Kurzfassung
Thema: Mobile Business Technologies
Strategische Bedeutung, Grundlagen, Potential und Risiken Autor: Daniel Scheiner
Schlüsselbegriffe: Mobile Business 2.0, Next Generation Smartphones, Mobile Navigation, Seamless Mobility, Mobile Terminal, Risikomanagement
Die vorliegende Arbeit befasst sich anhand einer Thematisierung der strategischen Bedeutung, der technologischen Grundlagen, dem realisierbaren Potential und den inhärenten Risiken mit „Mobile Business Technologies“ (MBT). Im ökonomischen Umfeld handelt es sich hierbei um einen innovativen Aspekt der momentan als Business Technologies (BT) umschriebenen Integration von Computer- und Kommunikationstechnologien. Die mit einer durchdachten Implementierung von MBT mögliche, effizienzsteigernde Unterstützung von verschiedenen Aufgaben und Prozessen, wird in der Gesamtheit dieser Arbeit dargelegt. Über die Anwendung innerhalb wirtschaftlicher Organisationen hinaus bieten sich damit auch in privaten, finanztechnischen und öffentlichen Sektoren vielfältige Einsatzmöglichkeiten für MBT. Die strategische Bedeutung ergibt sich für Unternehmen unter anderem aus dem Differenzierungsfaktor einer entsprechenden Positionierung, sowie durch das beachtliche Optimierungspotential im Bereich der operativen Effizienz. Die wesentlichen sowie notwendigen technologischen Grundlagen werden in dieser Arbeit ebenfalls vorgestellt und erklärt. Die Limitationen der aktuellen technologischen Umsetzungen und die momentanen Anwendungsgebiete erfordern dabei innovative architektonische Überlegungen hinsichtlich der notwendigen Hardware- und Softwareimplementierungen. Letztere beinhaltet die Kombination von Client und Web-Applikationen und ist als essentiell für den effizienten Einsatz von mobilen Anwendungen anzusehen. Auf Basis der ausgeführten Grundlagen, bietet die Illustration mehrerer realisierbarer MBT-Konzepte einen Vorgeschmack auf das profunde Potential dieses Themas. Die Lösungsoptionen einiger absehbarer Risikofaktoren erweisen sich nach einer Behandlung in Form einer wissenschaftlichen Analyse als durchweg kontrollierbar. Das Ziel der vorliegenden Arbeit liegt daher in der Vermittlung eines umfassenden Verständnisses und der Etablierung von MBT als anerkannte Bezeichnung und Technologiesegment.
Executive Summary
The thesis at hand deals with the topic of "Mobile Business Technologies (MBT). It is an innovative aspect of the current Business Technologies describing the integration of computers and communication technologies in enterprises. The implementation of MBT allows for an efficiency-increasing support of several tasks and processes. The relevance of MBT lies, apart from the application within economic organizations in private, financial and public sectors as well. The strategic importance of the issue stems from the differentiation fac-tor of a corresponding positioning of the company, as well as from the considerable potential for optimization in the field of operational efficiency. The explanation of some of the significant and innovative technological basis is the starting point for a thorough under-standing of this paper. The limitations of current technology implementations and the current application areas require innovative architectural considerations in terms of the necessary hardware and software implementations. These include the distinction between client and Web applications and are to be understood as essential for the efficient deployment of mobile applications. Several illustrations are given to demonstrate the potential of MBT. Eventually selected risk factors are resolved in the form of a scientific analysis and prove to be controllable. The aim of this work is the establishment of MBT as a designation for the said technology segment as well as the creation of an extensive awareness on this subject area.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Definition und Abgrenzung 2
3. Strategische Bedeutung 4
4. Infrastrukturen 8
4.1 Kommunikationsinfrastruktur 8
4.1.1 Mobile Communication 9
4.1.1.1 UMTS Long Term Evolution 9
4.1.1.2 WiMAX mobile 12
4.1.1.3 Wireless Personal Area Network 15
4.1.2 Mobile Navigation 17
4.1.3 Cloud Computing 20
4.2 Client-Infrastruktur 22
4.2.1 Mobile Software 23
4.2.2 Ambient Intelligence 24
4.2.3 Eingabemethoden 25
4.3 Limitationen und Lösungsansätze 28
5. Mobile Anwendungen 29
6. Softwarearchitektur 31
7. Potential 34
7.1 Mobile (Ad-hoc) Grid 34
7.2 Seamless Mobility 36
7.3 „Live “ Navigation Services 39
7.4 Mobile Terminal 41
8. Risikoanalyse 46
8.1 Standards 47
8.2 Verfügbarkeit 48
8.3 Sicherheit 49
9. Beurteilung und Ausblick 51
A. Literatur- und Quellenverzeichnis 53
B. Tabellen- und Abbildungsverzeichnis 61
C. Abkürzungsverzeichnis 62
1. Einleitung
Vor fast 40 Jahren, gegen Ende des Jahres 1969 1 , präsentierte Marcian Edward ("Ted") Hoff Jr. seinem Arbeitgeber, der Intel Corporation (Integrated electronics) den Vorschlag einer neuen Microprozessor-Architektur. Etwa 21 Jahre später erschuf Timothy John Berners-Lee das Hypertext Transfer Protocol (HTTP), die Hypertext Markup Language (HTML) und das Adressierungsschema Universal Resource Identifier (URI). 2 Die Kombination dieser Erfindungen haben, neben der Art, wie wir Gedanken und Informationen austauschen, vor allem die Geschäftswelt grundlegend verändert. So existieren heute in den meisten Unternehmen nur noch wenige geschäftliche Aktivitäten, für die Technologien aus dem Bereich der Informationsverarbeitung keinen signifikanten Bestandteil mehr darstellen.
Durch den fortdauernden Ausbau mobiler Infrastrukturen 3 konnte die Verbreitungsdichte und die damit verbundenen Fortschritte in der entsprechenden Endgerätetechnologie ebenso wie in den mobilen Anwendungen gesteigert werden. Diese Entwicklung ermöglicht neue und zunehmend effizientere Arbeitsweisen. Für Unternehmen, welche die notwendige Voraussicht und Fähigkeiten besitzen, sich rechtzeitig an derartige Entwicklungen anzupassen, bietet sich hiermit eine Möglichkeit, erhebliche Wettbewerbsvorteile zu erzielen. Die Motivation für Investitionen in (Geschäfts-) Technologien auf Basis mobiler Infrastrukturen sowie für deren verstärkten Einsatz ergibt sich sowohl aus dem Differenzierungsfaktor als auch aus dem Potential der Technologien. Ein ebenso wichtiger Aspekt sind die strategisch unentbehrlichen Vorteile, welche ein frühzeitiger Aufbau einer breiten Wissensbasis oder das Angebot bzw. die Hinwendung zu diesen „Mobile Business Technologies“ (MBT) bietet. Das Zeitfenster, um einen geschäftsrelevanten Vorteil aus dem Wachstum von Infrastrukturen und technischen Entwicklungen zu erlangen, ist allerdings befristet.
Ein aktueller Grund für die Investition in MBT wurde darüber hinaus durch die Finanzkrise angestoßen beziehungsweise beschleunigt: da sich viele Unternehmen derzeit zu teilweise rigiden Sparmaßnahmen veranlasst sehen, müssen selbst systemrelevante Investitionen strenger auf ihre zu erwartenden Erträge (Return on Investment) hin evaluiert werden. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, bei der Suche nach einfacheren und günstigeren Alternativen mit einer höheren Kreativität vorzugehen sowie richtungs-
1 Vgl. [Bell08]
2 Vgl. [Griff08]
3 Siehe [Anon08a]
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weisende Entwicklungen rechtzeitig zu erkennen und zu nutzen.
Die damit offenkundige Aktualität und Relevanz, ebenso wie die gegenwärtige Dynamik der wirtschaftlichen und technischen Entwicklungen, begründen zusammen mit dem Potential von MBT die Motivation für diese wissenschaftliche Thematisierung. Dabei ist diese Bachelorarbeit nicht darauf ausgelegt, den Anspruch auf Vollständigkeit im Bezug auf hardware- und softwaretechnische Details erheben zu können. Sie wurde vielmehr dahingehend konzipiert, um nach einer kurzen Vorstellung der technologischen Grundlagen auf die strategische Relevanz von MBT und einige der aktuellen Anwendungsmöglichkeiten einzugehen. Auf diese Vorstellung der denk- und realisierbaren Entwicklungsrichtungen folgt im Zuge einer wissenschaftlichen Risikoanalyse eine strukturierte Veranschaulichung der relevantesten Risikofaktoren, welche mit diesem Business Technologie (BT) Segment assoziiert werden. In ihrer Gesamtheit soll die vorliegende Arbeit damit das umfangreiche Gebiet der MBT durch die Erklärung und Präsentation einiger der bedeutendsten und interessantesten Aspekte vorstellen, sowie zu einem breiteren Verständnis für die Bedeutung dieser innovativen Entwicklungsrichtung beitragen.
Mit dem hier eingeführten Begriff “Mobile Business Technologies” sollen über die Vorstellung der damit eingegrenzten Technologien, Anwendungen, Methoden und Inhalte hinaus auch eine Etablierung des Ausdrucks angestoßen und die Identifikation von MBT als eigenständiger IT/BT-Bereich und -Wachstumsmarkt in die Diskussion gebracht werden.
2. Definition und Abgrenzung
Der Begriff „Business Technologies” umfasst sowohl die technologischen Grundlagen als auch die damit zusammenhängenden Management-Ansätze, welche für eine enge Verzahnung von Business und IT und folglich für eine erfolgreiche synergetische Zusammenarbeit elementar sind. Das mit BT verfolgte Ziel ist die notwendige Befähigung, erfolgreich und zeitnah auf Veränderungen im geschäftlichen Umfeld reagieren zu können. Durch eine Optimierung von bestehenden Prozessketten, IT-Architekturen und -Infrastrukturen, mit einem besonderen Fokus auf Flexibilität, soll außerdem der Weg für neue Geschäftsmodelle geebnet werden, um „die finanzielle und operative Effizienz eines Unternehmens zu erhöhen sowie schnell und effizient auf geänderte Anforderungen
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reagieren zu können (Real Time Enterprise).“ 4
Bislang waren demnach die Einsatzgebiete und Vorgehensweisen von BT größtenteils auf lokale Technologien und Infrastrukturen beschränkt. Der zwischenzeitliche Fortschritt in der Entwicklung mobiler Technologien und der Ausbau ortsungebundener Infrastrukturen ermöglichen nunmehr eine Ausdehnung der BT um eben diesen Aspekt. Der Ausdruck MBT beinhaltet sowohl die relevanten mobilen Technologien, als auch die Methoden und Vorgehensweisen für eine optimierte (mobile) Koordination von Business und IT. Die bereits aus dem Business Process Management (Geschäftsprozessmanagement) bekannten und den BT zugrunde liegenden Management-Ansätze, können dabei nahezu unverändert auf den mobilen Bereich angewandt werden. Das BPM selbst ist laut Definition ein integriertes Konzept von Führung, Organisation und Controlling, um eine zielgerichtete Steuerung der Geschäftsprozesse zu ermöglichen. 5
Somit werden Unternehmen auch, beziehungsweise gerade durch Mobile BT befähigt, ihre Reaktionsfähigkeit erheblich zu beschleunigen und zu verbessern. Der vermehrte Einsatz und die optimierte Einpassung mobiler IT-Komponenten in die bestehende System-landschaft ermöglichen dabei unter anderem die örtliche und zeitliche Flexibilisierung in der Informations- und Entscheidungsfindung. Die technologische Grundlage dafür bildet eine individualisierte Vernetzung unternehmenseigener IT-Ressourcen mit den Möglichkeiten neuer mobiler Infrastrukturen. Dabei ist eine Neudefinition der Business-IT-Interaktion 6 erforderlich, um die Weiterentwicklungen der innerbetrieblichen Infrastrukturen, d.h. die relevanten betrieblichen und technologischen Anpassungen realisieren zu können. Aufbauend auf diesen Voraussetzungen sind effektive Verbesserungen durch den Einsatz mobiler Hilfsmittel erreichbar.
Aus dem weitläufigen Themengebiet der MBT werden nachfolgend nur diejenigen Technologien sowie eine Auswahl an Anwendungs- und Kombinationsmöglichkeiten vorgestellt und ausgearbeitet, welche nach Auffassung des Autors technisch und wirtschaftlich sinnvolle Innovationen darstellen. Als notwendige Bedingung für ein zumindest hinreichendes Verständnis dieser Arbeit müssen jedoch umfassende Kenntnisse über die Grundlagen mobiler Kommunikationsinfrastrukturen und der elektronischen Datenverarbeitung vorausgesetzt werden. Diese umfassen beispielsweise die elementaren, technischen als auch physischen Voraussetzungen und Methoden
4 [Anon08b]
5 Vgl. [ScSe08, S.4]
6 Dies schließt die Bereiche Soft- und Hardware-Architektur, Anbindungsmöglichkeiten (Application Programming Interface - API), Konnektivität und Anwenderschnittstelle (User Interface) ein.
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ebenso wie die bekannten Sicherheitsrisiken der kabellosen Übertragung von Informationen. Explizit wird daher beispielsweise auf die Beschreibung bzw. die detaillierte Ausführung der Funktionsweisen bestimmter Modulationsverfahren verzichtet. Ebenfalls ausgegrenzt werden müssen die technologischen Details verschiedener Batterietechnologien und die Grundlagen der konventionellen mobilen Telephonie. Namentlich beinhalten letztere den auf TDMA (Time Division Multiple Access) basierenden GSM-Standard 7 und dessen Erweiterungen EDGE (Enhanced Data Rates for GSM Evolution), GPRS (General Packet Radio Service) und HSCSD (High Speed Circuit Switched Data) zur Datenübertragung.
3. Strategische Bedeutung
Wie bereits eingangs dargelegt, stellt die IT einen zunehmend signifikanten Faktor für die Erwirtschaftung eines langfristigen Wettbewerbsvorteils dar. Im geschäftlichen Umfeld erhält man ein grobes Verständnis ihres aktuellen Stellenwerts, wenn man die Entwicklung des finanziellen Fokus, d.h. der IT-bezogenen Ausgaben betrachtet. Diese werden für das Jahr 2008 weltweit einen geschätzten Zuwachs von 8% gegenüber dem Vorjahr und damit ein Volumen von circa 2,65 Billionen Euro erreichen. Die Steigerung verteilt sich dabei mit circa 10 Prozent am stärksten auf die Ausgaben für Software, dicht gefolgt von IT-Diensten mit 9,4 Prozent, Telekommunikations-Services mit 8 Prozent und Computer-Hardware mit rund 7 Prozent. 8 Generell kann daraus ein Trend weg vom Produktkauf und hin zur Inanspruchnahme von Diensten abgeleitet werden, was wiederum eine zunehmende Verbreitung nutzungsbasierter Zahlungsmodelle für Hard- und Software zur Folge haben kann.
Um sowohl vor diesem Hintergrund wie auch allgemein die IT als Faktor für die Erwirtschaftung nachhaltiger wirtschaftlicher Erfolge zu verstehen, bedarf es im Folgenden einer Definition des Strategie-Begriffs, einer Abgrenzung gegenüber dem Ausdruck der operativen Effizienz (OE) sowie der Einordnung von IT in diese Begriffswelt. Dabei muss allerdings beachtet werden, dass es für den Begriff der Strategie als ein Feld, welches beständigem Wandel unterzogen ist, keine universal akzeptierte Definition gibt. 9
Eine der für die Wirtschaft relevanten Definitionen sieht die Strategie als „the pattern or plan that integrates an organization’s major goals, policies, and action sequences into a
7 Global System for Mobile Communications - früher Groupe Spécial Mobile
8 Siehe [PeGo08]
9 Vgl. [Stac07, S.5]
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cohesive whole“ 10 . Sie bezeichnet also eine strukturierte Vorgehensweise, welche die wichtigsten Ziele, Richtlinien und Sequenzen von Aktivitäten als geschlossene Gesamtheit integriert. Einfacher ausgedrückt, ist damit das längerfristig ausgerichtete, planvolle Anstreben einer vorteilhaften Lage oder eines Ziels charakterisiert. 11 Die Strategie ist somit ein Mittel zur Zielerreichung. Dabei können die Gewinnoptimierung sowie ein überlegener Return on Investment als das fundamentale Ziel eines jeden Unternehmens identifiziert werden.
Die wohl bekannteste Definition einer (Wettbewerbs-) Strategie stammt aus dem Werk „Competitive Advantege“ 12 von Michael Eugene Porter 13 , einer der führenden Autoritäten auf dem Gebiet des strategischen Managements. Seiner Meinung nach ist die strategische Positionierung immer noch, bzw. gerade aufgrund der heutigen Dynamik in den Märkten und der teilweise revolutionären technologischen Fortschritte, wie z.B. dem Internet, von höchster Bedeutung. 14 Als grundlegende Elemente von Wettbewerbsvorteilen sieht Porter die Aktivitäten eines Unternehmens. Dabei ist Strategie für ihn die „Schaffung einer einzigartigen und wertvollen Position beruhend auf einer sich unterscheidenden Menge von Aktivitäten“. 15 Die Essenz der strategischen Positionierung liegt damit in der (Aus-) Wahl von Aktivitäten, welche sich von denen der Mitbewerber auf dem Markt absetzen. Bei der Wahl bestimmter, für die strategische Richtung relevanter Aktivitäten muss zwangsweise auf andere, entgegenstehende oder irrelevante Aktivitäten verzichtet werden. Die daraus entstehenden Trade-Offs, d.h. der Verlust von bestimmten Aspekten aus dieser Selektion, werden als Teil der strategischen Ausrichtung in Kauf genommen. Als Beispiel hierfür sei die Konzentration von Apple Inc. auf Privatkunden angebracht. Hier wurde bewusst auf einen Anteil am Markt für Geschäftskunden verzichtet um eine herausragende und wertvolle Position im Konsumentenmarkt einzunehmen.
Auf diese Entscheidungen folgend plädiert Porter für eine in sich stimmige Anordnung der Aktivitäten. Für die Entwicklung eines solchen Systems, mit Hilfe dessen sich ein Unternehmen von seinen Konkurrenten absetzen kann, verwendet er den Ausdruck „fit among activities“. Damit beschreibt er die Notwendigkeit, eine optimale Passform entlang aller Unternehmensaktivitäten zu generieren. Dabei können derart untereinander integrierte Aktivitäten ein Netz bzw. ein System von Aktivitäten und Abläufen bilden,
10 Vgl. [MLQ+03, S.3]
11 Siehe [Burn04, S.207ff]
12 Siehe [Port85]
13 Michael Eugene Porter ist Professor für Wirtschaftswissenschaft an der Harvard Business School und Leiter des „Institute for Strategy and Competitiveness“.
14 Siehe [Port96]
15 Vgl. [Port96, S.10]
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welches die Nachhaltigkeit der Positionierung besser zu gewährleisten vermag und es den Mitbewerbern erschwert, diese und die daraus resultierenden Wettbewerbsvorteile eines Unternehmens zu kopieren. Die Erzielung dauerhafter Wettbewerbsvorteile kann damit von dem resultierenden „spezifischen Aktivitätenprofil“ eines Unternehmens abhängig gemacht werden, welches in drei grundsätzliche Ausrichtungen unterschieden werden kann. Diese werden gemeinhin auch als „Normstrategien auf Geschäftsfeldebene“ oder „generische Strategien“ bezeichnet und umfassen die Kostenführerschaft, die Fokussierung und die Differenzierung. Die Kostenführerschaft setzt auf eine Preis-Mengen-Strategie, beispielsweise basierend auf Skaleneffekten. Die Besetzung tragfähiger Nischen ist als Fokussierung bekannt und die Betonung von Unterschiedsmerkmalen und der Unverwechselbarkeit eines Angebots definiert die Differenzierung.
Porter differenziert ferner die Begriffe Strategie und „Operational Effectiveness“ (OE). Wie inzwischen bekannt, versteht er unter einer Strategie die Verrichtung von Aktivitäten, welche sich von denen der Konkurrenz unterscheiden oder aber die andersartige Verrichtung vergleichbarer Aktivitäten. Weitgefasst beschreibt er mit ersterem die Effektivität. Im zweiten Teil seiner Aussage kann in der besseren bzw. überlegenen Verrichtung vergleichbarer Aktivitäten die operative Effizienz identifiziert werden.
Mit Hilfe der bisher aufgeführten Informationen kann die IT, als Teil der geschäftlichen Ausstattung von Unternehmen, nunmehr eindeutig in den Bereich der OE eingegliedert werden. Die strategische Bedeutung der IT ergibt sich damit aus IT-bezogenen Prozessen, Aktivitäten und (technologischen) Fähigkeiten, welche sich von denen der Konkurrenz absetzen und in ihrer Ausführung zu einer Festigung der individuellen strategischen Positionierung sowie zu einer stetigen Optimierung der operativen Effizienz befähigen.
Während die konstante Verbesserung der OE unabdingbar für die Erreichung überdurchschnittlicher Wirtschaftlichkeit (Profitability) ist, so ist sie allein für einen strategischen Vorteil dennoch unzureichend. 16 Der Grund dafür ist, dass die IT bereits weitläufig als geschäftliche Ressource eingeführt ist und ihre Verbreitung, nach Moores Prophezeiung 17 , nur noch schneller voranschreiten wird. Dazu kommt, dass Hersteller von Standardsoftware vermehrt Geschäftsprozesse, -aktivitäten und -abläufe sowie Best-Practice-Lösungen in ihre Softwareprodukte integrieren. Damit wird ein erheblich größerer Teil des sogenannten „Aktivitätennetzes“ deutlich weiter verbreitet und zudem einfacher
16 Vgl. [Port96, S.5]
17 Gordon Moore (1965): „Die Komplexität integrierter Schaltkreise verdoppelt sich mit minimalen Komponentenkosten etwa alle zwei Jahre.“
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replizierbar. Zuletzt droht allen strategischen Ausrichtungen laut Porter die kompetitive Konvergenz („competitive convergance“). Diese Gefahr ergibt sich aus dem konstanten Vortrieb der so genannten „Productivity Frontier“ 18 durch das Aufkommen und die Adaption neuer Technologien, Management-Ansätze und Vorgaben.
Vor diesem Hintergrund unterliegt die Normstrategie der Differenzierung dem Risiko, dass Imitationen beinahe jeglichen Differenzierungsfaktor eliminieren oder zumindest mindern können. Die Kostenführerschaft ist aufgrund der notwendigen kritischen Masse eines Unternehmens, um Skalen- und Verbundeffekte erzielen zu können, besonders von technologischen Innovationen, neuen Produktionstechniken und -Veränderungen bedroht. Sie steht daher unter permanentem Anpassungsdruck. Zuletzt steht die Strategie der Fokussierung besonders unter dem Druck von Imitatoren und Produktplagiaten. Dabei kann es sich um Nachahmer in der gleichen Nische oder einem Teilbereich davon handeln, oder um ein größeres, breiter aufgestelltes Unternehmen, welches sein Produktportfolio auf diese Nische durch Akquisition oder Innovationen ausgeweitet hat.
Der standardmäßige Einsatz von IT ist deshalb für keine der von Porter kategorisierten strategischen Ausrichtungen direkt als strategischer Vorteil klassifizierbar. Tatsächlich stellt die IT vor dem Hintergrund seiner Theorien eher einen Risikofaktor dar, nachdem sie die Möglichkeit bietet, gesamte Aktivitätenprofile vollständig und mit vergleichsweise geringem Aufwand zu kopieren. Um einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil erzielen zu können, muss die IT daher als wesentlicher Faktor für die operative Effizienz verstanden und entsprechend geplant, finanziert und eingesetzt werden. Der strategisch wichtige Vorsprung im Bereich der operativen Effizienz lässt sich durch frühere, teilweise auch umfangreichere Investitionen in neue und innovative Technologien bzw. Entwicklungen sowie deren schnellere oder bessere Adaption, Anpassung und Implementierung in die eigene Systemlandschaft erreichen.
Gerade in einer Rezession, in der die Mehrheit der Unternehmen IT-Investitionen, Forschung und Entwicklung (F&E) drosselt, kann es einem finanziell gefestigten Unternehmen zu einem strategischen Vorteil gereichen, wenn es derartige Investitionen aufrecht erhält. Durch den so erreichbaren Vorsprung in OE ist eine höhere Überlebenswahrscheinlichkeit während einer Rezession und eine bessere Konkurrenzfähigkeit nach derselben möglich. Gleichzeitig bietet sich eine Anpassung der strategischen Positionierung oder eine (Neu-) Ausrichtung an. Der Befund aus diesem Kapitel
18 Gemäß M. E. Porter [Port96, S.6] bezeichnet die Produktivitätsgrenze die Summe aller existierenden Best-Practices zu jedem gegebenen Zeitpunkt.
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ist, dass es eine hinreichend bedeutsame technologische Entwicklung für Unternehmen sinnvoll bis notwendig machen kann, ihre strategische Ausrichtung zu überdenken und gegebenenfalls anzupassen. In einem solchen Fall gilt es die erforderlichen Maßnahmen und die obligatorischen technologischen Investitionsgüter zu ermitteln, um die fortdauernde Konkurrenzfähigkeit mit einer ausreichenden operativen Effizienz gewährleisten zu können. Hierbei können MBT aktuell als die maßgeblich wegweisende Entwicklung seit den in der Einleitung erwähnten Erfindungen betrachtet werden. Die zugrunde liegenden Technologien, das durch die möglichen Anwendungen realisierbare Potential sowie die inhärenten Risiken werden in den folgenden Kapiteln dargestellt.
4. Infrastrukturen
Der Begriff der Infrastruktur leitet sich aus dem lateinischen Wort infra (Akk. der, die, das Untere; unterhalb) ab und gilt im gängigen Sprachgebrauch als Bezeichnung der notwendigen Grundeinrichtungen für darauf aufsetzende Verwendungsmöglichkeiten. Die IT-Infrastruktur umfasst damit alle zur elektronischen Datenverarbeitung (EDV) eingesetzten Elemente und folglich die baulichen Voraussetzungen (Gebäude, Klima- und Schutzraum, etc.), sämtliche Hardware (Server, Netzwerk, etc.) sowie die Software (Betriebssysteme, Treiber, etc.), welche die Grundlagen für darauf basierende Anwendungen darstellen. 19 Die Infrastrukturen, welche den Mobile Business Technologies als so genannte „Core Enabling Technologies“ zugrunde liegen, können in eine client-externe und eine clientinterne Infrastruktur separiert werden. Diese werden in den nachstehenden Kapiteln vorgestellt.
4.1 Kommunikationsinfrastruktur
Die technologischen Grundlagen der Informationsübertragung, also der client-externe Datenaustausch mit Servern, Satelliten, Access-Points, Peripherie und anderer Hardware, können unter dem Begriff Kommunikations-Infrastruktur in mehrere aktuell relevante Bereiche unterteilt werden. Diese umfassen die bekannten mobilen Kommunikationsmöglichkeiten, die Mobile Navigation sowie die Bereiche Grid, Cluster und Cloud Computing.
19 Absatz vgl. [GrSc08, S.4]
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4.1.1 Mobile Communication
In den Bereich Mobile Communication sind alle mobilen, kommunikationsorientierten Anwendungen einzuordnen. Dazu gehören nach der eigentlichen Hauptfunktion eines tragbaren Telefons (dem Telefonieren) auch die inzwischen verfügbare Video- oder VoIP-Telefonie (Voice over Internet Protocol) sowie der Austausch von E-Mails und Kurznachrichten. Mit den Möglichkeiten von E-Mail und VoIP ist natürlich auch der mobile Zugriff auf Internet-Seiten und damit der Bereich Mobile Internet in die Kategorie Mobile Communications einzuordnen. Als Hilfsmittel für eine eindeutige Kategorisierung der verschiedenen Technologiestandards und Entwicklungsstufen hat sich die Zuordnung von Generationsstufen durchgesetzt (Tabelle 1). Aktuell befinden sich Technologien bis zu der dritten Generation im Einsatz. Einige der darauf folgenden Standards werden in den nachstehenden Kapiteln aufgezeigt.
(Tabelle 1: Generationen mobiler Standards)
4.1.1.1 UMTS Long Term Evolution
Die Fähigkeiten eines typischen Mobiltelefons gehen inzwischen weit über die bisherige Definition hinaus und beinhaltet neben den Funktionalitäten eines PDAs (Personal Digital Assistant) noch weitere, später beschriebene Einsatzmöglichkeiten. Nachdem somit ein aktuelles Handy u.a. als Messaging-System, Kamera, Internet-Browser, E-Mail- und News-Reader sowie als Fernseh-Gerät verwendbar ist, werden höhere Geschwindigkeiten in der Datenübertragung und Bandbreiten dringend benötigt. Laut einer TNS Infratest Studie verwenden zudem bereits ca. 10,4 Millionen Menschen und damit etwa 16% der Deutschen das mobile Internet. Aus diesen Zahlen und Anforderungen wurde als Lösung für die aktuellen und kommenden Generationen von Anwendungen der Mobilfunkstandard UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) geboren.
Dieser wurde vom Europäischen Institut für Telekommunikationsnormen (ETSI) standardisiert und wird aktuell von dem 3rd Generation Partnership Project (3GPP), einer
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weltweiten Kooperation von Standardisierungsgremien gepflegt. UMTS wurde dafür geschaffen, um als Mobilfunkstandard der dritten Generation (3G) 20 deutlich höhere Übertragungsraten (384 kbit/s bis 7,2 Mbit/s) als bisher zu ermöglichen. Die Übertragung von Daten funktioniert dabei auf einer festen Bandbreite über satelliten- oder erdgestützte Sendeanlagen unter Verwendung des WCDMA Übertragungsverfahrens (Wideband Code Division Multiple Access) im Frequency Division Multiplex-Modus. 21 Eine der aktuellen Erweiterungen des Standards ist HSDPA (High Speed Downlink Packet Access). Hinter dieser Bezeichnung versteckt sich ein Übertragungsverfahren, welches im Idealfall Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 14,4 MBit/s im Downlink ermöglicht. 22 Die aktuell am weitesten verbreitete Anschlusstechnik von kabelgebundenen Breitbandanschlüssen ist DSL (Digital Subscriber Line). Sie existiert in den Varianten ADSL 23 und ADSL2+ 24 mit durchschnittlichen Geschwindigkeiten zwischen 6 und 20 Mbit/s. Somit kann UMTS grundsätzlich eine mobile Alternative für diese stationäre Technologie darstellen. Mittels der Erweiterung HSUPA (High Speed Uplink Packet Access) können zudem theoretisch bis zu 5,8 MBit/s 25 im Uplink erreicht werden. Im Kern liegt den Verfahren HSDPA und HSUPA ein in der Basisstation implementierter, verbesserter Scheduler zugrunde, welcher die auftretende Datenlast effizienter verteilt. Darüber hinaus wird abhängig von der Qualität der Verbindung, die Kanalkodierung sowie das Modulationsverfahren entsprechend angepasst. Für letzteres stehen unter anderem die Quadraturphasenumtastung oder Vierphasen-Modulation (QPSK) und die Quadraturamplitudenmodulation (16-QAM) zur Verfügung.
Aufgrund der technischen Beschränkung des WCDMA-Verfahrens werden bei der Verwendung von HSDPA oder HSUPA zum Erreichen der maximalen Datenraten allerdings 15 von 16 CDMA-Codes der Spreizcodelänge der Basisstation verwendet, womit der genutzte Codeblock der Zelle ausgelastet ist. 26 Da sich die Benutzer einer Funkzelle die von ihr zur Verfügung gestellte Bandbreite teilen müssen, sind bei einer breiteren Anwendung dieser Technologie demnach spürbare Einbußen in der individuell erreichbaren Geschwindigkeit unvermeidlich.
20 Der 3G-Standard gilt als Nachfolger von GSM (2G) dem digitalen Nachfolger des analogen (1G) Mobilfunkstandards AMPS (Analog Mobile Phone Service) aus dem Jahr 1981.
21 Vgl. [Lehn03, S.61-63]
22 Siehe [DJM+06, S.3]
23 Die Asymmetric Digital Subscriber Line bietet eine hohe Download- und eine niedrige Upload-Datenrate.
24 Die Extended bandwidth Asymmetric Digital Subscriber Line 2 bietet eine verbesserte Signalverarbeitung und Kodierung.
25 Siehe [DJM+06, S.4]
26 Vgl. [Frey08, S.19]
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Daniel Scheiner, 2008, Mobile Business Technologies, München, GRIN Verlag GmbH
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