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Der Bruch mit der Konventionalität. Die Dame und das Sänger-Ich bei Heinrich von Morungen

Seminararbeit, 2003, 24 Seiten
Autor: Paula Hesse
Fach: Germanistik - ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Details

Veranstaltung: Proseminar II: Die Lieddichtung Heinrichs von Morungen
Institution/Hochschule: Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen (Germanistisches Institut)
Tags: Bruch, Konventionalität, Dame, Sänger-Ich, Heinrich, Morungen, Proseminar, Lieddichtung, Heinrichs, Morungen
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2003
Seiten: 24
Note: 2,7
Sprache: Deutsch

Archivnummer: V14043
ISBN (E-Book): 978-3-638-19547-8

Dateigröße: 218 KB
Anmerkungen :
Die Literaturliste habe ich korrigiert; die Fehler darin waren für die Dozentin ausschlaggebend für die Benotung der Hausarbeit.



Textauszug (computergeneriert)

Der Bruch mit der Konventionalität –
Die Dame und das Sänger-Ich bei Heinrich von Morungen

 

 


vorgelegt von Paula Hesse

INHALTSVERZEICHNIS:

1. EINLEITUNG 3

2. DAS SÄNGER-ICH UND DIE DAME IN DEN LIEDERN DER „HOHEN MINNE“ 4

2.1 Ein Beispiel: Walther von der Vogelweide: „Bin ich dir unmære“ 4
2.2 Die konventionelle Rolle der Dame 6
2.3 Die konventionelle Rolle des Sänger-Ichs 6

3. HEINRICH VON MORUNGEN 7

3.1 Daten zu Heinrich von Morungen 7
3.2 Heinrich von Morungen und sein Spiel mit den konventionellen Rollenmustern 8

3.2.1 „Uns ist zergangen“ 9
3.2.2 „Ich waene, nieman lebe“ 12
3.2.3 „Si hât mich verwunt“ 16
3.2.4 „Ich wil ein reise“ 19

4. FAZIT 21

5. SCHLUSSBEMERKUNG 22

LITERATURVERZEICHNIS 23

 

 


1. EINLEITUNG

Die weltliche Lyrik des Mittelalters befasste sich um die zweite Hälfte des 12. und im 13. Jahrhundert im deutschsprachigen Raum hauptsächlich mit dem neuen Thema der „Minne“. „Minne“ steht hier für Liebe, auch für die geschlechtliche Liebe. Der sogenannte „Hohe Minnesang“, dessen Epoche während der oben angegebenen Zeit erblühte, beschäftigt sich vordergründig mit der Liebe eines Mannes zu einer Frau, aber auch mit gesellschaftlichen Fragen. Er gibt Auskunft darüber, wie sich Mann und Frau zueinander verhalten sollen und geht der Frage nach dem Verhältnis des Liebenden zur Gesellschaft nach. Wohlgemerkt geht es hier nur um das Leben der Menschen bei Hofe, Minnesang ist höfische Dichtung.1 Der Inhalt der Lieder der „Hohen Minne“ ist also relativ beschränkt und die meisten dieser mittelalterlichen Dichtungen beruhen auf demselben Schema. Heinrich von Morungen spielt in vielfacher Weise mit dieser Konventionalität. Er ragt hervor, ohne die Ebene des Minnesangs zu verlassen. Inwiefern, soll in dieser Hausarbeit an einigen Beispielen erläutert werden. Dazu werde ich mit Hilfe eines Beispiels erst einmal auf die Rolle der Dame und der des Sänger-Ichs im konventionellen „Hohen Minnesang“ eingehen. Anschließend werde ich vier ausgewählte Beispiele aus Morungens Werk im Hinblick auf ihre Abweichungen von den konventionellen Rollenmustern untersuchen.

2. DAS SÄNGER-ICH UND DIE DAME IN DEN LIEDERN DER „HOHEN MINNE“

In den Liedern der „Hohen Minne“ spricht das lyrische Ich - welches hier durchgehend männlich ist - von oder zu einer Dame, die er2 verehrt. Dieser Dame hat er sich in „staetem“, also dauerhaftem und treuem „Dienst“ unterworfen, was für ihn bedeutet, dass er sie besingt, umwirbt und auf ihre Zuneigung hofft. Da er diese nicht bekommt, leidet er ständig, obwohl seine „Herrin“ ihn in seinen Gedanken und durch ihren Anblick natürlich auch beglückt.

2.1 Ein Beispiel: Walther von der Vogelweide: „Bin ich dir unmære“

Als Beispiel dient mir hier ein Lied von Walther von der Vogelweide, in dem die konventionellen Rollenmuster sehr gut zu erkennen sind.

B: IV I

C: I-IV

E: I IV II V

s: III II IV Text nach C mit B


I Bin ich dir unmære,
des enweiz ich niht, ich minne dich.
einez ist mir swære,
dû sihest bî mir hin und über mich.
Daz solt dû vermîden,
ine mac niht erlîden
selke liebe ân grôzen schaden.
hilf mir tragen, ich bin ze vil geladen.


II Sol daz sîn dîn huote,
daz dîn ouge mich sô selten siht?
tuost dû daz ze guote,
sône wîze ich dir dar umbe niht.
Sô mît mir daz houbet,
daz sî dir erloubet,
und sich nider an mînen fuoz,
sô dû baz unmügest: daz sî dîn gruoz.


III Swanne ichs alle schowe,
die mir suln von schulden wol behagen,
sô bist dûz mîn frowe.
daz mac ich wol âne rüemen sagen.
Edel unde rîche
sint si sumelîche,
dar zuo tragent si hôhen muot:
lîhte sint si bezzer, dû bist guot.


IV Frowe, dû versinne
dich, ob ich dir zihte mære sî.
eines friundes minne,
diu ist niht guot, dâ sî ein ander bî.
Minne entouc niht eine,
si sol sîn gemeine,
sô gemeine, daz si gê
dur zwei herze und durch dekeinez mê.


V Sie beginnent alle,
mîner frouwen füeze nemen war.
mitten in dem schalle
sô sich, frouwe, ouch under wîlen dar.
Umbe die merkære
lâ dir sîn unmære:
den griffe ich wol nâher baz.
daz versuoche alrêrst sô denne daz.


2.2 Die konventionelle Rolle der Dame

[...]


1 Vgl. Thomas Bein: Germanistische Mediävistik. Eine Einführung. - Berlin: Erich Schmidt 1998. S. 138.
2 Im Folgenden werde ich für das lyrische Ich bzw. Sänger-Ich statt dem Personalpronomen es das Personalpronomen er verwenden, denn dahinter steckt immer – wenn auch nur ein fiktiver - Mann.


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