Inhaltsverzeichnis
1. Einführung 3
2. Die Bergpredigt: Inhalt und Interpretationsansätze 5
3. Weltpolitische Herausforderungen unserer Zeit im Licht der Bergpredigt 7
4. Ethische Einordnung der Bergpredigt nach Max Weber 11
5. Friedensethik als oberste politische Maxime 15
6. Fazit 16
7. Literaturverzeichnis 18
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1. Einführung
„Wir wollen den Krieg nicht, aber man kann den Krieg nur durch den Krieg abschaffen. Wer das Gewehr nicht will, der muß zum Gewehr greifen.“ 1 Dieser Ausspruch Mao Zedongs steht beispielgebend für die grundsätzliche Haltung vieler Gewaltherrscher in der Weltgeschichte. So ist es nicht verwunderlich, dass seit Menschengedenken auf unserem Planeten Kriege 2 geführt werden. Die Formen der Gewaltanwendung sind vielfältig, auch die Größe des Ausmaßes differenziert. Die Auseinandersetzungen zwischen Menschen, die Lebensformen eines ständigen Kampfes untereinander, wurden und werden auch heute noch, von Politikern und Philosophen als Naturzustand betrachtet und dahingehend legitimiert. Dementsprechend ist die Schrift Immanuel Kants „Zum ewigen Frieden“ aus dem Jahre 1795 als epochaler Wendepunkt in der Geschichte der politischen Theorie und zugleich Basis einer neuen Friedenstheorie zu verstehen. Mit seiner Orientierung auf das Diesseits und dem Anspruch einer gewissen Praxistauglichkeit auf rechtlicher Grundlage, hat der politische Entwurf Kants auch mehr als zweihundert Jahre nach seinem Erscheinen nichts an Aktualität verloren, hat vielmehr im Rahmen einer globalisierten Welt nach zwei vernichtenden Weltkriegen und der Entstehung supranationaler 3 Organisationen an Relevanz gewonnen. Es wird eine Möglichkeit postuliert, die den Frieden nicht als Form des Lebens neben anderen, sondern als höchstes politisches Gut betrachtet und zugleich ein Weltkonzept dargestellt, dass einen realisierbaren Weg zu einer dauerhaften Friedensgemeinschaft ermöglichen kann. 4 Das Miteinander ohne kriegerische Auseinandersetzung basiert auf der Grundannahme eines grundsätzlich positiven Menschenbildes. Hierbei muss vom aufgeklärten Menschen ausgegangen werden, der durch Einsicht, Vernunft und die Fähigkeit zur Reflektion die Vorteile eines Rechtssystems erkennt und deshalb persönliche Gewaltanwendung ablehnt.
Mehr als eineinhalb Jahrtausende vor Kant hat das Textwerk der Bergpredigt, das für sich in Anspruch nimmt, die Worte Jesu wiederzugeben, eine ähnlich wegweisende
1 Alt, Franz: Frieden ist möglich. Die Politik der Bergpredigt, S. 6.
2 Allg.: Krieg bezeichnet einen organisierten, mit Waffen gewaltsam ausgetragenen Konflikt zwischen
Staaten bzw. zwischen sozialen Gruppen der Bevölkerung eines Staates (Bürgerkrieg).
siehe http://www.bpb.de/popup/popup_lemmata.html?guid=GV0OHL.
3 (lat.: übernational, überstaatlich). Mit dem Adjektiv werden Organisationen, Zusammenschlüsse oder
Vereinbarungen versehen, die durch völkerrechtliche Verträge begründet und deren Entscheidungen
und Regelungen für die einzelnen Mitglieder (Staaten, Nationen) übergeordnet und verbindlich sind.
siehe http://www.bpb.de/popup/popup_lemmata.html?guid=2HLOE3.
4 Vgl. http://archiv.sicetnon.org/artikel/sozial/friede.htm.
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Funktion bezüglich seiner zwischenmenschlichen und auch gesamtpolitischen Forderungen. In seiner historischen Relevanz ist die Bergpredigt als Zentralstelle des neuen Testaments lediglich mit der Offenbarung der Zehn Gebote am Berg Sinai im Alten Testament vergleichbar. Ihre fundamentalen Kernaussagen dienen dem Christentum, also einer Weltreligion, als integraler Bestandteil eines ethischen Konzeptes. Damit gilt die Bergpredigt als „magna charta christlicher Existenz“ 5 . Höchstwahrscheinlich ist sie im Kontext des jüdisch-römischen Krieges in Palästina von 66 bis 70 entstanden und dient somit als politische Interpretation der Botschaft von Jesus. Ihr Verfasser Matthäus richtete sich vermutlich gegen die Aufstandbewegung in Palästina, die den Krieg gegen Rom anstrebte und Israel von der Fremdherrschaft befreien wollte. Als Prediger versuchte er vielmehr das Konzept der ‚Feindesliebe’ umzusetzen 6 , das seine Kraft aus Dialog und Gewaltverzicht bezieht. Die Form der Streit- und Konfliktschlichtung durch Konfrontation, Vergebung und Versöhnung findet in der Ausgestaltung der Bergpredigt ihren idealen Charakter und hat nicht nur gesellschafts- und sozialstrukturell verändernden, sondern auch politischen Anspruch hinsichtlich einer praktikablen Umsetzung. Die Bergpredigt hat bis heute für Menschen aus aller Welt nichts an ihrer Bedeutung verloren, stellt sich jedoch für viele die Frage nach ihrer Umsetzbarkeit und wortwörtlichen Auslegung. Im Januar dieses Jahres hat der deutsche SPD-Politiker und derzeitige Vizepräsident des deutschen Bundestags Wolfgang Thierse in einem Gastvortrag in der Alt-Katholischen Gemeinde Berlin vor einer wörtlichen Auslegung gewarnt, da diese schnell zu Fundamentalismus führen und somit dem Gemeinwohl 7 nicht mehr dienen könne. Seiner Ansicht nach ist eine direkte Ableitung von Handlungsanweisungen für soziales Verhalten nicht sinnvoll, vielmehr müsse die Bergpredigt je nach Situation immer wieder neu interpretiert werden, im politischen Rahmen jedoch unter Wahrung der elementaren Grundwerte ‚Menschenwürde’ und ‚Gerechtigkeit’. Als Paradebeispiel für eine Politik in Anlehnung an die Bergpredigt sieht er die Ostpolitik der Siebziger Jahre unter Willy Brand, welche die beiden deutschen Staaten näher aneinander brachte und auf Mittel der Verständigung setzte.
5 Hoffmann, Paul: Bergpredigt und christliche Verantwortung für den Frieden, S. 266.
6 Vgl. Hoffmann, Paul: Bergpredigt und christliche Verantwortung für den Frieden, S. 266.
7 Das allgemeine Wohl betreffend. Politisch-soziologische Bezeichnung für das Gemein- oder
Gesamtinteresse einer Gesellschaft, das oft als Gegensatz zum Individual- oder Gruppeninteresse
gesetzt wird.
Siehe http://www.bpb.de/popup/popup_lemmata.html?guid=H1W7FN.
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Anhand der Diskrepanz zwischen dem vermeintlichen Absolutheitsanspruch der Gebote Jesu und der notwendigen Kompromissbereitschaft der Politiker, die meist an ein Taktieren und Abrücken von eigenen Prinzipien gekoppelt ist, leitet sich zwangsläufig eine zentrale Fragestellung ab: Kann man mit der Bergpredigt Politik betreiben?
Um dies zu erörtern, werde ich zunächst kurz eine inhaltliche Gliederung der Bergpredigt und einige Interpretationsansätze skizzieren. Dies ist notwendig um grundlegende Herangehensweisen einordnen zu können und ein Basisverständnis des eigentlichen Textes zu erhalten. Daraus leite ich mit Bezug auf Franz Alt, der sich für die Umsetzbarkeit der Bergpredigt in der Politik ausspricht, elementare Probleme unserer Zeit ab und zeige Lösungsansätze auf. Danach werde ich auf Max Webers Unterscheidung zwischen Gesinnungs- und Verantwortungsethik eingehen und seine Einordnung der Bergpredigt kritisch analysieren. Dies ermöglicht mir eine positive, sowie eine negative Haltung für eine Politik der Bergpredigt einzugliedern. Das anschließende Kapitel befasst sich mit der meines Erachtens wichtigsten Forderung der Bergpredigt - dem Frieden. Hier werde ich die Faktoren beleuchten, die für Frieden förderlich sind und diesen begünstigen. Dies lässt mich abschließend zu meinem Fazit kommen.
2. Die Bergpredigt: Inhalt und Interpretationsansätze
Gerechtigkeit kann als Leitthematik der Bergpredigt betrachtet werden. Der strukturelle und inhaltliche Aufbau der Bergpredigt stellt sich wie folgt dar: Eröffnet wird sie mit den so genannten Seligpreisungen, gefolgt von den Salz und Lichtworten. Hier wird eine höhere Gerechtigkeit thematisiert, die Gott den Menschen zukommen lässt. Nach der Thematisierung von Gottes Gnade, die den Menschen zukommt, spricht Jesus in den Antithesen das Verhalten der Menschen zueinander an und fordert diese zu einem besseren Umgang miteinander auf. Die Anweisungen zum Almosen, Beten und Fasten beziehen sich in umgekehrter Weise auf unser Verhalten, Gott gegenüber. Die Sprüche vom Schätze Sammeln und Sorgen können als Umgang mit uns selbst interpretiert werden, also der Frage, wie wir uns selbst besser gerecht werden können.
Um die Fragestellung beantworten zu können, ob und wie mit der Bergpredigt Politik betrieben werden kann, muss zunächst geklärt werden, wie man diese auslegt. Legt man eine wortwörtliche Befolgung ihrer Weissagungen zugrunde, ist ihre Befolgung
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nahezu unmöglich, da sich das Staatswesen ruinieren würde, wenn sie auf diese Weise den idealen Frieden und die absolute Gerechtigkeit anstrebten. Ein mögliches Gegenkonzept bildet der so genannte eklektische (ausgewählte) Gebrauch. Eine dritte Variante stellt eine Mischform aus den oben genannten Konzepten dar, die bestimmte Themen, unter Einbeziehung des Gesamtzusammenhangs beleuchtet. Diese Betrachtung erscheint für die vorliegende Arbeit und Fragestellung sinnvoll, da sich nicht alle Themen der Bergpredigt auf politisches Handeln beziehen lassen, die Rede Jesu jedoch keine Spruchsammlung darstellt, sondern eine innere Ordnung aufweist, die es einzubeziehen gilt.
Zudem muss, für eine zeitgemäße Interpretation die räumliche und zeitliche Perspektive beachtet werden. Manfred Köhnlein führt in diesem Zusammenhang den folgenden Vers an: „Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tage wird für das Seine sorgen.“ Eine solche Philosophie mag für eine Gesellschaft, die vom täglichen Fischfang oder der Ernte lebte, angemessen sein, eignet sich jedoch nicht für moderne Industriegesellschaften. Zu welcher Art von Politik sollte das führen, wenn die Rente auf dem Generationenverhältnis beruht und die Ressourcen vieler Rohstoffe endlich sind? Die Bedrohung durch Terrorismus und Klimakatastrophen seien in diesem Zusammenhang nur als wesentliche Stichworte der heutigen Zeit zu nennen.
Bei allen möglichen Einschränken durch zeitgeschichtliche und andere Zusammenhänge läuft der Interpret jedoch stets Gefahr, den provokanten, revolutionären Charakter der Rede zu untergraben. Dieser ist jedoch ein wichtiger Bestandteil der Bergpredigt. Zudem ist eine Einschränkung auf bestimmte Personenkreise meiner Meinung nach unzulänglich, da die Rede Jesu auf dem Berg neben dem Innenkreis der Jünger auch die „vielen“, also das Volk, anspricht, wie es Matthäus schildert. Auch wenn sich ganz praktisch vorbringen lässt, dass aus akustischen Gründen keine riesige Menschenmenge der Rede Jesu wörtlich folgen konnte, so darf der symbolische Wert des Berges nicht außer Acht gelassen werden. Hinzu kommt, dass am Ende der Bergpredigt Jesu das Echo der Menge wie folgt beschrieben wird: „ Und es begab sich, als Jesus diese Rede vollendet hatte, dass sich das Volk entsetzte über seine Lehre, denn er lehrte sie mit Vollmacht und nicht wie ihre Schriftgelehrten“ (Mt 7,28ff.). Köhnlein äußert in seinen Ausführungen die These, dass personelle Einschränkungen, also die Forderungen der Bergpredigt auf bestimmte Auserwählte zu beschränken nur vorgebracht wird, „um sie nicht auf die
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Arbeit zitieren:
Alexander Christian Pape, 2009, Kann man mit der Bergpredigt Politik betreiben?, München, GRIN Verlag GmbH
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