Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Kritik der Logik und Destruktion des Seins. 4
3. Wirklichkeit des Werdens 6
4. Kritik der Sprache und Grammatik - Destruktion des Subjekts 7
5. Wirklichkeit des Willens zur Macht. 9
6. Die Umfokussierung von Wahrheit - Denken als Wille zur Macht. 11
6.1 Perspektivismus 11
6.2 Leiblichkeit. 11
7. Zusammenfassung und Kritik 15
7.1 Zusammenfassung 15
7.2 Kritik. 16
Bibliographie 18
Prim ärliteratur 18
Sekund ärliteratur 18
2
1. Einleitung
Friedrich Nietzsche (1844 - 1900) übt in seinem Werk radikale Kritik an Religion, Philosophie, Wissenschaft und Moral. Er verwirft alle abendländischen Traditionen des Denkens, der Erkenntnis und der Wahrheit in Verbindung mit einem Appell zu radikaler Umkehr. Dabei ist es mithin schwierig, den erkenntnistheoretischen Kern seiner eigenen Philosophie zu fassen, da dieser vielfach überlagert ist - durch Kulturkritik, durch Psychologie, durch Dichtung - und da er seine Gedankengänge in den seltensten Fällen systematisch-begrifflich ausarbeitet. Hinzu kommt die Schwierigkeit, seine Methodik zu fassen bzw. ihr zu folgen. Nichtsdestotrotz soll in dieser Arbeit versucht werden, die Erkenntnistheorie Nietzsches in Hinsicht auf den Wahrheitsbegriff näher zu beleuchten. Dabei wird nicht der Anspruch auf Vollständigkeit erhoben, weil im Rahmen der gegeben Zeit einerseits die Lektüre des Gesamtwerks, andererseits im Rahmen des gegeben Raumes eine umfassende Darstellung des Problemfeldes nur schwer möglich ist. Vielmehr sollen hier wesentliche Aspekte und Tendenzen aufgezeigt werden, um zu verdeutlichen, dass Nietzsche in seinem Werk eine relativistisch-perspektivistisch beschränkte, destruktive Kritik an der traditionellen Metaphysik übt, im Rahmen derer er ihre vernünftigen Grundlagen ebenso in Frage stellt wie ihre kategorialen Bestimmungen und ihre allgemeinen Wahrheiten. Es soll dargstellt werden, dass sein Ziel die Überwindung der Metaphysik und die Offenlegung eines neuen Denkens ist, das zu neuen Wahrheiten führt.
Wichtig scheint in diesem Zusammenhang insbesondere, Nietzsches Verhältnis zu Logik und Sprache bzw. Grammatik offen zu legen, sein Verhältnis zu traditionellen allgemeinen Wahrheiten zu beleuchten und von da ausgehend zu zeigen, auf welchem Weg Nietzsche zu seinem Verständnis von Wahrheit gelangt und wie diese Wahrheit letztlich bestimmt wird.
Diese Arbeit wurde geschrieben unter dem bleibenden Eindruck der Lektüre von Eugen Finks Interpretation der Philosophie Nietzsches 1 im Allgemeinen sowie der Lektüre von Mihailo Djurics Interpretation der Metaphysik-Kritik Nietzsches 2 im Besondern. Beide Interpretationen zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich primär
1 Vgl. Fink, 1979.
2 Vgl. Djuric, 1985.
3
und eng an den Schriften Nietzsches orientieren, ihre Grundmotive analysieren und von da ausgehend zu aussagekräftigen und unverstellten Auslegungen der Philosophie Nietzsches gelangen.
Da auch diese Arbeit eine möglichst sachliche Analyse des Denkens Nietzsches zum Ziel hat, wird sie sich ebenfalls vorrangig an den Schriften Nietzsches selbst orientieren.
2. Kritik der Logik und Destruktion des Seins
Nietzsche stellt auf seinem Weg der Neubestimmung der Wahrheit zunächst den Wert der Logik für die menschliche Erkenntnis radikal in Frage. Dabei argumentiert er zunächst genealogisch-naturalistisch, indem er herausstellt, dass die Logik ein Produkt der geschichtlichen Entwicklung des Menschengeschlechts sei, eine biologistisch-pragmatisch begründete Erfindung „kluge[r] Thiere“ 3 und nicht ein „ursprüngliche[s] allgemeine[s] Gesetz“ 4 , das zur Erkenntnis der Wahrheit führe. 5
Er schmälert den Wert der Logik für die menschliche Erkenntnis weiter, in dem er herausstellt, dass der Zeitpunkt ihrer Erfindung „die hochmüthigste und verlogenste Minute der ‚Weltgeschichte“ 6 gewesen sei. Logik hat demnach nach Nietzsche nichts mit der Wirklichkeit gemein, hat keinerlei ontologische Bedeutung und bedeutet vielmehr die Trennung von Denken und Sein als deren Verbindung. 7 Vernunft, die sich von der Logik leiten lässt, denkt also nicht mehr das Wirkliche, sondern bestenfalls „Fiktion[en]“ 8 . Eine eben solche sieht Nietzsche dann auch im Begriff der „wahren Welt“:
„Kritik des Begriffs ‚wahre und scheinbare Welt’ […] von diesen ist die erste bloße Fiktion, aus lauter fingierten Dingen gebildet […] die ‚Scheinbarkeit’ gehört selbst zur Realität: sie ist eine Form ihres Seins“ 9 .
3 KSA, Bd. 1, S. 875. Die für Nietzsches Zeit typischen, vom heutigen Sprachgebrauch, insbesondere in orthographischer Hinsicht, abweichenden Besonderheiten seines Schreibstils werden in diesem und in allen folgenden Zitaten stillschweigend beibehalten.
4 KSA, Bd. 2, S. 39.
5 Vgl. Djuric, 1985, S. 17ff.
6 KSA, Bd. 1, S. 875.
7 Vgl. Djuric, 1985, S. 19f.; vgl. Ruffing, 2008, S. 98, S. 105.
8 KSA, Bd. 13, S. 332; KSA, Bd. 6, S. 75.
9 KSA, Bd. 13, S. 271f.
4
Damit wird auch das Sein an sich „eine leere Fiktion“ 10 , was einem radikalen Angriff auf die abendländische Metaphysik gleichkommt. Ihre Annahmen werden hier nicht nur entwertet, sondern faktisch verkehrt. 11 Nach Nietzsche leben wir in „in einer Welt, wo es kein Sein gibt“ 12 .
Der Fiktion der „wahren Welt“ kommt dabei nach Nietzsche aber durchaus ein Nutzwert zu 13 ; dieser bestimmt sich allerdings allein biologistisch und pragmatisch und zwar als „Existenz-Bedingung“ 14 des Menschen, dadurch, dass die Logik den Menschen dazu befähige, diese Welt zu bewohnen, sich auf ihr einzurichten 15 bzw. überhaupt „um leben zu können“ 16 , indem er sich „durch den Schein […] eine gewisse berechenbare Welt identischer Fälle“ 17 und dadurch Sicherheit vor der „Gefährlichkeit des Willkürlichen“ 18 schafft:
„In der Bildung […] der Logik […] ist das Bedürfniß maßgebend gewesen: das Bedürfniß, nicht zu ‚erkennen’, sondern zu subsumieren, zu schematisieren, zum Zweck der Verständigung, der Berechnung“ 19 .
Die Logik war damit nach Nietzsche nie als Mittel zur Erkenntnis der Wahrheit gedacht: „Die Logik war als Erleichterung gemeint […] - nicht als Wahrheit“ 20 . Alle logisch-ontologischen „Wahrheiten“ bzw. Bestimmungen sind für Nietzsche demnach (lebensnotwendige) Irrtümer:
„Wahrheit ist die Art von Irrthum, ohne welche eine bestimmte Art von lebendigen Wesen nicht leben könnte“ 21 .
Logik kann damit nicht mehr als Maßstab, sondern nur noch als Mittel des Lebens verstanden werden. 22
10 KSA, Bd. 6, S. 75.
11 Vgl. Kapitel 3. dieser Arbeit.
12 KSA, Bd. 13, S. 271. Vgl. Kapitel 3. dieser Arbeit.
13 Vgl. Djurich, 1985, S. 32ff.; vgl. Ruffing, 2008, S.98.
14 KSA, Bd. 11, S. 183.
15 KSA, Bd. 13, S. 336.
16 KSA, Bd. 13, S. 281.
17 KSA, Bd. 13, S. 271.
18 KSA, Bd. 12, S. 187.
19 KSA, Bd. 13, S. 334.
20 KSA, Bd. 13, S. 536.
21 KSA, Bd. 11, S. 506.
22 Vgl. Djuric, 1985, S. 35.
5
Arbeit zitieren:
Doreen Friebe, 2009, Zur Umfokussierung von „Wahrheit“ bei Friedrich Nietzsche, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die Philosophie Friedrich Nietzsches
Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)
Zwischenprüfungsarbeit, 21 Seiten
Grundlegende Einsichten für se...
Philosophie - Philosophie des 19. Jahrhunderts
Seminararbeit, 19 Seiten
Wahrheit und ihre Konsequenz bei Platon und Nietzsche
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Seminararbeit, 28 Seiten
Die "didaktische Wende"- Kurt Gerhard Fischers Ideengut und ...
Politik - Didaktik, politische Bildung
Seminararbeit, 20 Seiten
Leben als verantwortliches Individuum
Überlegungen zu den Grundlagen...
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
Wissenschaftlicher Aufsatz, 5 Seiten
Sokrates kontra Dionysos oder: Die Notwendigkeit der Illusion
Philosophie - Philosophie der Antike
Seminararbeit, 15 Seiten
Über den Ressentiment-Begriff bei Friedrich Nietzsche
Philosophie - Philosophie des 19. Jahrhunderts
Hausarbeit (Hauptseminar), 13 Seiten
Friedrich Nietzsches Wahrheitskritik im außermoralischen und moralisch...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Seminararbeit, 19 Seiten
Nihilismus - Eine okzidentale Krankheit? Zur Genealogie des metaphysis...
Hausarbeit (Hauptseminar), 39 Seiten
Das Hauptstück der Sprachkritik des frühen Nietzsche - 'Ueber Wahr...
Hausarbeit, 20 Seiten
Nietzsche, Friedrich - Über Wahrheit und Lüge
Referat / Aufsatz (Schule), 3 Seiten
Nietzsche, Friedrich - Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik
Referat / Aufsatz (Schule), 5 Seiten
Der Tod Gottes und die ewige Wiederkehr des Gleichen - Kritik der The...
Philosophie - Philosophie des 19. Jahrhunderts
Hausarbeit (Hauptseminar), 28 Seiten
Die unterschiedlichen Reaktionen von Deutschland, Europa und den USA a...
Hausarbeit, 41 Seiten
Der Lissabonner Vertrag als weitere Etappe im europäischen Verfassungs...
Jura - Europarecht, Völkerrecht, Internationales Privatrecht
Wissenschaftlicher Aufsatz, 17 Seiten
Die Weimarer Republik und die Ursachen ihres Scheiterns
Politik - Politische Systeme - Historisches
Hausarbeit, 28 Seiten
Doreen Friebe's Text Zur Umfokussierung von „Wahrheit“ bei Friedrich Nietzsche ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Doreen Friebe hat den Text Zur Umfokussierung von „Wahrheit“ bei Friedrich Nietzsche veröffentlicht
Doreen Friebe hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare