Seminar : Geschlechterforschung Verfasser : Bisrat Wolday
Titel : Die mediale Darstellung der Geschlechter Datum : 01.07.2002
1 Einleitung 3
2 Die soziale Konstruktion von Geschlecht 4
3 Symbolische Konstruktion von Geschlecht 5
3.1 Die Körpersprache 6
3.2 Ausbildung einer geschlechtsrollenstereotype Körperkommunikation 7
3.2.1 Körper- und Schönheitsideale 8
3.2.2 Kleiderordnung 11
3.2.3 Mimik 12
4 Die mediale Darstellung der Geschlechter 14
4.1 Forschungsüberblick 14
4.1.1 Der Beginn 14
4.1.2 Die 70er Jahre 15
4.1.3 Die 80er Jahre 15
4.1.4 Die moderne Geschlechterforschung 17
4.2 Die Frage nach einer medialen Geschlechtskonstruktion 18
5 Schluss 20
6 Literatur 22
2
Seminar : Geschlechterforschung
Titel : Die mediale Darstellung der Geschlechter
1 Einleitung
Aus der Frauen- und Geschlechterforschung ist bekannt, dass unsere „Rollen“ entweder „Mann“ oder „Frau“ heißen. Jungen und Mädchen werden gemäß den gesellschaftlichen Idealbildern „Männlichkeit“ und „Weiblichkeit“ sozialisiert und vermeiden Verhaltensformen, die als „männlich“ gelten oder umgekehrt. SchauspielerInnen hingegen können in der Ausübung ihres Berufes solche, durch die Sozialisation in eine der beiden Geschlechterrollen auferlegte Begrenzungen durchbrechen. Ihre Darstellung fiktiver Figuren bekundet, dass das jeweils „andere“ Geschlechtsrepertoire anerzogen und damit erlernbar ist. Dustin Hoffman in „Tootsie“ oder Jack Lemmon in „Some like it hot“ haben beispielsweise ihr Publikum durch die Darbietung des jeweilig anderen Geschlechts bezaubert. Es bedeutet jedoch ausnehmende Anstrengungen für SchauspielerInnen eine Person des anderen Geschlechts zu verkörpern.
Da Frauen erst mit Ende des 16. Jahrhunderts die Theaterbühne betraten war es etwa 2000 Jahre lang vonnöten, dass Männer in den abendländischen Theatern Frauenrollen spielten. Geraume Zeit später veranschaulichten auch Frauen, dass sie in „Hosenrollen“ das andere Geschlecht überzeugend darstellen können. Die Besetzungen von Frauenrollen durch Männer und umgekehrt ist mittlerweile eine alltägliche künstlerische Erscheinung. Da Bühnen- , Film- und Fernsehinszenierung ihre Botschaft nicht nur über Rollentexte, Handlungen und Schauplätze übertragen, bedarf es zur Darbietung der jeweiligen Figuren weit mehr als dem reinen Auswendiglernen von Rollentexte und Proben von Interaktionen. Da auch der Einsatz von Bildern, Farben, Symbolen und vor allem von Körpersprache der Darsteller bedeutsam ist, müssen SchauspielerInnen infolgedessen historische Kenntnisse erwerben um sich dem entsprechenden Zeitgeist anzupassen, ein gewisse körperliche Voraussetzung durch spezielles Körpertraining oder Diäten erreichen und sich vor allen Dingen in die psychologische Grundstruktur der Figuren einfühlen um den Charakter derselbigen herauszuarbeiten und körpersprachlich umzusetzen. Ihre Bemühungen beweisen damit Eindrucksvoll das die Körpersprache nicht natürlich gegeben, sondern im Prozess der Sozialisation erworben wird. Damit ist die mediale Darstellung der Geschlechter nicht nur interessant, sondern auch besonders illustrativ anhand de körpersprachlichen Kommunikation von Schauspiele-
3
Seminar : Geschlechterforschung
Titel : Die mediale Darstellung der Geschlechter
rInnen in Film- und Fernsehszenen zu erläutern. Aus diesem Grunde möchte ich nach der Darlegung der sozialen und symbolischn Konstruktion von Geschlecht auf die Ausbildung einer geschlechtspezifischen Körpersprache eingehen. Des weitern gebe ich den Stand der Erkenntnisse hinsichtlich der Geschlechterdarstellung in Film- und Fernsehszenen wieder.
2 Die soziale Konstruktion von Geschlecht
Im allgemeinen erfahren Frauen, wie auch Männer ihr Geschlecht als eine natürliche Kategorie. Daher betrachten sie ihre ungleiche Behandlung als eine natürliche Konsequenz der biologischen Geschlechtszugehörigkeit. „ Viele Frauen, vielleicht sogar die große Mehrheit(..) (sind) zutiefst davon überzeugt, daß die offizielle Version der natürlichen Charakterunterschiede zwischen ihnen und Männern richtig, ewig und natürlich ist, wie niedrig ihre eigene Stellung in der Gesellschaft auch immer sein mag“ (Goffman 1994, S. 119) Die enorme soziale Bedeutung des Geschlechts kann jedoch nicht stichhaltig durch diesen, für die Bewältigung des Alltags meist irrelevanten körperlichen Unterschied zwischen den Geschlechtern erklärt werden (Goffmann 1994). Schlüssiger erscheint die Gewichtigkeit des Erwerbs einer Geschlechtsidentität für die Teilhabe am sozialen Leben, durch das Verständnis von Geschlecht, weniger als einer natürlichen, denn als sozialen und kulturellen Kategorie.
Jenes soziale Geschlecht (Gender), kann als die Gesamtheit aller, mit den Begriffen „weiblich“ und „männlich“ assoziierten Vorstellungen und Erwartungen einer Gesellschaft definiert werden. Durch den Prozess der Gendersierung werden dabei die sozialen, sowie kulturellen Konzepte (Genderkonzepte) von „Weiblichkeit“ und „Männlichkeit“ übernommen und eine Fülle von geschlechtsspezifischen Normen und Verhaltensweisen mit dem biologischen Geschlecht verknüpft. Mit andern Worten, mittels der Gendersierung entwickeln die Geschlechter ein Gefühl dafür, wie sie sein sollten. Sie lernen, übereinstimmend mit der Idealvorstellung von Männlichkeit und Weiblichkeit, aus einem zwar individuell erworbenen, jedoch kulturell bestimmten Verhaltensrepertoire zu wählen. „Zwanghaft gehört jede/r einer der beiden Ausschlusskategorien männlich-weiblich an. Das Zwei-
4
Seminar : Geschlechterforschung
Titel : Die mediale Darstellung der Geschlechter
Geschlechtersystem strukturiert grundlegend Gesellschaft, Interaktion und individuelle Psychodynamik“ (Bilden 1991, S. 294).
Demzufolge beeinflusst nicht nur Gender, sondern auch die grundlegende Asymmetrie der Geschlechter, basierend auf der Verschiedenartigkeit und den daraus resultierenden sozialen Folgen, alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens.
3 Symbolische Konstruktion von Geschlecht
Wie Simone de Beauvoir in ihrer Schrift „ Das andere Geschlecht“ (1968) aufzeigte ist zu Erschließung des Begriffes „Frau“ eine Abgrenzung zum Begriff „Mann“ entscheidend.
Aussagen über das mögliche Verständnis von „Weiblichkeit“ lassen sich infolgedessen vorrangig aus dem jeweils in einer Gesellschaft vorherrschenden Geschlechterverhältnis, mittels Abgrenzung von „Männlichkeit“ machen. „Weil das ewig ‚Weibliche’ als leere Form weiterbesteht, kann Frau als entpolitisierte und naturalisierte Aussage immer neu und unhinterfragt gefüllt werden. Die Massenmedien haben an diesem Prozess als vorrangiges Zeichenmedium und als Mythengeber der Gesellschaft einen wichtigen Anteil. Durch eine Vielzahl (...) visueller Zeichen entwerfen sie die Frau. definieren und begrenzen, was es heißt, Frau zu sein“ (Klaus 1994, S. 12). Ähnliches äußert auch Mühlen Achs „ Das Medium legt sich gleichsam wie eine weitere Folie über das Material (genderisierte Körpersprache, Anm. d. Verf.) und eröffnet Raum für beliebig weitere kulturelle ‚Beschriftung’. Es kann mit den vorgefundenen Körpercodes rhetorisch operieren sie bestätigen, akzentuieren, verwerfen, verändern, umkehren, ironisieren etc.“ (Mühlen Achs 1995, S. 29). Die genderisierte Körpersprache kann demzufolge auch nach Mühlen Achs (1993, 1995) als Ausgangsmaterial für die mediale Darstellung von Frauen und Männern verstanden werden. Aus diesem Grunde halte ich es für relevant, den Ausführungen zur medialen Darstellung der Geschlechter eine Schilderung der Körpersprache, als Beispiel für ein o.g. Zeichensystem , voranzustellen. Dabei möchte ich im besonderen auf jene Aspekte der Körpersprache eingehen, welche im Laufe der Sozialisation erworben werden um darüber dann den Bogen zur Ausbildung einer geschlechtsrollenstereotype Körperkommunikation zu spannen.
5
Seminar : Geschlechterforschung
Titel : Die mediale Darstellung der Geschlechter
3.1 Die Körpersprache
Durch die Körpersprache als unser ältestes Kommunikationsmittel erscheint der Körper als Instrument und Medium gleichermaßen. Ein Grossteil aller sozial bedeutsamen Informationen werden allein körperlich vermittelt (Mühlen Achs 1993).Die verbale Verständigung wird immer durch körpersprachliche Ausdrucks-formen begleitet, welche Botschaften betonen, verändern oder gar ihr Bedeutung aufheben kann. Da unsere Körper in vielgestaltiger Form, wie Haltung, Bewegung, Gestik oder Mimik, nonverbal miteinander kommunizieren, besteht im Unterschied zur verbalen Kommunikation die Wahl zwischen Sprechen und Stillschweigen nicht. Eine körpersprachliches „Schweigen“ ist dementsprechend nicht möglich. Einerseits offenbart nonverbale Kommunikation in welchem Verhältnis wir zuein-ander stehen z.B. Zu- und Abneigung, emotionale Zustand, Intimität oder Sexualität, aber auch Dominanz, Über- oder Unterlegenheit, Macht und Status. Andererseits zeigt die Körpersprache auch individuelle Merkmale des Individuums auf wie Alter, Geschlecht und ethnische Zugehörigkeit. Demzufolge wird der Körper „zum Ort, an dem die gesellschaftlichen Ideologie mit der persönlichen Identität zu eine Einheit verschmilzt“ (Mühlen Achs 1993, S.9).
Die körpersprachliche Ausdrucksform wird im Rahmen des Sozialisationsprozesses erlernt und von kulturellen Regelsystemen und Ordnungsfunktionen gesteuert und folglich auch vom Genderprinzip durchdrungen. Erste Erkenntnisse über die Asymmetrie körpersprachlicher Beziehungen bezogen auf das Geschlechterverhältnis gewann Henley (1988) in einer Analyse des körpersprachlichen Ausdrucks der Geschlechter unter dem Gesichtspunkt von Macht und Dominanz. Sie kam zu dem abschließenden Urteil, dass sich Frauen und Männer wie Zugehörige unterschiedlicher sozialer Schichten verhalten. Wobei Männer hohe und Frauen niedrige Schichten vertreten.
Aufbauend auf Henleys Folgerungen entwickelte Mühlen Achs (1993) die These der Aufspaltung und selektiven Verteilung des körpersprachlichen Repertoire auf Männer und Frauen durch die Gendersierung. Das soziale Konzept der Geschlechter manifestiert sich demnach in Körper und all seinen Ausdrucksweisen und symbolisiert somit nach außen hin die Genderkonzepte „Männlichkeit“ und „Weiblichkeit“. „Die äußere Erscheinung, die Art wie wir stehen, sitzen, und bewegen und jede noch so schlichte Alltagshandlung wird dadurch zum symbolischen
6
Arbeit zitieren:
Bisrat Wolday, 2002, Die mediale Darstellung der Geschlechter, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Mediale Darstellung der Geschlechter unter besonderer Berücksichtigung...
Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter
Seminararbeit, 21 Seiten
Das Frauenbild in den Medien - weibliche Identitätsbildung durch den E...
Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen
Seminararbeit, 23 Seiten
Rekonstruktion des geschlechtertheoretischen Ansatzes von Judith Butle...
Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter
Seminararbeit, 20 Seiten
Sex, Ads & Rock 'n Roll - Some Social Effects of MTV in Europe
Soziologie - Medien, Kunst, Musik
Hausarbeit (Hauptseminar), 14 Seiten
Grundidee, Konzept und Bausteine des Integrated Marketing
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Hausarbeit, 19 Seiten
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit, 16 Seiten
Vergleich der soziologischen Beiträge von Karl Marx, Emil Durkheim und...
Und: Das Verständnis von Gesel...
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Essay, 8 Seiten
Didaktisches Prinzip - Kreativität
Pädagogik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden
Hausarbeit, 14 Seiten
Plastik in Renaissance und Barock
Kunst - Bildhauerei, Skulptur, Plastik
Referat / Aufsatz (Schule), 6 Seiten
Das Bild der Frau in der Werbung
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Seminararbeit, 40 Seiten
Heinrich von Kleist - Marquise von O... - ihre Stellung in der"ge...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 16 Seiten
Der Pate. Eine Filmanalyse unter besonderer Berücksichtigung der Konst...
Hausarbeit, 15 Seiten
Die Problematik eines Türkei-B...
Politik - Internationale Politik - Thema: Europäische Union
Hausarbeit, 12 Seiten
Bisrat Wolday hat den Text Die mediale Darstellung der Geschlechter veröffentlicht
Bisrat Wolday hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare