Ludwig-Maximilians-Universität München
Institut für Musikwissenschaft
Transkription von Popmusik
Jamiroquai
little l
Ramon Schalleck
12.08.02
INHALTSVERZEICHNIS
1 Einleitung 2
2 technische Hilfsmittel 4
3 Notation 11
4 Reihenfolge beim Transkribieren 16
5 Analyse 19
6 Fazit 30
Literatur- und Quellenverzeichnis 31
Anhang: Partitur von "little l"
1 EINLEITUNG
Ein in der Musikwissenschaft - auch an der LMU - mit wenig Aufmerksamkeit bedachtes Thema ist die sogenannte „Popmusik“. Das Wort „Pop“ ist die Abkürzung für „popular“(populär)1. Sie wird selten schriftlich fixiert, obwohl sie uns im Alltag ständig begegnet und seit ihrer Geburtsstunde mit den Beatles vor allem unter jungen Leuten ein begeistertes Publikum fand. Ob im Radio, Fernsehen oder Kino: aus den modernen Medien ist die Popmusik nicht mehr wegzudenken. Popmusik erschallt bei der Arbeit in Lagerhallen, Kasernen oder Büros. Die populäre Musik zeichnet sich durch ihren Verbreitungsgrad aus. Millionenfache Vervielfältigung auf allerlei Tonträgern wie Musikkassetten, Langspielplatten, Audio-CDs und mittlerweile auch DVDs sorgen dafür, dass die Popmusik zu einem Wirtschaftfaktor geworden ist, die -vergleichbar einer Industrie- am laufenden Band neu produziert werden muss. Die Produkte sind meist sehr kurzlebig. Selbst ein Nummer 1 Hit, der nur mit sorgfältiger Planung im Marketing möglich erscheint, kann nach maximal einem Jahr in der Flut der nachströmenden Lieder vollkommen aus dem öffentlichen Bewusstsein gespült worden sein. Das ist mit ein Grund dafür, dass sich um die Notation (also die schriftliche Fixierung der Musik) weniger Mühe gemacht wird. Dabei gibt es Ausnahmen, wie z.B. die Beatles Gesamtausgabe2. Andererseits verbindet sich mit der Masse, die produziert wird, auch der Druck, immer Neues zu schaffen. Die Popmusikindustrie will möglichst vielen Menschen die passende Stilrichtung bieten. Außer dem Mainstream-Pop gibt es die verschiedensten Unterarten. Obwohl sich eine geraume Vielzahl an Formen und Musikstilen in der Popmusik entwickelt hat, kann doch versucht werden, einige generelle Merkmale festzuhalten.
Die Länge eines Liedes beträgt normalerweise etwa drei Minuten und es gibt den Wechsel zwischen Strophe und Refrain. Rein instrumentale Lieder kommen vor, in der Regel gibt es jedoch einen Sologesang.
Der Grund, weshalb die Popmusik in der traditionellen Musikwissenschaft wenig Aufmerksamkeit bekommt, ist, dass es nur wenige schriftliche Aufzeichnungen gibt. Die Frage stellt sich dann natürlich, wie diese Stücke auch von anderen vorgetragen oder rezitiert werden können. Die Musiker behelfen sich dabei meist mit einem Leadsheet, auf dem der Ablauf in Takteinheiten und Harmonien notiert ist. Bei Auftritten verlassen sich die Musiker dann auf das Auswendiggelernte. Die Leadsheets reichen jedoch nicht aus, um ein Stück im Detail zu analysieren, da dazu der Rhythmus und die Melodie benötigt werden. Um einen näheren Zugang zu einem Stück zu bekommen, sollte es so genau wie möglich notiert sein.
In dieser Arbeit soll anhand eines Beispiels gezeigt werden, wie bei der Transkription eines Popliedes vorgegangen werden kann. „Transkription“ bedeutet eigentlich „die Umschrift von Musik aus einer historischen in die heutige Notenschrift“3. In dieser Arbeit wird das Wort anders verwendet. Die Transkription ist das Übersetzen von Tonmaterial in Noten. Für diese Arbeit habe ich ein neueres Lied des amerikanischen Sängers Jamiroquai gewählt. „Little l“ erschien 2001 auf dem Album „Jamiroquai - A funk Odyssey“ bei Sony Music4. Die Arbeit soll einen möglichst breiten Überblick über die Vorgehensweise bei der schriftlichen Erfassung von audiellem Material unter Berücksichtigung zeitgenössischer Technologien bieten. Die Analyse des Poplieds soll aber im Vordergrund stehen.
[Abb. 1-1 in Downloaddatei enthalten]
Abbildung 1-1
2 TECHNISCHE HILFSMITTEL
2.1 Analoge Hilfsmittel
Die Transkription erfordert zunächst bestimmte Hilfsmittel. Ideal wären die Instrumente, die im Lied benutzt werden, da einzelne Töne anhand der Klangfarbe besser identifiziert werden können. Eine Klavierbegleitung in einem Lied lässt sich am besten heraushören, indem man sie am Klavier nachspielt. Die Instrumentation eines Poplieds im Allgemeinen geht aber weit über die normalerweise verfügbare Instrumentenanzahl hinaus.
Die zweitbeste Möglichkeit bietet das Klavier. Da es ein polyphones Instrument ist, eignet es sich sowohl für die Transkription von Melodie als auch der Harmonien. Platzsparender und beinahe genauso gut eignet sich die Gitarre, wobei sich eine parallele Utilisation von Klavier und Gitarre deshalb anbietet, weil in Popliedern oft Gitarre und Klavier benutzt werden.
Eines der primitivsten Hilfsmittel zur Feststellung der Tonhöhe ist die Blockflöte. Sie kommt nur dann in Betracht, wenn keine Gitarre, Orgel, Klavier oder sonstige polyphone Instrumente zur Verfügung stehen. Sie erfordert ein ausgesprochen hohes Maß an Erfahrung und stellt hohe Anforderungen an das Gehör des Transkribierers. Schließlich wird natürlich das erforderliche Schreibzeug benötigt. Dazu gehört Notenpapier, Bleistift und Radiergummi. Der Tonträger sollte in einer guten Qualität vorliegen (CD) und auf einer guten Stereoanlage abgespielt werden können.
Das Heraushören der Noten bildet den anspruchsvollsten und umständlichsten Teil der Arbeit beim Transkribieren. Er ist aber auch der interessanteste und erfüllendste für den Transkribierer. Hier wird der Kontakt mit dem Werk am intensivsten. Die Kreativität im Stück wird nachvollzogen und jeder Abschnitt einzeln unter die Lupe genommen. Hier können sich auch erste Ideen für eine Analyse bilden. Das wichtigste Hilfsmittel dabei ist das Gehör. Auf computergestützte Hilfsmittel, die das Heraushören der Noten erleichtern, gehe ich im Kapitel 2.2.3 näher ein.
[....]
1 Moritz, E. Reiner: Knaurs Musiklexikon, Droemersche Verlagsanstalt Th Knaur Nachf. München/Zürich, 1982
2 Tetsuya Fujita, Yuji Hagino, Hajime Kubo and Goro Sato: The Beatles complete Scores, Shinko Music Publishing, 1989
3 Moritz, E. Reiner: Knaurs Musiklexikon, Droemersche Verlagsanstalt Th Knaur Nachf. München/Zürich, 1982
4 Jamiroquai: Jamiroquai - a funk odyssey, Sony Music, England, 2001
Arbeit zitieren:
Ramon Schalleck, 2002, Transkription von Popmusik Jamiroquai, little l, München, GRIN Verlag GmbH
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