Universität Siegen
FB 3 Sprach-, Literatur- und Medienwissenschaften
Veranstaltung: Diskursanalyse Die Islamisierung des Fremden- und Feindbildes
WS: 2008/2009
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Vorgelegt von: Hülya Akka
Studiengang: MA-LCM (Comparative Studies)
Fachsemester: 3
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NHALT
1. Einleitung
3
2. Das Kopftuch
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2.1 Der Historische Ursprung des Kopftuches
6
2.2 Das Kopftuch und seine Verankerung im Koran
7
3. Der Kopftuchstreit in Deutschland
9
3.1 Die Entstehung der Debatte
9
3.2 Die aktuelle Situation in Deutschland
11
4. Diskursanalytischer Teil
12
4.1 Zum Diskursbegriff nach Michel Foucault
13
4.2 Der Kopftuchstreit im Diskurs
16
4.3 Der öffentliche Diskurs der Massenmedien
Fallbeispiel: Streitschrift ,,Religiöse Reizwäsche"
17
4.4 Die diskursiven Ebenen der Streitschrift
18
4.5 Diskursstrategien Pro-Contra Kopftuchverbot
Eine
Schlussdiskussion
26
5. Bibliografie
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3
1.
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INLEITUNG
Dass aufgrund des Zusammenlebens und der kulturellen Gegensätze verschiedener Kulturen
und Religionen in einer Gesellschaft, in der Zukunft verstärkt Konflikte entstehen können, hat
Samuel P. Huntington bereits 1993 in seinem ,,Kampf der Kulturen" festgestellt:
,,Civilization Identity will be increasingly important in the future, and the world will be shaped in
large measure by the interactions among seven or eight major civilizations. These include Western,
Confucian, Japanese, Islamic, Hindu, Slavic-Orthodox, Latin American and possibly African
civilization. The most important conflicts of the future will occur along the cultural fault lines
separating these civilizations from one another."
1
Huntington erwähnt in diesem Abschnitt seine ausgewählten acht Hauptzivilisationen, die
seines Erachtens, vom damaligen Standpunkt aus, in der Zukunft in gegenseitige Konflikte
geraten könnten. Anzumerken ist hier einerseits, dass Huntington aber Regionen, Kontinente,
Kulturen und Religionen hier in vermengter Form auflistet und diese nicht klar voneinander
trennt. Er unterteilt also nicht deutlich in jeweilige Kategorien wie Kulturen, Religionen oder
nur Länder, sondern er stellt eine Aufzahlung aus allen diesen Bereichen vor, was somit keine
genaue Konzentration auf ein Gebiet feststellen lässt. Andererseits ist aber auch festzustellen,
dass Huntington dennoch eine wohl bedachte Auswahl getroffen hat. So erwähnt er unter
anderem auch die Zivilisation (beziehungsweise die Religion) des Islam und auch die
westliche Zivilisation. Gerade diese beiden ,,Kulturen" sind es, die durch ihr
Aufeinanderprallen in einer Gesellschaft, in den letzten Jahren die häufigsten Diskussionen
im kulturellen und religiösen Bereich entfacht haben, da der Islam immer mehr in das
Bewusstsein der westlichen Welt gerückt ist, als es zuvor je der Fall war.
Insbesondere seit den Terroranschlägen, vonseiten islamistischer Fundamentalisten auf das
World-Trade-Center, am 11. September 2001 in New York, haben diese Diskussionen ein
neues Ausmaß bekommen. Seither werden mit dem Islam Terror, Fundamentalismus und der
,,Heilige Krieg" assoziiert, was in den Menschen nicht nur eine Ablehnung gegenüber dieser
Religion hervorbringt sondern auch Angst. Sehr schnell und einfach verbindet man mit dem
Islam auch das Kopftuch als ein Zeichen dieser angeblich ,,kriegerischen" Religion. Jedoch
wird selten genau hinterfragt, welchen Bedeutungszusammenhang das Kopftuch für die
Trägerin aber insbesondere für die Religion hat. Häufig führen selbst die Trägerinnen
unterschiedliche Gründe, für ihre Entscheidung ein Kopftuch zu tragen, an. So liegt es nicht
fern, dass ein Nichtangehöriger der islamischen Religion eine noch stärkere Angst davor
entwickelt, was ihm fremd ist jedoch wird diese Angst zusätzlich durch einseitige
1
HUNTINGTON, Samuel P. (1993): Clash of Civilizations. In: Foreign Affairs, Volume 72, No.3, summer
1993. S. 25.
4
Berichterstattung und durch die Medienwelt verstärkt, die die Assoziationen des Islams mit
dem Terror zusätzlich intensivieren.
Aufgrund der seit der ,,Gastarbeiterära" angestiegenen Zahl von muslimischen Bürgern in
Deutschland, hat das Kopftuch auch in der Bundesrepublik Einzug gehalten und gehört für die
Trägerinnen und Angehörigen des Islams mit Selbstverständlichkeit zu ihrem alltäglichen
Leben. In den vergangenen Jahren ist bereits häufiger diskutiert worden, inwieweit das
Kopftuch in öffentlichen Schulen von Schülerinnen getragen oder auch Studentinnen getragen
werden darf.
2
Bis diese Problematik von einem neuen Fall abgelöst und somit erweitert
wurde.
Im Jahre 1998 wurde das Kopftuch einer muslimischen Lehrerin zum Hauptgegenstand einer
Kopftuchdebatte, die bis heute noch diskutiert wird. Fereshta Ludin, eine angehende Lehrerin
afghanischer Herkunft und deutsche Staatsbürgerin, wird die Einstellung in den Schuldienst
verwehrt, da sie sich weigert, für ihren Beruf das Kopftuch abzulegen. Einerseits muss der
säkulare deutsche Staat sich an sein Neutralitätsgebot in religiösen Fragen halten, andererseits
aber hat Frau Ludin auch ihr Anrecht auf freie Religionsausübung wie es im Grundgesetz,
Artikel 4 festgehalten ist. Da der Ort, an dem das Tuch getragen oder nicht getragen
werden soll eine öffentliche Schule ist, spielt ferner auch die Religionsfreiheit der Schüler
aber auch das Erziehungsrecht der Eltern eine wichtige Rolle, die der Ansicht sind/sein
können, dass ihre Kinder durch (fremde) ,,religiöse Symbole" im Unterricht beeinflusst
werden können.
All diese unterschiedlichen Standpunkte, Rechte und Pflichten formieren den Kopftuchstreit
und bilden jeder für sich mit weiteren Komponenten jeweilige Diskurse zu dieser
Thematik. Daher sollen in der vorliegenden Arbeit, nebst der Problematik des Kopftuchstreits,
auch die zu dieser Angelegenheit gehörenden Diskurse behandelt und besprochen werden.
Um sich der Thematik zu nähern, sollen zunächst grundlegende Ausführungen zu dem
Kopftuch und dessen Ursprung getätigt werden. Nach einer Betrachtung der Kopftuchdebatte
in Deutschland und der hiesigen aktuellen Situation, soll der diskursanalytische Teil dieser
Arbeit folgen. Hier soll zunächst aufbauend auf Michel Foucaults Ausführungen eine
Annäherung an das Themengebiet des Diskurses getätigt werden. Im Anschluss daran sollen
die jeweiligen diskursiven Ebenen im deutschen Kopftuchstreit besprochen und vorgestellt
werden. Dabei sollen anhand einer ausgewählten ,,Streitschrift", die Diskussionen um die
Kopftuchdebatte greifbarer dargestellt werden. Die unterschiedlichen Diskurse der Politik, der
Justiz sowie der feministische und der religiöse Diskurs sollen einen Teil dieses Abschnittes
2
PAPE, Elise (2005): Das Kopftuch von Frauen der zweiten Einwanderungsgeneration: Ein Vergleich zwischen
Frankreich und Deutschland. Aachen: Shaker Verlag. S. 18.
5
der ,,Streitschrift" bilden. Abschließend sollen in diesem Kapitel der Arbeit auch Pro- und
Contra-Argumente zu dem Kopftuchverbot im deutschen öffentlichen Dienst besprochen und
mit einer Schlussdiskussion verbunden werden. Den Abschluss der Arbeit bildet das
Literaturverzeichnis mit einer Auflistung der verwendeten Bibliografie.
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2.
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OPFTUCH
Mit verschiedenen Formen, verschiedenen Farben und mittlerweile ebenso vielen
verschiedenen Arten es zu binden und zu tragen, kennt man es als modisches Accessoire aber
vorrangig als ein religiöses Symbol das Kopftuch. Insbesondere als Kopfbedeckung für
Frauen islamischen Glaubens, ist das Kopftuch weitläufig bekannt. Während es zu früheren
Zeiten auch in Ländern christlichen Glaubens üblich war, dass Frauen das Kopftuch als
Kopfbedeckung verwenden, nahm dies mit dem Lauf der Zeit und der modischen
Entwicklung stark ab. Lediglich in ländlichen Regionen ist die Tradition des Kopftuches noch
annähernd erhalten geblieben.
Mit dem stärkeren Einzug muslimischer Gastarbeiter und ihrer Familien, wurde das Kopftuch
hauptsächlich mit Religion und dem Islam in Verbindung gebracht aber auch als politisches
Symbol oder als ein Zeichen für die Unterdrückung der Frau interpretiert. Jedoch hat
entgegen der verbreiteten Annahmen das Kopftuch seinen Ursprung nicht vorrangig im
Islam. Um dem Thema des Kopftuchstreits eine Einleitung zu geben soll im Folgenden kurz
auf den eigentlichen Ursprung des Kopftuches Bezug genommen werden und im Anschluss
seine Bedeutung für den Islam und seine Verankerung im Koran besprochen werden.
2.1
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ISTORISCHE
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RSPRUNG DES
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OPFTUCHES
Anders als häufig angenommen wird, liegt der eigentliche Ursprung des Kopftuches nicht im
Islam. Bereits bei den Sumerern, deren Reich um 4000 bis 3000 v. Chr. gegründet wurde
3
, ist
das das Kopftuch als eine Form der Bedeckung für Frauen, zu finden. Die Sumerer lebten in
Mesopotamien und verfolgten innerhalb ihres Landes eine Gleichberechtigung von Männern
und Frauen. Allerdings trugen die sumerischen Nonnen außerhalb ihrer Tempel Kopftücher,
um bei ihrer Arbeit in der Öffentlichkeit unerkannt zu bleiben. Das Kopftuch hatte hier also
die Funktion der Anonymität.
Später taucht das Kopftuch in vor 3000 Jahren entstandenen assyrischen Gesetzen auf.
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Die
Assyrer waren ein semitisches Volk aus dem Altertum und lebten in Mittel- und Nord-
Mesopotamien. Sie verfolgen ein patriarchalisches Sozialsystem, in dem Frauen unterdrückt
wurden. Ihre Gesetzte sahen vor, dass verheiratete Frauen sowie Witwen den Kopf bedecken
müssen. Prostituierte allerdings mussten sich nicht bedecken, womit auch eine
Unterscheidung zwischen den Frauen erkennbar war.
3
http://de.wikipedia.org/wiki/Sumer [Mai 2009].
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PAPE, Elise (2005), S. 15.
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