Philipps-Universität Marburg
Fachbereich 06: Geschichte und Kulturwissenschaften
Sommersemester 2009
HS: Germanen in Italien.
Archäologie, Geschichte und Kunst des 5. - 7. Jahrhunderts n. Chr.
,,Gotische" Adlerfibeln im ostgotischen und
westgotischen Siedlungsgebiet
Michael Jan Riepe
2
Inhaltsangabe
I.
Einleitung S.3
II.
Adlerfibeln im Ostgotischen Siedlungsgebiet in Italien S.5
I.
Doppeladlerfibel von Domagnano S.8
II.
Doppeladlerfibel von Rom, Via Flamina S.11
III.
Fibel von Sant'Ambrogio, Mailand S.12
III.
Adlerfibeln im Westgotischen Siedlungsgebiet im 5. Und 6. Jahrhundert
S.13
I.
Typ Alovera S.15
II.
Typ Talavera S.17
III.
Typ Deza S.19
IV.
Typ Castiltierra S.20
IV.
Herleitung S.21
I.
Schatzfund von Pietrossa S.21
II.
Adlermotiv S.23
III.
Cloisonne Technik S.24
IV.
Form und Verschluss S.25
V.
Die ,,Adlerfibel von Königsberg" Eine Fälschung aus den 30er Jahren
des 20. Jahrhunderts S.26
VI.
Fazit S. 28
VII.
Literaturverzeichnis S.30
VIII.
Abbildungsnachweis S. 33
3
I. Einleitung
In dieser Arbeit möchte ich der Verbreitung der ,,Gotischen Adlerfibeln" im Ost und
Westgotischen Siedlungs und Einflussgebiet nachgehen. Auch soll sowohl dem Ursprung
ihrer Fertigung als auch dem Ursprung der symbolhaften Darstellung nachgegangen werden.
Adlerdarstellungen sind seit dem frühen 5. Jahrhundert gotischen Siedlungs und
Einflussgebiet in Südeuropa zahlreich nachweisbar.
1
Adlerfibeln als Bestandteil der
gotischen Frauenmode waren im 5. Und 6. Jahrhundert von Italien über Südfrankreich bis
Spanien verbreitet.
2
Sie waren womöglich schon lange Zeit davor als Symbolträger
vorhanden.
In der Neuzeit entstanden von 1920 bis 1940 zahlreiche, teilweise äußerst plumpe
Fälschungen dieser Fibeln.
3
Exemplarisch für neuzeitliche Fälschungen möchte ich die
sogenannte ,,Adlerfibel von Königsberg", eine Fälschung aus der Zeit des 3. Reiches,
vorstellen, welche zuerst 1937 in der Publikation ,,Germanenerbe", dem Organ des unter
Leitung von Alfred Rosenberg stehenden ,,Reichsbundes für deutsche Vorgeschichte"
publiziert wurde.
4
Einleitend möchte ich die 1939 von Getrud Thiry in ihrem Buch ,,Die Vogelfibeln der
germanischen Völkerwanderungszeit" aufgestellte und immer noch geltende Typologie für
Gotische Adlerfibeln widergeben:
Bei den sogenannten Gotischen Adlerfibeln handelt sich um große, paarweise auftretende
Adlerkopffibeln mit seitlich gewandtem Kopf mit Krummschnabel, Mittelschild und
ausgebreiteten Schwingen, welche aus Gold oder Bronze teilweise mit Goldüberzug
gearbeitet waren.
5
Nicht der der fliegende Vogel zeigte sich dem Betrachter, sondern das heraldische
angeordnete aufrechte Adlerpaar.
6
1
Bierbrauer, S.155, 1979
2
Nawroth, S.246
3
Ebel Zepezauer, S. 29
4
Seemann, S.102f., 1994
5
Thiry, S.19
6
Theune, S.551
4
Die Adlerfibeln im südeuropäischen Raum aus dem 6. Jahrhundert gliedern sich in 2
Hauptgruppen, die der ostgotischen Adlerfibeln und die der westgotischen Adlerfibeln, die
sich wiederum in vierUntergruppen aufgliedert
7
:
Die ostgotische Gruppe mit 3 Fundstücken, namentlich die Doppeladlerfibel von
Domagnano, Doppeladlerfibel von Rom, Via Flamina und die Fibel von
Sant'Ambrogio, Mailand
8
Die westgotische Gruppe mit 14 Fundstücken, welche sich in die Formen vom Typ
Alovera, Talavera, Deza und Castiltierra aufgliedert.
9
Des Weiteren existiert noch eine Adlerfibel aus Pietrossa, dem heutigen Pietroasele in
Rumänien, aus dem späten 4. Jahrhundert.
Abbildung 1: Wanderzüge der Goten
7
Kühn, S. 132
8
Kühn, S. 132
9
Ebel Zepezauer, S.30f.
5
Abbildung 2: Verbreitungskarte Adlerfibeln
II. Adlerfibeln im Ostgotischen Siedlungsgebiet in Italien
Während die Westgoten nach der Niederlage gegen die Hunnen auf dem Balkan im Jahre
376 gen Westen emigrierten und sich in die Dienste des oströmischen Reiches stellten,
unterwarfen die greutungrischen Ostrogoten unter Ermanarich sich den Hunnen. Somit war
ihr Wanderungs und Expansionsdrang gestoppt und sie siedelten in Skythien, östlich der
Karpaten, bis zur Niederlage auf den Katalaunischen Feldern 451, welche der Anlass für
einen Zug der Goten gen Westen und ihre Einwanderung unter Theoderich 488 in Italien
war.
10
Die Siedlungen von Theoderichs Einwanderern in Norditalien sind im Allgemeinen
schlecht greifbar und nur wenige gesicherte Beispiele sind bekannt. Insgesamt weisen die
Funde darauf hin, dass die Goten in Nordosten Italiens, im Bereich der Po Ebene und
10
Bierbrauer 1994, S. 140,
6
Mittelitalien siedelten. Südlich von Rom wurden bisher nur sehr wenige Funde jedweder Art
verzeichnet.
11
Allerdings sind die Germanen archäologisch gesehen im 5. und 6. Jahrhundert mit ihrer
Einwandergeneration und der ersten im Lande lebenden Generation noch nicht akkulturiert
und somit noch von den Romanen zu trennen.
12
Bezeichnend für die gotischen Bestattungssitten ist die Grabbeigabe alleinig bei
höhergestellten gotischen Frauen und die waffenlose Bestattung bei Männern.
13
Da heißt
die meisten Angehörigen der ostgotischen Bevölkerung wurden beigabenlos und abseits der
Grabgruppen der Führungsschicht begraben.
Die gefundenen Fibelpaare wurden an den Schulterpaaren getragen, womöglich zur Heftung
eines mantelartigen Umhanges.
14
Dies lässt sich allerdings mangels textiler Überreste nur
vermuten.
Die Tragweise dieses Adlerfibelpaares unterscheidet die Trägerinnen ab dem 5. Jahrhundert
von der Tracht anderer Germanen, auch aus dem Donauraum, verbindet sie aber mit
Befunden aus der Krim und in Spanien, wodurch Adlerfibel im 6. Jahrhundert als spezifisch
gotisches Erkennungsmerkmal benannt werden kann. Durch sie ist die Trägerin in anderen
germanischen Stammesgebieten gut als Fremde zu erkennen, so zum Beispiel bei
diplomatischen Hochzeiten und dem damit verbundenen Übergang in einen anderen
Stammes oder Staatenverband, aber auch in Italien, wo die Einfibeltragweise vorherrschend
war.
Grundlegend ist zu sagen, dass sich die drei ostgotischen Fibeln in Form, Größe und
Zelldekoration beträchtlich unterscheiden: Bei dem Fibelpaar aus Domagnano und der Fibel
aus Mailand sind die Achsenträger und die Nadelhalter auf der Rückseite aus Gold
beziehungsweise Silberblech angebracht, auf der auch das Stegwerk aufgelötet ist. Im
Unterschied dazu ist bei den Fibeln aus Rom die Rückenplatte aus Goldblech noch mit einer
11
Todd, S.117f
12
Bierbrauer 1994, S.141
13
Bierbrauer 1979, S. 154
14
Bierbrauer 1994, S.144
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