1.2. Bestimmung der Translatorischen Handlung
Holz-Mänttäri versteht unter Translatorischem Handeln die Handlung eines Experten, der sich in Kooperation mit anderen Experten, Auftraggebern und Rezipienten in einem komplexen Handlungsgefüge befindet und allein dadurch verschiedenste Anforderungen erfüllen muss. Er ist sowohl Fachmann für die spezifizierte und professionelle Textproduktion als auch Organisator des Handlungsgefüges und daher verpflichtet, die stattfindenden Prozesse zu überblicken, sie gegebenenfalls anzupassen und im nachhinein auch evaluieren zu können. Nur so kann gewährleistet werden, dass als Ergebnis ein professionelles Produkt erreicht wird. In diesem Zusammenhang wird besonders die Verantwortlichkeit des Translators in den Vordergrund gestellt, da dieser u.U. auch die Möglichkeit haben muss, einen Auftrag abzulehnen, wenn ein Translat seiner Meinung nach nicht möglich ist oder keinen Sinn ergibt.
Für Translatorisches Handeln wird ferner festgestellt, dass es nicht im isolierten Raum stattfindet und dass es auf einer allgemeinen Kooperation aller Beteiligten beruht, damit das Endprodukt, das Translat für den Rezipienten von Nutzen ist und seine Funktion erfüllen kann. Um ihre Abkehr von vorherigen Modellen zu unterstreichen und ihrer Theorie eine neue begriffliche Grundlage zu geben, schafft Holz-Mänttäri Termini, die im folgenden kurz erläutert sein sollen.
1.3. neue Termini, neues Rollenverständnis
Holz-Mänttäri verwendet nicht mehr die Ausdrücke Übersetzen, Übersetzung oder Übersetzer, sondern spricht von Translation, Translat und Translator. Dadurch wird ihre Theorie prinzipiell auch fürs Dolmetschen anwendbar. Als neue Termini werden neben Handlungsgefüge auch Botschaftsträger und Bedarfsträger eingeführt, wobei mit Botschaftsträger der Text gemeint ist und der Bedarfsträger für den Initiator der Handlung steht, also der Auftraggeber.
An der Translation ist der Translator als Experte/Fachmann beteiligt, der sein spezifisches Wissen um die Herstellung von Botschaftsträgern einsetzt um so die vom Kunden erwünschte Leistung zu erbringen. Holz-Mänttäri orientiert sich bei ihren theoretischen Ausführungen in erster Linie an ihren eigenen praktischen Erfahrungen als Übersetzerin, die sie zur der paradoxen und radikalen Formulierung kommen lässt:
Sie selbst definiert translatorisches Handeln wie folgt:
1.4. Textdesign - Designtext
Holz-Mänttäri entwickelt mit „Textdesign“ eine neue Beschreibung der Expertentätigkeit des Translators und spricht von „Design-Texten“, die auf den Rezipienten zugeschnitten werden. Diese sind das Ergebnis von mentalen Konstruktions- und Transfer-Prozessen (Holz-Mänttäri 1993). Weitere Termini, die in ihren Ausführungen und Modellen verwendet werden, um eine theoretische Grundlage zu entwickeln möchte ich kurz erwähnen, da sich m.E. aus ihnen auch die Art der Rezeption von Holz-Mänttäri erklären lässt:
„biokybernetische Prinzipien“, „mentaler Transfer“, „Strukturierte Vernetzung“, „Bestellung“, „Lieferung“, „Ko-Operation“, „Ko-Operant“, „Tektonik“, „Textur“, „Subhandlung“, „Suprahandlung“, „Botschafts-Konzeptionssituation“, „Denkraum“
2. Zusammenfassung:
Holz-Mänttäri entwickelte ihre Theorie vom Translatorischen Handeln, um der praktischen Tätigkeit der Translatoren, die für sie nicht einfach nur Übersetzer sind, eine neue wissenschaftliche Grundlage zu geben, über die auch ein neues Selbstverständnis der Translatoren und auch der Translatologen erreicht werden kann. Translatorisches Handeln soll den Translator befähigen, sich seiner eigenen Rolle bewusst zu werden, die Unsicherheit zu überwinden, mit der er sich selbst sieht und insgesamt zu einer Aufwertung des Berufsstandes führen. Bearbeitung ist für Holz-Mänttäri wie auch Übersetzen Teil der Expertenhandlung. Die Verwendung neuer Termini und Entwicklung von Modellen, die sich nicht leicht erschließen lassen, haben dazu geführt, dass Holz-Mänttäris Ansatz zunächst keine allzu hohe Aufmerksamkeit erfahren hat. Durch teilweise umständliche Ausführungen sind ihre Erkenntnisse über die neue Sichtweise auf die Rolle des Translators als Experte erst später bekannt geworden.
3. Kritikpunkte - Fragestellungen
x Wie stark beeinflussen radikal neue Termini die Rezeption der Theorie? Warum wirkt die Theorie so kompliziert? Wie wirkt sich der Bezug auf Kognitionsforschung, Neurophysiologie, Psychologie, etc. aus?
x Hat sich die Situation des Translators maßgeblich verändert? Sind Holz-Mänttäris Ansätze heute noch genauso „radikal“ wie in den 80er Jahren?
x Wie notwendig ist ein radikaler Bruch im Selbst- und Fremdbild der Translatoren? Hat die Theorie dazu geführte, dass heutige Berufsbilder klarer und eindeutiger ist? x Welchen praktischen Nutzen haben Translatoren davon, wenn sie Bewusstsein für ihr Handeln entwickeln? Kann der Anspruch der Praxisrelevanz eingehalten werden? x Welche Auswirkungen ergeben sich wirtschaftlich (Bezahlung des Übersetzens als Expertenleistung, höhere Honorare) und didaktisch (eingeschränkter Zugang zur Ausbildung, Aufwertung akademischer Titel)?
x Kann man verhindern, dass Übersetzen von Laien ausgeübt wird, lässt sich die Berufsbezeichnung „schützen“? Wer „darf“ übersetzen/dolmetschen, etc.?
4. Quellen
HOLZ-MÄNTTÄRI: „Textdesign - verantwortlich und gehirngerecht“, in REISS/HOLZ-MÄNTTÄRI (1993): „Traducere navem“, Tampere: University.
HOLZ-MÄNTTÄRI: „Translatorisches Handeln - theoretisch fundierte Berufsprofile“, in SNELL-HONRBY (1986): „Übersetzungswissenschaft - eine Neuorientierung“, Tübingen: Franke.
SNELL-HORNBY (2006): „The turns of translation studies - New paradigms or shifting viewpoints?“, Amsterdam: Benjamins.
PESCH, Heinrich (1999): „Deutschsprachige Touristeninformation in Finnland als Ergebnis translatorischen Handelns“, Helsinki: University. (http://www.schneeland.com/web/kirjoitukset.html, abgerufen am 05.12.2007) ORTNER, Stefan (2003): „Funktionale Ansätze der Translationswissenschaft -Translatorisches Handeln und Skopostheorie im Vergleich“, Graz: Karl-Franzens-Universität. (http://www.textfeld.at/text/413/, abgerufen am 05.12.2007)
Hauptquelle:
HOLZ-MÄNTTÄRI, Justa (1984): „Translatorisches Handeln - Theorie und Methode“, Helsinki.
Arbeit zitieren:
Lorenz Althen, 2008, Translatorisches Handeln nach Justa Holz-Mänttäri, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Fang Tan folgt nun Translatorisches Handeln nach Justa Holz-Mänttäri
Lorenz Althen hat den Text Translatorisches Handeln nach Justa Holz-Mänttäri veröffentlicht
Lorenz Althen hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare