1 Einleitung 1
1.1 Ausgangssituation 1
1.2 Aufbau und Zielsetzung der Arbeit 2
1.3 Verortung im Fach 3
1.4 Forschungsstand 4
1.5 Methodik 6
1.6 Probleme bei der volkskundlichen Internetforschung 7
2.1 Identität 8
2.2 Selbstdarstellung 11
2.3 Authentizität 13
2.4 Impression Management 14
2.5 Netzwerk 14
2.6 Anwendungen des Web 2 0 und Social Web 16
2.6.1 Web 2 0 16
2.6.2 Social Web 17
2.6.3 Soziale Online-Netzwerke 18
3 Die Internetplattformen 19
3.1 StudiVZ 19
3.1.1 Allgemeine Informationen zum StudiVZ 19
3.1.2 Der Aufbau von StudiVZ 21
3.2 Facebook 24
3.2.1 Allgemeines zu Facebook 24
3.2.2 Der Aufbau von Facebook 24
3.3 StudiVZ und Facebook im Vergleich 26
4.1 Aufbauphase 27
4.1.1 Freundschaftseinladung und Netzwerkbildung 27
4.1.2 Exkurs: Tebis 100 29
4.1.3 Der Name 31
4.2 Bestandsphase 32
4.2.1 Definition 32
4.2.2 Netzwerkpflege 32
4.2.3 Nachrichten 34
4.2.4 Statusmeldungen 34
4.2.5 Gruppen 37
4.2.6 Fotos 39
I
4.3 Krisen und Auflösungsphase 42
6 Fazit 43
7 Ausblick 46
Literaturverzeichnis 48
II
1 Einleitung
1.1 Ausgangssituation
Das Internet gilt bei vielen Experten als eine der größten Veränderungen im Informationswesen und hat sich in den letzten 15 Jahren mit rasender Geschwindigkeit ausgebreitet. Es bietet neue Möglichkeiten zur Informationsbeschaffung, Unterhaltung und Kommunikation sowie auch neue Optionen, sich in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Kulturwissenschaftlerin Anke Bahl postuliert, dass es VLFK Äelementar von klassischen Broadcast-Medien wie Radio und Fernsehen [unterscheidet], weil es die lineare Struktur dieser .RPPXQLNDWLRQVV\VWHPHDXIKHEWXQGGXUFKHLQH1HW]DUFKLWHNWXUHUVHW]W³ 1 Vielen Sendern stehen also viele Empfänger gegenüber.
Im Juli wurden die Ergebnisse der bundesweit repräsentativen ARD/ZDF-Onlinestudie veröffentlicht, die die beiden Fernsehsender seit zehn Jahren durchführen. Die Studie beschreibt detailliert das Medienverhalten der deutschen Bundesbürger. 2 Der Anteil der Internet-Nutzer in Deutschland ist auf 67,1 Prozent (2008: 65,1 Prozent) angestiegen. 43,5 Millionen der bundesdeutschen Erwachsenen sind online ± 800 000 mehr als im Vorjahr. 3 Das World Wide Web ist also präsenter als je zuvor, Manfred Faßler spricht sogar von einer neuen Moderne, einer Cyber-Moderne. 4 Verstärkte Aufmerksamkeit gilt hier den sozialen Online-Netzwerken, zu denen das Ä6WXGHQWHQYHU]HLFKQLV³ (im Folgenden: StudiVZ) und Facebook zu zählen sind. Gerade diese zwei Internetplattformen sind häufig auch im öffentlichen Diskurs: Datenschutz, Plagiatsvorwürfe und Voyeurismus sind Kritikpunkte an den Websites, doch trotzdem boomen sie wie nie zuvor. StudiVZ und Facebook sind in aller Munde, Nutzer zitieren Gruppennamen im Alltag 5 und die Plattformen wachsen stetig weiter.
In der ARD-7DONVKRZ Ä+DUW DEHU )DLU³ PLW )UDQN 3ODVEHUJ KLH HV DP -XQL Ä6LQGZLUDOOH%RULV"'LHQHXH6XFKWQDFKgIIHQWOLFKNHLW³LQ$QOHKQXQJDQ Boris Becker, der die TV-Rechte an seiner Hochzeit an RTL verkauft und somit
1 Bahl, Anke: Zwischen On- und Offline. Identität und Selbstdarstellung im Internet. München 1997, S. 8.
2 http://kreativkombinat.de/sammelpool-news/steigende-internetnutzung, Stand: 12. Februar 2009. 3 http://www.daserste.de/service/studie.asp, Studie von Juli 2009.
4 Faßler, Manfred: Netzwerke. Einführung in die Netzstrukturen, Netzkulturen und verteilte Gesellschaftlichkeit. München 2001, S. 60.
5 Siehe hierzu Kapitel 4.2.5.
1
ganz Fernseh-Deutschland gezeigt hat, wie er heiratet und feiert. Das Thema der Sendung war der ÄDrang nach Öffentlichkeit³ und die damit in Zusammenhang stehende Selbstinszenierung. 6 Einer der Gäste war Markus Berger-de León, Chef der Internetplattform StudiVZ. Er erklärteÄWir haben bei jungen Menschen eine größere Reichweite als jeder Fernsehsender, dabei sind wir heute nur das, was früher mal ein Poesiealbum war.³ 7 Der genaue Aufbau und die Funktionen dieser Plattform werden im Verlauf dieser Arbeit thematisiert, genauso wie der Konkurrent Facebook, der im Juni 2009 erstmals mehr Nutzerzahlen als StudiVZ hatte. 8 Die Idee über dieses Thema zu schreiben entstand aus privatem Interesse, da ich auf beiden Plattformen Mitglied bin. Innerhalb meines Freundeskreises werden die Plattformen des Öfteren thematisiert. Gemeinsame Unternehmungen werden darüber organisiert, man kommuniziert, teilt Fotos und stöbert in Profilen. Zudem rückt das Thema immer stärker in den öffentlichen Diskurs und wird gerade bei jungen Menschen mehr und mehr zum Teil der Freizeitbeschäftigung.
1.2 Aufbau und Zielsetzung der Arbeit
In dieser Arbeit sollen die beiden Internetplattformen StudiVZ und Facebook analysiert werden. Sie bieten registrierten Nutzern die Möglichkeit ein eigenes Profil zu erstellen und sich mit anderen registrierten Nutzern zu verbinden. Der erste Eindruck einer Person gilt als der Entscheidende. StudiVZ und Facebook bieten diverse Optionen, diesen zu gestalten.
Ziel der Arbeit ist es herauszuarbeiten, welche Möglichkeiten StudiVZ und Facebook zur Selbstdarstellung und Netzwerkbildung bieten. Die leitende Fragestellung lautet also:
Welche Formen und Funktionen bieten die Internetplattformen StudiVZ und Facebook zur Selbstdarstellung und Netzwerkbildung?
6 DiesH,QKDOWHVLQGGHU6HQGXQJÄ+DUWDEHUIDLU³PLW)UDQN3ODVEHUJHQWQRPPHQSHU:HE79 kann die Sendung über die Homepage angesehen werden:
http://www.wdr.de/themen/global/webmedia/webtv/getwebtv.phtml?p=4&b=230, Stand: 24. Juni 2009.
7 http://www.wdr.de/tv/hartaberfair/sendungen/2009/20090624.php5?akt=1#gast4, Stand: 24. Juni 2009.
8 http://meedia.de/details/article/facebook-berholt-studivz-und-wkw_100021929.html, Stand: 20. Juli 2009.
2
Zu Beginn der Arbeit wird die Thematik in die Volkskunde eingeordnet, die verwendete empirische Methodik erklärt und der volkskundliche Forschungsstand diskutiert. Um das Thema aus kulturwissenschaftlicher Perspektive näher betrachten zu können, werden anschließend alle notwendigen Begriffe näher erläutert und StudiVZ und Facebook in den Kontext des Internets eingeordnet. Anhand der Anwendungen, die die Plattformen bieten, die in Kapitel 3.1.2 und
3.2.2 konkreter vorgestellt werden, wird in Kapitel 4 untersucht, wie Mitglieder
sich dort darstellen können und Netzwerke gebildet werden können, was das Kernstück der Arbeit ausmacht. Die Arbeit endet mit einer Zusammenführung der Ergebnisse in Kapitel 6 sowie einem Ausblick in Kapitel 7.
1.3 Verortung im Fach
Das Internet und die sozialen Netzwerke, die Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit sind, sind für die Kulturwissenschaft interessant, da sie Teil des kulturellen Ausdrucks sind. Von den Profilen können Rückschlüsse auf die mentale Ebene gezogen werden, Normen und Konzepte der Gesellschaft spiegeln sich in der Darstellung des Individuums wider. Der theoretische und mediale Diskurs im Alltag (z.B. die in der Einleitung angesprochene Präsenz in Fernsehsendungen) ist ein Indiz für ein kulturelles Phänomen.
Das Internet ist Bestandteil der neuen Medien, die es zu erforschen gilt. 9 67,1 Millionen Menschen in Deutschland nutzen das Internet, 61 Prozent der 14bis 29-Jährigen haben ein Profil bei einem sozialen Netzwerk im Internet und ein Großteil nutzt diese Anwendungen täglich. 10 Es kann also davon ausgegangen werden, dass das Internet und die Freizeitaktivität im Internet zu einem alltagsrelevanten Phänomen und somit zum Teil der Alltagskultur avanciert sind. Auch der Volkskundler Rolf Wilhelm Brednich stellt fest, dass die Einflüsse der Massenkommunikation auf die populäre Kultur immer deutlicher werden. 11 Aufgabe der Volkskunde ist es, Alltagsphänomene zu beschreiben und zu untersuchen, denn diese machen Kultur aus. Ihre Weiterentwicklung verdankt die
9 Genath, Peter; Boden, Alexander: Ethnografie und Interne. Communities als volkskundliches Forschungsfeld. In: Rheinisch-westfälische Zeitschrift für Volkskunde 50 (2005), S. 15-30. 10 http://www.zone.de/channels/jugendfraktion/112961/heute-schon-gegruschelt.html, Stand: 06. März 2009.
11 Vgl. Brednich, Rolf Wilhelm: Medien, audiovisuelle. In: Enzyklopädie des Märchens. Bd. 9. Berlin/New York 1999, Sp. 466-470, (hier Sp. 468f.)
3
Volkskunde den sich weiterentwickelnden Kulturen, z.B. der Medienkultur, in deren Zusammenhang die Internetforschung zu nennen ist.
1.4 Forschungsstand
Sowohl aus dem psychologischen, medien- und kommunikationswissenschaftlichen als auch aus dem soziologischen Kanon gibt es Werke zu diesem Thema. Es existieren auch kulturwissenschaftliche Arbeiten, z.B. werden die Grenzen und Differenzen zwischen virtuellem und physikalischem Raum Ä9LUWXDO /LIH³ XQG ÄReal /LIH³ LPPHU ZLHGHU WKHPDWLVLHUW 12 , doch gibt es hier Lücken. +HLQ] 6FKLOOLQJ SURJQRVWL]LHUWH LP -DKU GDVV GLH Ä)UDJH QDFK Internet, Cyberkultur, Realität und Virtualität («) die volkskundliche Forschung ]XQHKPHQG EHVFKlIWLJHQ³ 13 wird, doch nimmt die Volkskunde am Diskurs nicht ausreichend teil, als GDVV HLQH $UEHLW ]XP 7KHPD Ä6HOEVWGDUVWHOOXQJ XQG Netzwerkbildung über Internetplattformen am Beispiel von StudiVZ und Facebook³DXVVFKOLHOLFKPLWYRONVNXQGOLFKHU/LWHUDWXUYHUIDVVWZHUGHQNDQQ(LQ zentraler Aspekt in der volkskundlichen Internetforschung ist die Untersuchung YRQYLUWXHOOHQ*HPHLQVFKDIWHQDOVRÄ&RPPXQLWLHV³ 14 Erste Magisterarbeiten und kleinere Beiträge in der Mitte der 90er Jahre belegen die steigende Popularisierung des Internets in der Alltagskulturforschung. 15 Am Volkskundlichen Seminar der Universität Bonn trat die Thematik der Medienforschung 2001 in den Fokus. 16 Besonders Literatur aus der Soziologie, die sich mit Themen rund um die Gesellschaft befasst, ist für dieses Thema dienlich und gerade die Netzwerkforschung ist in der Soziologie wesentlich lückenloser als in der Volkskunde. 1970 kam es zu einem Paradigmenwechsel innerhalb der Volkskunde und das Fach näherte sich den Sozialwissenschaften an. Man wendet
12 Schönberger, Klaus: Online ± offline. In: Hengartner, Thomas; Moser, Johannes (Hg.): Grenzen und Differenzen. Zur Macht sozialer und kultureller Grenzziehungen. 35.Kongress der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde, Dresden 2005, S. 627-637, hier S. 627.
13 Schilling, Heinz: Medienforschung, in: Rolf Wilhelm Brednich, Grundriß der Volkskunde. Einführung in die Forschungsfelder der Europäischen Ethnologie, Berlin 2001, S. 563-585, hier S. 580.
14 Vgl. Hengartner, Thomas: Volkskundliches Forschen im, mit dem und über das Internet. In: Göttsch, Silke; Lehmann, Albrecht (Hg.): Methoden der Volkskunde. Positionen, Quellen, Arbeitsweisen der Europäischen Ethnologie, 2. überarb. u. erw. Auflage, Berlin 2007, S. 187-209, hier S. 203.
15 Vgl. Hengartner (2007), S. 201.
16 Vgl. Genath; Boden (2005), S. 17f.
4
sich den Menschen und ihren sozialen Bezügen zu, und nicht mehr nur, wie bisher, den Objektivationen. 17 Trotzdem ist die Volkskunde ± obwohl der Mensch in den Mittelpunkt gerückt ist ± ein eigenständiges Fach geblieben. Entscheidend dafür ist, ob man das Forschungsziel von einem gesellschaftlichen oder kulturellen Aspekt her betrDFKWHW ÃLP %HZXVVWVHLQ GHVVHQ GDVV EHLGH HLQDQGHU GXUFKGULQJHQ¶ 18 Ä:LU DOOH VSLHOHQ 7KHDWHU³ München 2003) eins der Hauptwerke des amerikanischen Soziologen Erving Goffman, wird häufig im Kontext der Literatur zur Selbstdarstellung erwähnt, z. B. bei Heinz Abels. 19 Der Volkskundler Wolfgang Kaschuba stützt sich in seinen Ausführungen zur Identität auf den schwedischen Psychologen Erik H. Erikson. 20 Weitere Ausführungen zu Eriksons Theorien folgen in Kapitel 2.1.
Die Kulturwissenschaftlerin Anke Bahl thematisiert LQ LKUHP :HUN Ä=ZLVFKHQ On- XQG2IIOLQH,GHQWLWlWXQG6HOEVWGDUVWHOOXQJLP,QWHUQHW³GDV,QWHUQHWXQGZLH der Titel auch verlauten lässt die Bereiche Selbstdarstellung und Identität. Man merkt jedoch, dass das Wissen über das Internet und auch die Forschungslage zu diesem Thema im Jahre 1997 noch in den Kinderschuhen steckt. 21 Sämtliche internetspezifischen Begriffe, die heute selbstverständlich sind, wurden damals noch erklärt. Leser dieser Arbeit werden jetzt, zwölf Jahre später, keine Probleme meKUPLW%HJULIIOLFKNHLWHQZLHÄ8VHU³KDEHQ Hermann Bausinger betont die Integration von Medien in den Lebensvollzug, in Abläufe alltäglicher Art und in die ganze kulturelle Situation. 22 Die Zahlen der Internetnutzung zu Beginn belegen dies.
Es zeigt sich, dass die Literatur über Identität, Selbstdarstellung, Internet und Netzwerk sehr interdisziplinär geprägt ist. Gerade diese fächerübergreifenden Beziehungen machen das Thema so spannend, da es zeigt, dass es die Forschung vieler Disziplinen beschäftigt. Besonders für die Volkskunde lässt der Aufstieg
17 Vgl. Schmidt-Mappes, Isabel: Freundschaften heute. Volkskundliche Untersuchung eines Kulturphänomens.Freiburg 2001, S. 30.
18 Schmidt-Mappes (2001), S. 30.
19 Vgl. Abels, Heinz: Identität. Wiesbaden 2006. Siehe auch Kapitel 2.2 dieser Arbeit. 20 Vgl. Kaschuba, Wolfgang: Einführung in die Europäische Ethnologie, 3. Auflage, München 2006.
21 Vgl. Bahl, Anke: Zwischen On- und Offline. Identität und Selbstdarstellung im Internet. München 1997.
22 Vgl. Bausinger, Hermann: Vom Jagdrecht auf Moorhühner. Anmerkungen zur kulturwissenschaftlichen Medienforschung, in: Zeitschrift für Volkskunde 97 (2001), S. 1-14, hier S. 2.
5
der sozialen Online-Netzwerke zu einem Alltagsphänomen (34% gelegentliche und 24% regelmäßige Nutzer im Jahr 2009 belegen dies 23 ) darauf hoffen, dass dieses aktuelle Thema die volkskundliche Forschung noch intensiver beschäftigen wird.
Auch im Internet lassen sich Einträge zur Selbstdarstellung und Netzwerkbildung finden und gerade über die relativ neuen Internetplattformen StudiVZ und Facebook gibt es zahlreiche Artikel. Google findet 1.440.000.000 Einträge zu Facebook und 2.060.000 zu StudiVZ. 24 Als Quelle muss das Internet allerdings kritisch betrachtet werden, da es keine Gewähr für Wissenschaftlichkeit gibt.
1.5 Methodik
Eine empirische Untersuchung über das Internet im Internet durchzuführen, bietet sich an. Gegenstand meiner Untersuchung sind die Internetplattformen StudiVZ und Facebook.
Generell ist eine Mitgliedschaft bei den Plattformen erforderlich, um ihre Funktionen nutzen zu können. Ich bin selbst Mitglied bei StudiVZ und Facebook und somit ein Teil dieser Gemeinschaft und auch ein Teil der Rezipienten von Darstellungen. 25 Ich bin mit den Plattformen vertraut und auch mit den Personen, deren Profilen ich teilweise Beispiele für meine Untersuchung entnommen habe, doch dienen diese eher als Belege. Ich untersuche keine speziellen Profile, sondern vielmehr die generellen Anwendungen, die StudiVZ und Facebook anbieten.
Einerseits kann so von einer teilnehmenden Beobachtung die Rede sein, also die Anwesenheit des Forschenden im sozialen Feld und die aktive Teilnahme am $OOWDJ GHU LQWHUHVVLHUHQGHQ *UXSSH ÃPLW GHU GLH ]XQHKPHQGH 9HUWUDXWKHLW PLW
GHP )RUVFKXQJVIHOG HU]LHOW ZLUG¶ 26 Andererseits ist meine Untersuchung auch
eine stille Beobachtung, da ich für die Erstellung dieser Arbeit auf den Plattformen nicht anders aktiv bin als sonst, um mich mit dem Forschungsfeld
23 http://www.ard-zdf-onlinestudie.de/fileadmin/Online09/Busemann_7_09.pdf, Studie von Juli 2008.
24 http://www.google.de/, Zuletzt geprüft am 12. August 2008.
25 Siehe Kapitel 2.2 dieser Arbeit.
26 Schmidt-Lauber, Brigitta: Das qualitative Interview oder: Die Kunst des Reden-Lassens. In: Silke Göttsch/Albrecht Lehmann: Methoden der Volkskunde. Positionen, Quellen, Arbeitsweisen der Europäischen Ethnologie, 2. überarb. u. erw. Auflage, Berlin 2007, S. 165-188, hier: S. 169.
6
vertraut zu machen. Meine Teilnahme an den Online-Netzwerken ist aber eine Teilnahme aus privaten Gründen, nicht aus Forschungsgründen. Alle Daten (z.B. Gruppennamen 27 ) sind den Profilen meiner Freundesliste entnommen. Anders wäre eine Untersuchung aber auch nicht möglich gewesen, da meistens eine Online-Freundschaft mit den Mitgliedern, also ein Hinzufügen zur Kontaktliste, nötig ist, um Profile einzusehen. Viele Profile sind gesperrt, d.h. für Personen, die nicht in der Freundesliste aufgeführt sind, nicht zugänglich. Die Herausforderung dieser Arbeit liegt also darin, trotz eigener Mitgliedschaft die 'LVWDQ]]XZDKUHQÄ(LQHUVHLWVLVWGLH,GHQWLILNDWLRQPLWGHP)RUVFKXQJVIHOG« intendiert, andererseits soll gleichzeitig DisWDQ] « zu ihm gewahrt bleiben³, führt Brigitta Schmidt-Lauber aus. 28 Distanz ist dadurch möglich, dass ich nur den generellen Aufbau der Seiten mit eben den Möglichkeiten zur Selbstdarstellung und Netzwerkbildung und keine konkreten Nutzerprofile untersuche.
Beobachtungen, die ich innerhalb meines Netzwerkes treffe, kennzeichne ich deutlich, so dass mögliche Subjektivität an dieser Stelle offensichtlich wird. Ä5HIOH[LRQ EHGDUI GHU GLDOHNWLVFKHQ 6SDQQXQJ YRQ 1lKH und Distanz zur Alltagspraxis; sie muss sozusagen durch sie hindurch, um über sie hinauskommen ]X N|QQHQ³ 29 Volkskundliche Feldforschung wird meist im gesellschaftlichen Nahbereich durchgeführt, wodurch die soziale Dimension von Nähe und Distanz ÃYHUUlXPOLFKWXQGYHUZLVFKW¶ 30
1.6 Probleme bei der volkskundlichen Internetforschung
Die Forschung im Internet ist prinzipiell problematisch. Hier muss allerdings zwischen den Internetplattformen als Untersuchungsgrundlage und den Internetseiten und -artikeln, die als Quelle dienen, unterschieden werden. Für diese bietet das Internet nämlich eine riesige Informations- und Datenvielfalt und schnellen Zugriff, jedoch gibt es keine Gewähr für Wissenschaftlichkeit und Richtigkeit.
27 Siehe Kapitel 4.2.5 dieser Arbeit.
28 Schmidt- Lauber (2007), S. 170.
29 Lindner, Rolf: Die Angst des Forschers vor dem Feld. Überlegungen zur teilnehmenden Beobachtung als Interaktionsprozess. In: Zeitschrift für Volkskunde 77 (1981), S. 51-66, hier S. 64.
30 Schmidt- Lauber (2007), S. 170.
7
Bei der Untersuchung von StudiVZ und Facebook muss diese Variable ebenfalls berücksichtigt werden, doch macht genau diese Diskrepanz zwischen den getätigten Angaben und dem Wahrheitsgehalt der Angaben das zu untersuchende Feld aus. Private Seiten ± und bei StudiVZ und Facebook hat jeder sein Profil, seine eigene kleine private Seite ± HLJQHQVLFKÃYRU]JOLFK« zur Untersuchung von Formen der (Selbst)Darstellung oder von Imagebildung und/oder ±pflege, bieten aber den größten Unsicherheitsfaktor hinsichtlich der Verlässlichkeit der darauf enthaltenen InformatioQHQ¶ 31 Es geht in dieser Arbeit neben der Netzwerkbildung um die Evaluation der Möglichkeiten der Darstellung. Dazu gehört die Option Unwahrheiten anzugeben oder Informationen zu verschleiern. Es ist schwierig nachzuprüfen, welche Angaben stimmen oder nicht. Genau dieses Verschwimmen von Realität und Virtualität bei StudiVZ und Facebook macht diese Plattformen so interessant. Zwar werden in den Nutzungsbedingungen von StudiVZ Angaben gemacht, wie man sich zu verhalten hat 32 und Nutzer müssen auch den Allgemeinen Geschäftsbedingungen zustimmen, doch ist es nicht möglich, dass Millionen User-Profile täglich kontrolliert werden, schon gar nicht was die Authentizität von Angaben angeht. Dies wäre aber auch nicht der Sinn der Sache. Die StudiVZ-Betreiber haben Regeln erstellt und bei Verstößen die Möglichkeit einzugreifen, jedoch kann und soll von einem exakt kontrollierten Kommunikationsraum 33 nicht die Rede sein, da sonst die Möglichkeiten zur freien Darstellung fehlen würden.
2 Begriffsbestimmungen und Definitionen
2.1 Identität
Der Begriff der Identität zählt zum Grundkanon der Volkskunde. Identität definiert sich laut Kaschuba wie folgt:
Ä« >'@er Begriff Identität [lässt sich] als ein anthropogenes, also menschheitsgeschichtliches Grundmuster verstehen, das in den Wunsch mündet sich als soziales Wesen in den Zusammenhang seiner Umwelt
31 Hengartner (2007), S. 196.
32 =%ÄEs ist verboten, Inhalte über das StudiVZ-Netzwerk zugänglich zu machen oder zu verbreiten, wenn und soweit mit diesen gegen gesetzliche Vorschriften, Rechte Dritter oder gegen GLHJXWHQ6LWWHQYHUVWRHQZLUG³9JOhttp://www.studivz.net/l/terms, Stand: 12. August 2008. 33 Vgl.Hänel, Dagmar: Gespräche über Körper im virtuellen Raum. Das Diskussionsforum www.oschatzdessous.de. In: Binder, Beate; Göttsch, Silke; Kaschuba, Wolfgang; Vanja, Konrad (Hrsg.): Ort. Arbeit. Körper. Münster/New York/München/Berlin 2005, S. 448.
8
Arbeit zitieren:
Farina Fontaine, 2009, "Bist du schon drin?" Selbstdarstellung und Netzwerkbildung über Internetplattformen am Beispiel von StudiVZ und Facebook, München, GRIN Verlag GmbH
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