Inhaltsverzeichnis
1.EINLEITUNG................................................................................................................................... 1
2. ZUR PERSON BERNARD HERRMANN 3
2.1. Werdegang. 3
2.2. Die Persönlichkeit Bernard Herrmann 4
3. ALFRED HITCHCOCK UND DIE FILMMUSIK 5
3.1. Die Bedeutung von Musik 5
3.2. Hitchcock und Herrmann - Zwei Welten treffen aufeinander 5
4. BERNARD HERRMANNS MUSIK IN ALFRED HITCHCOCKS FILMEN 6
4.1. Vertigo. 6
4.1.1. Musikalischer Grundaufbau 6
4.1.2. „Scène d’amour“ 7
4.2. North By Northwest 8
4.2.1. Musikalischer Grundaufbau 8
4.2.2. Die „Crop-Dusting Scene“ 9
4.3. Psycho 10
4.3.1. Musikalischer Grundaufbau 10
4.3.2. Die Duschszene 11
5. SCHLUSSBEMERKUNG 11
ANHANG A. 13
1. Filmograhpie Bernard Herrmann (nur Kinofilme) 13
2. Filme, in denen Bernard Herrmanns Kompositionen verwendet wurden 14
ANHANG B. 15
ANHANG C. 17
LITERATURVERZEICHNIS 20
1.Einleitung
Alfred Hitchcock gilt unbestritten als „Master of Suspense“; um so mehr war er auch ein Meister 1 Bei Filmen von Alfred Hitchcock denken wir sofort an einen Bösewicht, der von des Irrationalen.
der Freiheitsstatue fällt, an einen Helden, der aus heiterem Himmel von einem Flugzeug attackiert wird, oder an eine nackte Frau, die in einer Dusche niedergemetzelt wird. Die Gewalt in diesen, wie auch vielen anderen Szenen geschieht mit einer fast schon sagenhaften Vorherbestimmung, die 2 Die Dinge, die diesen sich weitab jeglicher rationaler Begründung des täglichen Lebens abspielt. Hitchcock- Charakteren widerfahren, geschehen meist aus Gründen, die sie selbst -und manchmal 3 Aus künstlerischer und menschlicher Sicht war auch der Zuschauer- sich nicht erklären können.
Hitchcock dagegen ein sehr rationaler Zeitgenosse, dem es bei seinen Filmen sehr auf den Stil und 4 Ein weiteres Indiz für Hitchcocks rationelles Arbeiten ist mit die Montage der Szenen ankam.
Sicherheit auch die Tatsache, daß er sich gerne immer mit dem gleichen Stab von Mitarbeitern umgab:
„Unquestionably one of the factors that had contributed to the brilliance of Hitchcock’s work during the previous decade [A.d.A.: Das Jahrzehnt zwischen 1956 und 1966] was his assembly of a team of expert technicians on whom he could rely to realize, even enhance, his intentions. Notably, these included the editor George Tomasini, cameraman Robert Burks and composer Bernard Herrmann. None of them worked on 5 his final films.“
Die Bedeutung eines dieser „technischen Experten“, des Komponisten Bernard Herrmann, für die Filme Alfred Hitchcocks soll die vorliegende Arbeit anhand der Filme Vertigo (1958) (dt. Titel: „Aus dem Reich der Toten“), North By Northwest (1959) (dt. Titel: „Der unsichtbare Dritte) und Psycho (1960) untersuchen. Diese drei Filme wurden ausgewählt, weil sie nicht nur von vielen Kritikern als die besten Filme Hitchcocks angesehen werden. Der Filmkritiker Ephraim Katz schrieb 1979 beispielsweise: „Hitchcock’s art reached its full maturity with such superior thrillers as [...] Vertigo, North By Northwest and Psycho. These films culminated one of the most illustrous directorial 6 Daneben stehen die Filme dieser Trilogie auch für den careers in the history of the cinema.“
totalen Verlust von Identität. Hitchcock hatte unterschiedliche Arten von ‚Verlust‘ in vorherigen Filmen beleuchtet, in The Trouble With Harry (1955) (dt. Titel: Immer Ärger mit Harry) ging es um den Verlust eines guten Rufs in einem Städtchen in Neuengland, in The Man Who Knew Too Much (1956) (dt. Titel: Der Mann, der zuviel wußte) ist es der Verlust der Sicherheit der Familie im
1 Vgl. Brown, Royal S.: Herrmann, Hitchcock, And The Music Of The Irrational. In: Film Theory And Criticism. Gerald Mast und Mashall Cohen (Hrsg.). New York: Oxford University Press, 1985, S. 618-649. Hier S. 618.
2 Vgl. Ebd. 3 Vgl. Ebd. 4 Vgl. Ebd. S. 619
5 Sinyard, Neil: The Films of Alfred Hitchcock. London: Multimedia Books Limited, 1994. S. 129. 6 zit. b.: Humphries, Patrick: The Films of Alfred Hitchcock. New York: Crescent Books, 1994. S.185
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Ausland und The Wrong Man (1956) (dt. Titel: Der falsche Mann) behandelt den Verlust von Unschuld, Familieneinigkeit und all dessen was den Menschen ‚normal‘ erscheinen läßt. 7 Der Hauptgrund für die Betrachtung von Vertigo, North By Northwest und Psycho liegt jedoch darin, daß diese drei Filme auch für Bernard Herrmann Meilensteine, wenn nicht sogar die größten 8 Herrmann schuf in diesen Filmen „a sound and style that were Erfolge seiner Karriere darstellten.
uniquely his own. His scores for these and other similar films have become role models for 9 Eine getrennte Betrachtung der beiden Künstler countless other film scores over the years.“
scheint daher unmöglich. Die Musik Bernard Herrmanns ist untrennbar mit diesen Filmen verbunden:
„[...] Hitchcock helped Herrmann produce not only what most would consider to be his masterpieces as a film composer but also to pen music that gives the impression of being a totally inseparable part not only of the films for which it was composed but 10 also an extension of Hitchcock’s personal vision.“
Alfred Hitchcock hatte zuvor mehrmals mit anderen bekannten und erfolgreichen Hollywood-Komponisten gearbeitet, wie z.B. mit Franz Waxmann (Rebecca, The Paradine Case, Suspicion), Dimitri Tiomkin (Dial M for Murder, Strangers On A Train, Shadow Of A Doubt) und Miklós Rózsa 11 12 , jedoch keine Zusammenarbeit währte so lange wie die mit Bernard Herrmann. (Spellbound)
Der Komponist Fred Steiner bringt es auf den Punkt, wenn er schreibt, daß „no other composer up to that time ... had so successfully captured, in music, the special Hitchcock mood: a blend of 13 mystery, suspense, the sardonic, and the romantic.“
Nachfolgend wird auf die Person Bernard Herrmann eingegangen, was für die Zusammenarbeit mit Hitchcock von nicht unerheblicher Bedeutung ist, danach auf das wichtige Verhältnis des Regisseurs zur Musik und schließlich werden die genannten Filme anhand von drei Szenen genauer auf die Bedeutung der Musik hin untersucht. Eine vollständige Untersuchung der einzelnen Filme und deren Musik kann aufgrund des Umfangs im Rahmen dieser Arbeit jedoch nicht erfolgen; sie wurde bereits an anderer Stelle von einigen Autoren, wie z.B. Graham Bruce 14 oder Royal S. Brown durchgeführt.
7 Vgl. Spoto, Donald: The Dark Side Of Genius: The Life of Alfred Hitchcock. (Ninth printing). New York: Ballantine Books, 1993. S. 434. und Rieger, Eva: Alfred Hitchcock und die Musik. Eine Untersuchung zum Verhältnis von Film, Musik und Geschlecht. Bielefeld: Kleine, 1996. S. 169
8 Vgl. Bruce, Graham: Bernard Herrmann: Film Music and Narrative. Ann Arbor: UMI Research Press, 1985. S.117.
9 Karlin, Fred: Listening to Movies: the film lover’s guide to film music. New York: Schirmer Books, 1994. S. 117.
10 Brown, R.: a.a.O., S. 633
11 Vgl. Kloppenburg, Josef: Die dramaturgische Funktion der Musik in Filmen Alfred Hitchcocks. München: Fink, 1986. S. 12
12 Vgl. Bruce, G.: a.a.O., S.117.
13 zit. b.: Prendergast, Roy M.: Film Music - A Neglected Art. A Critical Study of Music in Films. Second edition. New York & London: W.W. Norton & Company, 1992. S.133.
14 Vgl dazu Bruce, G.: a.a.O. und Brown, R.: a.a.O.
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2. Zur Person Bernard Herrmann
2.1. Werdegang
Bernard Herrmann wurde am 29 Juni 1911 in New York geboren. Er studierte an der New York University Kompositionslehre und ging von dort für zwei Jahre an die Juliard School of Music, für 15 Bereits im Alter von 18 Jahren konnte Herrmann von seinen die er ein Stipendium erhalten hatte.
musikalischen Fähigkeiten leben 16 ; er hatte ein Ballett für eine Broadway Show geschrieben und 1931 das New Chamber Orchestra gegründet, mit dem er Konzerte in New York und Washington 17 1934 begann er für das CBS (Columbia Broadcasting System) Radio als Arrangeur und gab.
Komponist zu arbeiten. Seine Hauptaufgabe bestand darin, den musikalischen Hintergrund für Radio-Dramen und Dokumentationen zu liefern, er konnte aber auch seine Konzertkompositionen 18 mit dem CBS-Orchester dirigieren.
Während seiner Zeit bei CBS lernte Herrmann auch den jungen Orson Welles kennen und arbeitete mit ihm an vielen seiner Radioproduktionen. Für Welles‘ berühmtes Radio Drama „War of the Worlds“ von 1938 schuf Herrmann keine Originalmusik, jedoch wählte er zeitgemäße Songs als Hintergrundmusik für den Auftakt aus. Der phänomenale Erfolg führte Welles schließlich nach Hollywood und Herrmann zu seiner ersten Filmkomposition: Citizen Kane . Noch im selben Jahr erhielt er seinen ersten und einzigen Oscar für The Devil and Daniel Webster und schlug so seine 19 eigene Musik zu Citizen Kane, die ebenfalls nominiert war.
Trotz des Erfolges blieb Herrmann dem Konzertsaal treu und komponierte während der ersten zehn Jahre seiner Hollywood- Karriere relativ wenige Filmmusiken, meist nur ein Film pro Jahr. Ab 1951 bekam der jedoch so viele Angebote, daß er sich dem Filmgeschäft nicht mehr entziehen 20 konnte; ab diesem Zeitpunkt komponierte er meist zwei bis drei Filmmusiken pro Jahr. Im Jahr 1955 begann für Herrmann ein bedeutender Einschnitt seiner Karriere, die über elf Jahre andauernde Zusammenarbeit mit Alfred Hitchcock. Sie endete erst 1966 unter für beide Künstler 21 Selbst diese Zusammenarbeit hinderte Herrmann nicht daran, für unerfreulichen Umständen.
andere Filme bedeutsame Musik zu komponieren; doch erst nach Beendigung der Zusammen- 22 arbeit mit Hitchcock wandte er sich mehr der europäischen Filmszene zu.
15 Vgl. Thomas, Tony: Filmmusik. übers. v. Peter Glaser. München: Heyne, 1995, S. 185
16 Vgl. Thomas, Tony: Music For The Movies. Second expanded and updated edition. Los Angeles: Silman-James Press, 1997., S. 187.
17 Vgl. Darby, William und Jack Du Bois: American film music: major composers, techniques, trends, 1915-1990. Jefferson, N.C.: McFarland & Company, Inc., Publishers, 1990., S. 345.
18 Vgl. Thomas, T.: Music For The Movies. a.a.O., S. 187 f. 19 Vgl. Darby, W.: a.a.O., S.346 f. 20 Vgl. Thomas, T.: Music For The Movies. a.a.O., S. 190.
21 auf den genauen Hergang und die Gründe für die Beendigung Ihrer Zusammenarbeit kann an dieser Stelle nicht eingegangen werden; eine sehr detaillierte Schilderung der Umstände findet sich in: Smith, Steven C.: A Heart at Fire’s Center: The Life and Music of Bernard Herrmann. Berkeley und Los Angeles: University of California Press, 1991.
22 Vgl. Darby, W.: a.a.O., S.348.
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Der Hauptgrund für sein Engagement in Europa resultierte aus einer Enttäuschung über Hollywood, da er sich -wie viele andere seiner Kollegen- zugunsten der Popmusik zurückgesetzt fühlte. Mitte der sechziger Jahre begann eine Welle von Pop-, Rock- und Folksongs die traditionelle orchestrale Filmmusik abzulösen. Filme wie The Graduate (dt. Titel: Die Reifeprüfung) 23 Erst durch (1967) und Easy Rider (1969) waren maßgeblich für diese Entwicklung verantwortlich. die damaligen Nachwuchsfilmer Brian DePalma und Martin Scorsese fand Herrmann in den letzten Jahren seines Lebens noch einmal Beachtung. Nach Beendigung der Aufnahmen zu Taxi Driver am 23. Dezember 1975, auf deren Abschluß er nachhaltig drängte, starb Bernard Herrmann noch 24 Grotesker Weise wurden seine letzten Filmkompositionen Taxi Driver und in derselben Nacht.
Obsession beide 1977 für einen Oscar nominiert (es gewann Jerry Goldsmiths Musik zu The 25 Omen), nachdem er 29 Jahre lang keine einzige Nominierung erhalten hatte.
2.2. Die Persönlichkeit Bernard Herrmann
Bei der Betrachtung von Herrmanns Werk kommt man nicht umhin auch auf die umstrittene Persönlichkeit des Komponisten einzugehen. Zeit seines Lebens widersetzte er sich der Bezeichnung ‚nur ein Filmkomponist‘ zu sein, er trat auch heftig gegen die Ansicht ein, daß 26 Filmmusik weniger wert sei, als Konzert- und Opernkompositionen ; eine Ansicht, die sich leider
bis in die heutige Zeit durchzusetzen scheint. Doch nicht nur bei den Kritikern, sondern auch in seinem Arbeitsumfeld war er durchaus umstritten. Schon ein Selbstzitat des Komponisten sagt sehr viel über ihn aus: „I do not prefer to be judged by inferior talents; sparrows fly in flocks but 27 Dieser Kommentar zeigt nicht nur, daß er sich seines Talents sehr wohl bewußt eagles fly alone.“
war, sondern auch, daß er kein Verständnis für diejenigen zeigte, die sein Talent nicht erkannten. Er setzte für sich selbst sehr hohe Maßstäbe an und zeigte sich ungeduldig und teilweise 28 Gelegentlich konnte er verachtungsvoll wenn andere diese Maßstäbe nicht einhalten konnten.
gegenüber Produzenten, die ihn verpflichten wollten, ausfallend werden. Mit den Worten: „Why do 29 verlieh er seiner Verachtung für viele Filmschaffende nur allzu you show me this garbage?“
deutlich Ausdruck. Burt Lancaster, für dessen erste Regiearbeit The Kentuckian Bernard Herrmann die Musik schrieb, sagte von seinem Komponisten er sei „the most difficult man I ever worked 30 , jedoch Jahre später korrigierte er diese Aussage in „a genius“ 31 . Wie konnte es also dazu with“
kommen, daß Alfred Hitchcock mit Bernard Herrmann derart lange Kollaboration unterhielt? Im nachfolgenden Abschnitt, wird diese Frage genauer untersucht.
23 Vgl. Ebd.
24 Vgl. Thomas, T.: Filmmusik. a.a.O., S.187.
25 Vgl. Smith, Steven C.: A Heart at Fire’s Center: The Life and Music of Bernard Herrmann. Berkeley und Los Angeles: University of California Press, 1991. S. 357.
26 Vgl. Thomas, T.: Filmmusik. a.a.O., S.184. 27 zit. b. Bruce, G.: a.a.O., S. 25. 28 Vgl. Ebd., S. 25 f.
29 zit. b. Thomas, T.: Music For The Movies. a.a.O., S. 186. 30 zit. b. Smith, S.: a.a.O., S. 195.
31 Zit. b. Ebd.
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Uwe Sperlich, 1998, Herrmann - Hitchcock. A Partnership in Terror. Die Bedeutung von Bernard Herrmanns Musik für "Vertigo", "North By Northwest" und "Psycho", München, GRIN Verlag GmbH
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