Universität Rostock Philosophische Fakultät Institut für Germanistik
Seminararbeit im Fach Germanistik
Analyse eines selbst gewählten Prosatextes am Beispiel: Franz Kafka „Die Verwandlung“
von: Semester: 2. Fachsemester, LA So/Germ. Datum: SS 2000
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die handelnden Personen
2.1 Gregor
2.1.1 Die Stufen der Verwandlung - Widerspruch von Gefühlen und
Gestalt
2.2 Der Vater
2.2.1 Krank und schwach vs. aggressiv und dominant
2.2.2 Nachsicht des Vaters
2.3 Die Mutter
2.4 Die Tochter
3. Themen
3.1 Der Vater-Sohn-Konflikt
3.2 Verwandlung als Motiv
4. Erzählstruktur, Erzählform
4.1 Erzähltechnik
4.2 Sprache
5. Literaturverzeichnis
2
1. Einleitung
Die Entstehung der ,,Verwandlung" wird vor allem durch die Erwähnung in den Briefen an Felice Bauer dokumentiert. Kafka begann mit der Arbeit an dem Text wohl in einer Nacht Mitte November 1912. In einem Brief an Felice Bauer vom 23.11.1912 heißt es über den Fortgang seiner Arbeit: ,,Ich habe meine kleine Geschichte weggelegt, an der ich allerdings schon zwei Abende gar nichts mehr gearbeitet habe und die sich in der Stille zu einer größeren Geschichte auszuwachsen beginnt [...]. Sie heißt ,,Verwandlung" [...]“ 1 . Doch nur eine Nacht später ist sie dann ,,schon ein Stück über ihre Hälfte fortgeschritten" 2 . Leider musste Kafka seine Arbeiten dann aufgrund einer Dienstreise, die ihn von Prag wegführte, ein bis zwei Tage ruhen lassen.
Kafkas literarisches Wirken war immer fort von seinem problematischen Verhältnis zu seinem Vater geprägt. Er litt unter der autoritären Erziehung, die ihn auch psychisch sehr belastete. Wie sehr Kafka unter seinem Vater gelitten haben muss, zeigt sich in seinem ,,Brief an den Vater“ von 1919. Der Brief umfasste 104 handgeschriebene Seiten und wurde von Kafka nie abgeschickt.
1 Ries, Wiebrecht: Kafka zur Einführung - Junius Verlag, 1. Auflage, 1993, S. 58
2 vgl. Ries, S. 59
3
2. Die handelnden Personen
2.1 Gregor
Auf den ersten Blick erscheint dem Leser das Familienleben harmonischen und liebevoll. Doch nach und nach wird sichtbar, dass die Hauptperson Gregor immer wieder Erklärungen für die negativen Äußerungen der Familienmitglieder sucht und diese zu entschuldigen versucht. Indem er ab dem Zeitpunkt seiner Verwandlung diese „Harmonie“ durchschaut, stellt er sein gesamtes bisheriges Leben in Frage. Für ihn war es nicht ungewöhnlich, als Einziger für den Unterhalt der Familie zu sorgen, denn schließlich litt die Mutter an Asthma, der Vater war alt und die Schwester zu jung. Er denkt kurz vor seinem Tod noch einmal „[a]n seine Familie [...] mit Rührung und Liebe zurück.“ 3 Selbst jetzt ist Gregor nicht in der Lage, die Wirklichkeit kritisch zu reflektieren. Er rettet die Harmonie des Familienlebens in sein Käferdasein hinüber. Es wird jedoch deutlich, dass er das Gefühl hat, seine Arbeit für die Familie wird nicht in dem Maße gewürdigt, wie er es sich vielleicht erhofft hat: „eine besondere Wärme [...]“ 4 habe sich auf Dauer nie ergeben. Die Familie hat sich zwar an das Geld gewöhnt, welches Gregor verdiente, hielt es aber auch für selbstverständlich, dass er zum Beispiel die Schulden der Eltern abarbeitet.
Als Leser erfährt man nicht viel darüber, wie sich das Leben in der Familie in den Wochen vor der Verwandlung vollzog, jedoch lässt der Text Rückschlüsse darüber zu, dass es nicht gerade liebevoll zugegangen sein muss. Gregor ist nur wenige Tage zu Hause und zieht sich dann auch die meiste Zeit in sein Zimmer zurück. Er isoliert sich vom Rest der Familie. Diese Kälte, die zwischen den Familienmitgliedern herrscht, wird von der Mutter mit den Worten begründet, dass „der Junge [...] ja nichts im Kopf [habe] als das Geschäft“ 5 . Der Leser aber weiß, dass Gregor seine Arbeit hasst. Am Morgen, als er in seinem verwandelten Körper erwacht und versucht, sich aufzurichten, fällt sein Blick auf Muster, welche er sich für diesen Tag bereit gelegt hatte und denkt:
3 Kafka, Franz: Die Verwandlung. Text und Kommentar - Suhrkamp Basis Bibliothek 13. Originalausgabe, 1. Auflage, 1999, S. 68
4 vgl. Kafka, S. 37
5 vgl. Kafka, S. 17
4
Arbeit zitieren:
Katrin Niemann, 2003, Analyse eines selbstgewählten Prosatextes am Beispiel: Franz Kafka "Die Verwandlung", München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Hesse, Herrmann - Siddharta - Zusammenfassung, Interpretation und Ver...
Referat / Aufsatz (Schule), 11 Seiten
Die Darstellung des Kindsmords im deutschen Drama H.L. Wagners "D...
Germanistik - Literaturgeschichte, Epochen
Bachelorarbeit, 33 Seiten
Eine Analyse börsengehandelter Fonds - Indexzertifikate und Exchange T...
BWL - Bank, Börse, Versicherung
Hausarbeit (Hauptseminar), 29 Seiten
Analyse der Kerkerszene in Wolfgang Johann von Goethes Faust I. Eine T...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 27 Seiten
Motive für den Kindsmord in Wagners "Die Kindermörderin"
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 21 Seiten
Kafkas "Die Verwandlung" – Traum oder Realität?
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 17 Seiten
Literaturübersicht zum Thema "Zitieren und Belegen"
Zusammenstellung von Internetq...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 14 Seiten
Verfahren, Techniken und Ablauf einer Moderation
BWL - Personal und Organisation
Hausarbeit, 40 Seiten
Die Verwandlung - Eine Novelle der Moderne?
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 18 Seiten
Texterschließung im Deutschunterricht
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Seminararbeit, 19 Seiten
Die Grundkonzeption von Aktienanleihen und Discountzertifikaten, darge...
BWL - Investition und Finanzierung
Vordiplomarbeit, 34 Seiten
Zuckmayer, Carl - Der Hauptmann von Köpenick - eine Analyse
Referat / Aufsatz (Schule), 11 Seiten
Katrin Niemann's Text Analyse eines selbstgewählten Prosatextes am Beispiel: Franz Kafka "Die Verwandlung" ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Katrin Niemann hat den Text Analyse eines selbstgewählten Prosatextes am Beispiel: Franz Kafka "Die Verwandlung" veröffentlicht
Katrin Niemann hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare