Inhaltsverzeichnis:
Einleitung. 3
I. Professoren und der Krieg. 3
a) Euphorischer Kriegsbeginn 4
b) Annexionistische Forderungen. 4
c) "An die Kulturwelt" 5
d) Zusammenfassung, 6
II. Kirche und Krieg
a) Einleitung. 7
b) August 1914- Ein neuer Aufbruch. 7
c) Krieg als Sendungsauftrag. 8
d) Verherrlichung des Krieges und Heldenverehrung. 9
e) Gegen die Kriegsmüdigkeit. 10
f) Zusammenfassung. 11
III. Schriftsteller und der Krieg. 11
IV. Schlußbemerkungen. 13
Literaturangaben. 14
2
Einleitung
Der Kriegsausbruch im August 1914 rief unterschiedliche Emotionen in der Bevölkerung her-vor. Auf der einen Seite war von euphorischer Kriegsbegeisterung die Rede, auf der anderen Seite gab es Demonstrationen bis hin zu Straßenschlachten linker Gruppen. Die Propaganda hat Stimmen gegen den Krieg im August später einfach verschwiegen, um das "Augusterlebnis" als einheitlichen Gefühlsausbruch des gesamten Volkes darzustellen. Eines ist jedoch sicher, dass der Kriegsausbruch in der gesamten Bevölkerung starke Emotionen auslöste. Diese Arbeit soll zeigen, wie sich die "Gelehrten" zu diesem Krieg äußerten. Was haben Pfarrer, Professoren und Schriftsteller öffentlich gesagt oder geschrieben? Wie nahmen sie Einfluß auf die Meinung der Menschen? Diese Arbeit beschäftigt sich hauptsächlich mit Reden und Schriften, die den Krieg bejahten und unterstützten. Dieses bedeutet nicht, dass es nicht auch Stimmen im intellektuellen Lager gab, die sich gegen den Krieg richteten. Allerdings muss angemerkt werden, dass diese Gruppe verschwindend klein war und in der breiten Öffentlichkeit nicht richtig in Erscheinung trat. Die Theologen werden in dieser Arbeit etwas stärker berücksichtigt, da sie am direktesten und nächsten an die Menschen herankamen und diese durch ihren besonderen Stand gut beeinflussen konnten. Die Veröffentlichungen der Schriftsteller hingegen sind oft in einer Sprache verfasst, die wiederum größtenteils nur von Intellektuellen, nicht aber von der Masse der Bevölkerung gelesen wurde. Deshalb fällt den Schriftstellern in dieser Arbeit ein etwas geringerer Teil zu. Diese Arbeit kann in ihrem Umfang nur einen groben Überblick über die intellektuelle Unterstützung geben. Drei Gruppen sind aus dem Lager der Intellektuellen herausgegriffen und hier repräsentativ vorgestellt. Es wurden eine Vielzahl von Zitaten in dieser Arbeit verwendet. Dieses schien sinnvoll, um die teilweise stark von Emotionen geprägten Äußerungen authentisch wiedergeben zu können.
I. Professoren und der Krieg
Im Wilhelminischen Kaiserreich hatten die Professoren als Sinn- und Wertevermittler eine führende Rolle inne. Allein die Universitäten genossen eine relative Unabhängigkeit, sie hatten den Charakter einer gesamtdeutschen Institution ohne regionale Bindungen der Professoren und Studenten. 1 Mit dem Beginn des ersten Weltkrieges erschien auch eine Fülle von Publikationen und Vorträgen deutscher Professoren. Die Gelehrten verstanden sich als über den Parteien stehend und waren wesentlich an der Prägung der öffentlichen Meinung mitbeteiligt. 2 Sie sahen es als ihre Pflicht, sich gegen die Kritik der Alliierten zu stellen, die der deutschen Kriegspolitik reines Machtstreben vorwarf. So wurde in der Folge ein großes Arsenal von historischen, philosophischen, völkerrechtlichen und kulturellen Argumenten angeführt, um die deutsche Kriegsführung zu rechtfertigen. 3 Viele Hochschullehrer empfanden den Krieg als Möglichkeit, sich mit einem Schlag aus der kulturellen Stagnation in der man sich angeblich befand zu befreien. 4
1 Garstka, Christoph: Intellektuelle im Kaiserreich. In: Intellektuelle im 20. Jahrhundert in Deutschland. Hrg.: Schlich, Jutta. S.133.
2 Böhme, Klaus (Hg.): Aufruf und Reden deutsche Professoren im Ersten Weltkrieg. Stuttgart, 1975. S. 4.
3 Mommsen, Wolfgang J.: Die deutschen kulturellen Eliten im Ersten Weltkrieg. In: Kultur und Krieg: Die Rolle der Intellektuellen, Künstler und Schriftsteler im Ersten Weltkrieg. Hrg.: Mommsen, Wolfgang J. S. 2.
4 Ebd. S. 8.
3
a) Euphorischer Kriegsbeginn
In der "Erklärung der Hochschullehrer" vom 16.10.1914 wird der Sieg des preußischdeutschen Militarismus, dessen Identität mit dem Geist deutscher Wissenschaft behauptet wird, als Segen und Heil der Kultur für ganz Europa bezeichnet. "Wir mußten in die Welt und müssen uns in ihr behaupten: das Gegenteil wäre Verkümmerung und Tod." 5 Diese Erklärung, in der es auch hieß, "der Dienst im Heer macht unserer Jugend tüchtig auch für alle Werke des Friedens, auch für die Wissenschaft," 6 wurde von 3.016 Universitätsangehörigen unterschrieben, dieses entsprach fast 70 % der deutschen Gelehrten. 7 Der Berliner Jurist Otto von Gierke sprach im September 1914 über "Krieg und Kultur". Völlig euphorisch sieht er den Sieg voraus: "Wir wollen siegen und wir werden siegen und, wenn wir uns selbst treu bleiben, werden wir einen vollen Sieg erringen, der das Schicksal Europas in unsere Hand gibt." Weiter sagt er, "daß es deutsche Kultur sein" werde, die dann "vom Zentrum unseres Erdteils aus ihre Strahlen verbreitet." 8
Viele Lehrer und Professoren riefen ihre Schüler und Studenten dazu auf sich freiwillig zum Krieg zu melden. Ganze Klassenzimmer und Hörsäle leerten sich, als Schüler und Studenten "zu den Fahnen" eilten. Am 3. August 1914 richteten die Rektoren und Senate der bayrischen Universitäten einen Appell an die akademische Jugend:
"Kommilitonen! Die Musen schweigen, es gilt der Kampf, den aufgezwungenen Kampf um deutsche Kultur, die die Barbaren vom Osten bedrohen, um deutsche Werte, die der Feind im Westen uns neidet. So entbrennt aufs neue der Furor Teutonicus. Die Begeisterung der Befreiungskämpfe lodert auf, der heilige Krieg bricht an." 9
Nach einem ähnlichen Aufruf des Rektors der Kieler Universität meldete sich fast die gesamte Kieler Studentenschaft als Kriegsfreiwillige. 10
Auffallend ist auch die Beteiligung an Gelehrtenresolutionen nach Fakultäten. In Heidelberg zum Beispiel unterzeichneten keine oder nur eine Resolution von allen Fakultätsangehörigen bei den Theologen 10 %, in der philosophischen Fakultät 16 %, bei den Juristen 22 %, bei den Naturwissenschaftlern 54 % und bei den Medizinern 65 %. 11 Fast dieselbe Reihenfolge ergibt sich, wenn man berücksichtigt, von welchem Anteil der Hochschullehrer die Mitgliedschaft in einer politischen Organisation bekannt ist: theologische Fakultät 40 %, juristische 24 %, philosophische 22 %, medizinische 6 %, naturwissenschaftliche 3%. 12
b) Annexionistische Forderungen
Seit Anfang 1915 wurde in den Gelehrtenkreisen über die Kriegsziele diskutiert. Die Profes-soren spalteten sich in ein gemäßigtes und ein sehr radikales Lager. Der Hauptrepräsentant des gemäßigten(!) Lagers, Hans Delbrück, forderte: "Die erste und wichtigste aller nationalen Forderungen, die wir beim künftigen Friedensschluß zu erheben haben, wird die eines sehr großen Kolonialreiches sein müssen, eines deutschen Indien." 13 Der Prorektor und Rektor der
5 Böhme, Klaus (Hg.): Aufruf und Reden [s. o.]. S. 88.
6 Ebd.
7 Jansen, Christian: Professoren und Politik. Politisches Denken und Handeln der Heidelberger Hochschullehrer 1914-1935. Göttingen, 1992. S.113.
8 von Ungern-Sternberg: Deutsche Kultur und Militarismus. In: Kultur und Krieg. [s. o.]. S. 85.
9 "Burschen heraus!", Vossische Zeitung, 391. Abendausgabe vom 4. August 1914, S.3. zit. n.: Eksteins, Modris: Tanz über Gräben. Die Geburt der Moderne und der Erste Weltkrieg. Rowohlt Verlag 1999. S.147.
10 Ebd.
11 Jansen, Christian: Professoren und Politik. [s. o.]. S.117.
12 Ebd.
13 Delbrück, Hans: Bismarcks Erbe. Berlin 1915, S. 202. Zit. n.: Böhme, Klaus(Hg.): Aufruf und Reden. [s. o.]. S.17.
4
Arbeit zitieren:
Benjamin Waschow, 2001, Vom Campus bis zur Kanzel - Die intellektuelle Kriegsunterstützung im Ersten Weltkrieg in Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg (MT 20,1-16)
Theologie - Biblische Theologie
Hausarbeit (Hauptseminar), 36 Seiten
Don Juan und Catalinon, alias ...
Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft
Hausarbeit, 13 Seiten
Probleme der Verschriftung des Althochdeutschen
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit (Hauptseminar), 18 Seiten
Johann Christoph Heinrich Hölty - poetischer Dilettantismus oder verge...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 19 Seiten
Die Rolle des Leporello in Mozarts "Don Giovanni"
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Essay, 8 Seiten
Der Klassenbegriff bei Marx und Weber - Ein beurteilender Vergleich
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Hausarbeit, 21 Seiten
Das althochdeutsche Georgslied
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit (Hauptseminar), 23 Seiten
Ein Vergleich zwischen "Don Juan - Der Verführer von Sevilla und ...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 32 Seiten
Der Einfluss Schopenhauers auf Wagners Musikdrama "Ring des Nibel...
Hausarbeit, 23 Seiten
Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter
Hausarbeit, 19 Seiten
„Emilia Galotti“ von G. E. Lessing als bürgerliches Trauerspiel und ev...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 15 Seiten
Systemische Beratung und Therapie
Ihre historische Entwicklung, ...
Psychologie - Beratung, Therapie
Seminararbeit, 21 Seiten
Homosexualität im Christentum, Judentum und Islam
Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte
Seminararbeit, 10 Seiten
Entstehung und Entwicklung zisterziensischen Lebens in mittelalterlich...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Seminararbeit, 29 Seiten
Benjamin Waschow hat den Text Vom Campus bis zur Kanzel - Die intellektuelle Kriegsunterstützung im Ersten Weltkrieg in Deutschland veröffentlicht
Benjamin Waschow hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare