2
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 3
a) Thema und Fragestellungen 3
b) Forschungsliteratur und Quellen 4
c) Vorgehensweise 5
II. Die Grundlagen der völkischen Bewegung und ihrer Ideologie 6
III. Die Konservative Revolution als spezifische ideologische Formation der Weimarer
Republik 8
IV. Zur Biologie der Rasse 9
V. Zur Metaphysik der Rasse 11
VI. Die Kategorien „Nation“ und „Volk“ 12
a) Kritik der Staatsnation 13
b) Deutschland zwischen Kulturrelativismus und Sonderrolle 14
c) Die deutsche Sendung 15
d) Das aktive Nichts’ 17
VII. Antisemitismus 18
VIII. Konservative Revolution und Nationalsozialismus 19
IX. Fazit 20
X. Literaturverzeichnis 22
a) Primärliteratur 22
b) Sekundärliteratur 23
3
I. Einleitung
a) Thema und Fragestellungen
Beschäftigt man sich mit der Ideengeschichte der Weimarer Republik, gerät man schnell in die Versuchung, all ihre Phänomene als Vorspiel zum Nationalsozialismus zu betrachten. Mit der Kenntnis über die Ereignisse kann uns die Geschichte als eine Kausalkette erscheinen, die es nur noch gilt, der Reihe nach anzuordnen. Dies muss insbesondere gelten, untersucht man die Ideen und Schriften der Vertreter der so genannten ‚Konservativen Revolution’, denn zumindest auf der Ebene der Begrifflichkeiten erscheint die Verquickung mit der nationalsozialistischen Bewegung eng. Die Leitmotive ‚nationale Revolution’, ‚deutscher Sozialismus’, ‚neuer Nationalismus’ und die Kategorien von ‚Blut’, ‚Boden’, ‚Volk’ und ‚Nation’ suggerieren ex post eine ideengeschichtliche Einbahnstraße in Richtung Drittes Reich.
Für eine adäquate analytische Betrachtung der Ideengeschichte der Konservativen Revolution erscheint es deshalb notwendig, sie von einem hermeneutischen Blickwinkel der zwanziger Jahre aus zu analysieren. Mit dem Auge der Zeitgenossen betrachtet, erschien die NSDAP nur als gesellschaftliches Randphänomen, insbesondere intellektuell hatte diese Bewegung den Protagonisten der Konservativen Revolution wenig zu bieten 1 . Um so wichtiger ist es (auch für die Analyse des Nationalsozialismus’), die genuinen Positionen dieser neuen konservativen Nachkriegsbewegung zu untersuchen. Die vorliegende Arbeit widmet sich hierbei dem Teilaspekt der ‚völkischen’ Elemente dieser Ideologien, da die exemplarische Untersuchung des Spannungsfeldes von ‚Rasse’, ‚Volk’ und ‚Nation’ durchaus auch den Gesamtzusammenhang der Konservativen Revolution erhellen kann. Insbesondere wird diese Arbeit durch folgende Fragen geleitet: Wie kennzeichnet sich das Verhältnis der Konservativen Revolution zu ‚traditionellen’ völkischen Konzepten der Kaiserzeit und der völkischen Bewegung der Weimarer Republik? Welche Gemeinsamkeiten und welche Unterschiede lassen sich bei den Theoretikern der Konservativen Revolution in dieser Frage erkennen? Wo liegen die Bruchlinien und Überschneidungen zu den Nationalsozialisten?
1 Vgl. Breuer, Stefan: Ordnungen der Ungleichheit - die deutsche Rechte im Widerstreit ihrer Ideen 1871-1945,
Darmstadt 2001, S. 48; Sieferle, Rolf Peter: Die Konservative Revolution. Fünf biographische Skizzen,
Frankfurt 1995, S.19.
4
b) Forschungsliteratur und Quellen
Zur Frage der völkischen Elemente in der Ideologie der Konservativen Revolution finden sich keine Einzeldarstellungen. Dennoch wird dieser Problemkomplex in der einschlägigen Forschungsliteratur durchaus beachtet. So wird das Thema aufgenommen in den Monographien zu den einzelnen Protagonisten der Konservativen Revolution 2 , im Rahmen von Arbeiten zu wichtigen Organisationen der Konservativen Revolution 3 und natürlich in den Einzeldarstellungen zur Gesamtproblematik. Hier sei kurz auf zwei Grundtendenzen hingewiesen. Versuchen einige Darstellungen kurz nach Ende des 2. Weltkrieges, die ‚konservativen Revolutionäre’ von den Nationalsozialisten abzugrenzen, indem sie die Differenzen, insbesondere in der Rassenfrage, überbetonen 4 , stehen andere im Banne einer moralischen Schulddebatte 5 . In der überwiegenden Mehrzahl wird jedoch meist hervorgehoben, dass es insbesondere bei der Frage der Rassenproblematik und der Definition von Volk und Nation, große Differenzen innerhalb der Theorien der Konservativen Revolution gibt. Exemplarisch sei hier Stefan Breuer erwähnt, der im Zusammenhang mit der Positionierung zur Rassenfrage Ablehnende, Neutrale, Ambivalente und Befürworter von Rassekonzepten unter den Ideologen der Konservativen Revolution zu erkennen glaubt 6 . Hierauf ist im Folgenden noch einzugehen. Breuer hat unter anderem diese ideologischen Differenzen zum Anlass genommen, vom Konzept und von der Bezeichnung der Konservativen Revolution als kohärente Bewegung insgesamt Abstand zu nehmen 7 . Auch wenn Breuers These bisher eher auf Ablehnung gestoßen ist 8 , muss insbesondere seine jüngste Arbeit zum Thema 9 als kenntnisreicher, systematischer und detaillierter Vergleich der Schriften der deutschen Rechten gelten, der ideengeschichtlich mit seinen Kapiteln zum Thema „Blut“ und „Volk, Nation“ eine wichtige Grundlage der vorliegenden Arbeit bildet.
2 Beispielhaft sei hier angeführt Martus, Steffen: Ernst Jünger, Stuttgart/Weimar 2001; Sieferle, Rolf Peter: Die
Konservative Revolution. Fünf biographische Skizzen, Frankfurt 1995; Felken, Detlef: Oswald Spengler.
Konservativer Denker zwischen Kaiserreich und Diktatur, München 1988.
3 Bspw. Gossler, Ascan: Publizistik und konservative Revolution. Das „Deutsche Volkstum“ als Organ des
Rechtsintellektualismus 1918-1933, Hamburg 2001; Fritzsche, Klaus: Politische Romantik und Gegenrevolution.
Fluchtwege in der Krise der bürgerlichen Gesellschaft: Das Beispiel des „Tat“-Kreises, Frankfurt am Main 1976.
4 Insbesondere Mohler, Armin: Die Konservative Revolution in Deutschland 1918 - 1932, 3. erw. Aufl.,
Darmstadt 1989.
5 Petzold, Joachim: Wegbereiter des deutschen Faschismus, Köln 1978; Sontheimer, Kurt: Antidemokratisches
Denken in der Weimarer Republik, München 1968.
6 Breuer, Stefan: Anatomie der konservativen Revolution, Darmstadt 1993, S.87f.
7 Breuer, Stefan: Die „konservative Revolution“ - Kritik eines Mythos, in: Politische Vierteljahrszeitschrift,
31.Jg. 1990, H.4, S.585-607.
8 Beispielsweise Reuter, Norbert: Stefan Breuers „Anatomie der Konservativen Revolution“, in: Kölner
Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 46. Jg., 1994, S.530-32.
9 Breuer, Stefan: Ordnungen der Ungleichheit - die deutsche Rechte im Widerstreit ihrer Ideen 1871-1945,
Darmstadt 2001.
5
Abschließend sei noch auf eine aktuelle Studie von Wolfgang Puschner hingewiesen, welche die Anfänge und Entwicklungen der völkischen Bewegung im Kaiserreich analysiert und so auch wichtige Erkenntnisse für den vorliegenden Untersuchungszusammenhang liefert 10 . In der Hauptsache basiert die vorliegende Arbeit jedoch auf dem Studium der theoretischen Schriften von wichtigen Vertretern der Konservativen Revolution. Bei weitem nicht alle von ihnen haben sich zur völkischen Problematik geäußert, dennoch musste - um den Rahmen der Arbeit nicht zu sprengen - zusätzlich eine Auswahl der Autoren sowie ihrer Texte vorgenommen werden, die sich zumeist an den Kriterien der Wirkungsmacht und der inhaltlichen Prägnanz orientierte. Grundlage der Untersuchung sind dementsprechend Beiträge von Arthur Moeller van den Bruck, Ernst Jünger, Hans Freyer, Oswald Spengler, Wilhelm Stapel und Edgar Julius Jung 11 .
c) Vorgehensweise
Orientiert an den skizzierten Fragestellungen, erscheint es sinnvoll, in einem ersten Schritt die politischen und ideengeschichtlichen Grundlagen der völkischen Bewegung und der Rassenideologie darzustellen. Weiterhin gilt es, in aller Kürze eine Definition der Konservativen Revolution zu skizzieren, da die diesbezüglich unterschiedlichen Positionen der Forschungsdiskussion, insbesondere im Zusammenhang mit den Fragestellungen der vorliegenden Arbeit, eine Positionierung verlangen. Auf dieser Grundlage sollen dann die Positionen der Konservativen Revolution mit den Rasseideologien der völkischen Bewegung verglichen und eventuelle Gegenkonzepte umrissen werden. Daraufhin ist es notwendig, das Verständnis von ‚Volk’ und ‚Nation’ zu analysieren die Besonderheiten der einzelnen Vertreter anhand struktureller Einzelpunkte herauszuarbeiten. In einem gesonderten Punkt sollen dann insbesondere antisemitische Äußerungen beachtet werden, bevor die Ergebnisse abschließend vor dem Hintergrund des Nationalsozialismus gewichtet werden.
10 Puschner, Uwe: Die völkische Bewegung im wilhelminischen Kaiserreich: Sprache-Rasse-Religion,
Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2001.
11 Bezüglich des Nachweises der einzelnen Texte verweise ich auf das Literaturverzeichnis oder auf die
entsprechenden Zitatnachweise im Hauptteil der Arbeit.
6
II. Die Grundlagen der völkischen Bewegung und ihrer Ideologie
Die völkische Bewegung in Deutschland und somit auch ihre ideologischen Grundlagen sind keine Entwicklungen, die ihren Ursprung im 1. Weltkrieg oder in der Weimarer Republik haben, sondern ihre Anfänge lassen sich schon spätestens im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts finden 12 . Die völkische Bewegung in Deutschland berief sich nach Puschner hauptsächlich auf drei Schlüsselkategorien, um ihre Weltanschauung zu begründen: Rasse, Sprache und Religion, wobei „die völkische Rasseideologie als Generalschlüssel von völkischer Weltanschauung und Bewegung bezeichnet werden [kann]“ 13 . Beinahe alle dieser Rassekonstruktionen gehen auf den Weltanschauungsentwurf des Grafen J.A. Gobineau zurück, dessen „Essai sur l´inégalité des races humaines“ zwischen 1853 und 1855 geschrieben wurde und welcher zwischen 1898 und 1901 von Ludwig Schemann vollständig ins Deutsche übersetzt wurde. Für Gobineau ist Rasse eine biologische Konstante. Die Zugehörigkeit zu verschiedenen Rassen wird vor allem am körperlichen Erscheinungsbild deutlich, wichtig ist jedoch der Zusammenhang mit den Eigenschaften der Intelligenz und des sozialen Verhaltens. Das bestimmende Prinzip der Menschheitsgeschichte ist dementsprechend die fortschreitende ‚Vermischung’ der wenigen ursprünglich ‚reinen’ Grundrassen. Aufgrund dieses ‚Mischcharakters’ sind die meisten Rassen nicht in der Lage, Zivilisation zu schaffen. Einzig die ‚Arier’ haben sich diese Fähigkeit erhalten, die sie durch Vererbung an andere Rassen weitergeben können. Die ‚Blutvermischung’ bedeutet aber auch für sie den unaufhaltsamen Verlust ihrer kulturellen Überlegenheit und letztlich ihr Aussterben 14 . Gobineaus Weltsicht ist dementsprechend als statische Rassenkonstruktion zu bezeichnen, die von einem pessimistischen Weltuntergangsdeterminismus geprägt ist. Da Gobineau seine Thesen noch vor dem Erscheinen von Darwins „Origin of Species“ (1859) entwickelte, blieb es Georges Vacher de Lapouge vorbehalten, diese mit der biologischen Selektionstheorie Darwins zu verbinden 15 .
Mit der ideengeschichtlichen Grundlegung und ihrer Popularisierung begann sich die völkische Bewegung auch organisatorisch zu etablieren, seit der Jahrhundertwende kann man in Deutschland dementsprechend von einer Bewegung im eigentlichen Sinne sprechen. Zu erwähnen sei hier u.a. der „Deutschbund“ und die Zeitschrift „Heimdall“, aber auch die
12 Vgl. Puschner, S.14.
13 Ebenda, S.16.
14 Vgl. hierzu die Ausführungen von Hartung, Günther: Völkische Ideologie, in: Puschner, Uwe/Schmitz,
Walter/Ulbricht, Justus H. (Hg.): Handbuch zur „Völkischen Bewegung“ 1871 - 1918, München/New
Providence/ London/ Paris 1996, S.38; Breuer: Ordnungen, S.49f.
15 Breuer: Ordnungen, S.50.
Arbeit zitieren:
Stephan Bliemel, 2003, Von der ‚Rasse des Blutes’ zur ‚Rasse des Geistes’, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Pariser Kommune - Diktatur des Proletariats
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit, 19 Seiten
Die Religiosität der Rockkultu...
Seminararbeit, 30 Seiten
Die Nation bei Benedict Anderson
Konstruktivistische und essent...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit (Hauptseminar), 27 Seiten
Parteien im Regierungssystem der BRD
Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands
Seminararbeit, 18 Seiten
Die Entwicklung des politischen Katholizismus in Deutschland bis 1871 ...
Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung
Hausarbeit (Hauptseminar), 24 Seiten
Die Kommunale Finanzverfassung der Bundesrepublik Deutschland - Reform...
Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands
Hausarbeit (Hauptseminar), 32 Seiten
Die Richtlinienkompetenz des Bundeskanzlers
Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands
Hausarbeit (Hauptseminar), 28 Seiten
Die Julimonarchie in Frankreich und die Hintergruende für die Februarr...
Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Der Begriff der Kanzlerdemokratie
Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands
Hausarbeit, 17 Seiten
Rekonstruktion der sozialen Theorie nach Karl Marx
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Hausarbeit, 16 Seiten
Aristoteles über Staatstheorien und die beste Verfassung einer Polis
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit (Hauptseminar), 15 Seiten
Zum philosophischen Entwurf des Ewigen Friedens von Immanuel Kant
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Hausarbeit (Hauptseminar), 25 Seiten
Der Bundestag in der Europäischen Dimension
Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands
Hausarbeit (Hauptseminar), 16 Seiten
Stephan Bliemel's Text Von der ‚Rasse des Blutes’ zur ‚Rasse des Geistes’ ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Stephan Bliemel hat den Text Von der ‚Rasse des Blutes’ zur ‚Rasse des Geistes’ veröffentlicht
Stephan Bliemel hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare