Eberhard Karls Universität Tübingen
Zola und der Naturalismus
dargestellt am Roman Thérèse Raquin sowie, an der Abhandlung Le roman expérimental
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Inhaltsverzeichnis
Seiten
1. Einleitung 3
2. Der Naturalismus 4
2.1 Definitionen 4
2.2 Realismus und Naturalismus 4
2.3 Einflüsse auf Zolas naturalistische Konzeption 5
3. Thérèse Raquin 7
3.1 Inhaltsangabe des Romans 7
3.2 Zolas Stellungnahme zum Roman 8
4. Le roman expérimental 11
4.1 Der Einfluss Claude Bernards 11
4.2 Zolas Erweiterung des Experimentalromans 13
4.3 Kritik an Umsetzung beider Methoden 16
5. Schlusswort 18
6. Literaturverzeichnis 19
6.1 Primärliteratur 19
6.2 Sekundärliteratur 19
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1. Einleitung
„Ah! Oui, les naturalistes, ces gens qui ont les mains sales, qui veulent que tout les romans soient écrits en argot et qui choisissent de parti-pris les sujets les plus dégoûtants, dans les basses classes et les mauvais lieux “. 1 Anhand dieser Äußerung aus dem roman expérimental 2 ist gut erkennbar, welche Inhalte der Naturalismus hatte und welche Ziele er verfolgte. Demnach legte auch Zola, als Hauptvertreter des französischen Naturalismus, seine Romane danach aus. Der Naturalismus beruht auf dem Realismus, der versuchte die damalige zeitgenössische Gesellschaft literarisch darzustellen. Der Naturalismus ging einen Schritt weiter, indem er alles naturgetreu dokumentierte, Kritik am Bürgertum äußerte und das moralische und wirtschaftliche Elend der Zeit beschrieb. 3 Damit sollte die Gesellschaft gewarnt und Verbesserungsvorschläge erzielt werden.
Im Folgenden wird der Schwerpunkt jedoch weniger auf dem Naturalismus und seiner Entwicklung selbst liegen. Vielmehr soll die naturalistische Konzeption Zolas an Romanbeispielen herausgearbeitet und anhand verschiedener Beispiele verdeutlicht werden. Anschaulich wird dies am Vorwort zur 2. Auflage von Thérèse Raquin 4 , am Roman selbst und an Zolas literaturtheoretischer Abhandlung Le roman expérimental.
Neben dem naturalistischen Aspekt existiert in beiden Werken ein wissenschaftlicher Aspekt. Angeregt wurde Zola durch den Physiologen Claude Bernard, der in seiner Schrift Introduction à l’étude de la médecine expérimentale die Experimentalmethode in der Medizin veranschaulichte. Zola nahm ihn zum Vorbild für seine Abhandlung, in der er die experimentelle Methode Bernards auf die Literatur übertrug. Bereits in Thérèse Raquin kommen wichtige Elemente des Experimentalromans zur Geltung, obwohl dieser später entstanden ist.
Die folgende Darstellung wird mit einer kurzen Definitionsklärung einiger Begriffe beginnen und dann auf den Naturalismus zu sprechen kommen. Anschließend wird der Roman Thérèse Raquin erläutert. Dem schließt sich die Darstellung des roman expérimental an, wobei auch Bezug auf Claude Bernards Schrift genommen wird. Schließlich wird eine kritische Gegenüberstellung beider Methoden die Gesamtdarstellung beenden.
In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob die Experimentaltheorie, die auf die Medizin bezogen ist, auch auf die Literatur übertragen werden kann. Ist eine solche Anwendung sinnvoll und kann sie überhaupt funktionieren?
1 Bafaro, Georges, Le roman réaliste et naturaliste, Paris 1995, S. 58.
2 Zola, Emile, Le roman expérimental, 5. Auflage, Paris 1880, S. 1-53.
3 Vgl. Schweikle, Günther und Irmgard (Hrsg.), „Naturalismus“, in: Metzlers Literaturlexikon – Begriffe und Definitionen, 2. überarb. Auflage, Stuttgart 1990, S. 320.
4 Zola, Emile, Thérèse Raquin, hrsg. v. Robert Abirached, 2. Auflage, Paris 2001.
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2. Der Naturalismus
Vor der näheren Auseinandersetzung mit dem Begriff „Naturalismus“, muss dieser zunächst definiert werden, um ihn im Zusammenhang mit Zola verstehen zu können.
Der Naturalismus ist: 1. eine allgemeine und überzeitliche Stiltendenz in der Kunst, die versucht, die Wirklichkeit genau abzubilden, ohne subjektive Beimischung oder Sti-
Des Weiteren müssen noch Begriffe erklärt werden, die für den Naturalismus grundlegend sind und die im Verlauf dieser Darstellung genannt werden.
Determinismus: Philosophische Lehre, dass der menschliche Wille rein von äußeren Ursa-
Positivismus: In der zweiten Hälfte des 19. Jh. orientierte sich die Literatur auch, wie am
2.2 Realismus und Naturalismus
Die Literatur des 19. Jh. wird neben der Romantik insbesondere vom Realismus und Naturalismus geprägt. Aus dem Realismus, welcher einen großen Teil dieser Epoche einnimmt, entsteht später der Naturalismus. Deshalb soll im ersten Schritt der Realismus dargestellt werden, um dann Idee,
5 Schweikle, „Naturalismus“, S. 320.
6 Wahrig, Gerhard; Krämer Hildegard; Zimmermann, Harald (Hrsg.) , „Determinismus“, in: Brockhaus Wahrig Deutsches Wörterbuch, Bd. 2, Stuttgart 1981, S. 205.
7 Vgl. Schweikle, Günther und Irmgard (Hrsg.), „Positivismus“, in: Metzlers Literaturlexikon – Begriffe und Definitionen, 2. überarb. Auflage, Stuttgart 1990, S. 360.
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Entwicklung und Inhalt des Naturalismus im zweiten Schritt erläutern und nachvollziehen zu können.
Um 1830 entwickelte sich der Realismus in Frankreich. Diese Zeit war von restaurativen Tendenzen in Politik und Gesellschaft geprägt, d.h. man bemühte sich die feudalen Zustände wiederherzustellen, die vor der Revolution von 1789 bestanden. Des Weiteren erfasste die Industrialisierungswelle auch Frankreich und der Blick fiel jetzt erstmals auf Arbeiter und Kaufleute, die im Gegensatz zum Adel und zum Klerus standen, da sie die Arbeiterschaft der Gesellschaft bildeten. Die Literatur befasste sich alsbald mit dieser sozialen Klasse, die die breite Masse der Bevölkerung darstellte. 8 Außerdem spielte Auguste Comte eine bedeutende Rolle. In seiner Abhandlung La sociologie (1830-42, Cours de philosophie positive) geht er davon aus, dass die Menschen die positive Stufe erreicht haben. Das Wort positiv steht für das tatsächlich Gegebene. Hypothesen, die nicht nachprüfbar sind, sowie der Subjektivismus, als irreale Gefühlswelt der Romantiker, werden abgelehnt. Nur die nachprüfbare Welt alleine zählte. Die Autoren des Realismus (z.B. Balzac, Flaubert) versuchten also das Naheliegende, die Gesellschaft ihrer Zeit literarisch darzustellen. 9 Die Romanautoren des Naturalismus (ca. 1870-1900) entwickelten die Darstellungsweise der realistischen Autoren weiter. Diese sollte dem Genauigkeitsideals des experimentierenden Naturforschers entsprechen. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit lag nun in der naturgetreuen Dokumentierung von Vorkommnissen. Der Naturalismus beschäftigte sich in der Literatur vorzugsweise mit dem moralischen und wirtschaftlichen Elend in Kleinbürgertum und Proletariat. Er behandelte die Situation der Ausgestoßenen in den Großstädten und nahm Bezug auf Armut, Krankheit, Verbrechen usw.. Der Naturalismus kritisiert besonders das Bürgertum und dessen doppelte Moral und Gleichgültigkeit gegenüber Problemen der entstehenden Industriegesellschaft. Der Naturalismus zielt auf soziales Mitgefühl des Lesers ab und liefert zum Teil auch Vorschläge zur Verbesserung der bestehenden Zustände. 10 Hauptvertreter des europäischen Naturalismus wurde der Franzose Emile Zola (1840-1902).
2.3 Einflüsse auf Zolas naturalistische Konzeption
Erste Grundlagen für eine literarische Theorie des Naturalismus lieferten die Brüder Edmond und Jules de Goncourt (1822-1896 und 1830-1870). In ihrem Roman „Germinie Lacerteux“ (1864) beschreiben sie die Geschichte eines Dienstmädchens, das heimlich ein uneheliches Kind zur Welt bringt, dann ihre Hauptbezugsperson verliert und schließlich der Trunksucht und Prostitution verfällt. 11 Bei den Brüdern de Goncourt ist bereits der wissenschaftliche Charakter im Roman festzustellen, denn einerseits werden die damaligen Lebensverhältnisse deutlich und andererseits wird der körperliche und psychische Verfall des unglücklichen Dienstmädchens durch Trunkenheit, Diebstahl und bis hin zum Tod dargestellt und analysiert. Die Brüder de Goncourt wollten die
8 Vgl. Klingner, Edwin, Kleine Geschichte der französischen Literatur, Düsseldorf 1990, S. 33.
9 Ebda.
10 Vgl. Schweikle, „Naturalismus“, S. 320.
11 Klingner, Kleine Geschichte, S. 40.
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Anne Sophie Günzel, 2003, Zola und der Naturalismus, dargestellt am Roman Thérèse Raquin, sowie der Abhandlung Le roman expérimental, München, GRIN Verlag GmbH
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