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Gliederung
1. Einleitung
2. Die schulische Ausbildung und Benachteiligtenförderung
3. Das duale System der beruflichen Bildung in Deutschland
4. „Hürden an der zweiten Schwelle“: Probleme beim Übergang von der Erstausbildung in die
Besch äftigung
5. Soziale Ausgrenzung
6. Arbeitsbeschaffungs- und Qualifizierungsmaßnahmen
6.1 Die Träger der Maßnahmen
6.2 Subventionen und Sonderprogramme in Ostdeutschland
7. Ein Rückblick auf „JUMP“ und eine Vorschau auf „Hartz“
7.1 „JUMP“, das Sofortprogramm gegen Jugendarbeitslosigkeit
7.2 Das „Hartz-Papier“: Neue Ideen und neue Konzepte
8. Ein Blick über die Grenzen: Auch andere Nationen haben Probleme
8.1 Arbeitsmarktpolitik in den Niederlanden
8.2 Arbeitsmarktpolitik in Dänemark
9. Fazit
10. Literaturverzeichnis
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„Es ist schlimm genug, rief Eduard, dass man jetzt nichts mehr für sein ganzes
Leben lernen kann. Unsere Vorfahren hielten sich an den Unterricht, den sie in
ihrer Jugend empfangen; wir aber müssen jetzt alle fünf Jahre umlernen, wenn
wir nicht ganz aus der Mode kommen wollen“ (Goethe, 1809). Zu Beginn der Hausarbeit sollen zunächst die zentralen inhaltlichen Begriffe
Arbeitslosigkeit Jugendarbeitslosigkeit definiert werden.
„Arbeitslos ist, wer vorübergehend in keinem Beschäftigungsverhältnis steht und
eine Beschäftigung sucht. Arbeitslos ist auch, wer nur eine weniger als
15 Stunden wöchentlich umfassende Beschäftigung oder Tätigkeit als
Arbeitnehmer, Selbständiger oder mithelfender Familienangehöriger ausübt. Die
Woche in diesem Sinne ist nicht mit der Kalenderwoche identisch, sondern
umfasst sieben aufeinanderfolgende Tage, beginnend mit dem ersten Tag der
Beschäftigung bzw. Tätigkeit“ (...) Ferner muss man jünger als 65 Jahre alt und
arbeitsfähig sein. Ebenso muss eine Meldung beim Arbeitsamt erfolgen (vgl.
Bundesanstalt für Arbeit, 2003).
Zu den Jugendarbeitslosen gehören Menschen, die im Sinne der vorangegangenen
Definition als arbeitslos beim Arbeitsamt gemeldet sind und ihr 25. Lebensjahr
noch nicht vollendet haben (vgl. Bundesanstalt für Arbeit, 2003).
1. Einleitung
Der Gang zum Arbeitsamt bleibt in der Regel fast niemanden erspart. Die einen lassen sich nur kurz beraten, um dann eine berufliche Karriere zu starten, die anderen werden zu „Dauergästen“ beim Amt, weil ihnen keine Perspektiven für eine geregelte Erwerbsarbeit offen stehen und sie auf fremde Hilfe angewiesen sind. Wenn dies der Fall ist, dann gehört der Betreffende zu den über 4.000.000 Menschen, die im November 2002 in Deutschland von der Arbeitslosenstatistik erfasst waren. Bezogen auf alle Erwerbspersonen ist das eine Quote von 9,7 Prozent. In Meinungsumfragen wird die Arbeitslosigkeit als eines der größten Probleme und als wichtigste gesellschaftliche Herausforderungen unserer Zeit betrachtet. Hinter der Erwerbslosigkeit verbergen sich zudem auch persönliche Schicksale. So verfügen die Arbeitslosen über weniger finanzielle Mittel, müssen also ihren Lebensstandard einschränken, was zu sozialer Ausgrenzung und psychischen Problemen führen kann. Besonders schlimm wird es für die Gesellschaft und für den Einzelnen, wenn schon junge Menschen mit Arbeitslosigkeit konfrontiert werden. Im November 2002 waren in Deutschland 472.000 Jugendliche unter 25 Jahren beim Arbeitsamt als arbeitssuchend
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gemeldet, das sind 42.000 Menschen mehr, als im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres. Das entspricht einer Quote von 9,1 Prozent (vgl. Bundesanstalt für Arbeit, 2002).
Hierbei handelt es sich jedoch nur um die registrierten Arbeitslosen. Jugendliche, die sich aufgrund mangelnder Erfolgsaussichten nicht beim Arbeitsamt melden, tauchen nicht in der Statistik auf, sodass die tatsächliche Zahl der arbeitslosen Jugendlichen noch deutlich über den offiziellen 9,1 Prozent liegen dürfte. Auch Jugendliche, die sich an Arbeitsbeschaffungs- und Qualifizierungsmaßnahmen beteiligen, werden nicht als arbeitssuchend geführt. Ebenfalls steht zur Debatte, ob es gesellschaftliche Gruppen oder Regionen gibt, die besonders von Arbeitslosigkeit betroffen sind. Es soll weiterhin geprüft werden, welche Maßnahmen zur Arbeitsförderung sich als sinnvoll erwiesen haben und welche eher uneffizient oder demotivierend sind. Dabei sollen sowohl längerfristige Strategien der Regierungen als auch neue Konzepte, wie Auszüge aus dem Hartz-Papier, vorgestellt werden. Weitere Hauptpunkte der Betrachtungen stellen das schulische- sowie das betriebliche Ausbildungssystem Deutschlands dar. Aber auch ein Blick über die Grenzen wird nicht fehlen. Dieser soll veranschaulichen, welche Instrumente andere Staaten gegen ihre Arbeitslosigkeit einsetzen.
2. Die schulische Ausbildung und Benachteiligtenförderung
Seit vielen Jahren besteht in Deutschland die allgemeine Schulpflicht. Bis 1964 war sie einheitlich auf acht Jahre festgelegt, mittlerweile beträgt sie bundeslandspezifisch neun oder zehn Jahre. Es kann sich aber als Vorteil erweisen, die Schulzeit noch zu verlängern, um einen höheren Bildungsabschluss zu erwerben. Eine gute Ausbildung ist aber keineswegs ein Garant für einen sicheren Arbeitsplatz, die Chance auf einen solchen ist aber wesentlich größer als mit einem niedrigen Abschluss. So liegt nach den Studien des Volkswirtschaftlers und Soziologen Prof. Dr. Gerhard Bosch, vom Institut für Arbeit und Technik des Wissenschaftszentrums Nordrhein-Westfalen, die Beschäftigungsquote der hoch qualifizierten Männer mit Abitur oder Studium 20 Prozent über dem der gering qualifizierten. Jugendliche mit einem mittleren Qualifikationsniveau, was Absolventen des dualen Systems mit einschließt, liegen demnach dazwischen. Bei Frauen ist das Bildungsniveau noch ausschlaggebender für die
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Beschäftigungsquote. So sind 81, 1 Prozent der Frauen mit hohen Abschlüssen zwischen 25 und 54 Jahren erwerbstätig, mit niedrigen sind es nur knapp unter 50 Prozent (vgl. Bosch S. 23-25).
Es sind also die gering Qualifizierten, die besonders viel Hilfe bedürfen, um im Erwerbsleben Fuß zu fassen. Nach wie vor blieben in Deutschland im Jahr 1999 rund 100.000 Jugendliche ohne Berufsabschluss. Das waren etwa 12 Prozent des Altersjahrganges. Besonders betroffen waren davon benachteiligte Jugendliche. Benachteiligte Jugendliche sind nach dem Benachteiligten Programm der Bundesregierung von 1980:
- Lernbeeinträchtigte deutsche Auszubildende, insbesondere Hauptschüler ohne Abschluss und Abgänger aus der Sonderschule für Lernbehinderte; - sozial benachteiligte deutsche Auszubildende, insbesondere -Jugendliche, die nach Feststellung des Psychologischen Dienstes des Arbeitsamtes verhaltensgestört sind; -Legastheniker;
-Jugendliche, für die Hilfen zur Erziehung im Sinne des Kinder- und Jugendhilfegesetzes geleistet worden ist, soweit sie nicht in einem Heim ausgebildet werden;
-drogenabhängige oder ehemals drogenabhängige Jugendliche; -strafentlassene Jugendliche; -junge Strafgefangene;
-jugendliche Spätaussiedler mit Sprachschwierigkeiten sowie -ausländische Jugendliche.
Hinzu kommen noch körperlich und geistig behinderte sowie chronisch kranke Jugendliche, die ständiger Betreuung bedürfen (vgl. Schierholz S.13 ff). Für alle diese so unterschiedlichen Gruppen muss also der Versuch unternommen werden, den verschiedenen Bedürfnissen der einzelnen Benachteiligten gerecht zu werden. Das ist jedoch sehr schwer. Meist sind Haupt- und Sonderschulen Sammelbecken für die „Problemfälle“. Hinzu kommen die teilweise ungeordneten Familienverhältnisse der Schüler, die sich in mangelndem Engagement für das Lernen und Disziplinlosigkeit niederschlagen. Besonders problematisch ist die Situation ausländischer Jugendlicher aus fremden Kulturkreisen. Für sie muss oftmals erst die Grundvoraussetzung, das Erlernen der deutschen Sprache, geschaffen werden, was den Lehrplan der Schulen sprengt. Die Arbeitslosenquote
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ausländischer Jugendlicher ist auch besonders hoch. Durchschnittlich lag sie 1999 bei 25 Prozent. Bei einigen ethnischen Gruppen, wie bei Türken, Kurden oder Spaniern lag sie sogar bei 30 Prozent. Im Vergleich dazu liegt die allgemeine Arbeitslosenrate von Jugendlichen in Deutschland bei 9,1 Prozent. Aufgrund der großen Zahl der Aussiedler mit mangelnden Deutschkenntnissen sind also dringend Sonderprogramme notwendig, um eine Integration der ausländischen Jugendlichen, nicht nur ins Erwerbsleben, sondern auch in die Gesellschaft zu ermöglichen (vgl. Schierholz, 2002, S. 27-28).
In der aktuellen politischen Debatte sind weiterhin Vorschläge gemacht worden, in denen Deutschkenntnisse zur Bedingung für eine dauerhafte Einreise ausländischer Jugendliche nach Deutschland gemacht werden.
3. Das duale System der beruflichen Bildung in Deutschland Die Jugendarbeitslosigkeit ist in Deutschland auch eng mit der
Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen gekoppelt. Anders als beispielsweise in Großbritannien oder den USA, wo schulische Ausbildungsgänge vorherrschen, haben in Deutschland mehr als zwei Drittel aller Beschäftigten eine Lehre abgeschlossen. Dieses Ausbildungssystem, eine betriebliche Lehre in Kombination mit Berufsschulunterricht, hat sich bisher als recht erfolgreich erwiesen. Die vergleichsweise niedrigen Zahlen von jugendlichen Arbeitslosen in Deutschland dienen als Beleg dafür. Ein Vergleich mit anderen Staaten erfolgt in einem nachfolgenden Kapitel. Der Hinweis darauf, dass die bestehende Arbeitslosigkeit dennoch viel zu hoch ist, darf an dieser Stelle aber nicht fehlen. Der frühe Einblick in die beruflichen Strukturen und Arbeitsprozesse erleichtert den Jugendlichen nach der Ausbildung den Übergang in ein dauerhaftes Beschäftigungsverhältnis, da sie schon eine ähnlich hohe Produktivität aufweisen, wie erfahrene Arbeitskräfte. Das duale System ist zudem auch offener für Jugendliche ohne hohes Qualifikationsniveau. So haben im Jahr 2000, 15.000 Jugendliche ohne Hauptschulabschluss einen Lehrvertrag abgeschlossen. Auf der anderen Seite fordern neuerdings schon viele Handwerksbetriebe mittlere und höhere Schulabschlüsse von ihren Auszubildenden ein. Ein höheres Bildungsniveau erweist sich also auch hier als Vorteil. Hinzu kommt, dass Führungspositionen zunehmend von Hochschulabsolventen besetzt werden.
Arbeit zitieren:
Bernd Meiritz, 2003, Arbeitsmarktpolitische Konzepte gegen Jugendarbeitslosigkeit, München, GRIN Verlag GmbH
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