Inhaltsverzeichnis
1 E i n l e i t u n g S 2
2. Was ist Utilitarismus? S.3
3. Kritik am Utilitarismus S.7
4. Gerechtigkeit und ihre Stellung im Utilitarismus S.7
5. John Rawls - Die Lösung des Problems? S.9
6. Beide Theorien im Vergleich S.11
7 S c h l u s s S 1 3
Literaturverzeichnis S.15
1
1. Einleitung
Der Utilitarismus als philosophisch-ethische Richtung hat wenig mit unserem alltäglichen Begriff „utilitaristisch” zu tun, welcher meist geringschätzig als ein bloßes Starren auf den eigenen Nutzen verstanden wird.
Der philosophische Utilitarismus hingegen ist eine sehr differenzierte Richtung in der Ethik, zu dessen wichtigsten klassischen Vertretern Jeremy Bentham, John Stuart Mill und Henry Sidgwick zählen.
Der Utilitarismus ist einer der seltenen Versuche, allgemein verbindliche Normen mithilfe wissenschaftlicher Mittel zu begründen. 1
In der deutschen Diskussion wurden die Problemstellung des Utilitarismus und sein Lösungsansatz allerdings lange vernachlässigt, weshalb man mit dem Utilitarismus im deutschen Sprachraum oft nur „Selbstinteresse und Opportunismus“ 2 verbindet, ihn als „plane Nützlichkeitsmoral“ 3 beschimpft und ihn sogar „in seinem Extrem für den reine(n) Wertnihilismus“ 4 hält. Oft wird allerdings ein entscheidender Aspekt des Utilitarismus, dass er immer auf den größten Nutzen für das Allgemeinwohl und nicht nur auf egoistische Nutzenvermehrung zielt, übersehen. Dennoch gehören utilitaristische Ansätze neben den deontologischen zu den wichtigsten ethischen Begründungszusammenhängen und der Utilitarismus gilt in der englischsprachigen Welt seit Bentham und Mill als eine „der wichtigsten moralphilosophischen Positionen“ 5 .
Nach der utilitaristischen Lehre gibt es ein einziges Prinzip um zu bewerten, ob eine einzelne oder eine regelmäßig stattfindende Handlung als moralisch akzeptabel gelten kann. Eine Handlung kann dann als sittlich verbindlich gelten, wenn die Folgen dieser Handlung für alle Betroffenen optimal, also nützlich, sind. Diese These besteht aus vier Teilthesen, welche ich im Folgenden ausführen werde. Im Laufe seiner Entwicklung hat sich der Utilitarismus in eine nahezu verwirrende Anzahl von Positionen und Unterpositionen ausdifferenziert und so kann man heute den negativen vom positiven, den subjektiven von objektiven, den hedonistischen vom idealen und vor allem den Handlungs- vom Regelutilitarismus unterscheiden. 6
1 Vgl.: O. Höffe: Einleitung. In: O. Höffe(Hg.): Einführung in die utilitaristische Ethik. Klassische und zeitgenössische Texte. Verlag C.H. Beck, München 1992, S.8
2 O. Höffe: Schwierigkeiten des Utilitarismus mit der Gerechtigkeit. Zum 5. Kapitel von Mills „Utilitarismus“. In: U. Gähde(Hg.) / W. H. Schrader(Hg.): Der klassische Utilitarismus. Akademie Verlag GmbH, Berlin 1992, S.293
3 Ebd.
4 Ebd.
5 O. Höffe: Einleitung. In: O. Höffe(Hg.), 1992, S.9
6 Vgl. Ebd.
2
Die utilitaristische Ethik ist längst keine einzige, in sich homogene Theorie mehr. Da die Behandlung des Utilitarismus in all seinen verschiedenen Ausprägungen allerdings den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde, werde ich lediglich die Kerngedanken des Utilitarismus behandeln. Nachdem ich diese dargestellt habe, werde ich auf Probleme der utilitaristischen Theorie hinweisen und hierbei insbesondere auf das Problem der Gerechtigkeit eingehen. Daraufhin werde ich mich mit einem Lösungsversuch dieses Problems befassen, mit John Rawls’ Theorie der Gerechtigkeit und am Ende diese beiden Theorien miteinander vergleichen.
2. Was ist Utilitarismus?
Auch wenn die internen Kontroversen der verschiedenen Ausprägungen des Utilitarismus zu keinem abschließenden Konsens geführt haben, lässt sich ein Kern herausdestillieren, welcher den wichtigsten Varianten der utilitaristischen Ethik gemeinsam ist und der das ausmacht, was wir unter der utilitaristischen Theorie verstehen.
Durch die Frage nach der moralischen Verbindlichkeit und der rationalen Begründbarkeit derselben hebt sich der Utilitarismus bereits thematisch von den Ethiken ab, welche sich auf eine moralphilosophische Analyse zweiter Ordnung konzentrieren und die Bedeutung ethischen Vokabulars oder die formale Logik von Imperativen und Sollenssätzen erörtern.
Noch weniger geht es der utilitaristischen Theorie um Fragen der empirischen Sozialwissenschaften, welche das tatsächliche Verhalten und faktische moralische Vorstellungen von einzelnen Personen oder Gruppen untersuchen. Der Utilitarismus stellt vielmehr ein Kriterium auf, nach dem sich Entscheidungen, Handlungen, Normen und Institutionen als moralisch richtig oder falsch beurteilen lassen sollen. „Der Utilitarismus ist eine moralphilosophische Analyse erster Ordnung: eine normative Ethik im Sinne einer Theorie der Ziele und Prinzipien moralisch richtigen Handelns.“ 7
7 O. Höffe: Einleitung. In: O. Höffe(Hg.), 1992, S.10
3
Die Wurzeln des Utilitarismus liegen bei den Hedonisten der antiken Ethik. Der Hedonismus, das Streben nach Genuss und Sinneslust, beurteilt den Wert einer Handlung nach ihren Folgen.
Utilitarismus und Hedonismus haben zwei gemeinsame Prinzipien. Zum Einen, dass das Handeln durch einen Endzweck gerechtfertigt sein muss und zum Anderen, dass das einzige Ziel des Menschen das Streben nach Glück ist. Bei der utilitaristischen Ethik ist allerdings nicht das individuelle eigene, sondern das allgemeine Glück Endzweck des Handelns, wie es der christliche Universalismus beschreibt. Erst die Ethik des Christentums betonte den Zusammenhang zwischen dem „richtigen Handeln des einzelnen und dem Wohl des nächsten (der Gemeinschaft)“ 8 . Der Utilitarismus unterscheidet sich vom christlichen Universalismus jedoch darin, dass er zwar auf einem Altruismus aufbaut, sein Ziel aber nicht durch Entsagung, Askese oder Selbstverleumdung erreich will, sondern durch Genuss.
Eine genaue und systematische Exposition des Utilitarismus wird erstmals 1789 von Jeremy Bentham in seinem Werk „Einführung in die Prinzipien von Moral und Gesetzgebung“ dargestellt. Er beschreibt das Prinzip der Nützlichkeit und erörtert das Problem der Beweisbarkeit dieses Prinzips.
Obwohl seine Schrift nicht genau ausgefeilt war und einige Erklärungslücken aufwies, wurde sie in Großbritannien und auch in den Vereinigten Staaten ein großer Erfolg.
O. Höffe erklärt diesen Erfolg damit, dass der Utilitarismus „in einer Zeit politisch und philosophisch wirksam werden (konnte), in der die Auskünfte der Religion, der Metaphysik oder einfach die der Tradition zu einem überindividuellen Sinnzusammenhang ihre generelle Anerkennung“ 9 verloren. Ohne auf die „fragwürdig gewordenen Autoritäten“ 10 zurückgreifen zu müssen, konnte man nach dem streben, was schon immer erstrebenswert war: Glück. Während Benthams Werk moralphilosophisch ist, lenkt John Stuart Mill in seiner Schrift „Utilitarismus“ von 1863 das utilitaristische Prinzip eher in die wissenschaftliche und auch wirtschaftliche Richtung. Er betont, dass das Ziel des Utilitarismus das größtmögliche Glück für die größtmögliche Anzahl von Menschen sei:
8 E. Engin-Deniz: Vergleich des Utilitarismus mit der Theorie der Gerechtigkeit von John Rawls. Tyrolia-Verlag, Innsbruck/ Wien 1991, S.13.
9 O. Höffe: Einleitung. In: O. Höffe(Hg.), 1992, S.14
10 Ebd., S.15
4
Arbeit zitieren:
Nadine Heinkel, 2007, Der Utilitarismus, sein Problem mit der Gerechtigkeit und John Rawls als Alternative, München, GRIN Verlag GmbH
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