- auf der rechten Schulter ist ein Umhang zu erkennen
- über Brust verläuft diagonal ein schmales Band, auf dem Michelangelo signiert hat
- faltenreiches Tuch auf dem gesenkten Haupt; Haare nicht sichtbar
- linke Hand hält sie auf Jesus Kniehöhe mit nach oben geöffneter Handfläche; einziges Anzeichen ihrer Verzweiflung, des Schmerzes
- rechte Hand stützt Jesus Oberkörper unter seiner rechten Achsel
- rechtes Bein auf Erhöhung auf der Plinthe aufgestützt, um Jesu Oberkörper besser stützen zu können
- Jesus: auf Marias Schoß liegender Halbakt
- trägt lediglich ein Tuch (Bahrtuch) um die Hüfte, bedeckt nur notdürftig die Scham
- Haupt mit geschlossenen Augen nach hinten geneigt, liegt auf Marias Arm
- Bart und Haare sind stilisiert
- rechter Arm hängt leblos am Körper herab
- Körper (anatomisch) wohlgeformt, nicht durch Wunden entstellt
- wirkt fast friedlich schlafend
- linker Fuß ragt in die Luft und wird von einem kurzen Baumstumpf gestützt
- rechter Fuß steht fast im rechten Winkel auf dem Boden
- Plinthe ist grob behauen und wirkt gemeinsam mit dem Stützelement rechts neben der Skulptur wie ein Fels
1.2. Oberfläche:
- Carrara Marmor poliert und geglättet
- Glanzstellen und Reflexe durch das Licht aufgrund der starken Politur è Lebendigkeit
- Unterschiedliche Oberflächengestaltung Haut, Haaren (stilisierte Locken), Plinthe, Gewand und Baumstumpf è Betonung der Stofflichkeit
- Adern und Muskeln durch genaue Oberflächengestaltung gut sichtbar -> reale Wirkung
- Gesicht der Maria auf Hochglanz poliert è jugendliches, jungfräuliches Aussehen
- auch Jesus ist sehr stark poliert -> Kontrast zu Marias faltenreichem Gewand
- Kontrast zwischen rauhen und planen Flächen des Stützelements und den planen Flächen der Plinthe zu den organischen, plastischen Formen des Körpers
- Eigenfarbigkeit des Materials durch Licht- Schattenspiel betont
- Figur erscheint in einem weichen Licht, da der Marmor transluzid (Licht scheint durch oberste Schicht des Marmors) wirkt
- Bearbeitung der Plinthe durch Linien und Löcher läßt Feinheit der Figuren hervortreten
1.3. plastische Elemente und Proportionen:
- weich fließende Übergänge von konkaven und konvexen Körperformen, bei Jesus gut zu sehen, beispielsweise konkave Formen der Schulter, des Knies und konvexe Form der Achsel und der Kniebeuge
- exakte Detailbearbeitung droht die Gesamtwirkung zu übertreffen
- der Anatomie entsprechend plastisch gestaltet
- Licht bietet individuelle Ansicht, verändert sich, da viele Wölbungen
- faltenreiche Oberfläche mit zahlreichen Wölbungen und Einbuchtungen, Furchen und Graten am Gewand Marias è schafft maximale Plastizität è Hell- Dunkel- Effekte
è erzeugt Beweglichkeit, Dynamik und Lebendigkeit è betont organischen, anatomisch korrekten Körper Jesu
- Umrißlinie durch Körperformen bestimmt; offen und geschlossen
- rechte konkave Seite Marias steht im Kontrast zu ihrer rechter eher konvexen Seite
- Hohlräume
- Proportionen wirken harmonisch und symmetrisch, trotz des verlängerten Rückens der Maria
- Ausgleich des gewaltigen Gewandes der Maria durch die liegende Position Jesu
1.4. Komposition:
- Goldener Schnitt: Kontrastierung der Körperteile als Spannungselemente
- Maria sitzt vertikal auf Stein (verlängerter Rücken), Jesus liegt horizontal auf Marias Schoß è pyramidenförmige Dreiecksfigur è kreisförmige Anordnung
- strenge Linienführung
- die Beine Jesu, die fast im rechten Winkel auf dem Boden stehen bilden einen harmonischen Ausgleich zu dem Stützelement (Stein)
- Maria strebt trotz des Blicks nach unten nach oben
- Komposition ist eher horizontal ausgerichtet, da Jesus im Vordergrund quer über die gesamte Skulptur liegt -> ein Ausgleich dazu bildet nur der hohe Sockel, der die vertikale Position der Maria verlängert
- parallele steigende und fallende Diagonalen strukturieren die Skulptur
- Marias Körperachse macht nur einen geringen Knick in die vom Betrachter aus gesehen rechte Richtung, dadurch sitzt sie nicht in der Mitte
- Jesus Oberschenkel bilden, wenn man den Sockel außer Acht läßt, genau die horizontale Mitte der Skulptur
1.5. Volumen und Raum:
- Hauptgewicht in Marias Unterkörper und Gesäß
- Hauptvolumen liegt trotz der vielen Hohlräume in Marias Gewand in dem untern Teil ihres Körpers, in ihrem Oberkörper
- Teilvolumina sind ihr Kopf und ihre Hände
- bei Jesus liegt das Hauptgewicht auf den Schultern und ebenfalls im Gesäß
- das Hauptvolumina liegt in seinem Oberkörper und seinem Gesäß, große Volumina sind auch noch seine Oberschenkel
- Teilvolumina sind der Kopf, seine rechte Hand und sein rechter Arm, seine Unterschenkel und Füße
- die Skulptur ist durch die vielen konkaven und konvexen Formen raumgreifend (Kopf Jesu, Füße, Kopf und Schultern, linker Arm, Oberschenkel Maria)
- Hohlräume im unteren Teil des Gewandes aktivieren Raum, wie auch Durchbrüche unter Jesus rechtem Arm und seinem rechten und linken Bein
- Raum wird nur teilweise verdrängt, beispielsweise durch den Kopf Jesu und das daran anliegende Gewand (geschlossene Umrißlinie)
- sie nehmen mit ihrem Blick keinen Bezug zum Umraum, Maria blickt au den leblosen Körper Jesu und seine Augen sind geschlossen
- raumoffen, jedoch abwesend
- allansichtig, hat jedoch Hauptansicht, die auf Frontalität ausgerichtet ist
2.1. Idee und Form:
- 1. Römische Periode
- Renaissance Kunstwerk, Michelangelo einer ihrer Hauptvertreter „uomo universale“
- Meisterwerk
o Anerkennung seiner Zeitgenossen
o Geld (half verarmter Familie, lebte selbst in ärmlichen Verhältnissen)
o Florentiner fordern Rückkehr
- Schönheit
- ovaler Kopf und die Geste der linken Hand gehen auf den Christus im „letzten Abendmahl“ von Leonardo da Vinci zurück
- großartige Ausgestaltung des Gewandes geht auf die Künstler der Frührenaissance, v. a. Donatello zurück
- das faltenreiche Gewand betont die Zartheit Marias Gesichtes, die Idee der unschuldigen Maria
- Michelangelo war 23 Jahre, als er dieses Werk schuf (danach „David“)
- Initialen auf der Scherpe, einzige Skulptur, die Michelangelo je signiert hat
- Signatur auf der Scherpe (einzige), Skulptur wird zum Kunstwerk
- Renaissance
- Ästhetik im Mittelpunkt:
- Maria jugendlich, vital, schön, unschuldig; überirdisch verklärt, dem Willen Gottes ergeben
- Jungfräulichkeit und Reinheit
- Ausdruck der inneren Gefühle, des geistigen Gehalts der Figuren; Michelangelo
will keine genaue Illustration, konkrete Darstellung der Geschichte Jesu darstellen
- Jesus ohne Verletzungen, makellos, keine Spuren der Qualen, entspannt im Schoß der Mutter
- Neoplatonischer Glaube, daß ein edler Geist durch äußere Schönheit ausgedrückt wird
- Die Schicksalsergebenheit Marias fordert den Betrachter dazu auf, den Tod als gottgegeben zu akzeptieren
- Rückgriff auf die Antike -> ein schöner Körper ist das höchste Gut
- Problem der Darstellung eines mittelalterlichen Themas mit den Mitteln des Schönheitsideals der Antike
- Pièta = Zusammenwirken der mittelalterlichen Kunst mit der in Italien aktuellen antikisierenden Kunst
- Hochglanzpolitur: ewige Schönheit
- Schönheit der Darstellung: Idealisierung
- keine Angst vor dem Tod
- Jesus Geist ist erlöst
- Erlöserglaube des tief religiösen Michelangelos kommt zum Ausdruck, gibt dem
Arbeit zitieren:
Dorothea Rotberg, 2002, Michelangelo - Werke - Renaissance, München, GRIN Verlag GmbH
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