Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Parasoziale Beziehung - parasoziale Interaktion 1
3. Die Rolle der Persona 3
4. Wie wird Illusion der Vertrautheit erreicht? 3
5. Die Rolle des Publikums 5
6. Trainieren von Publikumseinstellungen 6
7. Voraussetzung für die Akzeptanz der parasozialen Rolle
des Publikums 7
8. Nutzen für den Zuschauer 8
9. Extreme Form der Parasozialität 9
9.1 „The Lonesome Gal“ 10
9.2 „Miss Nancy Berg - Count Sheep“ 11
10. Das Image als Artefakt 12
11. Gründe für das Interesse am Image der Persona 13
12. Fazit 14
13. Literaturverzeichnis 16
Maike Julius: Kapitel 1 - 6
Jette Pauck: Kapitel 7 - 12
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1. Einleitung
Wochentags, 14.00 Uhr, Pro7: Arabella Kiesbauer schaut mich lächelnd an, begrüßt mich freudig zu ihrer Talkshow und bedankt sich dafür, dass ich mal wieder eingeschaltet habe.
Dies ist ein prägnantes Beispiel für ein komplexes Konzept, das bereits in den 50er Jahren zum ersten Mal in der wissenschaftlichen Literatur auftaucht: Die parasoziale Interaktion. Geprägt wurde der Begriff 1956 von den amerikanischen Psychiatern Donald Horton und R. Richard Wohl, die untersucht haben, inwieweit von Medien und Mediendarstellern die Illusion einer interpersonellen Beziehung kreiert wird. Der Prozess der Fernsehrezeption wird von Ihnen als aktive Handlung des Zuschauers im Sinne einer Interaktion mit den Fernsehakteuren geschildert.
Dieses Konzept sollte als Basisanalyse für weiterführende Untersuchungen dienen und wurde von den Autoren „vor allem in Bezug auf solche Fernsehangebote entwickelt, bei der das Publikum durch Personen in den Medien scheinbar direkt angesprochen wird und entsprechend reagieren kann“ 1 (Personality Programs).
Viele weitere Wissenschaftler haben sich mit dem Konzept von Horton und Wohl beschäftigt, es angewandt und weiterentwickelt. Neben den möglichen Interaktionsprozessen mit Personae geht beispielsweise Lothar Mikos auf die Möglichkeit von parasozialen Beziehungen zu Serienfiguren ein. Ebenso bietet sich die Möglichkeit, nicht nur die Rezeption unterschiedlichster Unterhaltungsprogramme, sondern selbst die nicht-unterhaltender Programme abzubilden. Jedoch liegt hierfür bisher noch keine umfassende und kohärente Theorie vor. 2 In der folgenden Ausarbeitung werden wir uns ausführlich mit den Grundzügen und unterschiedlichen Aspekten der fast 50 Jahre alten, aber noch immer aktuellen Basistheorie von Horton und Wohl befassen.
2. Parasoziale Beziehung - parasoziale Interaktion
Unter parasozialer Beziehung verstehen Horton und Wohl die medial vermittelte Illusion einer nichtmedialen interpersonellen Beziehung. Sie gehen davon aus, dass sie auf einer unausgesprochenen Vereinbarung zwischen Medienakteur
1 Peter Vorderer. Fernsehen als Beziehungskiste: parasoziale Beziehungen und Interaktionen mit TV-Personen. Opladen: Westdeutscher Verlag, 1996, Seite 9.
2 vgl. Vorderer (1996), a.a.O., Seite 9.
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und Rezipient basiert, in der beide so agieren, als wäre die Beziehung nicht medial, sich dessen aber vollkommen bewusst sind. Medienakteure, von Horton und Wohl ‚Personae‘ genannt, wenden sich direkt an das Publikum und geben vor, es ganz persönlich und privat anzusprechen. Das dadurch in das Geschehen scheinbar einbezogene Publikum reagiert im Gegenzug dazu mit mehr als bloßer Beobachtung. „It is... subtly insinuated into the program’s action and internal social relationship and, by dint of this kind of staging, is ambigiously transformed into a group which observes and participates in the show by turns.“ 3 Dieses Verhalten wird von den Autoren als parasoziale Interaktion benannt. Obwohl es lediglich ein Trugbild eines gesprächigen Gebens und Nehmens ist, kann man die parasoziale Erfahrung dennoch als ein Teil von Alltagserfahrung ansehen. „Es ermöglicht eine von den Anforderungen und Grenzen alltäglicher Face-to-Face-Beziehungen befreite Interaktion, die aber dennoch auf den Grundkonsistenten der Alltagskommunikation beruht.“ 4
Im Vergleich zur orthosozialen Interaktion ist die parasoziale Interaktion jedoch im wesentlichen gekennzeichnet durch einen Mangel an wirklicher Reziprozität, dem Fehlen von Spontaneität und der Unmöglichkeit direkter gegenseitiger Einwirkung auf den Ablauf des Geschehens. 5
Charakteristisch für die parasoziale Interaktion ist eine einseitige Kontrolle seitens der Persona, die auf bestimmte Reaktionen des Publikums hinarbeitet. Das Publikum seinerseits hat die Möglichkeit, sich aus den angebotenen Beziehungen die geeignete auszusuchen, kann sich aber ebenso jederzeit wieder zurückziehen, da diese Beziehungen im Vergleich zu orthosozialen in keiner Weise verpflichtend sind oder Verantwortung verlangen. 6 Im Vergleich zu einem Theaterstück, an dessen Ende der Zuschauer unwiderruflich in die Realität zurückgeholt wird, entsteht bei der parasozialen Interaktion keine Identifikation mit dem Akteur. Im Medienprogramm integriert sich der Zuschauer in das Geschehen und kann das Schwanken zwischen Fiktion und Re-
3 DonaldHorton und R. Richard Wohl. Mass communication and para-social interaction. Observation on intimacy at a distance. In: Journal of Psychiatry, 1956, Seite 215.
4 Lothar Mikos. Parasoziale Interaktion und indirekte Adressierung. In: Peter Vorderer. Fernsehen als Beziehungskiste: parasoziale Beziehungen und Interaktionen mit TV-Personen. Opladen: Westdeutscher Verlag, 1996, Seite 100.
5 vgl. Thomas Fabian. Fernsehen und Einsamkeit im Alter: Eine empirische Untersuchung zu parasozialer Interaktion. Hamburg (LIT Verlag) 1993, Seite 61.
6 vgl. Donald Horton und R. Richard Wohl, a.a.O., Seite 215.
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alität beliebig lange fortführen, wobei die Persona dies durch ständige Wiederkehrung und standardisiertes Verhalten begünstigt.
3. Die Rolle der Persona
Horton und Wohl beziehen sich in ihrer Ausführung in erster Linie auf die personenzentrierten Sendungen, deren Akteure sie ‚Personae‘ nennen. Als Persona bezeichnen sie eine typische Figur der Radio- und Fernsehlandschaft, die dem Zuschauer durch kontinuierliche Beobachtung als sehr vertraut erscheint. Das sind z.B. Nachrichtensprecher, Talkshowmoderatoren oder sonstige Showmaster.
Obwohl das Image der Persona teilweise konstruiert wird, erweist sich die Darstellung dem Zuschauer dennoch als eine objektiv wahrnehmbare Handlung. Die gesamte Erscheinung, die Gestik und Stimme, die Konversation und das Verhalten der Persona in den verschiedensten Situationen werden vom Zuschauer direkt beobachtet und interpretiert. Er lernt ihren Charakter kennen, versucht ihre Motive und Werte einzuschätzen und glaubt irgendwann die Persona intensiver zu kennen als beispielsweise die besten Freunde. Ein wichtiger Aspekt ist das regelmäßige und zuverlässige Auftreten der Persona, so dass sie in die Abläufe des alltäglichen Lebens eingeplant werden kann. Dem Rezipienten wird dadurch eine andauernde Beziehung angeboten, die durch scheinbar gemeinsame Erfahrungen an zusätzlicher Bedeutung gewinnt. Durch das gefestigte Image der Persona sind ihr Charakter und ihre Handlungsweisen weitestgehend fortbestehend und unveränderbar, was eine gewisse Vorhersagbarkeit und Berechenbarkeit mit sich führt: Die Rezipienten und Fans können sich auf ‚ihre‘ Persona verlassen und werden nicht durch unerwartete, unangenehme Handlungen überrascht. „Die Berechenbarkeit des Auftretens der Persona macht es möglich, daß sie in die Routinen des täglichen Lebens integriert werden kann.“ 7
4. Wie wird die Illusion der Vertrautheit erreicht? Grundsätzlich soll neben der Betonung der Hauptwerte von Personality Programs, gemeint sind z.B. Geselligkeit, leichte Unterhaltung, Teilhabe an sozialer Interaktion, durch die Anwendung verschiedener Strategien hauptsächlich die
7 vgl. Lothar Mikos, a.a.O., Seite 98.
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Arbeit zitieren:
Maike Julius, Jette Pauck, 2002, Massenkommunikation und parasoziale Interaktion. Beobachtungen einer Intimität auf Distanz., München, GRIN Verlag GmbH
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Parasoziale Interaktion mit Fernsehpersonen am Beispiel von Soap Opera...
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