Gliederung
A) Einleitung 9
B) Zur grundlegenden Problematik der Globalisierung 10
I) Begriff und Bedeutungen. 10
1.) Globalisierung aus politisch-ökonomischer Sicht 10
a) Allgemeines. 10
b) Indikatoren der wirtschaftlichen Globalisierung. 11
aa) Makroökonomische Indikatoren 11
aaa) Das Bruttosozialprodukt. 11
bbb) Der Anteil der weltweiten Exporte am Weltbruttoinlandsprodukt. 12
bb) Die Bedeutung ausländischer Direktinvestitionen. 13
cc) Finanzmärkte und spekulative Geldströme 13
aaa) Internationale Umschuldungsprogramme 13
bbb) Veränderung der Richtung der Geldströme. 14
ccc) Der Derivatehandel 14
ddd) Investmentfonds und Versicherungsgesellschaften. 14
eee) Zwischenergebnis. 15
c) Fazit. 15
2.) Die technologische Globalisierung. 15
a) Die Verbreiterung der Kommunikationsmöglichkeiten 15
b) Weitere „Massentechnologien“ 16
c) Einschränkungen 16
d) Zusammenfassung. 16
2.) Die sozialwissenschaftliche Bedeutung der Globalisierung. 16
a) Auswirkungen auf die Sozialstruktur der Bevölkerung 17
b) Die internationale Migration 18
c) Fazit. 18
3.) Zusammenfassung - Die Dimensionen der Globalisierung 18
II) Globalisierung als Prozess 19
1.) Die theoretischen Ansätze zur historischen Entwicklung der Globalisierung. 19
a) Globalisierung zeitgleich mit der Verwendung des Begriffes? 19
b) Globalisierung bereits ab Mitte der 80er Jahre? 20
c) Globalisierung ab Mitte der 70er Jahre? 21
d) 1945 als maßgeblicher Zeitpunkt? 21
e) Das Ende des 19.Jahrhunderts. 21
2
f) Die Industrielle Revolution. 22
g) Die europäische Welteroberung am Ende des 15. Jahrhunderts 23
h) Globalisierung bereits seit dem 13. Jahrhundert? 23
i) Tatsächlich: zu allen Zeiten Weltwirtschaft. 23
aa) Fundstellen in der Bibel 24
bb) Das Europa des 9. Jahrhunderts. 24
cc) Europa im 11. und 12. Jahrhundert 24
j) Fazit. 25
2.) Ursachen der „neuen“ Globalisierungswelle 25
a) Multinationale Unternehmen. 25
b) Die Liberalisierung des Handels und der Finanzmärkte 26
aa) Außenhandelsliberalisierung. 26
bb) Liberalisierung der Finanzmärkte 26
cc) Zwischenergebnis. 27
c) Die Transformation der Ostblockstaaten. 27
d) Die Marktöffnung der Entwicklungsländer. 28
e) Internationale Handelsblöcke 28
f) Fazit 28
4.) Zwischenergebnis 29
III) Globalisierungskritische Bewegungen. 29
1.) Kritik an der „neoliberalen“ Ausprägung der Globalisierung und ihren Folgen 29
2.) Grundsätzliche Gegner der Globalisierung als solche. 31
3.) Fazit 31
)C Globalisierung als Herausforderung für die Politik. 32
I) Problemfelder 32
1.) Problemfeld Wirtschaft 32
a) „Standortwettbewerb“ und „Sozialdumping“ 32
b) „Unkontrollierbare Multis“ 33
c) Krise der öffentlichen Haushalte und Absenken von Standards 33
d) Zwischenergebnis. 34
2.) Problemfeld Umwelt 34
3.) Problemfeld Sicherheitspolitik 35
4.) Zwischenergebnis 35
II) Lösungsmöglichkeiten 36
1.) Eindämmung der bzw. nationale Abschottung von der Globalisierung 36
2.) Regionalisierung versus Globalisierung. 36
a) Begriffsbestimmung 36
3
b) Triadisierung als Beispiel des Zusammenwirkens von Globalisierung und Regionalisierung 37
c) Fazit. 38
3.) Installation globalpolitischer Strukturen und Regelwerke 39
a) Unilateralismus contra Multilateralismus. 39
aa) Die USA als Beispiel unilateraler Politik. 39
bb) Beispiele für Multilateralität. 40
cc) Argumente für Multilateralität 41
b) Das Global-Governance-Konzept - Multilateralismus zwischen partikularen Interessen und
universellen Anforderungen 41
aa) Begriffsbestimmung 41
aaa) Verständnis. 42
bbb) Definition von Global Governance 44
ccc) Abgrenzung zu anderen Begriffen 44
ddd) Fazit 45
bb) Geschichte. 45
aaa) Begriffsgeschichte. 45
bbb) Historische Vorläufer 48
ccc) Fazit. 49
cc) Die Notwendigkeit von Global Governance und seine praktische Umsetzung. 49
dd) Kritik am Global Governance. 50
aaa) Falsches Verständnis von der Zivilgesellschaft 50
bbb) Technokratisches, effizienzorientiertes Politikverständnis 50
ccc) Global Governance als Restrukturierung des globalen Kapitalismus 51
ddd) Keine hinreichende politische Reaktion aus asymmetrische Machtstrukturen 51
eee) So gut wie keine Auseinandersetzung mit der demokratischen Legitimation 51
fff) „Kritik der Kritik“ 51
ee) Zum Problem der demokratischen Legitimierbarkeit von Global Governance 52
aaa) Das Modell der kosmopolitischen Demokratie. 53
bbb) Die pluralistischen Mehrebenenansätze 54
ccc) Die deliberative Demokratietheorie 55
ddd) Fazit 56
ff) Fazit: Global Governance als realistische Perspektive? 57
4.) Ergebnis. 58
4
)C Globalisierung und Global Governance im Kontext der Finanzmarkt- und
Weltwirtschaftskrise 59
I) Ursachen. 59
II) Schlussfolgerungen aus der Krise 60
1.) Regulierung durch die jeweiligen Nationalstaaten? 60
2.) Regulierung durch den Markt? 61
3.) Global Governance als koordinierte Marktkorrektur? 61
4.) Rein politisches Global Governance 61
III) Fazit 62
D) Resümee Ausblick 63
Literaturverzeichnis 67
Online -Quellen. 73
5
Abkürzungsverzeichnis
bestmgl. bestmöglich(e/em/en/er/es) bspw. beispielsweise bzgl. bezüglich(e/em/en/er/es)
d.h. das heißt dementspr. dementsprechend(e/em/en/er/es) demggü. demgegenüber diesbzgl. diesbezüglich(e/em/en/er/es)
einheitl. einheitlich(e/em/en/er/es) entspr. entsprechend(e/em/en/er/es) entwicklungspolit. entwicklungspolitisch(e/em/en/er/es)
gesamtwirtschaftl. gesamtwirtschaftlich(e/em/en/er/es) gesellschaftl. gesellschaftlich(e/em/en/er/es) ggü. gegenüber globalpolit. globalpolitisch(e/em/en/er/es) grds. grundsätzlich(e/em/en/er/es) größtmgl. größtmöglich(e/em/en/er/es)
Hrsg. Herausgeber
i.d.S. in diesem Sinne innerstaatl. innerstaatlich(e/em/en/er/es) insbes. insbesondere internat. international(e/em/en/er/es) interreg. interregional(e/em/en/er/es)
kosmopolit. kosmopolitisch(e/em/en/er/es)
Lösungsmglkt. Lösungsmöglichkeit(en)
6
martkwirtschaftl. marktwirtschaftlich(e/em/en/er/es) mgl. möglich(e/em/en/er/es) Mglkt. Möglichkeit(en) mglst. möglichst multinat. multinational(e/em/en/er/es)
nat. national(e/em/en/er/es) nationalstaatl. nationalstaatlich(e/em/en/er/es) nichtstaatl. nichtstaatlich(e/em/en/er/es)
öff. öffentlich(e/em/en/er/es)
polit. politisch(e/em/en/er/es)
reg. regional(e/em/en/er/es)
sicherheitspolit. sicherheitspolitisch(e/em/en/er/es) sog. sogenannt(e/em/en/er/es) staatl. staatlich(e/em/en/er/es) subnat. subnational(e/em/en/er/es) supranat. supranational(e/em/en/er/es)
transnat. transnational(e/em/en/er/es)
umweltpolit. umweltpolitisch(e/em/en/er/es) unmgl. unmöglich(e/em/en/er/es)
v.a. vor allem
weltpolit. weltpolitisch(e/em/en/er/es) weltwirtschaftl. weltwirtschaftlich(e/em/en/er/es) wirtschaftl. wirtschaftlich(e/em/en/er/es) wirtschaftspolit. wirtschaftspolitisch(e/em/en/er/es)
7
z.B. zum Beispiel zivilgesellschaftl. zivilgesellschaftlich(e/em/en/er/es) zwischenstaatl. zwischenstaatlich(e/em/en/er/es)
8
A) Einleitung
„Heutzutage ist es fast unmgl., eine Zeitung, eine Zeitschrift oder ein Magazin aufzuschlagen, ohne von einem Artikel traktiert zu werden, der auf die eine oder andere Art von der Globalisierung der Wirtschaft handelt: dem Kampf ums große Geld auf den internationalisierten und liberalisierten Kapitalmärkten; der wachsenden internat. Arbeitsteilung in multinat. Unternehmen; der zunehmenden weltweiten Konkurrenz um Märkte und Nischen; den Strategien, Akquisitionen und ständigen Umstrukturierungen der global players.“ 1 Dies gilt umso mehr, seit die zwischenzeitlich im Tagesrhythmus verlautenden Pressemeldungen über die internat. Finanzmarktkrise und ihre eingetretenen oder noch mgl. Folgen auch für ein wachsendes Interesse aller Bevölkerungsschichten an diesem Thema gesorgt haben, sei es auch nur insoweit, dass nunmehr das Schlagwort „Weltwirtschaftskrise“ in aller Munde ist. Die Wenigsten wissen jedoch auch tatsächlich, was es damit auf sich hat, weil es bislang an einer strukturierten Darstellung der Zusammenhänge und Wirkungsmechanismen in der Presse fehlt.
Die nachstehende Arbeit soll sich deshalb mit der Fragestellung befassen, was überhaupt unter dem Begriff der Globalisierung zu verstehen ist und in welchem Kontext die Finanzmarktkrise hierbei zu sehen ist.
1 Went, Ein Gespenst geht um… Globalisierung!, S.9.
9
B) Zur grundlegenden Problematik der Globalisierung
„Das Wort "Globalisierung" begegnet uns nun beinahe täglich als Argument, als Argument allerdings für alles Mögliche: Für radikale Bildungsreformen, für Englisch lernen schon im Kindergarten, aber auch für den Abbau von Arbeitsplätzen, für die Lockerung von ethischen Standards, z.B. in der Gentechnik, für die Verlagerung von Firmensitzen, für den Zusammenschluss von Unternehmen - und schließlich als Grund dafür, dass es das ganze Jahr über Erdbeeren gibt.“ 2 Der Frage, was denn genau darunter zu verstehen ist, soll in diesem Abschnitt nachgegangen werden.
I) Begriff und Bedeutungen
Allgemein lässt sich darunter der Prozess der zunehmenden weltweiten Verflechtung in allen Bereichen verstehen. 3 Eine genauere Beschreibung über diese pauschale Definition hinaus ist nur mgl., wenn man die Bedeutung mit einfließen lässt, welche die einzelnen wissenschaftl. Disziplinen dem Begriff beimessen. Dabei muss jedoch bereits im Vorfeld festgehalten werden, dass die Beurteilung stets einhergeht mit der Analyse der Folgen, welche durch die Globalisierung ausgelöst werden.
1.) Globalisierung aus politisch-ökonomischer Sicht
Eine erste Mglkt. besteht in der Betrachtung des Globalisierungsbegriffs in einem politischökonomischen Kontext.
a) Allgemeines
Danach ist unter Globalisierung der fortschreitende Prozess weltweiter Vernetzung der nat. Produkt-, Faktor- und Finanzmärkte, d.h., ihre fortschreitende Integration in die Weltwirtschaft, zu verstehen. 4 Denn, „da die polit. gesetzten Handelsschranken zwischen den Staaten zunehmend abgebaut werden und der Produktionsfaktor Kapital weltweit mobil und einsetzbar ist und ferner die neuen Kommunikationstechnologien grenzenlos angewendet werden können, wird zunehmend in solchen Staaten produziert, die die höchsten Kostenvorteile bieten. Kennzeichnend für die Globalisierung ist deshalb, dass diese Kostenvorteile nicht nur für jedes Endprodukt gesucht werden, sondern für nahezu jedes Einzelteil, aus dem das Endprodukt besteht. Der Prozess der Globalisierung erhöht damit entscheidend den Wettbewerbsdruck zwischen den einzelnen Unternehmen und hat darüber hinaus erhebliche Auswirkungen auf die Stabilität und Sicherheit der
2 Rau in: Herausforderungen der Globalisierung für die nationale und supranationale Politik, S.141 ff (141).
3 so auch Schmidt, Globalisierung, S.15.
4 Duwendag, Globalisierung im Kreuzfeuer der Kritik, S.11.
10
Arbeitsplätze.“ 5 Das Hauptmerkmal der Globalisierung liegt hier also in der Ökonomie. Eine sog. globale Ökonomie zeichnet sich dabei v.a. dadurch aus, dass sie „durch dichte ökonomische Interpendenzen zwischen den (entwickelten) Volkswirtschaften auf den Feldern des Handels und der Investition, durch kooperative wirtschaftl. Beziehungen zwischen in- und ausländischen Akteuren und durch ein geringes Maß an künstlichen, sprich polit. bewerkstelligten Beschränkungen für grenzüberschreitende Transaktionen, gekennzeichnet ist.“ 6
b) Indikatoren der wirtschaftlichen Globalisierung
Das Maß der wirtschaftl. Globalisierung lässt sich durch grundlegende statistische Daten, sog. Indikatoren, erfassen. Solche Messgrößen können jedoch nur mit äußerster Vorsicht gedeutet werden. Denn zum einen kann man nicht genau differenzieren, welche von ihnen tatsächlich zur Erfassung der Globalisierung geeignet sind, andererseits ist aber auch nicht genau bestimmbar, welche Ausprägung einzelne Indikatoren zur Bestimmung des Fortgangs der Globalisierung aufweisen müssten. Indikatoren können daher lediglich die Grundlage für die Erhebung detaillierter Daten darstellen. Im Folgenden sollen aufgrund der schier unüberschaubaren Fülle von Datenerhebungen und Statistiken exemplarisch nur die wesentlichen Messgrößen, die für die Bestimmung des Maßes der Globalisierung allgemein herangezogen werden, kurz vorgestellt werden.
aa) Makroökonomische Indikatoren
Will man die Indikatoren in Gruppen katalogisieren, so sind zunächst sog. makroökonomische, also gesamtwirtschaftl. Variablen zu nennen. Dabei handelt es sich um Daten, die einzelne Sachverhalte oberhalb der Akteursebene zusammenfassen. 7
aaa) Das Bruttosozialprodukt
Die wichtigste und gleichzeitig bekannteste Größe in diesem Zusammenhang stellt zweifelsohne das Bruttosozialprodukt dar. Dieses entspricht dem Wert aller im Laufe eines Jahres produzierten Waren und Dienstleistungen, zuzüglich der aus dem Ausland empfangenen Erwerbs- und Vermögenseinkommen und abzüglich der von Ausländern im Inland erzielten Einkommen. 8 Die Bewertung erfolgt in Marktpreisen, wobei die Weltbank die Länderangaben zu Vergleichszwecken zum im Berichtsjahr gültigen Wechselkurs in US-Dollar umrechnet. Im Rahmen der Auswertung der in diesem Zusammenhang erhobenen Daten wird allgemein, wenngleich ihr Wachstumsanteil
5 Lexikon der Bundeszentrale für politische Bildung, genaue Angabe im Literaturverzeichnis unter Online-Quellen.
6 Hübner, Der Globalisierungskomplex, S.21.
7
8 Achcar u.a., La monde diplomatique, S.46.
11
tatsächlich sukzessiv abnimmt, davon ausgegangen, dass der Abstand zwischen den reichen Ländern im Vergleich zu den ärmeren im Zuge der Globalisierung immer weiter anwächst. 9
bbb) Der Anteil der weltweiten Exporte am Weltbruttoinlandsprodukt
Ein weiteres Bemessungskriterium der fortschreitenden Globalisierung ist der Anteil der weltweiten Exporte der verarbeitenden Industrie am Weltbruttoinlandsprodukt, also an dem Wert aller auf der Erde bereitgestellten Güter. 10 Das Weltbruttoinlandsprodukt stellt damit eine Zusammenfassung sämtlicher einzelner Bruttoinlandsprodukte, also der Werte aller Güter und Dienstleistungen, welche in einem Jahr innerhalb der Landesgrenzen der jeweiligen Volkswirtschaften erwirtschaftet wurden, 11 dar. Betrachtet man dabei die historische Entwicklung, so fallen insbes. zwei Phasen auf, nämlich die Periode von 1870 bis 1913, sowie die kapitalistische Entwicklungsphase nach dem Zweiten Weltkrieg. Die besonderen Strukturmerkmale und quantitativen Ergebnisse dieser Abschnitte haben Beobachter dazu veranlasst, von sog. „golden-age“-Phasen zu sprechen. 12 So wurden in der Zeit von 1870 bis 1913 die rapide voranschreitenden Prozesse internat. Integration von einer äußerst offenen regulativen Struktur der Weltwirtschaft begünstigt, die es ermöglichte, Kapitalbewegungen nahezu unkontrolliert und nicht-reguliert zu tätigen. 13 Insbes. die weltwirtschaftl. bedeutsame Gruppe der europäischen Kernökonomien, die im Jahre 1913 nahezu die Hälfte der Ex- und Importe, sowie 90 Prozent der ausländischen Investments tätigten, wies dabei ein offenes Handelsregime auf, welches seinen Niederschlag v.a. in niedrigen Zöllen fand. 14 Dementspr. lässt sich auch bis 1913 eine konstante Zunahme des Internationalisierungsgrades der kapitalistischen Weltwirtschaft verzeichnen: Betrug der Anteil der weltweiten Exporte am Weltbruttoinlandsprodukt im Jahre 1850 nur 5,1 Prozent, so stieg er bis 1913 auf 11,9 Prozent an. 15 Erst die beiden Weltkriege stoppten diesen Prozess, sodass der Anteil 1950 auf 7,1 Prozent gesunken war. Wenngleich seit 1950 wiederum ein stetiger Anstieg zu verzeichnen ist, so muss dieser lange Weltmarktaufschwung wohl eher als ein Aufholprozess charakterisiert werden, denn erst im Jahre 1974 erreichten die westlichen Ökonomien überhaupt wieder die Exportquoten des Jahres 1913. 16 Dennoch ist unübersehbar, dass, spätestens seit den 80er Jahren, eine verstärkte Weltmarktintegration zu verzeichnen ist.
9 vgl. Achcar u.a., La monde diplomatique, S.47.
10 Emunds, Wirtschaft / Ökonomie, S.16.
11 Lexikon der Bundeszentrale für politische Bildung, genaue Angabe im Literaturverzeichnis unter Online-Quellen.
12 vgl. Hübner, Der Globalisierungskomplex, S.59.
13 Hübner, Der Globalisierungskomplex, S.59.
14 Hübner, Der Globalisierungskomplex, S.59.
15 vgl. Hübner, Der Globalisierungskomplex, S.61.
16 vgl. Hübner, Der Globalisierungskomplex, S.61.
12
bb) Die Bedeutung ausländischer Direktinvestitionen
Einen weiteren Maßstab für die Globalisierung bilden sog. ausländische Direktinvestitionen. Darunter sind alle Transaktionen zu verstehen, durch die ein Unternehmen im Ausland eine Filiale gründet oder die Kontrolle über mindestens 10 Prozent des Gesellschaftskapitals eines ausländischen Unternehmens erwirbt. 17 Diese haben seit Mitte der 80er Jahre stark zugenommen und lagen im Jahre 2000 bei 20 Prozent des Weltbruttosozialprodukts. Zurückzuführen ist diese Entwicklung v.a. auf Unternehmensfusionen und -akquisitionen, sowie die Rationalisierung innerhalb der entstandenen multinat. Konzerne, welche im Zuge der Spezialisierung der einzelnen Produktionseinheiten eine vertiefte internat. Arbeitsteilung zur Folge hat. 18 Die ausländischen Direktinvestitionen spielen sich größtenteils zwischen den hoch entwickelten Ländern ab; gleichwohl repräsentieren sie mittlerweile auch für die Entwicklungsländer einen wachsenden Anteil der Finanzmittel, die sie aus dem Ausland beziehen. 19
cc) Finanzmärkte und spekulative Geldströme
Die Dimension der wirtschaftl. Globalisierung lässt sich aber schließlich auch an der Dimension der weltweiten Geldströme veranschaulichen. Das Anwachsen der Finanzströme hat sich seit den 80er Jahren noch beschleunigt, was v.a. darauf zurückzuführen ist, dass die Politik der Regierungen die Öffnung der nat. Märkte, sowie die dort gehandelten Aktiva, also Aktien, Schuldtitel, Devisen, Rohstoffe, usw., begünstigte. 20 Zwischenzeitlich stehen die zirkulierenden Finanzaktiva in keinem Verhältnis mehr zur Warenzirkulation oder zu den industriellen Investitionen: „So lag das tägliche Transaktionsvolumen auf den Devisenmärkten 1998 bei über 1400 Mrd. Dollar, das Hundertfache der Summe, die für die Finanzierung der Transaktionen von Gütern und Dienstleistungen erforderlich war.“ 21
aaa) Internationale Umschuldungsprogramme
Zurückzuführen ist dies zunächst auf die von den internat. Organisationen, insbes. die vom Internationen Währungsfonds und der Weltbank, durchgesetzten Umschuldungsprogramme, die ihrem Zweck nach stark verschuldete Staaten, sowie Staaten mit einem sehr niedrigen Bruttoinlandsprodukt unterstützen sollen, 22 und die die Geschäftsbanken seit Beginn der 80er Jahre mit den überschuldeten Ländern der Dritten Welt aushandeln. Diese garantieren den
17 Achcar u.a., La monde diplomatique, S.26.
18 vgl. Engelke, in: Globalisierung - eine Satellitenaufnahme, S.57 ff (65).
19 vgl. Achcar u.a., La monde diplomatique, S.27.
20 Geographie Englisch Online, genaue Angabe im Literaturverzeichnis unter Online-Quellen.
21 Achcar u.a., La monde diplomatique, S.32.
22 Bundesamt für politische Bildung, genaue Angabe im Literaturverzeichnis unter Online-Quellen.
13
Gläubigerbanken der Industrieländer einen kontinuierlichen Schuldendienst, „der zuweilen schon den Kapitalimport der betreffenden Länder überstieg.“ 23
bbb) Veränderung der Richtung der Geldströme
Betrachtet man darüber hinaus die Richtung der Geldströme, so lässt sich feststellen, dass in den 90er Jahren ein Großteil der Auslandsdirektinvestitionen und der Portfolioinvestitionen, also der unternehmerischen Investitionen in Beteiligungswerte, 24 auf einige wenige Schwellenländer konzentriert war. Seit der Asienkrise Ende 1997 flossen die Finanzierungsströme jedoch hauptsächlich in die Industrieländer, was wiederum durch deren enormen Bedarf an Auslandskapital begünstigt wurde. Lag der Anteil des Auslandskapitals in den Industrieländern 1970 noch bei ca. 25 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, so wuchs er sukzessiv auf über 200 Prozent an. 25 Ähnlich verhält es sich bei den Verbindlichkeiten ggü. dem Ausland: Während diese 1970 noch einen Anteil von ca. 50 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ausmachte, wurden daraus zwischenzeitlich ca. 250 Prozent. 26
ccc) Der Derivatehandel
Hohe Wachstumsraten verzeichnet ebenfalls der Derivatehandel, also der Handel mit Finanzprodukten, die sich von klassischen Anlageformen, wie Aktien, Anleihen, Devisen, Krediten, etc., ableiten und so die isolierte Handelbarkeit einzelner Risiken, zum Zwecke der Absicherung bzw. der Spekulation, ermöglichen. 27 Das bekannteste Beispiel für den Derivatehandel ist dabei das Optionsgeschäft. Die Besonderheit derartiger Geschäfte liegt dabei v.a. darin, dass sie es infolge ihrer spezifischen Hebelwirkung erlauben, Finanzaktiva in der Höhe eines Vielfachen des Eigenkapitals zu bewegen. So bedeutet bspw. ein Hebel von 10, dass der Optionsschein um 10 Punkte steigt, wenn die entspr. Aktie um nur einen Punkt zulegt, umgekehrt aber auch, dass der Optionsschein, verliert die Aktie nur einen Punkt, entspr. um 10 Punkte absackt. 28 Derivate ermöglichen damit die Erzielung mglst. hoher spekulativer Gewinne, bergen aber gleichzeitig auch in sich ein hohes Instabilitätsrisiko.
ddd) Investmentfonds und Versicherungsgesellschaften
Zu den wichtigsten Akteuren auf den Finanzmärkten sind mittlerweile die Investmentfonds und Versicherungsgesellschaften geworden, durch welche das Wachstum der grenzüberschreitenden Kapitalbewegungen auf den Aktien- und Wertpapiermärkten erheblich beschleunigt und die
23 Geographie Englisch Online, genaue Angabe im Literaturverzeichnis unter Online-Quellen.
24 Wirtschaftslexikon 24, genau angegeben im Literaturverzeichnis.
25 Quelle: Internationaler Währungsfond, World Economic Outlook, Mai 2005, Kapitel 3, genaue Angabe im Literaturverzeichnis unter Online-Quellen.
26 Quelle: Internationaler Währungsfond, World Economic Outlook, Mai 2005, Kapitel 3, genaue Angabe im Literaturverzeichnis unter Online-Quellen.
27 WGZ Bank, genaue Angabe im Literaturverzeichnis unter Online-Quellen.
28 Wirtschaftslexikon 24, genaue Angabe im Literaturverzeichnis unter Online-Quellen.
14
gesellschaftl. Beziehungen, insbes. diejenigen zwischen Kapital und Arbeit und zwischen Aktionären und Unternehmensleistungen stark verändert wurden. 29 So ging bspw. der hohe Einkommenszuwachs der Kapitalbesitzer in den 90er Jahren mit sinkenden Arbeitskosten und steigender Ausbeutung der Arbeitskraft einher.
eee) Zwischenergebnis
Zusammenfassend lässt sich also festhalten, dass die Aussage von der „Globalisierung der Finanzmärkte“ durchaus zutreffend ist. So haben die Finanzbewegungen mittlerweile einen derart hohen Stellenwert erreicht, dass sie, unmittelbar bzw. mittelbar, das gesamte Wirtschaftsleben (mit)bestimmen. Die dabei fließenden Finanzströme nehmen, nicht zuletzt durch die Rolle neuer Kapitalanlagemöglichkeiten, direkt Einfluss auf die Lage in den Industrieländern, sowie die Lebensbedingungen der Gesamtbevölkerung in den Drittländern.
c) Fazit
Die vorstehenden Fakten verdeutlichen, warum die Globalisierung vielfach lediglich als ein rein oder zumindest primär wirtschaftl. Prozess verstanden wird. Tatsächlich hat sie auf diesem Sektor deutliche Spuren hinterlassen. Gleichwohl weist Globalisierung aber auch noch andere Dimensionen und damit Definitionsmerkmale auf. Die Vergrößerung von wirtschaftl. Integrationsräumen durch die Einbeziehung zusätzlicher Volkswirtschaften in die internat. Arbeitsteilung, sowie die zunehmend internat. werdende Ausrichtung unternehmerischer Aktivitäten stellen eben nur, wie die folgenden Ausführungen zeigen werden, einen Teilbereich dar.
2.) Die technologische Globalisierung
Ein Vorgang, welcher in direktem Zusammenhang mit der wirtschaftl. Globalisierung steht, ist die Globalisierung der Technologie. Darunter ist sowohl die Verbreitung „neuartiger“ Technologien als auch die Mglkt. ihrer großflächigen, länderübergreifenden Nutzung zu verstehen.
a) Die Verbreiterung der Kommunikationsmöglichkeiten
Einen Aspekt stellt dabei ein Schlagwort dar, welches schon gar nicht mehr aus dem heutigen Sprachgebrauch wegzudenken ist, nämlich das des sog. Kommunikationszeitalters. Es lässt sich am besten mit folgendem Satz charakterisieren: „Der Weg war das Ziel - wir nähern uns dem Ende der Entfernung.“ 30 Tatsächlich ist die Welt in den letzten Jahrzehnten „näher zusammengerückt“. Zurückzuführen ist dies auf die wachsende Verbreitung und Nutzung insbes. von Telefon und Internet. Derartige Kommunikationsnetze zeichnen sich v.a. dadurch aus, dass ihr Nutzen für alle mit jedem neuen Teilnehmer wächst: mehr Gesprächspartner, mehr Kunden, mehr Informationen,
29 Achcar u.a., La monde diplomatique, S.33.
30 Knoke, in: Globalisierung - eine Satellitenaufnahme, S.21 ff (22).
15
Arbeit zitieren:
Florian Hempel, 2009, "Globalisierung" & "Global Governance", München, GRIN Verlag GmbH
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