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Eine Analyse des Kapitalismuskonzeptes von Werner Sombart im Vergleich zu Max Weber

Seminararbeit, 2003, 25 Seiten
Autor: Mireille Bertram
Fach: Soziologie - Klassiker, Grundlagen und Theorierichtungen

Details

Veranstaltung: Industrialisierungsprozesse in Westeuropa
Institution/Hochschule: Universität Trier (Fachbereich IV)
Tags: Eine, Analyse, Kapitalismuskonzeptes, Werner, Sombart, Vergleich, Weber, Industrialisierungsprozesse, Westeuropa
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2003
Seiten: 25
Note: 1,7
Sprache: Deutsch

Archivnummer: V13775
ISBN (E-Book): 978-3-638-19334-4

Dateigröße: 219 KB


Textauszug (computergeneriert)

Seminararbeit
im WS 2002/2003

,,Industrialisierungsprozesse in Westeuropa"

Universität Trier

Thema:
Eine Analyse des Kapitalismuskonzeptes
von Werner Sombart im Vergleich zu Max Weber

Verfasserin: Mireille Bertram

Gliederung

1. Einleitung S. 1

2. ,,Liebe, Luxus und Kapitalismus" S. 4


2.1 Die Säkularisation der Liebe S. 5
2.2 Die Entfaltung des Luxuskonsums S. 6
2.3 Luxuskonsum und Kapitalismus S. 8

3. Das ,,doppelte Gesicht" des Krieges S. 9


3.1 Charakteristika des modernen Heeres S. 10
3.2 Einflüsse auf den Güterbedarf durch die modernen Heere S. 12
3.3 Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Bedarfsdeckung S. 13

4. Werner Sombart und Max Weber im Vergleich S. 16


4.1 Ansichten über die Rolle der Luxusentfaltung S. 17
4.2 Die Entwicklung des kapitalistischen Lebensstils S. 19
4.3 Die Bedeutung des Militarismus S. 20

Quellenverzeichnis S. 22

 

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Soziologie Werner Sombarts, einem angesehenen Sozialwissenschaftler an der Wende zum 20. Jahrhundert.1 Sein Hauptaugenmerk lag vorwiegend auf der Erforschung der Ursachen, welche die Entwicklung des Kapitalismus vorantrieben.
In seinem 1902 publizierten Hauptwerk ,,Der moderne Kapitalismus" und der 1916 erschienen Neuauflage behandelt er dann auch vorwiegend das Handwerk und die Theorie der kapitalistischen Entwicklung.2 In dieses Ge-samtkonzept einer europäischen Wirtschaftsgeschichte von der Karolingerzeit bis zum Ende des 18. Jahrhunderts fügten sich auch seine beiden Studien zur Entwicklungsgeschichte des modernen Kapitalismus ein, also die hier vorge-stellten Werke ,,Liebe, Luxus und Kapitalismus" und ,,Krieg und Kapitalismus".3 Ausgehend von einer Skizzierung des Handwerks als vor-kapitalistischem Wirtschaftssystem, betrachtete Sombart die Ereignisse, ,,deren Eintritt (...) den ´modernen` Kapitalismus möglich gemacht und zur Entwicklung gebracht" haben. Dabei definierte er den Kapitalismus als ,,eine verkehrswirtschaftliche Organisation, bei der regelmäßig zwei verschiedene Bevölkerungsgruppen; die Inhaber der Produktionsmittel, die gleichzeitig die Leistung haben, Wirtschaftssubjekte sind und besitzlose Nurarbeiter (als Wirtschaftsobjekte), durch den Markt verbunden, zusammenwirken, und die vom Erwerbsprinzip und dem ökonomischen Rationalismus bestimmt wird".4 Wichtig anzumerken ist, dass seine Analyse des Detailhandels nicht das Verschwinden des Kleinbetriebs als solchem behauptete, sondern sie diagnostizierte das Überleben derer, die eine kapitalistische Wirtschaftsgesinnung übernahmen, bei gleichzeitigem Niedergang, d.h. dem Verlust realer wirtschaftlicher Selbständigkeit und Abhängigkeit von kapitalistischen Unternehmungen, der anderen.5 Das Prinzip handwerklicher Wirtschaft war die Wirtschaftsgesinnung der Nahrungsorientierung: lediglich ,,ein standesgemäßes Auskommen" strebte der Handwerker an ,,nicht weniger, aber vor allem auch nicht mehr".6 Sombarts Hauptelemente für die Genesis des Kapitalismus und die Theorie der kapitalistischen Entwicklung waren die Kapitalakkumulation und die Entstehung eines kapitalistischen Geistes. Unter letzterem verstand er jene inneren Einstellungen und Charakteristika, die dem kapitalistischen Unter-nehmer eigentümlich sind: Gewinnstreben, kalkulatorischer Sinn, ökonomi-scher Rationalismus. So unterschied Sombart innerhalb der Genese des Kapitalismus zwischen dem erwachenden Erwerbsstreben und der Ausbildung einer besonderen ökonomischen Rationalität.7
Im Verlauf dieser Arbeit soll die Theorie veranschaulicht werden, die Sombart in seinen beiden Studien zur Entwicklungsgeschichte des Kapitalismus ,,Liebe, Luxus und Kapitalismus" und ,,Krieg und Kapitalismus" verfolgte: hier thematisierte er die Veränderung von Nachfragestrukturen infolge einer Ausweitung des Luxuskonsums und der Vergrößerung und Standardisierung von Heeren und Flotten.8 Die gängige Meinung lautete bis in die Neuzeit hinein immer wieder, dass der Kapitalismus aus der protestantischen Ethik und der extremen Sparsamkeit der früheren Unternehmer entstand. Dagegen liegen für Sombart zwei bedeutsame Aspekte für die Entwicklung des Kapitalismus in der Luxusentfaltung einerseits und im modernen Heereswesen andererseits. Erstere begründet sich auf der tiefgreifenden Wandlung der Geschlechter-beziehungen im 16. Jahrhundert: Liebe und Ehe treten auseinander, das Maitressentum am Hofe bildet sich aus und wird gesellschaftsfähig. Die notwendige Voraussetzung für die Unterhaltung der Maitressen liegt in einer enormen Luxusentfaltung.9 Des Weiteren sieht Sombart einen enormen Förderer der kapitalistischen Entwicklung im Kriegswesen und in der ,,Aus-bildung stehender Massenheere, die mit der Standardisierung der Bewaffnung, der Zentralisierung der Beköstigung und der Uniformierung der Bekleidung wichtige Impulse gegeben" habe.10 Zudem wurde durch die modernen Heere erstmals ein Massenbedarf an verschiedenartigen Gütern erzeugt. Die modernen Heere erfüllen ,,wichtige Bedingungen kapitalistischer Wirtschaft (...): die Vermögensbildung, der kapitalistische Geist und vor allem ein großer Markt."11 Das staatliche Heerwesen gab aber auch Impulse für eine Rationalisierung der technischen Entwicklung. Edelmetallproduktion, Technik und Staatsbildung gehörten also für Sombart zu den wesentlichen Rahmenbedingungen kapitalistischer Entwicklung und die Entstehung des ,,bürgerlichen Reichtums" zählte zu einer ihrer Hauptvoraussetzungen. Weitere bedeutsame Faktoren für die Vermögensbildung waren die Akkumulation städtischer Grundrente, die Geldleihe und die Ausbeutung der Kolonien durch Zwangshandel und Sklaverei.12 So hatte er in seiner Studie über ,,Liebe, Luxus und Kapitalismus" dargestellt, wie ,,aus tausend Quellen während des Mittelalters und den darauf folgenden Jahrhunderten" ein neuer bürgerlicher Reichtum hervorbricht.13 Die genannten Faktoren der frühneuzeitlichen Luxus-entfaltung, der ,,Neugestaltung des Güterbedarfs", des stark steigenden Heeresbedarfs, sowie des Massenbedarfs der Großstädte und der Kolonien, schufen eine neue Nachfrage, welche Sombart zufolge äußerst förderlich für die Entwicklung des Kapitalismus war.14
Abschließend wird die Verfasserin Parallelen und Unterschiede zwischen Werner Sombart und Max Weber in Bezug auf das Konzept der Entwicklung des Kapitalismus aufzeigen. Beide thematisieren zwar den ,,Geist des Kapi-talismus"15, allerdings benennen sie verschiedene Aspekte als Förderer der kapitalistischen Entwicklung. Sombart sieht jene, wie bereits erwähnt, in der Luxusentfaltung und dem modernen Kriegswesen; Weber dagegen betrachtet die protestantische Ethik speziell der calvinistischen Sekten als einen bedeutsamen Einflussfaktor auf die kapitalistische Entwicklung.

2. ,,Liebe, Luxus und Kapitalismus"

[...]


1 Vgl.: Lenger, Friedrich: Werner Sombart, 1863 - 1941, eine Biographie. C. H. Beck`sche Verlagsbuchhandlung, München 1994, S. 115

2 Vgl.: a.a.O., S. 118 f.

3 Vgl.: a.a.O., S. 219

4 Vgl.: a.a.O., S. 230

5 Vgl.: a.a.O., S. 118 f.

6 Vgl.: a.a.O., S. 120

7 Vgl.: a.a.O., S. 121

8 Vgl.: a.a.O., S. 219

9 Vgl.: Sombart, Werner: Liebe, Luxus und Kapitalismus. Über die Entstehung der modernen Welt aus dem Geist der Verschwendung. Wagenbachs Taschenbücherei 103, (Verlag Klaus Wagenbach), Berlin 1983, S. 17 f.

10 Vgl.: Lenger, Friedrich: Werner Sombart, 1863 - 1941, eine Biographie. C. H. Beck`sche Verlagsbuchhandlung, München 1994, S. 231

11 Vgl.: Sombart, Werner: Krieg und Kapitalismus. Verlag von Duncker & Humblot, München und Leipzig 1913, S. 14

12 Vgl.: Lenger, Friedrich: Werner Sombart, 1863 - 1941, eine Biographie. C. H. Beck`sche Verlagsbuchhandlung, München 1994, S. 231

13 Vgl.: a.a.O., S. 231 f.

14 Vgl.: a.a.O., S. 232

15 Vgl.: a.a.O., S. 130


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