André Höllmann
Evangelische Fachhochschule Rheinland-Westfalen-Lippe Fachbereich Soziale Arbeit Bachelor Studiengang Soziale Arbeit Wintersemester 2009/2010 Modul: 3.1 Bildung, Erziehung, Kultur Lehrveranstaltung: Geschichte der Pädagogik - Klassische Erziehungs- und Bildungstheorien
INHALTSVERZEICHNIS
4 1. Einleitung
5 2. Historischer Blick auf die „schwarze Pädagogik“
5 2.1. Ursprung und Mechanismus
7 2.2. Methoden und Ziele
10 3. Die Forderung nach mehr Disziplin in der Erziehung
10 3.1. Bernhard Bueb: Lob der Disziplin
11 3.1.1 Wir brauchen wieder Mut zur Erziehung
12 3.1.2 Wer gerecht erziehen will muss bereit sein zu strafen
14 4. Antworten der Wissenschaft auf Bernhard Bueb
14 4.1. Micha Brumlik: Vom Missbrauch der Disziplin
14 4.1.1 Vom Missbrauch der Erziehung
16 4.1.2 Schwarze Pädagogik für das 21. Jahrhundert
17 5. Schlussbemerkung
19 6 Literaturverzeichnis
Ist die Forderung nach mehr Disziplin in der Erziehung eine Forderung nach mehr „schwarzer Pädagogik“?
1. Einleitung
Die aus der propagierten Erziehungskrise heraus angestoßene Forderung nach mehr Disziplin in der Erziehung, ist primäres Anliegen dieser Arbeit und es soll überprüft werden inwieweit eine solche Forderung auch eine Forderung nach mehr „schwarzer Pädagogik“ ist. Bereits Ende der siebziger und zu Beginn der neunziger Jahre wurde schon einmal der Verlust von Werten, von verbindlichen Orientierungen und die Erosion familiärer Bindungen behauptet. Doch nur zu verbreiten, dass die Erziehungskrise wieder Konjunktur hat, macht die Diagnose auch nicht richtiger. Es sind daher Differenzierungen insbesondere auch aus wissenschaftlicher Sicht geboten (Liesner, 2007). Um diesen Aspekt der wissenschaftlichen Differenzierungen aufzugreifen und bestenfalls genüge zu tun, stehen folgende einleitende Fragen zur Beantwortung.
Was ist das pädagogische Konzept der „schwarzen Pädagogik“? Welche Ziele verfolgt sie und welcher Methoden bedient sie sich? Welches Menschen- und Weltbild wohnt der „schwarzen Pädagogik“ inne.
Das vorliegende Werk will jedoch nicht nur einen Beitrag dazu leisten diese Fragen näher zu beleuchten sondern daraus erfolgend in einen kritischen Diskurs eingreifen der sich mit dem Buch „Lob der Disziplin“ auseinandersetzt. Kernaussagen des Bestsellers von Bernhard Bueb sollen auf ihren wissenschaftlichen Charakter hin überprüft werden, um schließlich die Hauptfragestellung dieser Arbeit beantworten zu können. Ist eine Forderung nach mehr Disziplin auch eine Forderung nach mehr „schwarzer Pädagogik“?
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Ist die Forderung nach mehr Disziplin in der Erziehung eine Forderung nach mehr „schwarzer Pädagogik“?
2. Historischer Blick auf die „schwarze Pädagogik“
Der Begriff „schwarze Pädagogik“ wurde im Wesentlichen von zwei Frauen geprägt. Zum einen Katharina Rutschky (1977) und zum anderen Alice Miller (1980). Dieses Erziehungskonzept, welches beide beschreiben und kritisieren, stützte sich in zentraler Weise auf Machtausübung und den absoluten Gehorsam. Je früher dieser Prozess beginnt und dabei konsequent durchgeführt wird, desto eher sind alle Voraussetzungen geschaffen (vgl. Miller 1980).
2.1 Ursprung und Mechanismus
Wenngleich kein konkretes Datum des Ursprungs zu nennen ist, kann der Zeitraum des propagierten Erziehungskonzeptes sehr wohl eingegrenzt werden. Rutschkys Sammlung von Texten aus pädagogischen Schriften nach, zusammengestellt in ihrem Buch 1 , beginnt diese Zeit nach Erscheinung erster Bände um 1748 und reicht bis in die Zeit der Nationalsozialisten. Darüber hinaus gibt es Kritiker, wie Miller und andere, die sogar davon ausgehen, das sie heute noch praktiziert wird, nur geschieht dies gegenwärtig wesentlich subtiler. Gewalthandlungen und deren Entwicklungen werden durch geltende soziale Wert- und Normvorstellungen beeinflusst und fördern die Gewaltbereitschaft oder deren Verringerung. Heute wird dies im Bereich der Öffentlichkeit besonders hinsichtlich der Ausländerfeindlichkeit, Abwertung von sozialen Randgruppen sowie
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1 Rutschky, Katharina 1977; „Schwarze Pädagogik - Quellen zur Naturgeschichte der bürgerlichen Erziehung“; Frankfurt am Main: Ullstein Verlag 2 Miller, Alice (1980) 1983; Am Anfang war Erziehung; Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag; S. ! 5
Ist die Forderung nach mehr Disziplin in der Erziehung eine Forderung nach mehr „schwarzer Pädagogik“?
die Art und Weise, wie Gewalthandlungen geahndet oder legitimiert werden deutlich (vgl. Hirsch 1999).
Den Hauptmechanismus der „Schwarzen Pädagogik“ veranschaulicht Alice Miller 1980 und entlehnt sich hierbei der Begriffe „Abspaltung“ und „Projektion“ der Psychoanalyse. So schreibt sie: „Wie uns die analytische Kenntnis der Abspaltungs- und Projektionsmechanismen helfen kann, das Phänomen Holocaust zu verstehen, so hilft uns die Geschichte des Dritten Reiches, die Folgen der »Schwarzen Pädagogik« deutlicher zu sehen“. 2 In ihrem Buch zitiert sie Himmler aus der sogenannten „Posener Rede“ und zeigt eben jene Elemente des komplizierten psychodynamischen Mechanismus auf, denen wir in den Schriften der „Schwarzen Pädagogik“ so häufig begegnen.
Zusammenfassend lässt sich dieser Mechanismus mit dem folgenden Zitat beschreiben. „Die Erziehung zur sinnlosen Härte macht es notwendig, dass alles Schwache (d.h. auch Emotionalität, Tränen, Mitleid, Einfühlung in sich und andere, Gefühle von Ohnmacht, Angst, Verzweiflung) »gnadenlos« im Selbst niedergekämpft werden muss. Um diesen Kampf gegen das Menschliche im eigenen Innern zu erleichtern, wurde den Bürgern im Dritten Reich ein Objekt als Träger aller dieser verabscheuten (weil in der eigenen Kindheit verbotenen und gefährlichen) Eigenschaften angeboten - das jüdische Volk“. 3 Natürlich funktionierte der Hauptmechanismus bereits viel früher, zu jener Zeit jedoch mit anderen Projektionen. In der damaligen Gesellschaft war es diesbezüglich sehr weit verbreitet von der „bösen Kindsnatur“ zu sprechen die es galt auszutreiben. Hierzu wurden entsprechende Erzie- !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
2 Miller, Alice (1980) 1983; Am Anfang war Erziehung; Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag; S. 107
3 Miller, Alice, a.a.O., S. 100
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Arbeit zitieren:
André Höllmann, 2010, Ist die Forderung nach mehr Disziplin in der Erziehung eine Forderung nach mehr „schwarzer Pädagogik“?, München, GRIN Verlag GmbH
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André Höllmann's Text Ist die Forderung nach mehr Disziplin in der Erziehung eine Forderung nach mehr „schwarzer Pädagogik“? ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
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