Universität Hamburg
Institut für Anglistik und Amerikanistik
Fachbereich 07
Veranstaltung Nr. 07.315
Englische Linguistik I b:
»Sprache und Stil« (2 st.)
Sommersemester 2000
-- Linguistische Facharbeit --
Amerikanisches
Englisch
unter besonderer Berücksichtigung
seiner historischen Entwicklung
Gemeinsamkeiten und Unterschiede
im Vergleich zum Britischen Englisch
am 12. Mai 2000 vorgelegt
(durchgesehen am 31. Januar 2010)
von
Alexander-Martin Sardina
(12. Fachsemester)
Alexander-Martin Sardina (Linguistische Facharbeit / Mai 2000): Amerikanisches Englisch.
2
Inhaltsverzeichnis
Seite
1.0 Die Entwicklung des Amerikanischen
1.1 Siedler und Kolonialzeit
(spätes 15., 16. und 17. Jahrhundert)
03
1.2 Entwicklungen im 18. und 19. Jahrhundert
04
1.3 Entwicklungen im 20. Jahrhundert
05
1.4
Schlußbetrachtungen
07
2.0 Amerikanisch / Britisch: Gemeinsamkeiten
Unterschiede
2.1 Der amerikanische Wortschatz
08
2.2. Amerikanische Rechtschreibung
09
2.3
Aussprache
12
2.4
Verben
14
2.5
Artikel
16
2.6
Pronomina
16
2.7
Zeichensetzung
16
2.8
Datum
17
2.9
Uhrzeit
17
2.10
Zahlwörter
17
3. Literatur- und Quellenverzeichnis
18
Alexander-Martin Sardina (Linguistische Facharbeit / Mai 2000): Amerikanisches Englisch.
3
1.0 Die Entwicklung des Amerikanischen
1.1 Siedler und Kolonialzeit (spätes 15., 16. Jahrhundert und 17. Jahrhundert)
Das amerikanische Englisch hat seine Wurzeln im Elisabethanischen Englisch, dem Englisch der
Zeit W
ILLIAM
S
HAKESPEARES
um 1600, das in sich jedoch noch völlig uneinheitlich war: Eine verein-
heitlichte Rechtschreibung gab es erst, als der Buchdruck (etwa 200 Jahre nach W
ILLIAM
C
AXTON
,
1422-1491) immer mehr an Verbreitung bzw. (kommerzieller) Bedeutung gewann; davor wurden
viele Wörter so geschrieben, wie es der jeweils einzelne für richtig befand.
Die ersten Siedler stammten vornehmlich aus Süd-England, waren hauptsächlich städtischen Ur-
sprungs und besaßen
für damalige Verhältnisse eine recht umfassende Allgemeinbildung.
Insofern brachten sie deswegen kaum regionale oder schichtspezifische Sprachvarianten mit nach
Amerika, speziell nach Neu-England (Virginia 1609, Massachusetts 1620 [verstärkt ab 1630]).
1
Bereits in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts kamen weitere große Einwandererströme aus
Schottland (the Scotch) bzw. Ulster (the Scotch-Irish), zudem waren inzwischen auch diverse Men-
schen aus Nord-England nach Amerika ausgewandert.
Indianische Ureinwohner hatten aufgrund der politischen Umstände und der besonderen stark ag-
glutinierenden Strukturen ihrer Sprachen (z. B. nunmachtekodtantamoonganunnonash
2
für
algonquinisch Lagerstätte) nur einen geringen Einfluß auf die Entwicklung des Amerikanischen;
gleichwohl finden sich heute viele indianische Wurzeln insbesondere noch in Ortsbezeichnungen
(z. B. Chicago = Stinktierplatz oder wilde Zwiebel; Missouri; Mississippi; Utah = Eutaw = Sprache
der Ute-Indianer; Lake Tahoe; Sioux; Apache; Yukon; Yosemite = miwokisch für Grizzly-Bär; Creek;
Milwaukee = chinookisch für Ort, wo Korn wächst; Dakota; Cherokee; Oregon; Chattanooga).
3
Aber auch deskriptive Bezeichnungen für neue Objekte in der Natur, Tätigkeiten oder Erfahrungen,
für das sich das britische Englisch aufgrund seiner relativen eurozentrischen Beschränktheit nicht
eignete und somit schnell an seine Grenzen stieß, wurden von den Kolonisten in indianischer Wei-
se durch Beschreibung oder in Anlehnung an Bekanntes verwendet (z. B. blue-bird; mockingbird;
catbird; black bear; flying squirrel; canvas-back duck; aus dem bison wurde ein buffalo; aus dem
puma ein panther; aus dem prairie wolf wurde ein coyote; aus maize wurde Indian corn
4
; aus der
Zeit der Maisernte der Indian summer [= ungewöhnlich warme Tage Ende Oktober und Anfang
November]).
Eine wichtige Feststellung bleibt, daß es prozentual zum größten Teil englischsprachige Personen
waren, die als erste Amerika besiedelten. Dieses ist der Hauptgrund, warum die einstige niederlän-
dische Kolonie Neu-Amsterdam (heute New York) das Amerikanische recht wenig geprägt hat,
wenn man von Ausnahmen absieht (cruller
eine Gebäckart; stoop kleine Veranda; boss
Boss; cole slaw
kalter Weiß- und Blaukohlsalat mit Karotte; Yankee nach J
AN
K
EES
, vermut-
lich einer Verballhornung für die Bewohner Neu-Amsterdams). Ebenso waren selbst große schwe-
dische Siedlungen in Delaware oder bedeutende deutsche Siedlungen in Pennsylvania (German-
town; noch heute offiziell zweisprachig) nie eine ernstzunehmende Gefahr für die Entwicklung des
Englischen zur lingua franca für ganz Nord-Amerika
auch Louisiana, die ehemalige französische
Kolonie, reiht sich hier mit ein (to be en route für to be on the way; nonchalant für lässig, gleichgül-
tig, unbekümmert)
, sondern vielmehr eine Bereicherung. So listet M
ENCKEN
in seinem Werk di-
verse deutsche oder deutschstämmige Begriffe auf, die er für allgemein bekannt und gebräuchlich
5
1
G
RAMLEY
(1985): 49.
2
R
AEITHEL
(1989, Band I): 107.
3
M
ATHEWS
(1956): 307 ff.
4
Genau anders herum führt es M
ATHEWS
(1956): 876 auf: Aus Indian maize wird corn.
5
Da Sprache bekanntlich kein starres System ist, unterliegt dies natürlich auch Veränderungsprozessen: Was
M
ENCKEN
bei seiner Erstauflage noch für allgemein gebräuchlich gehalten haben mag (1919), kann heute völlig
in Vergessenheit geraten sein.
Zudem darf auch der Einfluß der Werbung nicht unterschätzt werden: Eine
große deutsche Automarke warb Anfang der 1990er Jahre in ganz USA mit Anzeigen, in denen das Wort
Fahrvergnügen vorkam, woraufhin dieses noch heute den autobegeisterten Amerikanern geläufig ist.
Alexander-Martin Sardina (Linguistische Facharbeit / Mai 2000): Amerikanisches Englisch.
4
in Amerika hält: gesundheit, delicatesse, kindergarten, ouch (von: autsch), so long (von: bis bald;
der norddeutschen Redewendung tschüß so lang), sauerbraten, stein, wanderlust, hausfrau, zwie-
back (zwie = jiddisch: zwei), spieler, pumpernickel, katzenjammer
6
, smearcase (von: Schmierkäse),
dum kop (von: Dummkopf), fresh (von: frech), bower [der Bauer beim Kartenspiel] (von: Bauer),
turnverein, pretzel (von: Brezel), nix, shoe (von: Schuh), knackwurst, gut, gemütlichkeit.
7
R
AEITHEL
führt an, daß es belegt sei, daß A
BRAHAM
L
INCOLN
(1809
1865; 16. Präsident der USA) nach einer
Kabinettssitzung einmal gesagt haben soll »Nix come herous!«.
8
1.2 Entwicklungen im 18. und 19. Jahrhundert
Es gibt wenig Quellen für die Entwicklung des Amerikanischen im 18. Jahrhundert; gewiß ist nur,
daß die ersten eigenständigen Amerikanismen zu dieser Zeit geprägt wurden.
9
Der gängigste Beleg
dafür sind die Quellen von J
OHN
W
ITHERSPOON
(1723-1794; geboren in Schottland. Theologe und
Staatsmann; später Präsident der Princeton University, New Jersey), die von deutlichen Unter-
schieden in Syntax und Wortschatz zeugen. W
ITHERSPOON
, der intensive linguistische Forschungen
betrieb, führte als erster den Begriff Americanism ein (in Anlehnung an den schon damals existie-
renden Begriff Scotticism), um einen spezifisch amerikanischen Gebrauch zu kennzeichnen. Er sah
jedoch das amerikanische Englisch durchaus differenziert:
»It does not follow in every case that the terms or phrases used are worse
in themselves, but merely that they are of American and not of English
growth.«
10
»The vulgar in America speak much better than the vulgar in England.«
11
So sehr sich W
ITHERSPOON
auch bemühte, bei seiner Betrachtung durchaus auch soziale Unter-
schiede zu berücksichtigen, blieb sein Maßstab dennoch der eines gebildeten Engländers
wie
generell lange Zeit britisches Englisch als das Sprachideal auch in Nord-Amerika angesehen wurde
(dies gilt teilweise heute noch grundsätzlich für das Gebiet im Nord-Osten der USA).
Dieser Umstand begann sich erst prozessual mit dem Wirken des berühmten amerikanischen Lexi-
kographen und Grammatikers N
OAH
W
EBSTER
(1758
1843) zu ändern, der 1789 schon beflü-
gelt durch die Amerikanische Revolution (1775-1783), die Unabhängigkeitserklärung (1776) und die
Verfassungsgebung (1789)
für die Einführung eines Federal English plädierte: Ein erster deutli-
cher Hinweis darauf, daß Sprache immer auch einen politischen Aspekt hat.
12
W
EBSTERS
American
Spelling Book (1783 und 1808) und sein Wörterbuch American Dictionary of the English Language
(1828), die ersten und umfassendsten in USA, waren prägend im Hinblick auf Wortschatz, Aus-
sprache und Rechtschreibung.
13
Dessen ungeachtet kann aufgrund der Tatsache, daß auch nach der Unabhängigkeit von England
die jungen USA ökonomisch weiter sehr eng mit dem ehemaligen Mutterland verbunden blieben,
als Ursache dafür annehmen, daß das ganze 19. Jahrhundert über weiterhin britisches Englisch
das Ideal der gebildeten Schichten in USA blieb. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, daß
die Royalisten Ende des 18. Jahrhunderts sich zu separieren suchten und im allgemeinen konse-
6
Ende der 1960er bzw. Anfang der 1970er Jahre erschien in der Los Angeles Times eine beliebte Comic-Serie
mit dem Namen »Katzenjammer Kids« [King Features / Bulls, 1971], die den Alltag deutschstämmiger Ameri-
kaner karikierte und beispielsweise auch den typisch deutschen Akzent im Amerikanischen durch »Lautschrift«
wiedergab.
7
M
ENCKEN
(
4
1963): 192 ff.
8
R
AEITHEL
(Band 2): 403.
9
G
RAMLEY
(1985): 50.
10
zitiert nach G
RAMLEY
(1985): 50.
11
zitiert nach G
RAMLEY
(1985) 51.
12
Desgleichen findet sich noch heute in Europa: In Belgien würde man Wallonisch und Flämisch nie als Fran-
zösisch und Niederländisch bezeichnen, obwohl es meiner Kenntnis nach keine nennenswerten belgischen
Eigenarten in den in Belgien verwendeten Sprachen gibt.
13
W
EBSTERS
(1828), laufend neubearbeitet, ist das erste Wörterbuch seiner Art in Nord-Amerika gewesen.
Alexander-Martin Sardina (Linguistische Facharbeit / Mai 2000): Amerikanisches Englisch.
5
quenterweise nach Kanada auswanderten und dort einen stabilisierenden Faktor zum Erhalt des
Britischen darstellten; noch heute sind deswegen dort britische Schreibweisen in offiziellen Doku-
menten verbindlich.
Zudem waren zwar schon früh erste Druckereien in den Kolonien eingerichtet worden (in Cambrid-
ge, Massachusetts, 1639 zuerst), doch lange Zeit stammte die gesamte bedeutende wissenschaftli-
che oder auch belletristische Literatur immer noch aus Großbritannien. Ebenso schickten reiche
Amerikaner ihre Kinder wegen der Pockengefahr zwar nicht nach England zum Studium, holten
sich aber englische Lehrer und Bücher nach Amerika.
14
Diese eindeutige kulturelle Abhängigkeit
insbesondere Neu-Englands und des »pseudo-aristokratischen« Südens erklärt, wieso noch heute
Sprecher aus diesen Gebieten eine deutliche Ähnlichkeit zu der Received Pronunciation Englands
in Abgrenzung zum General American aufweisen (insbesondere Boston, Massachusetts).
In Pennsylvania oder den Midlands hingegegen siedelten vorwiegend Menschen, die nicht angel-
sächsischen Ursprungs waren, folglich keinen direkten Bezug zu England hatten und somit auch
kein primäres Interesse an englischer Bildung: Während das sich industrialisierende Neu-England
und der agrarisch geprägte Süden sprachlich und geistig konservativ blieben, waren die westlichen
Siedler progressiv und innovativ, um ihren trostlosen, gefährlichen und harten Alltag durch Neolo-
gismen oder Euphemismen
15
etwas besser erscheinen zu lassen (public house [Kneipe] wurde zu
saloon; aus school wurde college; jede noch so kleine Stadt hatte ein Hotel und ein opera house
[Kleinstadtbühne]). Gleichzeitig erfuhr das Amerikanische durch die relative koloniale Abgeschie-
denheit und geographische Distanz zu England nicht bestimmte Weiterentwicklungen im Britischen:
Während gotten in England zu got wurde, blieb die ursprüngliche Form gotten im Amerikanischen
bis heute erhalten.
16
Etwa zehn unterschiedliche Dialekte (nicht zu verwechseln mit Akzenten oder gar Slang; bekannte
Dialekte sind Southern American English, New York English, Eastern English, alle Midland und
Inland Northern-Varietäten können als General American zusammengefaßt werden) prägten sich zu
dieser Zeit in Kontinental-USA aus; historisch bedingt die meisten davon im Osten der USA.
1.3 Entwicklungen im 20. Jahrhundert
Zu Beginn des 20. Jahrhundert war im wesentlichen die Periode der Erschließung neuer Territorien
in den Vereinigten Staaten (Kontinental-USA; nur Alaska [03.01.1959] und Hawaii [04.07.1959]
sollten danach noch in die Union kommen) abgeschlossen, und es folgte eine Periode der Konsoli-
dierung und des inneren Aufbaus.
Zugleich war dies die Zeit der größten Einwanderungswellen in die USA. Dies bedeutete natürlich
auch, daß eine große Anzahl muttersprachlich nicht englischsprachiger Personen integriert und
assimiliert werden mußte.
17
Linguistisch blieb dies nicht ohne Folgen; aus dieser Periode stammen
das Amerikanische bereichernde Begriffe wie amok (malayisch), kiosk (türkisch), hamster
(deutsch), shawl (farsi), sleigh (dänisch), sofa (arabisch), sketch (niederländisch), yoga (sanskrit),
challenge (französisch), shampoo (hindi), robot (tschechisch) oder slogan (gälisch).
18
Auch ist dies
die Zeit, in der Einwanderernamen nur zu gerne amerikanisiert wurden: Aus W
ADI
' M
U
'
ANWAD
wurde
E
DWARD
A. M
AYNARD
, aus R
OGGENFELDER
wurde R
OCKEFELLER
, aus K
RANKHEIT
wurde C
RONKHITE
.
Insbesondere Juden nutzten die Chance, antisemitischen Anfeindungen zu entgehen durch Na-
14
G
RAMLEY
(1985): 51.
15
Die Verwendung von Euphemismen aller Art ist nach wie vor sehr beliebt in USA und Kanada und erscheint
dem Europäer oft übertrieben: Aus dem Müllmann ist heute z. B. ein hygienic engineer geworden; aus bad
breath (Mundgeruch) machte die Werbeindustrie halitosis; aus einem dogcatcher wurde ein canine control
officer; aus einem Bettenfabrikanten ein mattress engineer; aus einem Schuster ein shoetrician.
16
R
AEITHEL
(Band 2): 401 f.
17
Assimilation hieß die Parole, nicht Bewahrung von kultureller und sprachlicher Eigenheit. Beispiel für diese
Tendenz war der Nativism, eine Ideologie der älteren Einwanderergeneration (White Anglo-Saxon Protestants,
WASPs), die sich gleichermaßen gegen Katholiken, Juden, Schwarze und Ausländer allgemein richtete und
sicher im Zusammenhang mit dem erneuten öffentlichen Auftreten des Ku-Klux-Klan in den 1920er Jahren
gesehen werden muß.
18
weitere Beispiele finden sich beispielsweise im Faltblatt des Liberty Island Museum, New York (1999).
Alexander-Martin Sardina (Linguistische Facharbeit / Mai 2000): Amerikanisches Englisch.
6
mensänderungen, weswegen aus B
ERNHEIMER
B
URTON
wurde, W
OLFSOHN
zu W
ILSON
, B
LUMENTHAL
zu B
LOOMINGDALE
, G
ELBFISCH
zu G
OLDWYN
und dennoch war C
OHEN
der häufigste Nachname in
Brooklyn um 1920. Ungeklärt bleibt die Vorliebe (vor allem New Yorker) Juden, ihren Kindern an-
gelsächsische Vornamen zu geben wie S
COTT
F
ISCHBEIN
oder N
ORMAN
P
ODHORETZ
. Schwarze lie-
ßen sich hingegen gern von aktuellen Einfällen leiten; belegt sind Vornamen wie R
ADIO
, P
ROHIBITI-
ON
, B
LITZKRIEG
oder auch ein E. P
LURIBUS
U
NUM
[»Out of Many, One«; Motto der USA]
19
und es soll
sogar einen W
ILLIE
3
/
8
S
MITH
in Georgia geben.
20
Zugleich begann der Aufstieg der USA zur Supermacht: Zusammen mit der Anerkennung amerika-
nischer politischer und wirtschaftlicher Erfolge wuchs auch das sprachliche Selbstwertgefühl; erst
langsam gab sich endlich der tiefsitzende Minderwertigkeitskomplex gegenüber dem britischen
Englisch. Ebenso erfuhr erstmalig auch die amerikanische Literatur eine gewisse internationale
Anerkennung.
21
Exemplarisch für diesen Veränderungsprozeß ist das vielbeachtete Werk des Kritikers, Autors und
Herausgebers H
ENRY
L
OUIS
M
ENCKEN
(1880
1956) mit dem Titel The American Language (1919,
1945, 1948),
22
in dem er die Eigenständigkeit des Amerikanischen unterstreicht und keinen Hehl
aus seinem sprachlichen Stolz macht. Neben M
ENCKEN
beschäftigten sich auch die Mitglieder der
Linguistic Society (gegründet 1924) und die Herausgeber der Zeitschrift American Speech (seit
1925) wissenschaftlich mit der amerikanischen Gegenwartssprache. Als Hauptkennzeichen stellte
man eine vereinfachte Schreibweise gegenüber dem Britischen, Offenheit für Neologismen, einen
relativen Mangel an differenzierenden Adjektiven und Adverbien sowie einen unbekümmerten Um-
gang mit der Grammatik fest.
23
M
ENCKEN
attestierte seinen Landsleuten gleichfalls Kreativität und würdigte Neologismen wie joy-
ride (Ausflugsfahrt), frame-up (Komplott), has-been (eine ehemalige Berühmtheit), sob-sister (Brief-
kasten-Tante), loan-shark (Kredithai). Manche Schöpfungen entstammten auch der Feder bekann-
ter Publizisten wie W
ALTER
W
INCHELL
(1897
1972; bekannter Journalist des New York Daily Mirror,
insbesondere in den 1930er bis 1950er Jahren), der egghead (kluger Kopf; nicht zu verwechseln
mit dem pejorativen deutschen Eierkopf), lohengrined (verheiratet) oder Abänderungen wie Hard-
Times-Square.
24
Nicht unerwähnt bleiben sollen in diesem Abschnitt auch Vorbehalte gegen ausländische Sprachan-
teile im Amerikanischen; so wurden beispielsweise diverse Berlins in Nord-Amerika während des
Ersten Weltkrieges und in der Zeit unmittelbar danach umgetauft: Aus Berlin im kanadischen Onta-
rio wurde Kitchener; Brandenburg in Texas wurde Old Glory; Potsdam in Missouri wurde Pershing
was allerdings wiederum der amerikanisierte Nachname des aus Deutschland stammenden US-
Generals F
RIEDRICH
P
FOERSCHING
war.
25
Ebenso sollte noch auf den Versuch T
HEODORE
R
OOSEVELTS
(1858
1919; 26. Präsident der Verei-
nigten Staaten 1901
1909) eingegangen werden, vor allem in seiner zweiten Amtsperiode im Zu-
ge einer umfassenden Reform des Gemeinwesens auch eine Rechtschreibreform amtlich zu ver-
ordnen. Diese sah verbindliche Änderungen im Sinne einer Vereinfachung von beispielsweise
through in thru vor, konnte sich jedoch insgesamt gesehen nicht etablieren.
26
Heute findet man
ROOSEVELTSCHE
Vereinfachungen häufig noch im Bereich der Medienkultur, der Werbeindustrie, der
Umgangssprache allgemein bzw. der sich entwickelnden Chatroom-Kultur im Internet.
19
P
IERRE DU
S
IMITIÈRE
, Mitglied des ersten Great Seal Committees (1776) schlug dieses Motto vor, um die
Einheit der sich in einem neuen und schwierigen Transformationsprozeß befindlichen dreizehn Kolonien zu
betonen.
http://www.greatseal.com/symbols/unum.html (08.05.2000)
20
R
AEITHEL
(Band 2): 402 f.
21
G
RAMLEY
(1985): 53.
22
M
ENCKEN
(
4
1963)
23
R
AEITHEL
(Band 2): 399 ff.
24
R
AEITHEL
(Band 2): 402.
25
R
AEITEHL
(Band 2): 403.
26
R
AEITHEL
(Band 2): 406 f.
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