aktuell in diesem Zusammenhang über neuste Untersuchungen aus dem Jahr 2007, die ergaben, dass sechs Prozent der Kinder nie oder nur selten gemeinsam mit den Eltern
am Esstisch sitzen (von der Leyen, 2007). Dabei bietet der Familientisch für Kinder einen „Zufluchtsort in die- ser schnelllebigen Zeit“, an dem Eltern ein offenes Ohr für die Angelegenheiten ihrer Kinder haben sollten, so Nagel (siehe Kap. 2.1.1). Daraus resultiert folglich nicht nur eine Veränderung der Mahlzeitgewohnheiten son- dern das Essen selbst entfällt auch als soziales, meist familiengebundenes Ritual oder verliert zumindest an dessen Bedeutung (Nagel, 2001, S. 90ff.). Kulturelle Traditionen sowie regelmäßiges Mahlzeitentiming drohen dabei verloren zu gehen (Koletzko, 2003). Beteiligt an dieser Situation ist in vielen Fällen die zunehmende Erwerbstätigkeit der El- tern, aber auch weitere von außen herangetragene Zwänge wie Kindergarten- und Schulzeiten stören beziehungsweise verändern den familiären Lebensrhythmus und sor- gen dafür, dass Kinder immer häufiger sich selbst überlassen sind, auch bei ihrer tägli- chen Ernährung. Somit ist es auch kein Ausnahmefall mehr, dass bereits morgens beim Frühstück zunehmend, anstatt der Eltern der Fernseher dem Kind Gesellschaft leistet (Reinke, 2007; Nagel, 2001, S. 90ff.).
Nicht zuletzt tragen auch die Medien, insbesondere die Werbung ihren Teil zum fal- schen Essverhalten bei. Auf diesen Zusammenhang wird allerdings erst am Ende des Kapitels konkreter eingegangen. Vorab soll zunächst der Aspekt Medienkonsum im Einzelnen genauer betrachtet werden.
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2.2 Medienkonsum
Die heutigen Lebensbedingungen sind sehr von moderner Technik und Medien geprägt. Eine virtuelle „Indoorwelt“ mit Computerspielen, Fernsehprogrammen und Videospie- len wird immer attraktiver (Bös et al., 2007a, S. 14) und bestimmt den Alltag vieler Kin- der (Brettschneider, 2003). Dabei kommen Bedenken auf und es wird immer häufiger von den Medien aufgegriffen. Forscher, Lehrer oder Eltern stellen sich diesbezüglich besorgt viele Fragen. Beispielsweise interessiert, wie viel Zeit vor dem Bildschirm bereits zu viel ist, welchen Einfluss mehr oder weniger qualitative Sendungen und Spiele haben, welche Folgen unkontrollierter und übermäßiger Konsum mit sich bringen kann, ob Werbung es schafft, Kinder „in den Sog des Konsums“ zu ziehen und vor allem, ob Gewalt in den Medien Kinder schädigt (Bachmair, 2001).
Bevor jedoch näher auf diese Fragen eingegangen wird, soll zunächst geklärt werden, was unter Medienkonsum zu verstehen ist, was er speziell für Kinder aktuell bedeutet und welche Veränderungen generell dieses Thema so spektakulär und zur Problematik der heutigen Kindheit gemacht hat.
2.2.1 Bedeutung der Medien für Kinder
Unter Medienkonsum wird zunächst die Nutzung von Bildschirmmedien zum passiven Konsum, zum Spielen oder zur Kommunikation verstanden. Die Gerätetypen Fernse- her, Computer, Spielkonsole und Handy ermöglichen mittlerweile alle diese Nutzungsar- ten. Die Funktion des Medienkonsums kann dabei allgemein in der Befriedigung von Neugier, der Vermittlung von Erregung, der Erfahrung von Kontrolle oder in der Ver- meidung von Frustrationen beziehungsweise in einer Flucht aus der Realität bestehen (van Egmond-Fröhlich et al., 2007).
Im Folgenden wird sich hauptsächlich auf die Medien Fernseher, Computer und Spielkonsole beschränkt, da sie die wesentlichen Medien sind, mit denen sich Kinder im Grundschulalter primär beschäftigen.
Fernsehen
Für Kinder (im Grundschulalter) ist unter allen Medien der Fernseher die Nummer eins und deckt folglich 80 Prozent aller medialen Beschäftigungsmöglichkeiten ab (Theunert, 2003, S. 51; Bachmair, 2001). Und auch in Betrachtung tatsächlicher Freizeitbeschäfti-
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gungen steht das Fernsehen mit 73 Prozent bereits an zweiter Stelle, direkt nach Hausaufgaben mit 81 Prozent und noch vor spielen (64 %) und Freunde treffen (54 %), auch wenn es unter den bevorzugten Freizeitaktivitäten erst an zweiter Stelle (37 %), nach Freunde treffen (42 %) auftaucht (Bachmair, 2001, S. 170f.). Das Fernsehen spielt für sie eine große Rolle, weil es ihnen bietet, was sie so sehr lieben, nämlich Geschich- ten, Märchen, Helden, phantastische Welten und geheimnisvolle Wesen. Das Eintau- chen in Phantasiewelten ist für Kinder oftmals ein Hilfsmittel bei der Bewältigung von Alltagsproblemen. Vor allem Filmhelden erfüllen diese Funktion. Während es früher meist die Großeltern oder ein anderes Familienmitglied waren, die die Rolle des Erzäh- lers übernahmen, ist es heute das Fernsehen. Viele Eltern haben aufgrund der heutigen so oft vorkommenden Doppelberufstätigkeit oder der Berufstätigkeit eines alleinerzie- henden Elternteils kaum noch Zeit zum Vorlesen von Geschichten. Der Job der Eltern beziehungsweise des Alleinziehenden hat außerdem zur Folge, dass Kinder einen langen Zeitraum allein zu Hause sind und aufgrund fehlender Spielpartner oder Einsamkeitsge- fühle schneller zur Fernbedienung des Fernsehers greifen. Der Fernseher bietet ihnen Unterhaltung und sie können Freude, Angst und Erregung erleben. Hauptsächlich für Stadtkinder hat die Bedeutung der Medien, primär der Fernseher und Computer, zuge- nommen und bietet ihnen einen willkommenen Ersatz für eingeschränkte Lebensräume, die das Spiel und die Erlebnismöglichkeiten beeinträchtigen (ULR, 1998). Der Fernseher sorgt für Unterhaltung, für Wissensmehrung und vertreibt unangenehmer Gefühle und Stimmungen wie Langeweile und Frust. So kommt es auch, dass bereits 5- bis 6 Jahre al- te Kinder durchschnittlich eine Stunde täglich fern sehen. Bei den 6- bis 10-jährigen Grundschülern sind es im Schnitt bereits über 1,5 Stunden und 10- bis 14-Jährige verbringen mehr als zwei Stunden pro Tag vor dem Bildschirm. (Koch, 2007, S. 114; Theunert, 2003, S. 51).
Computer und Spielkonsole
Der Computer gewinnt im Grundschulalter vor allem als Spielgerät an Bedeutung. Fast jedes zweite Kind besitzt einen eigenen Gameboy und jedes dritte eine Spielkonsole. Einen eigenen „normalen“ PC hingegen besitzen vergleichsweise nur 14 Prozent, wäh- rend 57 Prozent einen PC zu Haus nutzen können. Zwei Drittel der Kinder spielen mindestens einmal pro Woche an einem der Geräte, wobei die Jungen den Mädchen deutlich voraus sind. Doch neben seiner Funktion als Spielstation wird der Computer im Verlauf des Grundschulalters immer mehr auch als Arbeitsmedium relevant, um bei- spielsweise Lernprogramme umzusetzen. Auch die ersten Interneterfahrungen werden
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in dieser Zeit schon von der Schule gefordert. Neun Prozent der 8 und 9-Jährigen sur- fen dabei mindestens einmal pro Woche im Internet. Bei den 10 bis 11-Jährigen erhöht sich der Wert bereits um das Doppelte (Theunert, 2003, S. 52f.).
2.2.2 Veränderungen des Medienkonsums
Vergleicht man den Medienkonsum der heutigen Gesellschaft aus dem letzten Jahrzehnt mit den heutigen Medienerfahrungen, haben sich einige Veränderungen ergeben (Ferschhoff, 1999). Moderne Medien haben sich rasant verbreitet und verkleinern die Welt, indem sie die Kommunikation in Schule und Freizeit in einem so erheblichen Maß erleichtern, dass sie nicht mehr wegzudenken sind (van Egmond-Fröhlich et al., 2007) Insgesamt stieg laut Angaben der Studie Massenkommunikation, (im Auftrag von ARD und ZDF) der Medienkonsum zwischen 2000 und 2005 um fast 90 Minuten auf zehn Stunden täglich (Wikipedia, 2007b). Doch all diese neuen Technologien haben nicht nur Auswirkungen auf die Gesellschaft allgemein. Insbesondere verändern sie die heutige Kindheit (Morley, 2001).
Bereits jedes vierte Einschulkind und die Hälfte aller Kinder haben einen eigenen Fern- seher im Kinderzimmer. Dadurch steigt die durchschnittliche Fernsehdauer um eine Stunde pro Tag. Das macht rund sieben Stunden mehr pro Woche gegenüber Kindern ohne eigenes Gerät (Koch, 2007, S. 112ff.; van Egmond-Fröhlich et al., 2007; Theunert, 2003, S. 51). Wenn Kinder ein eigenes Gerät besitzen, lässt sich nicht vermeiden, dass gelegentlich auch Filme gesehen werden, die nicht für sie geeignet sind. Vor allem von gewaltvollen Sendungen und Filmen bleiben Kinder dabei nicht selten verschont. Wäh- rend früher brutale Actionfilme und haarsträubende Horrorgeschichten erst spät abends gesendet wurden, zeigt sich heute ein durchaus größeres Angebot an Gewaltszenen im Fernsehen bereits am Tag. Untersuchungen haben ergeben, dass Gewalt in knapp 80 Prozent aller Sendungen vorkommt (Koch, 2007, S. 118f.).
Noch erschreckender sind die Werte der Internet- und Spielkonsolennutzung. Die Er- gebnisse zahlreicher Studien zeigen, dass Computer und Internet eine immer größer werdende Rolle im Leben der Kinder einnehmen (Koch, 2007, S. 121). Laut ARD/ZDF Online-Studien von 1998 bis 2006, stieg zwischen 1997 und 2006 die durchschnittliche Dauer für die Nutzung des Internets von 6,3 auf 97 Minuten täglich (von Egmond- Fröhlich et al., 2007). In diesem Zeitraum führte die Nutzung entwicklungsbeeinträchti-
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gender Spiele durch eine Spielkonsole zu einem vierfach erhöhten Konsum (20,2 % ver- sus 6,6 %). Auch wenn das Internet ein wertvolles Mittel sein kann beispielsweise um Kenntnisse und Weltwissen zu erwerben, Informationen zu erhalten, zu schreiben und zu konstruieren, aber auch um Kontakte zu knüpfen und mit Freunden zu korrespon- dieren, wirken sich Computerspiele beziehungsweise die Verwendung einer Spielkonsole negativ auf das kindliche Verhalten aus.
Auf diesen Trend reagiert auch wieder einmal die Industrie und nutzt das Verhalten der heutigen, hochgradig individualisierten, erlebnisorientierten und mediatisierten Kon- sumgesellschaft aus (Ferchhoff, 1999), indem sie dafür sorgt, dass die Medienlandschaft immer weiter aufgerüstet wird, während die aktive Spielkultur bei sinkender Kinderdich- te und Mediennutzung potenzieller Spielkameraden abnimmt. Kinder werden durch die Attraktivität der heutigen Computerspiele schnell zum Spielen verleitet (van Egmond- Fröhlich et al., 2007).
Mit dem bereits erlebten Aufschwung der Beliebtheit von Computerspielen in den letz- ten Jahren und der weiter steigenden Tendenz haben sich auch die Inhalte und Machar- ten dieser Spiele geändert. Sie werden immer brutaler. Man muss als Spieler immer häu- figer Gewalt anwenden, um in die nächste Runde zu gelangen, und zwar bei immer rea- listischerer Darstellung. So kommt es dazu, dass Gewalt und Brutalität regelrecht trai- niert werden (Koch, 2007, S. 123f.). Gewalt stellt somit einen wichtigen Aspekt in Bezug auf Medienkonsum dar und sollte als potenzieller Einflussfaktor im nächsten Kapitel näher erläutert werden.
2.2.3 Der Einfluss der Medien
Es wird immer wieder behauptet, dass zu viel Medienkonsum negative Auswirkungen auf die heutige Kindheit hat. Doch welche Faktoren der Medien sind es konkret, die Einfluss nehmen, insbesondere bei Kindern? Gewalt, als ein entscheidender Aspekt, (Gewalt) wurde soeben genannt und soll im Folgenden näher erläutert werden. Doch bei Kindern ist neben dem Gesichtspunkt Gewalt ebenso der Faktor Werbung von gro- ßer Wirksamkeit und soll daher in diesem Kapitel ebenfalls aufgegriffen werden.
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Medien und Gewalt
Gewaltvolles Fernsehen und brutale Spiele können, wie der Gehirnforscher Manfred Spitzer (2006) überzeugend berichtet, gerade für Kinder fatale Folgen haben. Denn Kinder können bis zum Alter von 8 oder 9 Jahren noch nicht zwischen Realität und Fiktion unterscheiden und sind daher besonders stark beeinflussbar (Spitzer 2003; Spit- zer, 2006). Vor allem das soziale Umfeld, seien es Freunde oder ältere Geschwister, zei- gen enorme Wirkung auf das Konsumverhalten bezüglich Medien bei Kindern. Eltern hingegen haben dabei kaum eine Chance, dies zu verhindern, weil ihnen die nötige Kompetenz für eine effektive Führungsrolle in den neuen Medien fehlt (van Egmond- Fröhlich et al., 2007; Ferchhoff, 1999, S. 40). Sie selbst beziehungsweise ihre „Moral- predigt“ werden von den Kindern nicht ernst genommen, wenn sie nicht einmal wissen, wie beispielsweise eine Spielkonsole funktioniert.
Darüber, dass übermäßiger Fernsehkonsum zu mehr Aggressionen und Gewaltbereit- schaft führt, scheinen sich die Experten einig zu sein. Marianne Koch berichtet in die- sem Kontext über den Einfluss auf das seelische Gleichgewicht. Gerade für Kinder, die es noch nicht gelernt haben, Konflikte statt mit Faust oder Revolver durch Worte, Kompromisse oder mit Verstand und gutem Willen zu lösen, sind gefährdet. Sie erfah- ren Gewalt und Brutalität im Fernsehen als normalen Teil des Lebens und ahmen schnell und selbstverständlich brutale Handlungen von Action-Filmen nach, weil sie es lieben zu imitieren (Koch, 2007, S. 114ff.).
Dazu äußert sich auch Neurowissenschaftler und Psychiater Prof. Manfred Spitzer (2003; 2006) und erklärt, dass das Gehirn nicht in der Lage ist, „nicht zu lernen“. Es lernt demzufolge immer, auch in dem Moment, wenn brutale Filme konsumiert oder gewaltvolle Spiele gespielt werden. Hirnzellen und ihre Verbindungen werden dabei ständig durch die gewaltbetonten Gedanken und Taten geprägt und verändern sich. Somit ändern sich auch ihre Emotionen und Einstellungen zur Gewalt und riskieren da- bei, dass Hemmschwellen sinken und Brutalität zu etwas „Normalen“ wird.
Durch die Wirkung des exzessiv erhöhten Mediengewaltkonsums lässt sich häufig ein aggressives Sozialverhalten feststellen. Manfred Spitzer (2005) hierzu: Wenn ein Kind tagtäglich mit Gewalt konfrontiert wird, und diese meist sogar in den Medien verharm- losend dargestellt wird, macht das Gehirn daraus eine allgemeine Regel. „Es gibt viel Gewalt, es gibt keine Alternativen, es tut nicht weh und man kommt davon“ (ebd., 2005). Dieses bleibt meist bis ins Erwachsenenalter bestehen und beeinflusst damit das
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soziale Leben in der gesamten Gemeinschaft (Spitzer, 2003; van Egmond-Fröhlich et al., 2007).
Mehr als beim brutalen Fernsehen, entwickeln sich vor allem durch gewaltvolle Compu- terspiele Aggressionen und verfestigen sich (Spitzer, 2006, S. 361).
Das größte Problem bei der Nutzung dieser Spiele ist, dass sie persönliches Engagement fordern, wenn man in die Rolle derjenigen einsteigt, die töten und foltern. Diese intensi- ve Nutzung kann deshalb Desensibilisierungsprozesse auslösen und die Empathiefähig- keit stärker reduzieren als ein passives Betrachten eines entsprechend brutalen Films. Erschreckend dabei ist, dass von 6.000 befragten Viertklässlern jeder Zweite bereits Er- fahrungen mit Spielen gemacht hat, die keine Jugendfreigabe erhalten haben und dass jeder Fünfte solche Spiele aktuell nutzt (wie die vom Kriminologischen Forschungsinsti- tut Niedersachsen (KFN) durchgeführte Schülerbefragung im Jahr 2005 erbracht hat), sei es durch den Zugriff durch ältere Geschwister oder den Kauf von Eltern oder Ver- wandten, die nicht die Alterszulässigkeit berücksichtigen. Derartige Spiele erhöhen folg- lich nicht nur das Risiko von Gewalttaten und wirken sich auf das Verhalten der Kinder aus. Es ist ebenfalls wissenschaftlich bewiesen, dass sie gerade bei Jungen oft die Ursa- che für abfallende Schulnoten sind, so Höynck et al. (2007). Je mehr Zeit mit dem Spie- len verbracht wird und je brutaler die Spiele sind, desto höher sind die Auswirkungen (ebd., 2007).
Der Einfluss der Werbung
Laut Barthelmes (1999, S. 88) bereitet die zunehmende Werbung Vielen Sorgen, da nicht nur Eltern, sondern auch Erzieher und Lehrer davon ausgehen, dass sie Kinder zu hemmungslosen Konsumenten macht. Doch beeinflusst die Werbung, vor allem die Fernsehreklame, Kinder tatsächlich?
Mehrere Forschungsergebnisse verneinen dies und Barthelmes (1999, S. 89) ist der Mei- nung, dass Erwachsene die Wirkung auf Kinder falsch einschätzen. Kinder sehen gerne Werbung im Fernsehen, wie auch die nachstehende Grafik (2-14) beweist. Sie ist bunt, eingängig, manchmal sogar witzig und vermittelt eine heile Welt, die auf Kinder anzie- hend wirkt. Bedenken sind laut Muck jedoch gerechtfertigt und zwar, weil Werbung fak- tisch Falsches vermittelt, wie: „Am glücklichsten ist, wer am meisten kaufen kann bezie- hungsweise das Richtige kauft“, weil Werbung nicht kognitiv, sondern emotional erfasst wird. Der Zuschauer kann sich dadurch nur schwer distanzieren. Nicht zuletzt, weil Werbung suggeriert, dass alle Probleme des Lebens mit der Wahl des richtigen Produkts
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in den Griff zu bekommen sind, ohne selbst darüberhinaus etwas tun zu müssen (Muck, 2006).
Abb. 2-15: Beliebtheit von Werbung verschiedener Medien (KVA, 2006)
Der Meinung von Muck schließt sich auch Bachmair (2007, S. 207) an. Er berichtet dar- über, dass Werbung nicht mehr als einfache Kaufaufforderung, wie noch zu Beginn der Fernsehzeit in den 50er Jahren, gilt. Heutzutage zeigt sie vielmehr, wie das Leben funk- tioniert und wie eine Marke oder ein Produkt ins Leben passt und nicht mehr, wie das Produkt gebraucht wird, welchen Effekt es hat und was es kostet. Werbung führt ein ideales Kinder- und Familienleben mit ihren Produkten vor. Kinder beurteilen nach Bachmair (2007, S. 215) „die Glaubwürdigkeit von Werbung nach ihren persönlichen Erfahrungen als Konsumenten“. Dabei ist besonders bei Grundschulkindern der Ein- fluss von Werbung am erfolgreichsten (ebd., 2007, S. 215).
2.2.4 Risiken und Folgen
„Fernsehen macht dumm, dick und gewalttätig“
Besonders riskant ist der heutige Medienkonsum für Kinder, denen die nötige Kompe- tenz zum sinnvollen Umgang mit den Medien fehlt. Ein übermäßiger Missbrauch von passiven und interaktiven Medien ist insbesondere bei Kindern aus sozial und bil- dungsmäßig schwächeren Familien mit 57,3 Prozent zu beobachten. Sie verbringen meist ebenso viel Zeit vor dem Bildschirm wie in der Schule (van Egmond-Fröhlich et
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al., 2007). Dabei sind den meisten Eltern die Auswirkungen nicht bewusst und sie be- rücksichtigen nicht, dass das Gehirn eines Kindes noch zu empfindlich für zu viele und oft dem Alter nicht angemessenen Sendungen und Computerspiele ist. Die Verbindun- gen, die sich in den ersten Lebensjahren zwischen den
Nervenzellen bilden, besitzen noch keine ausreichen- de Stabilität für starke optische und akustische Reize, denen die Kinder dabei ausgesetzt sind und die in schneller Folge das System der Sinneswahrnehmung überfluten und überfordern. Aufgrund dessen können psychische Schäden entstehen, die im schlimmsten Fall zu epileptischen Anfällen führen können. Entwicklungspsychologen bringen aber auch das Aufmerksamkeitsdefizit- Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) mit diesen Überforderungen in Verbindung (Koch, 2007, S. 106; Pfeiffer et al., 2006). Manfred Spitzer erklärt diesbezüglich, dass man bei ADHS beziehungsweise Aufmerksamkeitsstörungen Probleme mit der eigenen (Selbst-) Strukturierung hat und von allem, was von außen kommt, abgelenkt wird, folglich auch von Bildschirmmedien, da sie die innere Strukturierung nachweislich verhindern (Spit- zer, 2005). Spitzer erwähnt in diesem Zusammenhang, dass es sogar belegt wurde, dass Kinder, die im Alter von 2- bis 3 Jahren bereits fern sehen, mit 7 Jahren genau diese Probleme aufweisen. Pfeiffer bringt vor allem ein erhöhtes Risiko zur Hyperaktivität mit Konsum gewaltvoller Sendungen in Verbindung (Pfeiffer et al., 2006).
Doch der Einfluss beschränkt sich nicht ausschließlich auf die psychische Gesundheit, auch das physische Wohlbefinden ist betroffen:
Körperliche Beeinträchtigungen
Während sich durch einen erhöhten Medienkonsum anfänglich noch „harmlose“ Sym- ptome zeigen, wie Augenbeschwerden durch objektivierbare Ermüdung beim perma- nenten Starren auf den Bildschirm, oder Kopf-, Nacken-, Schulter- und Rückenschmer- zen (muskuloskeletale Komorbidität) vom langen und meist falschen Sitzen, die zu spä- teren Haltungsschwächen führen können, arten die Folgen noch weiter aus. Abgesehen von den Haltungsschwächen, die sich bis hin zu ernsthaften Schäden entwickeln kön- nen, bringt eine, nicht selten bis in die Nacht durchgeführte, exzessive Nutzung des Computers, speziell einer Spielkonsole und ein intensiver Fernsehgebrauch auch Folgen wie Schlafmangel oder gar Schlafstörungen mit sich. Diese führen anfänglich zur Er-
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schöpfung, langfristig gesehen sind sie jedoch nachweislich mitverantwortlich für Folge- störungen wie Übergewicht (van Egmond-Fröhlich et al., 2007).
Folgen auf schulische Leistungen und kindliche Intelligenz
Doch der Einfluss wirkt sich nicht nur auf die Gesundheit aus, auch schulische Leistun- gen sind gefährdet: Fernsehkonsum im Kleinkindalter ist laut Koch ein „Prädiktor der kognitiven Entwicklung“ bei der Einschulung, den Leistungszuwächsen in den ersten Schuljahren sowie späteren Schulabbrüchen und der Wahrscheinlichkeit, ein Studium zu beginnen (Koch, 2007, S. 113f.). Laut Spitzer korreliert Fernsehkonsum im Alter von 3 bis 5 Jahren nachweislich mit einer Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) im Alter von 7,
8 und 9 Jahren (2005).
Auch Zimmermann et al. (2005) berichtet über Studien, in denen nachgewiesen wurde, dass Kinder stärkere Defizite in ihrer geistigen und emotionalen Entwicklung aufweisen, je länger sie vor dem Bildschirm sitzen. Insbesondere Kinder, die in den ersten drei Le- bensjahren fernsahen, verfügten im Alter der Einschulung über eine deutlich schlechtere Auffassungsgabe als Gleichaltrige, die bis dahin ohne Fernsehen aufgewachsen waren. Nicht zuletzt erwähnt Christian Pfeiffer (in einem Bericht zu seinem Forschungsprojekt „Medien im Kindesalter“) die Gefährdung der Lernprozesse und konkret die Auswir- kungen auf die Lese- und Sprachkompetenz und somit auch auf die Schulnoten (Pfeiffer et al., 2006). Dies würde auch das zunehmende Zurückfallen der schulischen Leistungen erklären, von denen van Egmond-Fröhlich berichtet, vor allem zu beobachten bei Jun- gen, deren Gewaltkonsum und Mediennutzungsdauer die der Mädchen übersteigt (van Egmond-Fröhlich et al., 2007).
Während van Egmond-Fröhlich primär die Beeinträchtigung der Qualität und Quantität des Schlafes sowie Zeitverdrängung verantwortlich macht, erläutert Christian Pfeiffer (2006, zit. nach Koch, 2007, S. 115) konkreter die Auswirkungen auf das Gedächtnis: Wissen benötigt etwa 12 bis 16 Stunden, um vom Kurzzeitgedächtnis in das Langzeit- gedächtnis übertragen zu werden Dinge, die einen stark bewegen, bleiben am besten im Gedächtnis haften. Konsumieren Kinder nun einen Film mit einer „großen emotionalen Wucht“, kann so kürzlich Erlerntes aus dem Kurzzeitspeicher verdrängt werden.
Doch zu lange TV-Zeiten verschonen auch Faktoren wie die Kreativität der Kinder nicht. Marianne Koch (2007) erklärt, dass Kinder weniger erfinderisch und originell im Denken und Handeln werden.
Eine Grundschullehrerin äußert sich hierzu mit ihren eigenen Erfahrungen und berich- tet, dass die Aussage Kochs besonders in der Grundschule zutrifft. „Kinder sind viel
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weniger in der Lage, mit dem „Erzählstein“ oder Ähnlichem Phantasiegeschichten zu entwickeln“. Schuld daran ist sicherlich auch eine in Zusammenhang stehende Konzent- rationsschwäche (Pfeiffer et al., 2006).
Folgen für die Persönlichkeitsentwicklung
Christian Pfeiffer (ebd.) erwähnt auch die negativen Auswirkungen auf die Sozialkompe- tenz. Die soziale Integration ist beispielsweise gefährdet, wenn Aktivitäten mit der Fami- lie oder mit Freunden vernachlässigt oder gar verdrängt werden. Es entstehen Kontakt- probleme.
Auch Koch (2007, S. 114) bezieht negative Auswirkungen auf soziale Bindungen als ei- nen Aspekt mit ein und erwähnt ebenfalls Freundschaften und andere soziale Kontakte, die darunter leiden können.
Van Egmond-Fröhlich (2007) identifiziert als Risikofaktoren, dysfunktionales Sozialver- halten, eine verminderte soziale Intelligenz, soziale Ängstlichkeit, Einsamkeit, depressive Verstimmtheit, Realitätsverluste, ein geringes Selbstwertgefühl und eine Beeinträchti- gung der Sprachentwicklung. Nachweislich erhöht häufiges Fernsehen im Kinderzim- mer das Risiko für eine Sprachentwicklungsverzögerung um 45 Prozent. Aufgrund der aufgezeigten Folgeerscheinungen gilt es, den Medienkonsum weitgehend einzuschrän- ken und die Kinder keinesfalls unkontrolliert den Medien auszusetzen. Um den aktuel- len Stand des Medienkonsums von Kindern prägnanter widerzuspiegeln, werden im nächsten Kapitel diverse Studien zur Thematik vorgestellt, die konkrete Zahlen zur tat- sächlichen Sachlage vorlegen.
2.2.5 Ergebnisse aktueller Untersuchungen zum Medienkonsum von Kindern
WORLD VISION Deutschland e.V.
fert zugleich die aktuellsten Daten des Jahres 2007. Nach dem Design der Shell-Jugendstudie hat sie erstmalig Daten in einer bundesweiten repräsenta- tiven Befragung von Kindern im Alter bis 11 Jahre erhoben. Durchgeführt wurde sie von Prof. Dr. K. Hurrelmann und Prof. Dr. S. Andresen, nachdem das international ar- beitende Kinderhilfswerk WORLD-VISION sie in Auftrag gegeben hatte.
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Die Ergebnisse zeigen, dass 97 Prozent aller Kinder nach eigener Einschätzung täglich Fernsehen konsumieren. 52 Prozent der Mädchen und 57 Prozent der Jungen sehen mehr als eine Stunde regelmäßig pro Tag fern; 37 Prozent ein bis zwei Stunden, zwölf Prozent zwei bis drei Stunden und fünf Prozent sogar über drei Stunden hinaus. Die Schichteffekte sind hier ebenfalls markant. 41 Prozent der Kinder aus der untersten Herkunftsschicht berichten, regelmäßig am Tag mehr als zwei Stunden fernzusehen, während dies auf Kinder aus gehobenen Schichten nur bei etwa zehn Prozent zutrifft (Winkler et al., 2007).
Die KidsVerbraucherAnalyse
Die bereits im Kapitel „Ernährung“ erwähnte Studie hat ebenfalls im Bereich Medien- verhalten von Kindern Untersuchungen durchgeführt. Dabei stellte sich heraus, dass Kinder im Alter zwischen 6 und 9 Jahren zwar überwiegend noch mit traditionellem Spielzeug spielen, (75 % Puzzle-Spiele, 69 % Plüsch- und Stofftiere, 57 % Spielekästen und 46 % Puppen) jedoch Electronic-Games für Gameboys (40 %), Computer (23 %) und Spielkonsolen (26 %) immer beliebter werden und die klassischen Spiele mit zu- nehmenden Alter ersetzen (vgl. Abb. 2-15). Im Alter von 10 bis 13 Jahren liegt man schon mit PC-Games bei 49 Prozent, mit einem Gameboy spielen dann bereits 51 Pro- zent und mit einer Spielkonsole beschäftigen sich 40 Prozent der Befragten (KVA, 2006).
Abb. 2-16: Games: Hard- und Software – Besitz und Wünsche - ein Vergleich von 2005 zu 2006 (KVA, 2006)
Auch der Computer wird zunehmend häufiger von Kindern genutzt; vermutlich, weil mehr Haushalte einen PC besitzen als noch vor zwei Jahren. Während das Geschlecht
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bei der Nutzung keine Rolle spielt, ist das Alter weiter von großer Bedeutung. 46 Pro- zent (2005: 38 %) der 6- bis 9-Jährigigen saßen 2007 zu Hause vor einem Rechner, bei den 10 bis 13-Jährigen sind es mit 80 Prozent fast doppelt so viele (2005: 74 %), die vor dem Bildschirm verweilen.
Dabei bleiben Spiele die Hauptbeschäftigung der Kinder mit 92 Prozent (2006: 94 %). Allerdings nutzen immer mehr von ihnen den PC auch als Plattform, um ins Internet zu gelangen 64 Prozent (2006: 56 %), und über die Hälfte verfassen zudem an ihm Texte
56 Prozent (2006: 54 %) oder arbeiten mit Lexika-/Sprach-Software 52 Prozent (2006:
55 %) sowie Lernprogrammen 50 Prozent (2006: 52 %).
Abb. 2-17: PC-Anwendungen bei 6- bis 13-Jährigen (KVA, 2006)
Ebenso steigt die Entwicklung des Internets tendenziell an (vgl. Abb. 2-17). Während Kinder zwischen 6 und 9 Jahren 2006 zu 5 Prozent das Internet nutzten, waren es be- reits bei den 10- bis 13-Jährigen rund 40 Prozent (2004: 26 %), die mindestens ab und zu im Netz unterwegs waren. Bei den jüngsten „Usern“ bedeutet dies, im Vergleich zum Jahr 2004, mehr als eine Verdoppelung (2004: 2 %).
Arbeit zitieren:
Diana Rathgeber, 2008, Zum Zusammenhang von Ernährungsverhalten, Medienkonsum und sportlicher Aktivität bei Grundschulkindern, München, GRIN Verlag GmbH
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