Inhalt
Abbildungsverzeichnis III
Tabellenverzeichnis IV IV
1 Einleitung 1
2 Das Heidelberger Kompetenztraining (HKT) zur Entwicklung mentaler Stärke ein
Überblick 3
2.1 Entwicklungslinie des HKT 3
2.2 Aktueller Entwicklungsstand des HKT 4
2.3 Nachhaltige Implementierung des HKT 7
3 Die Konsistenztheorie nach Grawe 9
3.1 Grundzüge der Konsistenztheorie 9
3.1.1 Das Streben nach Kongruenz 10
3.1.2 Das Streben nach Konsistenz 14
3.1.3 Der funktionale Zusammenhang zwischen Kongruenz und Konsistenz 15
3.2 Positive Effekte der Grundbedürfnisbefriedigung 17
3.2.1 Gesundheit 17
3.2.2 Wohlbefinden 20
3.2.3 Optimale Leistungsfähigkeit 24
3.2.4 Zusammenführung der positiven Effekte die integrative Kraft der Grundbedürfnisorientierung 31
3.3 Ressourcenorientierung als zentrale konsistenztheoretische Förderungsstrategie 33
4 Theoretische Fundierung des HKT auf der Basis der Konsistenztheorie 40
4.1 Zielsetzung Grundsätze und Hauptmerkmale des HKT aus konsistenz-theoretischer
Perspektive 40
4.1.1 Die übergeordnete Zielsetzung des HKT 40
4.1.2 Der Trainingsaspekt im HKT 45
4.1.3 Das methodische Prinzip der Parallelität von digitalen und analogen Denk und Erlebensprozessen 48
4.1.4 Die Pluripotenz des Heidelberger Kompetenztrainings 54
4.1.5 Der HKT-Prozess Grundstruktur und Ergebnis 57
4.2 Ausführliche Darstellung und theoretische Fundierung des HKT-Prozesses 61
4.2.1 Prozessschritt 1: Ziele formulieren 62
4.2.1.1 Ziele nach Zielkriterien exakt formulieren können 63
4.2.1.1.1 Positive Zielformulierung Annäherungsziele formulieren 63
4.2.1.1.2 Eigenverantwortliche Erreichbarkeit 65
4.2.1.1.3 Ziele auf innere und äußere Widersprüche ökologisch überprüfen 67
4.2.1.1.4 Ziele konkret formulieren 68
4.2.1.1.5 Sinnlich erlebbar 70
4.2.1.1.6 Methodische Umsetzung der exakten Zielformulierung nach Zielkriterien 70
4.2.1.2 Die Zielerreichung mental erleben können 71
4.2.1.2.1 Methodisches Vorgehen 71
4.2.1.2.2 Theoretische Fundierung des methodischen Vorgehens 72
4.2.1.3 Grundbedürfnisbezogene Betrachtung der Zielarbeit 75
4.2.2 Prozessschritt 2: Sich konzentrieren 77
4.2.2.1 Methodisches Vorgehen 78
4.2.2.2 Konsistenztheoretische Fundierung des Konzentrationsbausteins 79
4.2.3 Prozessschritt 3: Seine Stärken aktivieren 82
4.2.3.1 Methodisches Vorgehen 83
4.2.3.1.1 Seine Stärken kennen 83
4.2.3.1.2 Die Stärken bewusst aktivieren können 84
4.2.3.2 Konsistenztheoretische Fundierung des Stärkenbausteins 85
4.2.4 Prozessschritt 4: Die Zielintention abschirmen 91
4.2.4.1 Methodisches Vorgehen 92
4.2.4.1.1 Lösungsstrategien für mögliche Störungen formulieren können 92
4.2.4.1.2 Möglichkeiten der mentalen Abschirmung anwenden können 94
4.2.4.2 Konsistenztheoretische Fundierung des Abschirmungsbausteins 95
4.2.4.2.1 Die Bildung von Wenn-dann Plänen als effektive Selbststeuerungs Abschirmstrategie 95
4.2.4.2.2 Die Übungen Circle of Concentration und Zielstärke entwickeln als
Abschirmstrategien 98
4.2.4.2.3 Grundsätzliche Abschirmungseffekte des HKT-Vorgehens 99
5 Resümee und Ausblick 104
Literaturverzeichnis 109
Anhang 112
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Das HKT-Modell 6
Abbildung 2: Das konsistenztheoretische Modell des psychischen Geschehens 11
Abbildung 3: Das Zusammenspiel der beiden zentralen Beweger des psychischen Geschehens Konsistenz und
Kongruenz 17
Abbildung 4: Der zweifache gesundheitliche Wert der Grundbedürfnisbefriedigung 19
Abbildung 5: Kurz mittel und langfristige emotionale Effekte der Grundbedürfnisbefriedigung 23
Abbildung 6: Die positiven Effekte des aktivierten Annäherungssystems als Grundlage einer optimalen
Leistungsfähigkeit 26
Abbildung 7: Grundbedürfnisbefriedigung als Auslöser leistungssteigernder Aufwärtsspiralen 28
Abbildung 8: Pluripotenz der Grundbedürfnisbefriedigung 32
Abbildung 9: Förderungsoptionen aus konsistenztheoretischer Sicht 36
Abbildung 10: Ursachen der Pluripotenz des HKT 56
Abbildung 11: Grundstruktur motivationaler Annäherungsschemata 57
Abbildung 12: Die Grundstruktur eines HKT-Annäherungsschemas zur Befriedigung des Kontrollbedürfnisses59
Abbildung 13: Analoge Darstellung der vier Komponenten des HKT-Prozesses 62
Abbildung 14: Grundstruktur eines HKT-Annäherungsschemas zur Befriedigung des Kontrollbedürfnisses
Zwischenstand nach dem ersten Teilschritt 77
Abbildung 15: Grundstruktur eines HKT-Annäherungsschemas zur Befriedigung des Kontrollbedürfnisses
Zwischenstand nach dem zweiten Teilschritt 82
Abbildung 16: Ressourcenaktivierung als Schlüsselstrategie zur Initiierung bedürfnisbefriedigender und
zielführender Prozesse auf neuronaler und psychischer Ebene 87
Abbildung 17: Grundstruktur eines HKT-Annäherungsschemas zur Befriedigung des Kontrollbedürfnisses
Zwischenstand nach dem dritten Teilschritt 91
Abbildung 18: Grundstruktur eines HKT-Annäherungsschemas zur Befriedigung des Kontrollbedürfnisses
Endstand nach dem vierten Teilschritt 102
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Gegenüberstellung der Eigenarten von Erfahrungsverstand und rationalem Verstand ...................... 50
Tabelle 2: Übersicht über aktuelle HKT-Einsatzfelder......................................................................................... 54
IV
1 Einleitung
Das Heidelberger Kompetenztraining (HKT) ist ein Mentaltrainings-Ansatz, der seit 2005 an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg entwickelt wird. Er verfolgt das Ziel, über den Aufbau bzw. die Stärkung solcher Selbststeuerungskompetenzen, deren Verfügbarkeit für die erfolgreiche Realisierung insbesondere ambitionierter Zielsetzungen (wie sie v.a. im schulischen, beruflichen, sportlichen und gesundheitlichen Kontext angestrebt werden) eine wesentliche Voraussetzung darstellt und darüber hinaus zur Befriedigung zentraler psychischer Grundbedürfnisse beiträgt, Menschen zugleich in ihrem Ziel- und Bedürfnisbefriedigungsstreben zu unterstützen.
Die bisherige Entwicklung des HKT ist gekennzeichnet durch eine stetige Weiterentwicklung, die v.a. dadurch vorangetrieben wird, dass die in der praktischen Anwendung dieses Modells gemachten Erfahrungen als Impulse aufgegriffen werden, um dieses „Praxismodell“ weiter zu optimieren. Sowohl die in der Praxis aufgetretenen Herausforderungen – z.B. die Frage, wie sich das HKT nachhaltig in einer Schule implementieren lässt oder wie sich das HKT so standardisieren lässt, dass es flexibel an unterschiedliche Personengruppen und Kontexte angepasst werden kann – als auch die Ausweitung der Anwendungsfelder des HKT – so hat das
HKT längst seinen ursprünglichen Schulkontext überschritten und kommt aktuell auch im
Bereich des Reha-Wesens und in der betrieblichen Gesundheitsförderung zum Einsatz – stellten in jüngster Zeit solche die Weiterentwicklung vorantreibenden Praxisimpulse dar, da sie die Notwendigkeit verdeutlichten, „die theoretische Fundierung des HKT klarer herauszuarbeiten“ (Knörzer, Rupp & Heinrich, in Druck), um von dieser theoretischen Basis aus dann wissenschaftlich begründbare Lösungen für solche Herausforderungen entwickeln zu können.
Dieser Weiterentwicklungsschritt der ausführlichen theoretischen Fundierung des HKT, der die Grundlage dafür bilden soll, die praktische Weiterentwicklung des HKT theoriebasiert vorantreiben zu können, soll mit der vorliegenden Arbeit geleistet werden. Um diese überge-ordnete Zielsetzung zu realisieren, wird auf die Konsistenztheorie Grawes zurückgegriffen, die jüngst zur „Basistheorie“ des HKT erklärt wurde (vgl. Knörzer, Rupp & Heinrich, in Druck), da sie bereits von Beginn der HKT-Entwicklung an die zentrale theoretische Grundlage des HKT bildet, auch wenn dies bisher nur in den Bezugsmodellen des HKT – dem Integrativen Mentaltraining (Amler, Bernatzky & Knörzer, 2006) und dem Modell der kompe-tenzorientierten Prävention und Gesundheitsförderung (Knörzer, 2006) – angedeutet wurde, ohne dies näher zu explizieren. Die dieser Arbeit zugrunde liegende Fragestellung lässt sich
1
somit folgendermaßen fassen: Wie lässt sich das Heidelberger Kompetenztraining konsistenz-theoretisch fundieren? Oder genauer: Wie lassen sich Zielsetzungen, Inhalte, Grundsätze und Methoden/Vorgehensweisen des HKT konsistenztheoretisch begründen und darstellen? Gerade im Hinblick auf die Ausweitung der Anwendungsfelder des HKT soll im Rahmen der kon-sistenztheoretischen Grundlegung des HKT theoriebasiert auch eine Antwort auf die Frage gefunden werden, was das HKT mit seinem Trainingsprogramm leistet: Was leistet das HKT aus konsistenztheoretischer Sicht?
Die Beantwortung dieser Fragestellungen wird auf dem Wege einer durchgängig hermeneutischen Vorgehensweise angestrebt. Aus Grawes Hauptschriften zur Konsistenztheorie (2000; 2004) sowie einschlägigen Zeitschriftenartikeln werden zunächst die Grundlagen der Konsis-tenztheorie herausgearbeitet. Dasselbe Textmaterial wird anschließend daraufhin ausgewertet, welche positiven Effekte die Befriedigung der psychischen Grundbedürfnisse mit sich führt. Die hier gewonnenen Erkenntnisse bilden eine zentrale Grundlage für die Beantwortung der Fragestellung, was das HKT aus konsistenztheoretischer Sicht leistet, strebt dieses doch eine Befriedigung der psychischen Grundbedürfnisses an. Anschließend wird durch einen weiteren Bearbeitungsschritt anhand der oben aufgeführten Textbasis ein Erkenntnisgewinn darüber angestrebt, welche grundsätzlichen Anforderungen sich aus Sicht der Konsistenztheorie für die Absicht ergeben, zu einer Förderung menschlicher Potentiale beizutragen.
Mit der auf diese Weise erarbeiteten konsistenztheoretischen Wissensbasis wird dann an das
HKT herangetreten, um die Hauptfragestellung der vorliegenden Abhandlung, wie das HKT
(konsistenz-)theoretisch fundiert werden kann, zu beantworten. Die Fundierung erfolgt in zwei Schritten. Zunächst werden übergeordnete Zielsetzungen und Grundsätze des HKT vorgestellt und theoretisch begründet. Im Anschluss daran wird das HKT schrittweise in seinen einzelnen Bausteinen detailliert vorgestellt und konsistenztheoretisch untermauert.
2
2 Das Heidelberger Kompetenztraining (HKT) zur Entwicklung
mentaler Stärke – ein Überblick
Dieses Kapitel gibt eine erste Orientierung hinsichtlich der Entwicklung, des aktuellen Stands, der Zielsetzung, Umsetzung und Implementierung des Heidelberger Kompetenztrainings. Eine ausführliche Darstellung erfolgt zu einem späteren Zeitpunkt im Rahmen der theoretischen Fundierung des Heidelberger Kompetenztrainings (siehe Kapitel 4).
Die bisherige Entwicklung des Heidelberger Kompetenztrainings (HKT) ist gekennzeichnet durch eine stetige Weiterentwicklung im Dialog mit den Praxisakteuren 1 dieses Konzepts, was die Entwickler des HKT „im Sinne eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses als wichtigen Beitrag zur Qualitätsentwicklung [verstehen]“ (Knörzer, Amler & Rupp, 2009, S. 47). Dieser dynamische Prozess ist auch daran abzulesen, dass die Textbasis, die den aktuellen Entwicklungsstand des HKT wiedergibt und die deshalb zur Erstellung dieses Kapitels herangezogen wird, zum Zeitpunkt der Fertigstellung dieser Arbeit gerade erst veröffentlicht wurde (Knörzer, Amler & Rupp, 2009) bzw. kurz vor der Veröffentlichung steht (Knörzer, Rupp & Heinrich, in Druck).
2.1 Entwicklungslinie des HKT
Aufgrund des dynamischen Entwicklungsprozesses soll zunächst die Entwicklungslinie des
HKT skizziert werden. Das Heidelberger Kompetenztraining wird seit 2005 an der Pädagogi-
schen Hochschule Heidelberg entwickelt. Ausgangspunkt war ein Programm „Sportler mental stark machen“, dessen Ziel es ist, durch systematisches Mentaltraining die Persönlichkeit so zu entwickeln, dass jugendliche Sportler stark genug werden, ihre Leistungsmöglichkeiten umfassend auszuschöpfen, Dopingversuchungen zu widerstehen und parallel zur leistungs-sportlichen Entwicklung über ihre schulische und berufliche Entwicklung ein zweites Standbein aufzubauen (vgl. Knörzer, Amler, Bernatzky & Breuer, 2006). In dieser Entwicklungsphase orientierte sich das HKT in erster Linie am Konzept des „Integrativen Mentaltrainings im Sport“ (Amler, Bernatzky & Knörzer, 2006), dessen übergeordnete Zielsetzung es ist, Sportler dabei zu unterstützen, einen Zustand idealer Leistungsfähigkeit zu erreichen und aufrechtzuerhalten.
1 Da eine ständige Aneinanderreihung von weiblichen und männlichen Bezeichnungen die
Lesbarkeit beeinträchtigt, habe ich mich dazu entschlossen, in dieser Arbeit die männliche
Bezeichnung zu verwenden. Damit sind selbstverständlich auch alle Frauen mitgedacht und
eingeschlossen.
3
Mit der Implementation des Mentaltrainings in verschiedenen Schulen, meist Partnerschulen des Olympiastützpunktes Rhein-Neckar, in denen die jugendlichen Leistungssportler unterrichtet wurden, zeigte sich, dass das Mentaltraining nicht nur von diesen sehr positiv aufgenommen wurde, sondern ebenso von deren Mitschülern, die keinen Leistungssport betrieben. Diese konnten ihre Erfahrungen aus dem Mentaltraining vor allem in Klassenarbeits- und Prüfungssituationen erfolgreich umsetzen (vgl. Knörzer, Amler, Bernatzky & Breuer, 2006). Die Weiterentwicklung des Konzeptes wurde daher nicht mehr nur auf jugendliche Leistungs-sportler, sondern auf alle Schüler ausgerichtet. Es wurde nun ein spezielles Trainingsprogramm für Schüler entwickelt, das „Heidelberger Kompetenztraining (HKT) zur Entwicklung mentaler Stärke“.
2.2 Aktueller Entwicklungsstand des HKT
Der Prozess der HKT-Weiterentwicklung verdeutlichte die Notwendigkeit, die theoretische Fundierung des Konzeptes weiter voranzutreiben. Die Entscheidung bezüglich einer geeigneten theoretischen Basis fiel dabei auf die Konsistenztheorie nach Grawe (2000; 2004). Orientierung für die Entscheidung war in der Tradition systemisch-konstruktivistischen Denkens das Konstrukt der „Viabilität“ (Glaserfeld, 1987), d.h., eine Theorie ist dann besonders geeignet, wenn sie eine Problemstellung komplex zu lösen verspricht. Mit dieser konsistenztheoretischen Ausrichtung wird nun auch die übergeordnete Zielsetzung des HKT gegenüber früheren Beschreibungen (vgl. Knörzer, 2008a; 2008b) neu formuliert:
„Ziel des HKT ist es, Menschen zu befähigen, Inkongruenzen ressourcenorientiert zu lösen.“ (Knörzer, Amler & Rupp, 2009, S. 44) „Der Begriff Inkongruenz […] meint Abweichungen zwischen den Wahrnehmungen der Realität auf der einen Seite und aktivierten Zielen, Erwartungen und Überzeugungen auf der anderen Seite“ (Grawe, 2004, S. 235).
Ausgangspunkt hierbei ist die in zahlreichen Studien nachgewiesene Problematik, dass es vielen Menschen, selbst wenn sie hoch motiviert sind, nicht gelingt, ihre selbstgesetzten Ziele zu realisieren (vgl. Achtziger & Gollwitzer, 2006, S. 289). Erfolgreiches Zielstreben stellt aufgrund der zahlreichen potentiellen internen (z.B. Zielkonflikte) und externen Hindernisse (z.B. Ablenkungen), die sich diesem in den Weg stellen können, hohe Anforderungen an die Selbststeuerungsfähigkeit der Menschen. Da viele Menschen diese Fähigkeit nicht in ausreichendem Maße vorweisen oder nutzen können, machen sie während ihres Zielstrebens immer wieder Wahrnehmungen entgegen ihren Zielen – sie erleben Inkongruenz. Das HKT will nun mit dem gezielten Aufbau von Selbststeuerungskompetenzen Menschen dabei unterstützen,
4
ihr Zielstreben erfolgreich zu gestalten, sodass sie ihre Realitätswahrnehmungen mit ihren
Zielsetzungen zur Deckung (Kongruenz) bringen können.
Zugleich wird mit dem Aufbau der hier geschulten und trainierten Kompetenzen eine gute
Befriedigung der psychischen Grundbedürfnisse angestrebt, stellen diese Kompetenzen doch
nach Ansicht der HKT-Entwickler maßgebliche Ressourcen dar, um mit dem eigenen Verhal-
ten bedürfnisbefriedigende Erfahrungen herbeiführen zu können. Die mit der Bedürfnis-
befriedigung verbundenen positiven Effekte – Wohlbefinden, psychische Leistungsfähigkeit
und Gesundheit – stellen weitere Zielsetzungen des HKT dar (vgl. Knörzer, Rupp & Heinrich,
in Druck).
Um die aufgezeigten Ziele zu erreichen, folgt der HKT-Prozess vier Schritten: x Ziele formulieren x Sich konzentrieren x Seine Stärken aktivieren x Die Zielintention abschirmen Die vier Schritte werden als Teilziele verstanden, die erreicht werden sollen, um die oben
formulierten übergeordneten Ziele des HKT zu verwirklichen. Dabei ist der Weg zu den ein-
zelnen Teilzielen nicht eindeutig festgelegt. Je nach Zielgruppe, Rahmenbedingungen und
Ausrichtung (z.B. Leistungsoptimierung oder Lebensstiländerung) kann und wird er durchaus
variieren. Mit dieser Outcome-Standardisierung werden wesentliche Ideen der aktuellen päda-
gogischen Diskussion aufgegriffen (vgl. Rolff, 2004; Helmke, 2008; Ziener, 2009). Zur Eva-
luierung der HKT-Teilziele wurden diese exakter ausformuliert. Sie beschreiben zugleich die
Selbststeuerungskompetenzen, die im HKT aufgebaut bzw. gestärkt werden sollen: x Ziele nach Zielkriterien exakt formulieren und die Zielerreichung mental erleben können.
x Die Zugangswege zur Konzentration kennen und sich konzentrieren können. x Seine Stärken kennen und diese bewusst aktivieren können.
x Lösungsstrategien für mögliche Störungen formulieren und Möglichkeiten der mentalen Abschirmung anwenden können.
Eine weitere Ausdifferenzierung nach Messindikatoren und Messinstrumenten erfolgte in
Anlehnung an das von Amler, Bernatzky & Knörzer (2006, S. 79ff.) entwickelte Evaluations-
modell. Die vier Teilziele werden in jedem HKT-Trainingsprogramm angestrebt. Dabei kön-
5
nen die methodischen Wege zur jeweiligen Zielerreichung durchaus variieren. Allerdings sollen alle HKT-Trainingsprogramme ein methodisches Prinzip umsetzen, nämlich das der Parallelität von digitalen und analogen Denk- und Erlebensprozessen (vgl. Bateson, 1985, S. 376ff.). Neben den ‚digitalen‘, verbal-analytischen Methoden werden gleichwertig ‚analoge‘, d.h. bildhaft-metaphorische und körperlich-emotionale, Methoden berücksichtigt. „Wir sprechen also dann von HKT-Trainingsprogrammen, wenn die vier o.g. Teilziele angestrebt werden und zwar sowohl mit digitalen wie auch mit analogen Methoden.“ (Knörzer, Amler & Rupp, 2009, S. 45) Entsprechend der analogen Ausrichtung wird das HKT-Modell folgendermaßen abgebildet:
Abbildung 1: Das HKT-Modell
Quelle: Knörzer, Amler & Rupp, 2009, S. 45 Auf der Grundlage der beschriebenen Outcome-Konzeptbildung konnten und können nun HKT-Programme für unterschiedliche Zielgruppen und in unterschiedlichen Kontexten entwickelt werden. Dies ist bereits im schulischen Rahmen geschehen ebenso wie im Bereich des Reha-Wesens und in der betrieblichen Gesundheitsförderung. Starke Beachtung fand dabei auch die Integration des HKT in das Unterrichtsfach „Glück“ in der zweijährigen Berufsfachschule der Willy-Hellpach-Schule in Heidelberg (vgl. Fritz-Schubert, 2008).
6
2.3 Nachhaltige Implementierung des HKT
Bleibt die Frage zu klären, wie das Heidelberger Kompetenztraining nachhaltig in Schulen
und anderen Organisationen implementiert werden kann. Knörzer, Amler & Rupp (2009)
skizzieren dies am Beispiel der Schulen, da der Einsatzschwerpunkt des HKT bisher in die-
sem Bereich lag. Die Ausführungen können und sollen aber auch auf andere Einrichtungen
übertragen werden.
Ausgangspunkt waren die wenig befriedigenden Erfahrungen, die in der ersten Implemen-
tierungsphase mit dem Einsatz externer Expertenteams gemacht wurden, die das HKT-
Programm im Rahmen von fünf Doppelstunden pro Schulhalbjahr unterrichteten. Dazwischen
wurde das Thema nicht wieder aufgegriffen, da die unterrichtenden Lehrkräfte nicht über eine
entsprechende Qualifikation verfügten, um die HKT-Inhalte und -methoden weiterzuführen
bzw. diese in ihren Unterricht flexibel zu integrieren (vgl. Knörzer, Rupp & Heinrich, in
Druck).
Die weiteren Überlegungen zur Lösung wurden auf der Grundlage systemischer Organisa-
tionsentwicklung (vgl. Argyris & Schön, 1999; Königswieser & Exner, 1999; Ruep, 1999)
sowie des Setting-Ansatzes der Gesundheitsförderung (vgl. Knörzer & Steen, 2006) ent-
wickelt, mit dem Ergebnis, dass das HKT nur dann in Schulen implementiert werden sollte,
wenn:
x Die Schulleitung dies aktiv unterstützt.
x Das gesamte Kollegium über das Projekt ausreichend informiert wird. x Mindestens 20% des Kollegiums in einem Zeitraum von drei Jahren an den HKT-Fortbildungen teilnehmen.
x Pro Halbjahr mindestens ein HKT-Projekt durchgeführt und dem Netzwerk der HKT-Schulen zur Verfügung gestellt wird.
x Das HKT ausgewiesener Teil der Schulkultur wird und sich dies etwa im schulischen Leitbild oder Schulportfolio niederschlägt.
Ist dies im Vorfeld gewährleistet, wird zunächst ein Kontrakt unterschrieben, in dem sich die
Schule zur Einhaltung o.g. Punkte verpflichtet. Als Gegenleistung erhält sie die entsprechen-
den Fortbildungsplätze sowie Beratung und Supervision. Die Information des Gesamt-
kollegiums erfolgt in der Regel in Form einer Präsentation im Rahmen einer Gesamtlehrer-
konferenz, aber auch als ganztägige Fortbildung im Kontext einer schulinternen Lehrerfort-
bildung.
7
Pro Schulhalbjahr findet mindestens eine viertägige Fortbildungsveranstaltung statt. Jede Fortbildungsgruppe umfasst 30 Teilnehmende, es werden Lehrer und Studierende gemeinsam fortgebildet.
Das Weiterbildungskonzept umfasst zwei zweitägige Blöcke mit einem Zwischenraum von ca. sechs bis acht Wochen, in dem die Teilnehmer bereits einzelne Elemente des HKT an den Schulen erproben. Es ist nach dem Konzept des mehrstufigen Dozententrainings nach Wahl & Wölfing (1991) entwickelt. Am Ende der Fortbildung werden konkrete HKT-Projekte geplant, die dann gemeinsam von den Lehrkräften und Studierenden an den jeweiligen Schulen umgesetzt werden.
Mit Unterstützung einer Internetplattform wird derzeit ein Netzwerk der beteiligten Schulen aufgebaut.
8
3 Die Konsistenztheorie nach Grawe
Dieses Kapitel verfolgt nachstehende Zielsetzungen:
Es gibt einen Überblick über zentrale Begriffe, Aussagen und Annahmen der Konsistenztheorie (3.1).
Über die Darstellung der zahlreichen positiven Effekte, die sich aus konsistenztheoretischer Sicht durch eine Befriedigung psychischer Grundbedürfnisse ergeben, soll die Grundbedürfnisbefriedigung als besonders lohnendes Ziel individuumbezogener Förderungsmaßnahmen herausgestellt werden. Zugleich wird mit den dargestellten positiven Effekten der Grundbedürfnisbefriedigung eine erste Antwort auf die Fragestellung gegeben, was das HKT leistet, wenn es, wie intendiert, zu einer guten Befriedigung der Grundbedürfnisse beiträgt (3.2). Abschließend werden grundsätzliche Anforderungen formuliert, die sich aus Sicht der Konsis-tenztheorie für die Bestrebung ergeben, auf den Menschen förderlich einzuwirken. Hierbei wird die Ressourcenorientierung als zentrale konsistenztheoretische Förderungsstrategie vorgestellt (3.3).
3.1 Grundzüge der Konsistenztheorie
Nachfolgende Ausführungen zur Konsistenztheorie beziehen sich auf die aktuellste Gesamtdarstellung Grawes (2004, S. 183ff.). Abweichende Quellen werden explizit angegeben. Grawe legt mit der Konsistenztheorie eine spezifische Sichtweise des psychischen Funktionierens vor, die er aus der Perspektivenverschränkung zweier Forschungsrichtungen gewinnt. Er verknüpft Befunde und Modelle, die in der empirisch ausgerichteten Psychologie weite Akzeptanz finden, mit einer neurowissenschaftlich fundierten Sicht des psychischen Geschehens. Dabei gilt es gleich zu Beginn herauszustellen, dass trotz des psychotherapeutischen Kontextes, in dem dieser Ansatz entstanden ist, es sich bei der Konsistenztheorie um ein „Modell des normalen seelischen Funktionierens“ (Grawe, 2000, S. 449) und nicht um ein psychopathologisches Modell handelt. Damit einher geht der Anspruch, dass die hier entwickelten Aussagen über das psychische Funktionieren für den Menschen generell gelten (vgl. ebd.).
Ein wesentliches Charakteristikum der Konsistenztheorie Grawes ist, dass sie sich über die bloße Beschreibung der Abläufe des psychischen Geschehens hinaus darum bemüht, zu einer inhaltlichen Bestimmung dessen beizutragen, was den Menschen „im Positiven wie im Negativen bewegt“.
9
Grawe konzipiert in der Konsistenztheorie zwei zentrale „Beweger“ des psychischen Geschehens, die das konkrete Erleben und Verhalten des Menschen maßgeblich beeinflussen und die gewissermaßen neurobiologisch vorgegebene Standards darstellen, denen jeder Mensch auf individuelle Art entsprechen muss, will er sich gut entwickeln, gesund leben und sich erfolgreich mit seiner Umwelt auseinandersetzen.
Zum einen muss der Mensch in der Interaktion mit seiner Umwelt seine psychischen Grundbedürfnisse befriedigen (Streben nach Kongruenz). Zum anderen muss er unter seinen vielen gleichzeitig aktivierten internen psychischen und neuronalen Abläufen eine gewisse Ordnung und Harmonie herstellen (Streben nach Konsistenz).
Die nähere Charakterisierung dieser beiden zentralen Beweger des psychischen Geschehens und die Klärung ihres funktionalen Zusammenhangs kennzeichnen nachfolgenden Dreischritt.
3.1.1 Das Streben nach Kongruenz
Das Streben nach Kongruenz verknüpft die unteren drei Ebenen Grawes hierarchisch aufgebauten konsistenztheoretischen Modells zu einer funktionalen Einheit (vgl. Abbildung 2). Um seine angeborenen psychischen Grundbedürfnisse zu befriedigen, bildet jeder Mensch im Laufe seiner Sozialisation motivationale Schemata – bestehend aus motivationalen Zielen und Mitteln zu deren Realisierung – aus, die das konkrete Erleben und Verhalten so ausrichten, dass in der Person-Umwelt-Interaktion möglichst die motivationalen Ziele (als die zentralen Komponenten der motivationalen Schemata) und damit die hinter ihnen stehenden Grundbedürfnisse verwirklicht werden.
10
Abbildung 2: Das konsistenztheoretische Modell des psychischen Geschehens
Quelle: in Anlehnung an Grawe, 2004, S. 189 Zentraler Ausgangspunkt dieses Strebens nach Realisierung der motivationalen Ziele sind die psychischen Grundbedürfnisse. Darunter werden Bedürfnisse gefasst, „die bei allen Menschen vorhanden sind und deren Verletzung oder dauerhafte Nichtbefriedigung zu Schädigungen der psychischen Gesundheit und des Wohlbefindens führen“ (S. 185). Auf der Basis psychologischer und neurobiologischer Forschungsergebnisse werden vier psychische Grundbedürfnisse postuliert, die eine breite empirische Evidenz aufweisen (vgl. S. 192ff.):
Ein Bedürfnis nach Orientierung und Kontrolle
Dies ist das Bedürfnis, mit dem eigenen Verhalten erfolgreich Wirkungen im Sinne bestimmter Ziele herbeiführen zu können. Es macht den Menschen bedürftig danach, etwas zu können, was zur Herbeiführung und Aufrechterhaltung der eigenen Ziele wichtig ist. Dies macht den Kompetenzaspekt dieses Bedürfnisses aus. Wirksame
11
Kontrolle setzt allerdings voraus, dass der Mensch in der Lage ist, sich einen zutreffenden Überblick über die Situationen zu verschaffen, in denen er sich befindet – sich also zu orientieren. Dies ist die kognitive Komponente dieses Bedürfnisses.
Ein Bedürfnis nach Lustgewinn/Unlustvermeidung
Dieses Bedürfnis betrifft das Bestreben, eine möglichst positive Lust-Unlust-Bilanz zu erzielen, also erfreuliche/lustvolle Erfahrungen herbeizuführen und zu erleben und schmerzhafte/unangenehme Erfahrungen zu vermeiden.
Ein Bedürfnis nach Bindung,
das die grundlegende Angewiesenheit des Menschen auf nahe Bezugspersonen für sein Wohlergehen betont. Über das soziale Eingebundensein erfährt der Mensch Nähe, Vertrautheit und emotionale Sicherheit.
Ein Bedürfnis nach Selbstwerterhöhung/-schutz,
das den Menschen bedürftig nach selbstaufwertenden Wahrnehmungen macht. Er möchte sich von einer positiven/vorteilhaften Seite sehen können und so auch von anderen wahrgenommen werden – beispielsweise als kompetent, wertvoll und von anderen geliebt.
Diese vier Grundbedürfnisse „sind gewissermaßen die Standards, an denen sich die gesamte psychische Aktivität ausrichtet“ (Grawe, 2000, S. 383). Ihre tiefe Verankerung im menschlichen Nervensystem und ihre herausgehobene Bedeutung für eine gute Entwicklung, für Wohlbefinden und Gesundheit des Menschen (siehe Kapitel 3.2) machen verständlich, weshalb das psychische System von seiner grundlegenden Funktionsweise her andauernd darauf ausgerichtet ist, diese Grundbedürfnisse zu befriedigen oder vor Verletzungen zu schützen. Ihren Einfluss auf das konkrete Erleben und Verhalten des Menschen gewinnen die Grundbedürfnisse nur indirekt, vermittelt über die motivationalen Schemata (siehe auch Kapitel 4.1.5). Diese „sind die Mittel, die das Individuum im Laufe seines Lebens entwickelt, um seine Grundbedürfnisse zu befriedigen und sie vor Verletzungen zu schützen“ (S. 188). Während die Grundbedürfnisse auf einer abstrakteren Ebene (oberhalb konkreter Situationen) lediglich die Grundausrichtung der psychischen Aktivität determinieren, stellen die motivationalen Schemata auf bestimmte Situationen oder Klassen von Situationen bezogene Konkretisierungen der vier Grundbedürfnisse dar, die deren Realisierung im konkreten Erleben und Verhalten dienen. So entwickelt der Mensch im Laufe seiner Sozialisation, abhängig von der konkreten Lebensumwelt und den darin gemachten Lebenserfahrungen, um jedes der vier Grund-
12
bedürfnisse herum konkrete motivationale Ziele und entsprechende Mittel (zielgerichtete Verhaltensweisen und Handlungspläne) zur Realisierung dieser Ziele – eben motivationale Schemata –, die im Gegensatz zu den bei allen Menschen gleichen Grundbedürfnissen hochindividuell ausgeprägt sind. Je nachdem, ob motivationale Schemata die Herbeiführung bedürfnisbefriedigender Erfahrungen oder den Schutz vor bedürfnisverletzenden Erfahrungen anstreben, ob sie als Zielkomponente also ein Annäherungs- oder ein Vermeidungsziel haben, wird zwischen Annäherungs- und Vermeidungsschemata differenziert.
Auf der Ebene des konkreten situativen Erlebens und Verhaltens entstehen im Verlauf der Interaktion des Individuums mit seiner Umgebung kontinuierlich Wahrnehmungen darüber, inwieweit die jeweils aktivierten motivationalen Ziele erreicht oder verfehlt – und damit die entsprechenden Grundbedürfnisse befriedigt oder verletzt – werden. Aufgrund der hohen Bedeutung der Bedürfnisbefriedigung für den Menschen ist das psychische Geschehen fortwährend darauf ausgerichtet, Wahrnehmungen im Sinne aktivierter motivationaler Ziele zu erzeugen. Es strebt somit nach Übereinstimmung zwischen seinen realen Wahrnehmungen und seinen aktivierten motivationalen Zielen – es strebt nach Kongruenz. „Das Streben nach der Befriedigung und dem Schutz der Grundbedürfnisse kann [somit] als Streben nach Kongruenz zwischen Wahrnehmungen und motivationalen Zielen aufgefasst werden“ (Grosse Holtforth & Grawe, 2003, S. 315f.).
Entsprechend steht in der Konsistenztheorie der Begriff Inkongruenz für Nichtübereinstimmung/Abweichung der realen Erfahrungen mit den aktivierten motivationalen Zielen. Gelingt es einem Menschen nicht, in der Interaktion mit seiner Umwelt seine aktuellen motivationalen Ziele zu realisieren, so entsteht nicht nur Inkongruenz hinsichtlich der jeweiligen Ziele, sondern auch hinsichtlich der korrespondierenden Grundbedürfnisse, denn Grawe bezieht den Begriff „Inkongruenz“ nicht nur auf motivationale Ziele, sondern fasst ihn allgemeiner als „eine Unvereinbarkeit gleichzeitig aktivierter psychischer Prozesse, wovon einer dieser Prozesse die Wahrnehmung der Realität beinhaltet“ (S. 239). Inkongruenz liegt im psychischen Geschehen also immer dann vor, wenn es zu Diskrepanzwahrnehmungen zwischen der subjektiven Umwelt und aktivierten motivationalen Zielen, aktivierten Grundbedürfnissen oder aber auch aktivierten bedeutsamen Zielen kommt, die keine bedürfnisbezogene inhaltliche Ausrichtung haben.
Während das Erreichen des vom psychischen System angestrebten Zustandes der Kongruenz mit dem Erleben positiver Emotionen einhergeht, sind Zustände der Inkongruenz von starken negativen Emotionen und Stressreaktionen begleitet – ein Umstand, der großteils den gesund-
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heitlichen Wert bzw. die Gefahr dieser beiden Zustände ausmacht. Allerdings gilt es hierbei, das Konstrukt der Inkongruenz differenzierter zu betrachten. Grawe unterscheidet eine „kontrollierbare“ von einer „unkontrollierbaren“ Inkongruenz (vgl. S. 235ff.). Während sich eine kontrollierbare Inkongruenz dadurch auszeichnet, dass das Individuum im Prinzip über Mittel und Wege verfügt, um die bestehende Inkongruenz zu lösen, und sie sich ihm deshalb eher als Herausforderung und Entwicklungsantrieb stellt, kennzeichnet eine unkontrollierbare Inkongruenz das Fehlen von Mitteln, um die bestehende Inkongruenz mit eigener Aktivität reduzieren zu können. Dieser Zustand stellt für den Organismus einen starken Stressor dar und wird entsprechend von starken negativen Emotionen und einer überschießenden Stressreaktion begleitet.
3.1.2 Das Streben nach Konsistenz
Neben den Grundbedürfnissen und dem auf sie zurückzuführenden Streben nach Kongruenz postuliert die Konsistenztheorie als zweiten zentralen „Beweger“ des psychischen Geschehens das Streben nach Konsistenz. Grawe konzipiert dieses „grundlegende Prinzip innerorganismischer Regulation“ (S. 186) als eine den Grundbedürfnissen übergeordnete, oberste Instanz des psychischen Geschehens (vgl. Abbildung 2).
Konsistenz bezieht sich auf einen Zustand des psychischen Systems, der durch eine Übereinstimmung bzw. Vereinbarkeit der vielen gleichzeitig ablaufenden neuronalen/psychischen Prozesse gekennzeichnet ist, die entweder eine interne Funktion zur Aufrechterhaltung oder Herstellung bestimmter Systembedingungen oder eine externe Funktion zur Außenanpassung an die Umgebungsbedingungen haben.
„Je mehr die gleichzeitig ablaufenden Prozesse miteinander konsistent sind, je mehr sie also gut vereinbar miteinander und gut aufeinander abgestimmt sind, sich gegenseitig fördern und in die gleiche Richtung zielen, desto erfolgreicher ist das Individuum in seiner Auseinandersetzung mit seiner Umgebung.“ (Grosse Holtforth & Grawe, 2004, S. 9) Dieser Zustand der Passung ist ebenso wie der Zustand der Kongruenz grundlegende Voraussetzung für Wohlbefinden, (psychische) Gesundheit und optimale Auseinandersetzung mit der Umgebung. Dies wird v.a. dann ersichtlich, wenn es dem Organismus nicht gelingt, diese Vereinbarkeit psychischer/neuronaler Prozesse herzustellen, wenn also Inkonsistenz vorherrscht. Diese „beeinträchtigt das Wohlbefinden, sie reduziert die Effektivität psychischer Prozesse und sie kann längerfristig zur Ausbildung psychischer und körperlicher Störungen führen“ (S. 326), da sich die gleichzeitig aktivierten, miteinander schlecht zu vereinbarenden Prozesse in ihrem Ablauf gegenseitig behindern. So verwundert es nicht, dass der Organismus dem Zustand der Konsistenz im psychischen Geschehen oberste Priorität einräumt, ihn stark
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bevorzugt und viele Mechanismen entwickelt, um Inkonsistenz – die Unvereinbarkeit, Diskrepanz, Nichtübereinstimmung gleichzeitig aktivierter psychischer/neuronaler Prozesse – zu vermeiden.
3.1.3 Der funktionale Zusammenhang zwischen Kongruenz und Konsistenz
Es gilt nun zu klären, auf welche Art und Weise die beiden obersten Orientierungspunkte des psychischen Funktionierens, das Streben nach Kongruenz und das Streben nach Konsistenz, im Zusammenhang stehen.
Auf den ersten Blick erscheint es so, als würden die beiden Strebungen divergieren. Während das Streben nach Kongruenz den Blick auf die Außenwelt lenkt, in der das Individuum über eine Außenanpassung seine Grundbedürfnisse zu befriedigen sucht, fokussiert das Streben nach Konsistenz interne psychische Abläufe, die in Form einer Binnenregulation eine Vereinbarkeit aller gleichzeitig ablaufenden psychischen/neuronalen Prozesse des Individuums anstreben. Trotz dieser unterschiedlichen Ausrichtung sind beide Strebungen funktional eng aneinander gebunden, wie die nachstehenden Ausführungen zeigen.
Eine gelungene Bedürfnisbefriedigung ist letztlich das Kennzeichen einer erfolgreichen Außenanpassung/Person-Umwelt-Interaktion. Diese setzt jedoch, wie gezeigt, einen internen Zustand des Organismus voraus, der durch Vereinbarkeit und Übereinstimmung der gleichzeitig aktiven psychischen/neuronalen Prozesse gekennzeichnet ist (Konsistenz) und somit eine optimale Auseinandersetzung mit der Umgebung erst ermöglicht. Demnach ist also der interne Zustand der Konsistenz eine unabdingbare Voraussetzung für die Herstellung von Kongruenz in der Person-Umwelt-Interaktion. Daraus ergibt sich auch, dass „Inkonsistenz, die längere Zeit aufrechterhalten bleibt, daher zusätzlich in Inkongruenz und damit in einer beeinträchtigten Bedürfnisbefriedigung [resultiert]“ (S. 191). Bei genauer Betrachtung des Strebens nach Kongruenz – des Zur-Deckung-Bringens von motivationalen Zielen und Wahrnehmungen der Realität – wird erkennbar, dass es sich dabei letztlich auch um ein Streben nach Vereinbarkeit zweier gleichzeitig aktivierter psychischer Prozesse – eben von aktivierten motivationalen Zielen (Prozess 1) und Wahrnehmungen der Realität (Prozess 2) – handelt, womit sich Kongruenz als eine spezifische Form der Konsistenz herausstellt. Da also das Konstrukt der Konsistenz das der Kongruenz mit umfasst, „kommt man zur Formulierung, dass das Streben nach Konsistenz die eigentliche bewegende Kraft im neuronalen/psychischen Geschehen ist“ (S. 191).
Ein dritter Zusammenhang der beiden psychischen Beweger ergibt sich aus folgendem Sachverhalt: „Angesichts dessen, dass permanent mindestens vier Grundbedürfnisse gleichzeitig
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befriedigt werden wollen, stellt die gleichzeitige Aktivierung mehrerer motivationaler Schemata im Seelenleben den Normalfall dar“ (Grawe, 2000, S. 428). Damit es nun dem Menschen gelingt, „die Bedürfnisse im Sinne eines Sowohl-als-auch statt im Sinne eines Entwe-der-oder“ (ebd., S. 429) zu befriedigen, muss er eine Vereinbarkeit bzw. Übereinstimmung der gleichzeitig aktivierten motivationalen Schemata (= psychische Prozesse) anstreben. Mit anderen Worten: Der Mensch muss auch beim Streben nach Kongruenz / Bedürfnisbefriedigung dem Konsistenzprinzip Rechnung tragen und versuchen, seine vier Grundbedürfnisse miteinander verträglich, eben konsistent, zu befriedigen, will er eine effektive Person-Umwelt-Interaktion erreichen. Somit fungiert das Konsistenzprinzip als übergeordnete Koordinations- bzw. Steuerungsinstanz, welche die vier Einzelbedürfnisse nach Bindung, Lust, Selbstwerterhöhung und Kontrolle eng aneinander bindet und aufeinander bezieht (siehe Abbildung 2). Es verweist darauf, dass Grundbedürfnisbefriedigung stets als dynamisches Wechselspiel zu verstehen ist, das sich idealerweise in einer Harmonisierung der vier Grundstrebungen zeigt.
Die drei Zusammenhänge lassen sich entsprechend der Abfolge ihrer Besprechung in drei Kurzformeln fassen:
x Konsistenz im psychischen Geschehen ist die Voraussetzung für erfolgreiches Streben nach Kongruenz.
x Konsistenz ergibt sich aus einem erfolgreichen Streben nach Kongruenz. x Konsistenz – verstanden als das Bestreben, die Grundbedürfnisse miteinander vereinbar, also in konsistenter Weise zu befriedigen – ist der notwendige Durchführungs-Modus erfolgversprechenden Kongruenzstrebens, das bei der Grundbedürfnisbefriedigung auf ein „Sowohl-als-auch“ zielt.
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Die enge Verwiesenheit beider Zustände veranschaulicht folgende Abbildung:
Abbildung 3: Das Zusammenspiel der beiden zentralen Beweger des psychischen Geschehens –
Konsistenz und Kongruenz
Quelle: eigene Darstellung Angesichts der Tatsache, dass hinter beiden Strebungen (Konsistenz und Kongruenz) letztlich die psychischen Grundbedürfnisse stehen, da diese ja „gewissermaßen die Standards [darstellen], an denen sich die gesamte psychische Aktivität ausrichtet“ (Grawe, 2000, S. 383), kann man zusammenfassend festhalten, dass es das zentrale Anliegen der psychischen Aktivität ist, die psychischen Grundbedürfnisse miteinander vereinbar/konsistent zu befriedigen, was dann wiederum eine positive Entwicklung, Wohlbefinden, psychische Gesundheit und letztlich eine erfolgreiche Auseinandersetzung mit der Umwelt befördert, wie es das nächste Kapitel ausführlich darstellen wird.
3.2 Positive Effekte der Grundbedürfnisbefriedigung
Dieses Kapitel stellt die positiven Effekte heraus, die sich aus konsistenztheoretischer Sicht aus der Befriedigung der psychischen Grundbedürfnisse ergeben. Das Kapitel steht damit v.a. im Dienste der theoriebasierten Beantwortung einer zentralen Fragestellung dieser Arbeit – was leistet das HKT, wenn es (wie intendiert) zu einer guten Befriedigung der Grundbedürfnisse beiträgt? Die Effekte der Bedürfnisbefriedigung werden in den drei Dimensionen Ge-sundheit, Wohlbefinden und psychische Leistungsfähigkeit behandelt. Abschließend werden die drei Dimensionen zusammengeführt und in ihren wechselseitigen Bezügen beleuchtet.
3.2.1 Gesundheit
Die Konsistenztheorie bildet das Herzstück Grawes Bestrebungen, Psychotherapie neurowissenschaftlich zu fundieren. Daher ist die Klärung der Frage, was die psychische Gesundheit fördert und was sie gefährdet, ihr zentrales Anliegen.
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Die Kernaussage der Konsistenztheorie, dass die Befriedigung der zentralen psychischen Grundbedürfnisse die psychische Gesundheit fördert und ihre Nichtbefriedigung dagegen zu psychischen Schädigungen führt, wurde inzwischen empirisch gut belegt.
So verweist Grawe (2004) beispielsweise auf eine Untersuchung an 200 Normalpersonen (also keine Patienten), bei der die Korrelation zwischen Inkongruenz und psychopathologischer Symptombelastung .75 betrug, woraus er schließt: „Wem es nicht gelingt, seine motivationalen Ziele [und damit seine dahinterstehenden Grundbedürfnisse; R.R.] zu realisieren, hat ein großes Risiko, psychopathologische Symptome zu entwickeln“ (S. 344f.).
Umgekehrt konnte Grawe (ebd., S. 379ff.) in umfassenden Studien die Grundbedürfnisbefriedigung als den zentralen Wirkfaktor erfolgreicher Psychotherapie nachweisen. Ob es einer Therapie gelingt, die psychische Gesundheit eines Menschen zu bessern, hängt danach maßgeblich davon ab, inwiefern sie dem Menschen bedürfnisbefriedigende Erfahrungen eröffnen kann. Dabei erhebt Grawe die Befriedigung der psychischen Grundbedürfnisse in den Stand einer „conditione sine qua non“ (ebd., S. 406) für die Förderung psychischer Gesundheit und schließt sein Werk mit der Feststellung ab: „Die beste Art, das Gehirn gesünder zu machen, ist eine bessere Bedürfnisbefriedigung“ (ebd., S. 448). Den gesundheitlichen Wert der Grundbedürfnisbefriedigung expliziert Grawe in zwei Richtungen.
Zum einen stellt er eine präventive Komponente der Bedürfnisbefriedigung heraus, wenn er betont: „Hohe Konsistenz, was gleichbedeutend mit sehr guter Bedürfnisbefriedigung ist, schützt vor der Entwicklung psychischer Störungen“ (ebd., S. 376). Diese Aussage untermauert Grawe mit Untersuchungsergebnissen, die eine „hohe negative Korrelation zwischen Inkongruenz und vielen Aspekten psychischer Gesundheit“ aufzeigen und damit Kongruenz als „natürlichen Gegenspieler psychischer Störungen“ ausweisen (ebd., S. 370).
Zum anderen betont er, dass sich die Herbeiführung bedürfnisbefriedigender Lebenserfahrungen unmittelbar positiv auf das Befinden und den Gesundheitszustand auswirkt (vgl. ebd., S. 345), was sich als die gesundheitsfördernde Komponente der Bedürfnisbefriedigung bezeichnen lässt. Dieser Wirkzusammenhang macht verständlich, weshalb sich „seelisch sehr gesunde Menschen“ v.a. dadurch auszeichnen, „dass sie ihre Bedürfnisse in Übereinstimmung miteinander, also in konsistenter Weise befriedigen können“ (Grawe, 2000, S. 421).
Der zweifache gesundheitliche Wert der Grundbedürfnisbefriedigung lässt die Möglichkeit erkennen, auch in nichttherapeutischen, gesundheitsfördernden Anwendungsbereichen mit einer Förderung der Bedürfnisbefriedigung zugleich und integrativ Krankheitsprävention und Gesundheitsförderung zu betreiben. Ausgehend von der Annahme eines Gesundheits-
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Krankheits-Kontinuums, auf dem jeder Mensch zu einem bestimmten Zeitpunkt eine bestimmte Position innehat, zielt Prävention darauf ab, eine Positionsverschiebung auf dem Kontinuum in Richtung Krankheitspol zu verhindern, während Gesundheitsförderung eine Verschiebung in Richtung Gesundheitspol anstrebt (vgl. Becker, 2006, S. 227ff.).
Grawes Befunde zeigen nun eindeutig, dass über eine Förderung der Grundbedürfnisbefriedigung beide Effekte zugleich und integrativ verfolgt werden können. Eine gute Grundbedürfnisbefriedigung verhindert eine Positionsverschiebung des Individuums in Richtung Krankheitspol und befördert den Menschen zugleich auf dem Kontinuum weiter nach links in Richtung einer höheren/besseren Gesundheit (vgl. Abbildung 4).
Abbildung 4: Der zweifache gesundheitliche Wert der Grundbedürfnisbefriedigung
Quelle: Darstellung in Anlehnung an Becker, 2006, S. 228
In den Gesundheitswissenschaften ist es bisher eher üblich, Krankheitsprävention und Ge-sundheitsförderung als „unterschiedliche Interventionsformen“ mit einer je eigenen „Eingriffslogik“ zu fassen, die eher alternativ, additiv und nebeneinanderher betrieben werden (vgl. Hurrelmann, Klotz & Haisch, 2007), sodass sich der nach der Konsistenztheorie möglich scheinende integrative Weg über eine Förderung der Grundbedürfnisbefriedigung durchaus als eine innovative Strategie bezeichnen lässt.
Bisher wurde der Fokus hauptsächlich auf die psychische Gesundheit gerichtet. Dies liegt nahe, stehen doch die psychischen Grundbedürfnisse zunächst einmal dem psychischen Geschehen näher als dem physischen. Doch verweist Grawe (2004) selbst mehrfach darauf, dass
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sich die Befriedigung und Nichtbefriedigung der psychischen Grundbedürfnisse ebenso auf der körperlichen Ebene niederschlagen:
„Wenn es nicht gelingt, Zustände von Inkonsistenz abzubauen, sondern wenn Inkon-
sistenz im psychischen Geschehen über längere Zeit fortbesteht [was gleichbedeutend
mit schlechter Bedürfnisbefriedigung ist; R.R.], hat sie jedoch negative Auswirkungen.
Sie beeinträchtigt das Wohlbefinden, sie reduziert die Effektivität psychischer Prozesse
und sie kann längerfristig zur Ausbildung psychischer und körperlicher Störungen füh-
ren.“ (S. 326) Als Bindeglied zwischen psychischem Geschehen, insbesondere der Grundbedürfnisbefriedigung/-verletzung, und körperlichen Reaktionen können die Emotionen angesehen werden. „Zielerreichung geht mit positiven Emotionen, Inkongruenz mit negativen Emotionen einher“ (Grawe, 2004, S. 189). Die Aktivierung der Emotionen wiederum führt „zu einer ganzen Kaskade physiologischer, hormoneller und neuronaler Reaktionen“ (ebd., S. 190), die je nach der Qualität der Emotionen als „höchst komplexer Stresszustand“ oder Wohlbefindens-zustand nachhaltig auf den Körper Einfluss nehmen.
Grawes Aussagen werden von den Erkenntnissen Beckers unterstützt, der aufgrund eigener empirischer Arbeiten – und ausgehend von einer fast identischen Fassung psychischer Grundbedürfnisse – zu der Feststellung kommt: „Meines Erachtens kann inzwischen davon ausgegangen werden, dass es sich bei der individuellen Bedürfnisbefriedigung um eine gesundheitsrelevante Schlüsselvariable handelt. Dies gilt gleichermaßen für die körperliche wie die psychische Gesundheit“ (2006, S. 11).
Es können nun am Ende dieses Kapitels folgende, empirisch gut gesicherte Aussagen getroffen werden:
Eine Befriedigung der psychischen Grundbedürfnisse ist eine unabdingbare Voraussetzung zur Erhaltung und Steigerung der Gesundheit des Menschen.
Grundbedürfnisbefriedigung entfaltet eine zweifache gesundheitsrelevante Wirkung, da sie sowohl die Gesundheit unmittelbar befördert als auch vor der Entstehung von Krankheiten schützt.
Die Grundbedürfnisbefriedigung entfaltet ihre gesundheitsfördernden Wirkungen gleichermaßen auf physischer wie auf psychischer Ebene.
3.2.2 Wohlbefinden
Eine weitere Dimension positiver Auswirkungen der Grundbedürfnisbefriedigung dreht sich um die Begriffe positive Emotionen, Wohlbefinden und Glück. Diese Dimension ist nicht losgelöst von der zuvor besprochenen Gesundheitsdimension zu betrachten, sondern steht in
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enger Verbindung zu ihr. Dies wird v.a. dann ersichtlich, wenn man sich am Gesundheitsverständnis der Weltgesundheitsorganisation (WHO) orientiert. Diese definiert bereits 1946 in ihrer Verfassung: „Gesundheit ist der Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Krankheit und Gebrechen.“ Auf der Basis dieses Gesundheitsverständnisses kann es bis heute in der Prävention und Gesundheitsförderung als „oberstes Ziel“ gelten, „Inhalte und Methoden zu vermitteln, die dabei helfen können, den Zustand des Wohlbefindens zu erlangen und zu erhalten“ (Knörzer & Steen, 2006, S. 136), was den engen Zusammenhang der beiden Dimensionen Gesundheit und Wohlbefinden unterstreicht.
Grawe stellt in der Konsistenztheorie einen engen funktionalen Zusammenhang her zwischen Bedürfnisbefriedigung, Emotionen, Wohlbefinden und Glück:
„Der jeweilige Stand der Bedürfnisbefriedigung schlägt sich […] im emotionalen Zu-stand des Individuums nieder. […] hier ist ein langfristiger Effekt auf das Wohlbefinden, bzw. glücklich oder unglücklich sein, zu unterscheiden von einem kurzfristigen Einfluss der aktuellen Bedürfnisbefriedigung oder -enttäuschung auf die aktuellen Emotionen.“ (Grawe, 2000, S. 442) Es soll zunächst der kurzfristige Einfluss der Grundbedürfnisbefriedigung/Kongruenz näher betrachtet werden. Hier gilt die einfache Formel: „Zielerreichung [Kongruenz; R.R.] geht mit positiven Emotionen, Inkongruenz mit negativen Emotionen einher“ (Grawe, 2004, S. 189). Aufgrund der hohen Bedeutung der Grundbedürfnisbefriedigung für das Individuum handelt es sich dabei um starke Emotionen, die – unabhängig davon, ob ein subjektiv klar erlebtes Gefühl eintritt – über physiologische, hormonelle und neuronale Reaktionen nachhaltig auf das Individuum einwirken (vgl. ebd., S. 190).
Der unmittelbare positive Effekt der Grundbedürfnisbefriedigung liegt also im Erleben (starker) positiver Emotionen. „Das ist wiederum eine positive Erfahrung für das Bedürfnis nach Lustgewinn und Unlustvermeidung, also wiederum eine bedürfnisbefriedigende Erfahrung. Es kommt zu [einem] positiven Aufschaukelungsprozess“ (ebd., S. 408). Die positiven, bedürfnisbefriedigenden Erfahrungen, die das Individuum im Zuge dieses Aufschaukelungsprozesses macht, aktivieren sein Annäherungssystem. Dieses motivationale System des Menschen befördert „eine Tendenz zu positiven Emotionen und zu annäherndem Verhalten, [welches wiederum die Voraussetzung darstellt für weitere Zielerreichungen und damit für weitere bedürfnisbefriedigende Erfahrungen; R.R.]. Negative Emotionen und Vermeidungsreaktionen werden dagegen abgeschwächt“ (ebd., S. 383). Es kommt also über aktuelle Bedürfnisbefriedigung ein positiver Aufschaukelungsprozess in Gang, der sich selbst stabilisiert und weitere bedürfnisbefriedigende Erfahrungen und damit positive Emotionen wahrscheinlich macht.
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Robert Rupp, 2009, Das Heidelberger Kompetenztraining (HKT) zur Entwicklung mentaler Stärke, München, GRIN Verlag GmbH
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