Warnung, die d ie koranische Botschaft enthält. Um diese Warnung zu bekräftigen und zu erreichen, dass ihr Glauben geschenkt wird, wird an die Macht Gottes immer wieder in Form von Erzählungen erinnert, die von den Frevlern handeln, die die Erde früher bewohnten und den Propheten damals keinen Glauben geschenkt hatten. Sie wurden zur Bestrafung von Gott vernichtet.
Die Unterscheidung zwischen den Gläubigen und Ungläubigen wird in der Sure 10 insbesondere an der Frage des Monotheismus bzw. des Polytheismus festgemacht. Die altarabischen Stämme verehrten nicht den einen Gott, sondern stellten andere Gottheiten neben ihn. Eine wesentliche Botschaft dieser Sure ist, dass diejenigen, die Gott Teilhaber beigesellen, am jüngsten Tag dafür bestraft werden und als Frevler im Höllenfeuer lodern werden (10:18, 28, 34, 66, 104-106). Sie gehören zu den Ungläubigen, an die diese Mahnung gerichtet ist und denen anhand von Zeichen und Erzählungen verdeutlicht werden soll, dass es nur den einen Gott gibt und dass es dieser ist, der dereinst die Menschen abberuft.
Neben der Geschichte des Mose, auf die hier näher eingegangen werden soll, erfüllt die Geschichte von Noah in dieser Sure den gleichen Zweck (10:71-73). Noah versuchte, sein Volk durch die Zeichen Gottes zu mahnen, doch es schenkte ihm keinen Glauben, stellte „Teilhaber“ an die Seite Gottes und bezichtigte Noah der Lüge. Zur Strafe ließ Gott alle Ungläubigen ertrinken, errettete Noah und setzte ihn und die mit ihm auf dem Schiff waren als Nachfolger auf der Erde ein.
Der mahnende Charakter dieser Erzählung wird deutlich hervorgehoben, wenn es heißt: „Schau nur, wie das Ende derer war, die gewarnt worden sind!“ (10:73) 2
Die darauf folgende Geschichte des Mose erfüllt die gleiche Intention, was daran deutlich wird, in welcher Form sie an dieser Stelle des Korans berichtet ist. Im Vergleich zu der ausführlicheren Darstellung der einzelnen Ereignisse in Sure 7:103-137 wird hier weniger auf die einzelnen Zeichen eingegangen, als auf die Wirkung, die sie bei Pharao entfalteten. So ist dieser erst geläutert, als er am Ertrinken ist und das Bekenntnis ablegt: „Ich glaube, dass es keinen Gott gibt außer dem, an den die Kinder Israels glauben. Und ich bin von denen, die sich
2 hier und im Folgenden in der Übersetzung von Rudi Paret, Der Koran, Stuttgart 2001 8 (1979)
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ergeben haben.“ (10:90) Durch dieses Bekenntnis soll er selbst zum zentralen Zeichen für die nachfolgenden G enerationen werden, denen dadurch die Wahrheit und hier insbesondere der Glaube an den einen Gott vermittelt werden soll. (10:92) Die Form, in der die Geschichte erzählt wird, beabsichtigt, deutlich zu machen, dass es zur Reue zu spät ist, wenn die Strafe für das ungläubige und frevelhafte Verhalten schon gekommen ist. Das Bekenntnis des Pharao war nicht ehrlich, es erfolgte nicht aus Überzeugung, sondern aus der Not der Situation heraus.
Der Beginn dieses mahnenden Berichts ist in Vers 75. Die Kommunikation und das Auftreten der Akteure ist vergleichbar mit anderen Geschichten von Völkern, die gemahnt werden sollten, die Mahnung und die Zeichen allerdings für Lüge oder Zauber bezeichneten und im Anschluss daran bestraft wurden. Gott spricht von sich durch das Wort Muhammads, dem der Koran durch den Erzengel Gabriel offenbart wurde, regelmäßig im Pluralis Majestatis, der ersten Person Plural. Die Ungläubigen werden in Form der dritten Person Plural mit negativ beladenen Adjektiven beschrieben. So handelt Vers 75 davon, dass „wir“ den Mose und den Aaron mit „unseren“ Zeichen zu Pharao und seinen Vornehmen schickten; „sie“ waren hochmütige und sündige Leute. Mose tritt im Folgenden immer wieder in die direkte Rede mit Pharao und den Ungläubigen, da er hier als P rophet im Auftrag Gottes auftritt, der das ungläubige Volk des Pharao mahnen soll. In der direkten Rede des Mose spricht dieser von Gott in der dritten Person S ingular und versucht, dessen Einzigartigkeit und seinen daraus resultierenden Anspruch auf Oberhoheit den ungläubigen Ägyptern und dem Pharao nahe zu bringen; aber diese tun die Wahrheit als Zauberei ab.
Vielmehr treten sie Mose mit Skepsis gegenüber, weil sie bei ihm schlechte Absichten vermuten, so wie sie solche Absichten selber hegen würden, wären sie an seiner Stelle. Sie erkennen die Oberhoheit Gottes nicht an, glauben vielmehr, Mose und Aaron wollten selbst die Oberhoheit an sich reißen. Also beharren sie auf ihrer eigenen Oberhoheit, die ihnen Gott gegenüber aber nicht zukommt, und verweigern, sich von ihrem Heidentum, das sie als Brauch der Väter vorgefunden haben, abzuwenden (10:78).
Die Verse 79 bis 82 handeln von den Zauberern, die Pharao herbeirufen lässt, damit sie mit Mose in Wettstreit treten sollen. Doch was sie vorführen ist nur
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Magie und Illusion und es hat keinen Bestand vor Gott. Die Wunder, die Mose vorbringt, werden an dieser Stelle des Koran nicht näher beschrieben, aber sie werden vom Volk der Ägypter als Zauberei aufgefasst, mit deren Hilfe er sie aus ihrem Land vertreiben wolle. 3 Doch es ist keine Zauberei, da solche von Gott nicht geduldet wird. Es ist vielmehr die Wahrheit, der Gott durch seine Worte zum Sieg verhilft (10:82).
Mit Vers 83 beginnt die Schilderung der Rettung des Volkes der Israeliten, die aus Ägypten geführt werden müssen, da sich der Pharao und sein Volk nicht vom wahren Glauben überzeugen lassen wollen.
In den Versen 83 bis 86 erfolgt als Gegensatz zu der vorherigen Kommunikation zwischen Mose und den Zauberern nun die Kommunikation zwischen ihm und der Nachkommenschaft seines eigenen Volkes, die allein ihm Glauben schenken. Der Versuch der Bekehrung durch Mahnung und durch Zeichen war erfolglos geblieben; Pharao wird nun beschrieben als ein zu denen Gehöriger, „die nicht maßhalten“ (10:83). Er stellt sich über Gott, indem er das Land beherrscht und seine Untertanen gewalttätig unterdrückt. Dies macht die Befreiung der Israeliten erforderlich. Sie schenken der Botschaft des Mose Glauben, der ihnen eingibt, dass sie nur auf Gott vertrauen müssen. Dieses Vertrauen wollen sie Gott entgegenbringen und hoffen auf die Errettung von dem Volk der Ungläubigen durch seine Barmherzigkeit (10:85-86).
Die folgenden Verse stellen erneut einen Wechsel innerhalb der Kommunikation der Akteure dar. Die Konversation zwischen Mose und den zwei verschiedenen Völkern ist beendet, und Gott tritt mit Mose direkt in Kontakt. Er wirkt wesentlich präsenter dadurch, dass auch er, wieder in Form des Pluralis Majestatis, in die direkte Rede mit Mose tritt. Gott ist primärer Akteur, da er als Erzähler auftritt, der die Handlung voran treibt, ihren Verlauf demnach bestimmt und das alles aus der Zukunft rückblickend auf die Vergangenheit als allwissender Erzähler berichtet. Die Weisung wird dadurch zum direkten Befehl, der nicht nur an Mose und seinen Bruder, sondern auch an die Israeliten und letztendlich an alle Gläubigen gerichtet ist. Ihre Aufgabe ist, in den Häusern eine Orientierung anzubringen und das Gebet zu verrichten. Mose soll den Gläubigen gute Nachricht von der Seligkeit bringen, die sie im Jenseits erwartet (10:87).
3 Vgl. 7:107-110
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Arbeit zitieren:
Daniel Quadbeck, 2003, Analyse der Koransure Jonas (10:75-96), München, GRIN Verlag GmbH
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