Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1 3
2. Grundlagen der Erziehungsphilosophie Deweys
2.1. Historischer Kontext 3 4
2.2. Das Verhältnis von Demokratie und Erziehung 4 5
2.3. Der Pragmatismus 5
2.4. Die Evolutionstheorie Darwins 5 6
3. Grundthese: Erziehung ist Wachstum
3.1. Was ist Erziehung 6 8
3.2. Was ist Wachstum 9
3.2.1. Die Unreife 9 10
3.2.1.1. Der Prozess des Wachstums 10
3.2.1.2. Die Unselbstständigkeit 10 11
3.2.2. Die Bildsamkeit 11 12
3.2.3. Gewohnheiten (habits) 12 14
Schlussbetrachtung 15 16
Literaturverzeichnis 17
1. Einleitung
John Dewey ist heute weniger als Philosoph, sondern vielmehr als „Klassiker der Päda- gogik“ bekannt. Sein Werk „Demokratie und Erziehung“ aus dem Jahr 1916 ist Gegens- tand dieser Arbeit. In ihm legt Dewey seine „Philosophie der Erziehung“ dar, welche hier ausführlich untersucht werden soll. Sie erweist sich auch heute noch als aktuell. Die Erziehungstheorie Deweys ist Gegenstand der Diskussion in der modernen Erziehungs- wissenschaft, insbesondere in den Bereichen der Schulpädagogik, welche sich mit der Theorie der Schule und den Handlungs- und Lerntheorien befassen. Hierbei tritt häufig das Problem auf, dass Deweys Konzept nicht in seiner Gesamtheit Beachtung findet, sondern lediglich Teile seiner Theorie herangezogen werden, um neue Theorien abzusi- chern. Dies kann mitunter dazu führen, dass die eigentliche Idee Deweys falsch darge- stellt wird.
Für eine angehende Lehrerin ist es aus mehreren Gründen gehaltvoll, sich mit der Er- ziehungsphilosophie Deweys auseinander zu setzen. Zunächst aufgrund ihrer Aktualität, insbesondere auch in der durch die Ergebnisse der Schulleistungsuntersuchung Pisa an- geregten Bildungsdiskussion. Vor dem Hintergrund der häufigen Fehlinterpretation von Deweys Theorie erscheint es zudem ratsam, sich seinem Werk im Original zuzuwenden und es in seiner Gesamtheit zu erfassen. Hierbei bietet die Untersuchung im Rahmen eines philosophischen Seminars die Chance, eine neue Perspektive einzunehmen. Diese verlangt eine Beschäftigung mit den Denkstrukturen und Intentionen Deweys und trägt dadurch dazu bei, den eigenen Blick auf Konzepte zu schärfen und sie kritisch auf ihre Begründung zu hinterfragen. In der direkten Auseinandersetzung mit einem seiner Wer- ke werden zudem Grundeinsichten gewonnen, die sich unmittelbar von der Philosophie auf die Pädagogik anwenden lassen und somit dem Berufsziel der Lehrerin dienlich sind.
Es stellt sich zu Beginn der Auseinandersetzung mit dem Werk zunächst die Frage, wa- rum die Erziehung hier zum Gegenstand der philosophischen Betrachtung wird. Die Philosophie der Erziehung „erweist sich als ein Spezialgebiet der Philosophie“. 1 Dewey versteht die Philosophie als die „allgemeinste Form der Erziehung“ 2 . Die philosophi- sche Reflexion liefert demnach die Grundlage für pädagogisches Handeln und dient den
1 Apel, Hans-Jürgen: Theorie der Schule in einer demokratischen Industriegesellschaft. Rekonstruktion
des Zusammenhangs von Erziehung, Gesellschaft und Politik bei John Dewey. Düsseldorf 1974, S. 40.
2 Ebd.
1
Erziehungswissenschaften letztlich als Quelle. Die „Philosophie der Erziehung“ kann somit als „Theorie der Erziehung“ verstanden werden, welche die Aufgaben, Zielset- zungen und Intentionen eines Erziehungsprozesses untersucht und begründet. 3 Die Aus- einandersetzung mit Deweys „Philosophie der Erziehung“ bedeutet also die Beschäfti- gung mit den Grundlagen seines Erziehungsverständnisses. Diese liefern letztlich die Legitimation für den Sinn und Zweck der Erziehung generell und somit das Fundament für jegliche Beschäftigung mit der Erziehung.
Aber warum wendet John Dewey sich seinerzeit überhaupt einer philosophischen Aus- einandersetzung mit der Erziehung zu und welches Problem sucht er in ihr zu lösen? Antworten auf diese und andere Grundsatzfragen sind für das Verständnis von „Demo- kratie und Erziehung“ unbedingt von Nöten und leiten daher diese Arbeit ein.
Auf Basis dieser Grundlagen zu Deweys Philosophie gehe ich im zweiten Teil zu einer direkten Arbeit am Werk „Demokratie und Erziehung“ über und setze mich mit dem Kapitel 4.: „Erziehung als Wachstum“ auseinander. Ich habe dieses Kapitel aufgrund seiner zentralen Bedeutung für die Theorie Deweys ausgewählt. Er zieht in ihm ent- scheidende Schlussfolgerungen für seine Philosophie der Erziehung: „(...) der Vorgang der Erziehung hat kein Ziel außerhalb seiner selbst; er ist sein eigenes Ziel“ weiter hält er fest, „(...) dass der Erziehungsvorgang beständige Neugestaltung, dauernden Neuauf- bau, unaufhörliche Reorganisation bedeutet“ 4 . Diese Schlussfolgerung ist das Ergebnis einer philosophischen Auseinandersetzung mit dem Prozess des Wachstums. Diese soll hier ausgehend von einer Grundthese nachvollzogen und erläutert werden.
Ich erkläre daher die Grundthese Erziehung ist Wachstum zum Ausgangspunkt meiner Untersuchung. Sie enthält zwei zentrale Begriffe: Erziehung und Wachstum. Es soll ge- klärt werden, was Dewey unter ihnen versteht. Daher werde ich eingangs folgenden Fragen nachgehen: „Was ist Erziehung?“ und „Was ist Wachstum?“. Die Bestimmung des Erziehungsbegriffes muss kapitelübergreifend erfolgen und bezieht sich im Wesent- lichen auf die Funktion, Gestalt und das Ziel der Erziehung. Der Wachstumsbegriff wird daraufhin exemplarisch anhand des Kapitels 4 erarbeitet. Hier werden primär die zentralen Begriffe des Kapitels- „Unreife“, „Bildsamkeit“ und „Gewohnheit“ näher be- stimmt und zur Gesamtkonzeption und den Grundlagen des Werkes in Beziehung ge-
3 Vgl. Apel, Theorie der Schule in einer demokratischen Industriegesellschaft, S. 35 ff.
4 Vgl. Dewey, John: Demokratie und Erziehung, übers. von E. Hulley, Braunschweig 1964, S. 75
2
stellt. Anschließend greife ich die Eingangsthese erneut auf und stelle auch ihre Bedeu- tung in den Zusammenhang zum Gesamtwerk. Darüber hinaus soll generell im Rahmen der Analyse die Grundintention Deweys erfasst und herausgearbeitet werden. Hierbei ist es notwendig sowohl unterrichtspraktischen als auch zeittheoretischen Faktoren Beach- tung zukommen zu lassen. Die Arbeit schließt mit der Zusammenfassung der wesentli- chen Erkenntnisse, einem Ausblick auf die schulische Umsetzung und die gegebene Ak- tualität des Konzeptes in der heutigen Zeit.
2. Grundlagen der Erziehungsphilosophie Deweys
2.1. Historischer Kontext
Ein Blick auf den historischen und sozial-kulturellen Hintergrund der amerikanischen Erziehung nach dem Bürgerkrieg gewährt eine Antwort auf die Frage nach Deweys Beweggründen, sich einer philosophischen Auseinandersetzung mit der Erziehung zu- zuwenden. Amerika erlebt in den Jahren nach dem Bürgerkrieg eine Phase des Wandels
- sowohl in der nationalen als auch schulischen Entwicklung. Zwischen diesen beiden Entwicklungen besteht jedoch ein gravierendes Missverhältnis. Auf den Bürgerkrieg folgen der industrielle Aufschwung und damit der allgemeine Aufstieg des Landes. Mit der Industrialisierung einher geht ein Wandel der gesellschaftlichen Lebenszusammen- hänge- die soziale Kluft wird größer. Eine neue Klasse bildet sich heraus - die des Pro- letariats, und die Gesellschaft steht vor neuen Anforderungen. Die „Idee der Demokra- tie“ kommt auf, doch die politische und gesellschaftliche Wirklichkeit ist vielmehr ge- prägt von Abhängigkeit und Standesunterschieden, als von Eigenverantwortung und selbstverantwortlichem Verstandesgebrauch. 5
Im Widerspruch zu diesen Umbrüchen hält die schulische Erziehung strikt an den alten Idealen fest, die vor dem Bürgerkrieg bestanden. Die amerikanische Erziehung steht in der Tradition einer „stark moralisierenden Weltsicht“ 6 , die religiös verbunden und vom „Misstrauen gegenüber der „menschlichen Natur“ geprägt ist. Einher geht eine Auffas- sung, welche körperliche Züchtigung nicht nur legitimiert, sondern ihr zudem eine „heilsame Wirkung“ zuspricht. Die Grundannahme, Wissen und richtiges Verhalten müsse „von außen“ anerzogen werden und stehe in Widerspruch zur Natur des Kindes,
5 Vgl. Apel, Theorie der Schule in einer demokratischen Industriegesellschaft, S. 70 f.
6 Suhr, Martin: John Dewey zur Einführung. Hamburg 1994, S. 31
3
lässt dem Lehrer die ungeteilte Autorität zukommen. 7 Unterrichtsstoffe sind festgelegt und allein durch die „Autorität der Älteren“ legitimiert. Das Ziel der Erziehung besteht letztlich in der auswendigen Wiedergabe dieser festen Inhalte durch den Schüler. 8
Deweys Philosophie der Erziehung muss als Kritik und Reform dieses offensichtlichen Missstandes verstanden werden. Er bezieht seine Ideen unmittelbar auf die Lebensum- stände, in denen er aufwächst und wirkt. Er orientiert sich bei seiner Arbeit an den be- stehenden Mängeln und sucht sie in ihr zu lösen.
2.2. Das Verhältnis von „Demokratie“ und „Erziehung“
Dewey verschriftlicht seine Gedanken und Ergebnisse und gibt diesem Werk den Titel „Demokratie und Erziehung“. Dieser Titel forciert die Frage, wie die Begriffe „Demo- kratie“ und „Erziehung“ in Deweys Werk zueinander stehen und warum er sie im Titel seines Werkes verbindet.
Wie bereits angeklungen ist, befasst Dewey sich in seinem philosophischen Konzept nicht allein mit den Missständen amerikanischer Erziehung, sondern bezieht sich viel- mehr auf gesamtgesellschaftliche Verhältnisse, denn für ihn sind gesellschaftliche Prob- leme und Erziehung untrennbar miteinander verbunden. Der Weg zu einer Verbesse- rung des gesellschaftlichen Zusammenlebens führt für Dewey allein über die Erziehung. Dewey verlangt daher eine Erziehung zum Menschen und meint damit die Erziehung zur Selbstbestimmung und Freiheit. Die Selbstbestimmung des Menschen verlangt von ihm allerdings, dass er vorhandenes Wissen nutzt, um Erfahrungen beständig zu erwei- tern. Diese Forderung steht ganz im Sinne seines „demokratischen Ideals“ 9 , nämlich die eigenverantwortliche Entscheidung jedem Gesellschaftsmitglied zu übertragen. „Demo- kratie ist [für Dewey] mehr als eine Regierungsform; sie ist in erster Linie eine Form des Zusammenlebens, der gemeinsamen und miteinander geteilten Erfahrungen“ 10 Eben diese gemeinsamen und miteinander geteilten Erfahrungen begründen den zwingenden Bezug von Demokratie und Erziehung. Die Erziehung ermögliche erst durch beständige Weitergabe der Erfahrungen den Fortbestand einer Gesellschaft. Diese Zusammenhänge führt Dewey in den ersten Kapiteln seines Werkes präzise aus: Die Lebenserhaltung des Individuums oder der Gruppe erfolgt nach Dewey durch Entwicklung bzw. Wachs-
7 Ebd.
8 Vgl. Suhr, John Dewey zur Einführung, S. 31 ff.
9 Ebd., S. 63
10 Dewey, Demokratie und Erziehung, S. 121
4
Arbeit zitieren:
Andrea Kröhnke, 2005, Untersuchung des Kapitels "Erziehung und Wachstum" aus "Demokratie und Erziehung" von John Dewey, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
John Dewey - Erziehungstheorie und Pragmatismus
Zwischenprüfungsarbeit, 22 Seiten
John Deweys Konzept zur staatsbürgerlichen Erziehung
Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie
Hausarbeit, 19 Seiten
Alkohol als gesellschaftliches und politisches Problem
Erschließung des Themenspektru...
Gemeinschaftskunde / Sozialkunde
Unterrichtsentwurf, 23 Seiten
Methoden und Verfahren der EDV-gestützten Personaleinsatzplanung
Informatik - Wirtschaftsinformatik
Studienarbeit, 54 Seiten
Erziehung, demokratische Gesellschaft und Erfahrung in Hinblick auf Jo...
Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie
Seminararbeit, 24 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Der Konstruktivismus als innovative Lerntheorie oder mehr Schein als S...
Pädagogik - Erwachsenenbildung
Hausarbeit, 33 Seiten
Die politischen Ziele und Feindbilder der Studentenbewegung
Geschichte Europa - Deutschland - Nachkriegszeit, Kalter Krieg
Hauptseminararbeit, 25 Seiten
Entspannung im Sportunterricht
Methoden für Kinder im Grundsc...
Sport - Sportpädagogik, Didaktik
Hausarbeit, 22 Seiten
Weltgesellschaft: Kritisiert die Al Qaida die globalen Modelle der Wel...
Geowissenschaften / Geographie - Sonstiges
Seminararbeit, 18 Seiten
Über die Metaphysik "Z" - die Ousia bei Aristoteles
Philosophie - Philosophie der Antike
Hausarbeit, 21 Seiten
Das Tafelbild und seine Funktion im Erdkundeunterricht
Geowissenschaften / Geographie - Didaktik d. Geographie
Hauptseminararbeit, 22 Seiten
Andrea Kröhnke hat den Text Untersuchung des Kapitels "Erziehung und Wachstum" aus "Demokratie und Erziehung" von John Dewey veröffentlicht
Andrea Kröhnke hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare