Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen, Abteilung Münster
Studiengang: Soziale Arbeit
Modul 14: Politische und ökonomische Grundlagen und Rahmenbedingungen
Seminar: Welfare Mix and Social Work Structures
Semester: SoSe 2009
,,Türken in Deutschland schlecht integriert" -
Eine Folge der Migrations- und Integrationspolitik?
vorgelegt von Barbara Kremkau, 6.Semester
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Inhalt
1. Einleitung ... 3
2. Begriffsklärung ... 4
2.1 Migration ... 4
2.2 Integration ... 5
2.3 Migrations- und Integrationspolitik ... 6
3. Deutsch-türkische Migrations- und Integrationspolitik ... 7
3.1 Migrationspolitik ... 7
3.1.1 Migration aus der Türkei nach Deutschland ... 7
3.1.2 Deutsch-türkische Migrationspolitik im Vergleich ... 9
3.2 Integrationspolitik ... 11
3.2.1 Anforderungen aus wissenschaftlicher Sicht ... 11
3.2.2 Tatsächliche Leistungen der deutsch-türkischen Integrationspolitik ... 12
3.2.2.1 Schutz vor Diskriminierung ... 14
3.2.2.2 Demokratische Partizipation ... 15
3.2.2.3 Soziale Gleichheit ... 16
3.2.2.4 Kulturelle Entfaltung ... 17
4. Fazit ... 19
Literatur ... 21
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1. Einleitung
Anfang des Jahres erschien die `Studie zur Lage der Integration in Deutschland' (vgl. Berlin-
Institut für Bevölkerung und Entwicklung 2009). Die Presse griff die Thematik mit
Schlagzeilen wie ,,Für immer fremd" (Elger/Kneip/Theile 2009) auf. Brisant erscheint im
Zusammenhang mit der Studie aber vor allem die Integration der Türken in Deutschland zu
sein. Es wurden Artikel veröffentlicht, die mit ,,Türken in Deutschland schlecht integriert"
(Tagesschau 2009) oder ,,Warum Türken bei der Integration nicht mitspielen" (Solms-
Laubach 2009) betitelt sind. Im gleichen Atemzug zu der Darstellung der Studienergebnisse
werden, wie man anhand mancher Schlagzeilen schon erkennt, auch die Schuldigen gesucht.
Schnell heißt es dann: ,,Ein bedeutender Teil der Migranten in Deutschland verweigert sich
der Integration. Das gilt vor allem für die Einwanderer aus (...) der Türkei" (ebd.).
In differenzierterer Berichterstattung wird jedoch auch deutlich, dass Integration ein
zweiseitiger Prozess ist. Denn neben der nicht erbrachten Integrationsleistung der Menschen
mit türkischem Migrationshintergrund wird an dann auch in den Blick genommen, dass die
Integrationspolitik Versäumnisse aufweist (vgl. Eusterhus 2009).
Dieser Ansatz soll in der vorliegenden Arbeit weiterführend verfolgt werden. Es soll vor
allem überprüft werden, inwiefern die integrationspolitischen Leistungen in Deutschland den
Anforderungen gerecht werden, die im aktuellen wissenschaftlichen Diskurs formiert werden.
Vorher soll anhand der Darstellung der deutsch-türkischen Migrationsgeschichte aber auch
erörtert werden, worin sich die Migrationspolitik im Vergleich zu der anderer Gruppen von
Menschen mit Migrationshintergrund unterscheidet und ob hier evtl. schon Gründe zu
erkennen sind, warum gerade Menschen mit türkischem Migrationshintergrund schlechter
integriert sind, als andere Migrantengruppen. Bevor jedoch mit dieser synthetischen
Untersuchung begonnen werden kann, wird zunächst auf die Begriffe `Migration',
`Integration' sowie `Migrations- und Integrationspolitik' näher eingegangen. In diesem Punkt
wird auch differenziert, nach welchem Verständnis die Begriffe `Migranten' und
`Einwanderer' in dieser Arbeit gebraucht werden. Hierzu die Anmerkung, dass in der Arbeit,
im Gegensatz zu dem in der Überschrift noch undifferenziert verwendeten Terminus `Türken',
anlehnend an die `Studie zur Lage der Integration in Deutschland' im Folgenden von
Menschen mit türkischem Migrationshintergrund die Rede ist, wenn sowohl Ausländer als
auch eingebürgerte Migranten sowie die in Deutschland geborene zweite und dritte Generation
türkischer Herkunft gemeint sind (vgl. Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung 2009,
S.7ff). `Ausländer' wird abgrenzend zu `Inländer' benutzt, wenn es um den Status der
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Staatsangehörigkeit geht. Nach der Begriffsklärung im anschließenden Teil der Arbeit, folgt
dann die Diskussion der deutsch-türkischen Migrations- und Integrationspolitik. Die deutsch-
türkische Migrationspolitik wird dabei zum einen kurz anhand der Geschichte der Migration
von der Türkei nach Deutschland und zum anderen im Vergleich mit der auf andere
Migrantengruppen zielende Migrationspolitik dargestellt. Die Diskussion um die
Integrationspolitik erfolgt etwas ausführlicher. Hier werden die Anforderungen an eine
gelingende Integrationspolitik herausgearbeitet und anschließend wird überprüft, ob und wie
die Kriterien im Bereich der deutsch-türkischen Integrationspolitik tatsächlich erfüllt sind. Im
Fazit wird dann abschließend zusammengefasst, inwiefern die mangelhafte Integration der
Menschen mit türkischem Migrationshintergrund eine Folge der Migrations- und
Integrationspolitik ist.
2. Begriffsklärung
2.1 Migration
Migration und Einwanderung sind oft synonym verwendete Begriffe. Nach näherer
Betrachtung fällt jedoch auf, dass sie verschiedene Bedeutungen haben und in
unterschiedlichen Kontexten gebraucht werden. Deswegen sollen hier beide Begriffe diskutiert
werden.
Der Begriff `Migration' lässt sich von dem lateinischen Wort `migratio' ableiten, was
übersetzt so viel wie Wanderung oder Übersiedlung bedeutet (vgl. Schmidt 2004, S.446).
Abgrenzend zur Binnenmigration wird Migration in der vorliegenden Arbeit als Terminus für
internationale Migration verwendet, welche vom Individuum ausgehende
Wanderungsbewegungen über staatliche Grenzen hinweg umfasst (vgl. Falk/Nohlen 2007,
S.330). Eine weitere Definition beinhaltet zudem, dass die Wanderungsbewegungen
unabhängig von den Gründen und Umständen, ,,mit dem Ziel einhergehen, den
Lebensmittelpunkt in die jeweilige Zielgesellschaft zu verlagern" (Müller-Schneider 2000,
S.16). Dabei ist es für den Migrationsbegriff irrelevant, ob die Migranten, egal zu welchem
Zeitpunkt, planen in ihr Herkunftsland zurückzukehren oder nicht (vgl. ebd. S.16f).
Auch der Begriff `Einwanderung' stammt aus dem Lateinischen: Das Wort `immigare'
bedeutet einwandern (vgl. Schmidt 2004, S.186). Im Wörterbuch zur Politik ist zu
Einwanderung für sich allein stehend lediglich ,,Zuwanderung aus dem Ausland" (ebd. S.186)
zu finden. Diese Definition ist wenig hilfreich und auch in einschlägiger Fachliteratur wird
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die gegenständliche Bedeutung von Einwanderung im Vorhinein nicht geklärt (vgl. Tietze
2008). In der Diskussion um Einwanderung wird zumindest eine Abgrenzung zum Begriff
,,Zuwanderung" deutlich. Süssmuth begreift Zuwanderung sowohl als zeitlich befristeten als
auch dauerhaften Aufenthalt im Zielland und folgert ferner dass mit Zuwanderung auch
Einwanderung gemeint ist (vgl. Süssmuth 2006, S.108). Im Umkehrschluss ist Einwanderung
aber nicht gleich Zuwanderung, sodass davon ausgegangen werden kann, dass sich
Einwanderung darin abgrenzt, dass sie lediglich den dauerhaften Aufenthalt im Zielland
beschreibt.
Zusammenfassend lassen sich die Begriffe also wie folgt voneinander abgrenzen:
Migration beschreibt den Wanderungsprozess als solchen ohne die Richtung der Bewegung
oder den zeitlichen Aufenthalt im Zielland zu betrachten. Einwanderung hingegen beschreibt
nur die Wanderungsbewegungen in ein bestimmtes Zielland und impliziert einen dortigen
dauerhaften Aufenthalt.
Entsprechend der vorherigen Definition ist der Begriff `Migranten' als Sammelbegriff zu
verstehen, für alle Menschen, die ihr Heimatland verlassen und ihren Lebensmittelpunkt nach
Deutschland verlagern, unabhängig von den Motiven und Bedingungen sowie der
Überlegung, ob sie in ihr Heimatland zurückkehren werden oder nicht. Das Wort
`Einwanderer' impliziert hingegen das Verständnis, dass sich die Migranten dauerhaft in
Deutschland niedergelassen haben.
2.2 Integration
Da Integration je nach Kontext sehr verschiedene Bedeutungen hat, soll dem Verständnis
zunächst eine etymologische Herleitung dienen: ,,Integration" stammt von dem lateinischen
Wort ,,integratio" ab, welches die Herstellung bzw. Wiederherstellung des Ganzen unter
Einbeziehung außenstehender Elemente meint (vgl. Schmidt 2004, S.322). Da, dem
Gegenstandsbereich dieser Arbeit entsprechend, die deutsche Gesellschaft in der obigen
Herleitung für das Ganze steht und die Menschen mit türkischem Migrationshintergrund für
die außenstehenden Elemente, kann Integration hier als gesellschaftliche Integration
verstanden werden (vgl. Nohlen 2007, S.229; Holtmann 2000, S.270). Allgemein wird der
obige Aspekt der (Wieder-) Herstellung des Ganzen als Zustand, Prozess, Funktion oder (End-
)Ziel beschrieben (vgl. Nohlen 2007, S.229).
Meines Erachtens kann gesellschaftliche Integration jedoch nur bedingt als Zustand oder
(End-) Ziel betrachtet werden, da beides lediglich eine Momentaufnahme darstellt und
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suggeriert, dass es keiner weiteren Anstrengungen bedarf, wenn das Ziel oder der erwünschte
Zustand erreicht ist. Dieser Betrachtungsweise kann Gesellschaft nicht gerecht werden. Denn
egal um welche Gesellschaft es sich handelt, sie ist nicht homogen und konstant, vielmehr
befindet sie sich in ständiger Veränderung und Entwicklung. Dies gilt folglich auch für die
deutsche Gesellschaft, mit oder ohne Integration von Minderheiten. Das Verständnis von
gesellschaftlicher Integration als Funktion ist hingegen besser geeignet, da sie zeitlich
unbestimmt ist und die Dynamik von Gesellschaft impliziert und fokussiert, ob und wie
Gesellschaft als Ganzes funktioniert.
Schlussendlich soll Integration bzw. die gesellschaftliche Integration von Menschen mit
Migrationshintergrund in dieser Arbeit vorwiegend als Prozess verstanden werden. Auch das
`Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung' beschreibt Integration in seiner Studie als
einen ,,gegenseitige(n) Prozess der Angleichung zwischen Menschen mit
Migrationshintergrund und der schon ansässigen Bevölkerung" (Berlin-Institut für
Bevölkerung und Entwicklung 2009, S.9). Zum Inhalt dieses Prozesses heißt es ferner:
,,Dieser Prozess muss mit einer Öffnung der Aufnahmegesellschaft sowie dem
Integrationswillen der Migranten einhergehen" (ebd., S.9).
Wird in dieser Arbeit die Integration bestimmter Gruppen von Menschen mit
Migrationshintergrund gewertet, also von schlechter oder guter Integration gesprochen, so
bezieht sich dies auf die Daten des `Berlin-Institut(s) für Bevölkerung und Entwicklung'. Das
Institut entwickelte im Zuge ihrer Studie den `Index zur Messung von Integration', der
mithilfe von 20 Indikatoren beschreibt, wie die verschiedenen Herkunftsgruppen in den
Bereichen Assimilation, Bildung, Erwerbsleben und soziale Sicherung im Vergleich zur
deutschen Mehrheitsgesellschaft abschneiden (vgl. Berlin-Institut für Bevölkerung und
Entwicklung 2009, S.6). ,,Als gelungene Integration wird dabei die Annäherung der
Lebensbedingungen von Menschen mit Migrationshintergrund an die der Einheimischen im
Sinne gleicher Chancen und gleicher Teilhabe definiert" (ebd., S.6). Das bedeutet im
Umkehrschluss, dass die Herkunftsgruppen umso schlechter integriert sind, desto mehr die
Werte in den verschiedenen Bereichen von denen der Einheimischen abweichen.
2.3 Migrations- und Integrationspolitik
Sowohl Migrations- als auch Integrationspolitik umfassen politische Strukturen, Konzepte,
Maßnahmen und Programme, welche die Prozesse der Migration und Integration regeln (vgl.
Falk/Nohlen 2007, S.330; Bendel/Falk 2007, S.231). Sie sind folglich als Instrumente zu
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begreifen, die in ihrem Wirkungsbereich die Rahmenbedingungen schaffen. Migrationspolitik
kommt dabei die Aufgabe der Steuerung und Kontrolle des Zugangs zu Territorium zu (vgl.
Falk/Nohlen 2007, S.330), welcher wiederum Vorraussetzung für Migration ist. Gemäß der
Diskussion in 2.1 beinhaltet Migrationspolitik auch Einwanderungspolitik als einen ihrer
Bestandteile.
Integrationspolitik setzt bereits vollzogene Migration voraus, denn sie steuert den Zugang zu
Gesellschaft (vgl. ebd., S.330), sprich das ,,Zusammenleben kulturell oder anderweitig
verschiedener Mitglieder und Gruppen einer Gesellschaft im Sinne einer gleichberechtigten
Teilhabe an den verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen (...) und an öffentlichen Gütern"
(Bendel/Falk 2007, S.231).
An dieser Stelle sei jedoch darauf hingewiesen, dass Politik nicht als alleiniger Faktor auf die
tatsächlichen Prozesse einwirken kann (wie wir bereits gesehen haben, ist der
Integrationsprozess z.B. explizit auf Zweiseitigkeit angewiesen).
3. Deutsch-türkische Migrations- und Integrationspolitik
3.1 Migrationspolitik
Hier soll zunächst der Kontext der Migrationsbewegungen aus der Türkei nach Deutschland
geklärt werden. Desweiteren werden die Bedingungen der Migration von Menschen türkischer
Herkunft mit denen anderer Herkunft verglichen. Denn Menschen mit türkischem
Migrationshintergrund sind in Deutschland am schlechtesten von allen Gruppierungen
integriert (vgl. Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung 2009, S.7), hatten und haben,
wie durch den Vergleich deutlich werden wird, aber auch andere Bedingungen bezüglich der
Migration nach Deutschland, als andere Gruppierungen.
3.1.1 Migration aus der Türkei nach Deutschland
Deutsch-türkische Migration gibt es im Prinzip schon seit der Zeit vor dem ersten Weltkrieg.
Aus politischer Perspektive ist die Migration dieser Zeit jedoch noch nicht relevant, da Anfang
des 20. Jahrhunderts und nochmals nach dem zweiten Weltkrieg, nur vereinzelte
Wanderungsbewegungen aus der Türkei nach Deutschland stattgefunden haben. Das
Hauptmotiv dieser Migration war, in Deutschland eine gute Ausbildung zu genießen um
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