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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Prozess der Säkularisierung
2.1. Die Entwicklung
2.2. Die Ursachen
3. Die Funktion der Religion
3.1. Was ist Religion?
3.2. Religion und Kultur
3.3. Religion und Gesellschaft
3.4. Religion und Staat
3.5. Funktion der Religion nach Luckmann
3.6. Funktion der Religion nach Luhmann
4. Zusammenfassung
5. Literaturverzeichnis
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1. Einleitung
„Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer
herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volkes.“ 1
Diese Aussage von Karl Marx spiegelt deutlich seine religionstheoretische Auffassung wider, die seine Werke deutlich geprägt hat. Er bringt damit zum Ausdruck, dass er Religion für eine vom Menschen selbst geschaffene Institution hält, mit der dieser versucht, sich über gesellschaftliche Missstände zu trösten, um dieses ‚Jammertal’ besser ertragen zu können. Marx zufolge ist Religion eine notwendige Erscheinung in der Entwicklung der Menschheit, denn genauso zwangsläufig, wie die breite Masse in den Klassengesellschaften religiös sind, wird der Mensch die Religion später als eine überlebte Naivität von selbst ablegen. Religion in der Funktion eines terminierten Trostspenders?
Noch weiter gingen die Ansichten der französischen Vertreter des Materialismus, auch hier lag die These des dialektischen Materialismus zugrunde, der die Existenz von Gott bestreitet, doch sie bezeichneten Religion sogar als von Verbrechern erdachten, bewussten Betrug, der nur dem Zweck dienen konnte, den Menschen zu beherrschen. Der erste Schurke, der den ersten Narren traf, war der erste Priester... Religion in der Funktion als Werkzeug zur persönlichen Bereicherung? Von Durkheim und Weber bis hin zu Luckmann und Luhmann ist sich die Soziologie einig über die Rolle, die Religion allgemein in Gesellschaften spielt und über den Einfluss, den sie ausübt. Dies kann man dahingehend zusammenfassen, dass es keine Gesellschaft ohne Religion geben kann, da jede das Problem ihrer eigenen Kontingenz und auch der Kontingenz im allgemeinen zu bewältigen hat - nämlich die Frage nach der Funktion der Religion. Bevor diese Frage jedoch hinreichend beantwortet werden kann, wobei ich speziell die Theorien von Luhmann und Luckmann heranziehen werde, müssen zunächst die Zusammenhänge zwischen Religion und Kultur dargestellt werden, um die Funktionalität für das Individuum und somit auch für die Gesellschaft deutlicher hervorzuheben. Ebenfalls unerlässlich ist es in diesem Rahmen, das Augenmerk auf die Entwicklung der Stellung der Religion in der Gesellschaft zu richten. Hierbei gehe ich vor allem auf die These des Niedergangs der Religion ein, die seit dem 19. Jahrhundert in eher progressiven und konservativen Theorien zunächst vorausgesetzt wurde und erst jetzt kontrovers diskutiert wird.
1 Vgl. Marx/Engels-Werke, Bd.1, S.378
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Im Folgenden werde ich, nach der Darstellung des Säkularisierungsprozesses, durch das Beschreiben der Verknüpfungen mit Kultur, Gesellschaft und Staat die Bedeutung der Religion verdeutlichen und somit letztendlich ihre Funktion darzustellen.
2. Der Prozess der Säkularisierung
Seinen Ursprung hat der Begriff „Säkularisierung“ in dem lateinischen Wort „Saeculum“, womit die durch Sünde und Leid gezeichnete und sich in einem erlösungsbedürftigen Zustand befindende Welt bezeichnet wurde.
Doch zunächst einmal muss hier eine klare Abgrenzung der Begrifflichkeiten erfolgen. Während mit dem Begriff „Säkularisation“ der konkrete Prozess der Ablösung der weltlichen Macht der Kirche (einhergehend mit der Aufhebung von kirchlichen Privilegien und Hoheitsrechten sowie der Enteignung von Klöstern und Stiften zu Beginn des 19. Jahrhunderts) gemeint ist, versteht man unter „Säkularisierung“ vor allem den mentalen Prozess der Trennung von religiösen Organisationen und weltlicher Struktur. Die daraus entstehende Weltanschauung, die sich in Gänze auf die Immanenz beschränkt und auf darüber hinausgehende Fragen verzichtet, wird als „Säkularismus“ bezeichnet. Säkularisierung bedeutet Verweltlichung beziehungsweise Entkirchlichung und bezeichnet somit die Trennung von Staat und Religion. Sie umschreibt das ideenpolitische Vorgehen zum Abbau von religiösen Einflüssen auf die Gesellschaft insgesamt und die selbstbestimmte Lebensführung des Einzelnen. Dabei kommt es zur Abschaffung der Staatsreligion und einem erheblichen Machtverlust der religiösen Institutionen, vor allem der Kirchen.
2.1. Die Entwicklung
Schon mit dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 wurde mit dem Prinzip des cuius regio, eius religio ein Primat des Politischen vor dem Religiösen eingeläutet, das dann mit dem Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648 für das gesamte Reichsgebiet festgeschrieben wurde. Hier begann das, was als europäischer Prozess der Aufklärung bezeichnet wird: die Entstehung nationalstaatlicher Ordnungen, ein sich mehr und mehr entwickelndes und entfesselndes Wirtschaftssystem und nicht zuletzt ein wissenschaftliches Monopol der Wahrheit, dass sich mehr und mehr zum Feind der Religion entwickelte.
Arbeit zitieren:
Martin Wendt, 2003, Die Funktion der Religion im Prozess der Säkularisierung, München, GRIN Verlag GmbH
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