Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Modellannahmen. 4
2.1 Quantitative gegen preisspezifische Betrachtung geldpolitischer
Ma ßnahmen. 4
2.2 Komplexitätsreduktion auf einen kurzfristigen und langfristigen
Zinssatz , sowie einen bilateralen Wechselkurs. 5
2.3 Unterscheidung zwischen nominalem und realem Zinssatz. 5
3. Kurz- und langfristiger Zinssatz und der Wechselkurs. 6
3.1 Schematischer Überblick. 6
3.2 Determination des kurzfristigen Zinssatzes. 6
3.3 Determination des Wechselkurses. 10
3.4 Determination des langfristigen Zinssatzes. 11
4. Implikationen für die staatswirtschaftliche Weichenstellung im Währungsbereich. 12
4.1 Feste oder flexible Wechselkurse. 12
4.2 Paradigmenwechsel des Marktes. 14
5. Ausblick. 15
II
1. Einleitung
Ein wichtiger Gegenstand der monetären Theorie ist die Klärung der Frage, wie sich monetäre Impulse, insbesondere die Maßnahmen der Zentralbank, auf den realwirtschaftlichen Sektor übertragen, und auf welche wirtschaftlichen Variablen diese Impulse genau wirken. Dies ist nicht nur aus theoretischem Forschungstrieb, sondern auch aus praktischen Gründen für die geldpolitischen Entscheidungsträger interessant.
Die Fiskalpolitik, die als Mittel zur aktiven Stabilisierung der Wirtschaft in den letzten Jahrzehnten zunehmend an Bedeutung verlor, hat in der Folge ihren Stellenwert an die Geldpolitik abgegeben. Parallel dazu etablierte sich eine neue geldpolitische Zielsetzung, nämlich die der Preisniveaustabilität, mit der Zentralbank als wichtigster Akteur im Rahmen ihrer Umsetzung.
Um das primäre Ziel der Preisniveaustabilität konsequent verfolgen zu können, müssen die geldpolitischen Entscheidungsträger ein klares Verständnis der Effekte ihrer Entscheidungen haben. Dabei gibt es allerdings keine Theorie mit umfassendem Erklärungs- und Gültigkeitsanspruch.
Die vorliegende Arbeit konzentriert sich auf die traditionelle Sicht der Transmissionstheorien, wobei der Fokus auf den spezifischen Preisen des Finanzmarktes (financial market prices) liegt. Im ersten Teil der Arbeit, „Modellannahmen“, erfolgt zunächst eine kurze Einführung. Es wird erklärt, warum der preislichen vor der quantitativen Betrachtung der Vorzug gewährt wird und warum eine Komplexitätsreduktion im Hinblick auf Zinssätze und Wechselkurse stattfindet. Der zweite Teil der Arbeit, „Kurz- und langfristiger Zinssatz und Wechselkurs“, erläutert das Zustandekommen und die Zusammenhänge zwischen Zinssätzen und Wechselkursen aus verschiedenen theoretischen Perspektiven. In diesem Zusammenhang wird der Versuch einer Beurteilung der Taylorschen Reaktionsfunktion für geldpolitische Maßnahmen unternommen. Im dritten Teil, „Implikationen für die staatswirtschaftliche Weichenstellung im Währungsbereich“, geht es um die Entscheidung des Staates, in welcher Weise die heimische Währung in das System internationaler Währungen in Bezug gesetzt werden sollte. Abschließend folgt ein Ausblick.
3
2. Modellannahmen
2.1 Quantitative gegen preisspezifische Betrachtung geldpolitischer Maßnahmen
Transmissionstheorien versuchen zu beschreiben, durch welche Wirkungsketten geldpolitische Impulse auf die gesamtwirtschaftliche Nachfrage, beziehungsweise auf das gesamtwirtschaftliche Angebot übertragen werden. Insbesondere spielen dabei die Auswirkungen auf das BSP und die Inflation eine Rolle. Die am Geldmarkt vorgenommenen geldpolitischen Handlungen der Zentralbank entfalten Wirkung auf die Kredit- und Einlagekonditionen der Geschäftsbanken, auf die Kapitalmarktzinsen und die Wechselkurse. Über den monetären Bereich wirken diese Impulse dann auf die Dispositionen der Nichtbanken und beeinflussen letztlich deren Ausgaben- und Preisentscheidungen. Für die monetäre Politik ist es deshalb von zentraler Bedeutung zu verstehen, wie diese Prozesse im Detail ablaufen.
Viele empirische Arbeiten über die Prozesse der Transmission haben die frühen Funde von Friedman und Schwartz (1963), daß Geldpolitik Veränderungen des realwirtschaftlichen Sektors bewirkt, bestätigt. 1 (Geld ist damit nicht neutral.) Eine Kontroverse hierüber findet infolgedessen nicht mehr statt. Die generelle Analyse der Effekte der Geldpolitik wird aus zwei verschiedenen Perspektiven betrieben. Zum einen durch eine Fokussierung auf die spezifischen Preise des Marktes. Dazu zählen kurzfristige Zinssätze, Diskontraten und Wechselkurse. Zum anderen durch eine Unterscheidung im quantitativen Sinne. Diese Umfaßt im engeren Sinne das Geldmengenangebot, Bankkredite und Bundesschatzbriefe.
Obwohl eine quantitative Analyse des Finanzmarktes nicht weniger wichtig erscheint als dessen preisliches Pendant, entstehen zunehmend Meßbarkeitsschwierigkeiten im Bereich der quantitativen Analyse. Die durch den Technologiewandel der letzten Jahre verursachten Definitionsschwierigkeiten der aggregierten Geldmengen M1 und M2 nehmen der quantitativen Betrachtungsweise zunehmend den analytischen Boden. 2 Bernanke und Blinder (1992) argumentieren, daß sich Innovationen hinsichtlich des Geldverkehrs wie Schocks auf die Geldnachfrage auswirken, und daher
1 Friedman, Milton und Schwartz, Anna (1963): „A Monetary History of the United States 1867-1960”, Princeton University Press, N.J
2 Taylor, John B. (1995): “The Monetary Transmission Mechanism: An Empirical Framework”, in: Journal of Economic Perspectives, 9 (4), 20
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Geldmengenaggregate nicht benutzt werden sollten, um geldpolitische Maßnahmen zu analysieren. 3 Der preislichen Analyse wird infolgedessen hier der Vorzug gewährt.
2.2 Komplexitätsreduktion auf einen kurzfristigen und langfristigen Zinssatz, sowie einen bilateralen Wechselkurs
Zur Modellierung eines preisspezifischen Transmissionsmechanismus benötigt man zahlreiche Daten des Finanzmarktes. Typischerweise sind dies die Wechselkurse, die langfristigen Zinssätze und die kurzfristigen Zinssätze. Da das Spektrum von Wechselkursen und Zinssätzen nahezu unendlich groß ist, ist es für das Verständnis der komplizierten Vorgänge einer monetären Transmission hilfreich eine Reduktion der Komplexität vorzunehmen. Deshalb beschränkt man sich im Rahmen einer preislichen Analyse normalerweise auf einen repräsentativen kurzfristigen und langfristigen Zinssatz, und einen repräsentativen bilateralen Wechselkurs.
Die aus dieser Selektion resultierende Komplexitätsreduktion findet deshalb statt, weil Schwierigkeiten darin bestehen, ein stabiles Modell, das alle Korrelationen der verschiedenen lang- und kurzfristigen Zinssätzen berücksichtigen könnte, zu entwickeln. 4 Deshalb wird exemplarisch für den gesamten Finanzmarkt ein kurzfristiger Zinssatz, wie der „federal funds“ Zinssatz in Amerika oder der „call money“ Zinssatz in Deutschland, als Analysekriterium gewählt. Analog gilt dies für den langfristigen Zinssatz. Hierbei wird auf einen Zinssatz mit einer Fälligkeit im Zehnjahresbereich, wie der eines Bundesschatzbriefs, zurückgegriffen.
2.3 Unterscheidung zwischen nominalem und realem Zinssatz
Bei der Fällung von geldpolitischen Entscheidungen ist der reale Zinssatz, der vom nominalen Zinssatz zu unterscheiden ist, ausschlaggebend. Der Zusammenhang zwischen beiden Größen wird maßgeblich von zwei Faktoren bestimmt. Erstens den Erwartungen der Individuen, d.h. vom Ausmaß des Prognosefehlers. Und zweitens der Preisflexibilität. Ein Anstieg des nominalen Zinssatzes wird einen Anstieg des realen Zinssatzes nach sich ziehen, falls sich die erwartete Inflationsrate nicht im gleichen Umfang erhöht. Dies setzt voraus, daß die Informationen der Individuen hinsichtlich der monetären Politik
3 Bernanke, Ben S. und Blinder, Alan S. (1992): „The federal funds rate and the channels of monetary transmission.“, in: American Economic Review, 82 (4), 901-921
4 Taylor, John B. (1995): “The Monetary Transmission Mechanism: An Empirical Framework”, in: Journal of Economic Perspectives, 9 (4), 21
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Arbeit zitieren:
Dr. Engin Karatas, 2004, Währungspolitik und geldpolitische Transmission, München, GRIN Verlag GmbH
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