Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialgeographie
Seminar/Übung: Bevölkerungsgeographie (Hauptseminar)
Wintersemester 2002 / 2003
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1. Einleitung 4
2. Strukturmerkmale der Bevölkerung 5
2.1 Die demographischen Merkmale 5
2.2 Die rassischen und ethnisch-kulturellen Merkmale 6
2.3 Exkurs: Das Phänomen der Segregation 7
2.4 Sozio-ökonomische Merkmale 8
3. Die Sozialökologie 10
3.1 Die Entstehung und Entwicklung der Sozialökologie 10
3.2 Die Forschungsrichtungen der Sozialökologie 11
3.2.1 Die klassische Sozialökologie 11
a) Der ökologische Aspekt der klassischen Sozialökologie 11
b) Der soziale Aspekt der klassischen Sozialökologie 12
c) Stadt- und Stadtstrukturmodelle 15
i) Das Modell der konzentrischen Zonen Burgess (1925) 15
ii) Das Sektorenmodell von Hoyt (1939) 17
iii) Das Mehrkerne-Modell von Harris und Ullman (1945) 19
3.2.2 Die neo-klassische Sozialökologie 21
3.2.3 Die Sozialraumanalyse von Shevky und Bell (1955) 22
a) Der theoretische Hintergrund der Sozialraumanalyse 22
b) Die Dimensionen der Sozialraumanalyse 24
c) Anwendungsbeispiel zur kleinräumigen Analyse der Bevölkerungsstruktur 27
3.2.4 Die Faktorialökologie 30
a) Die Faktorenanalyse 30
i) Eine allgemeine Einführung 30
ii) Die Faktorenanalyse in der Sozialgeographie 32
b) Anwendungsbeispiel zur kleinräumigen Analyse der Bevölkerungsstruktur 32
c) Die Faktorialökologie aus einer kritischen Perspektive 36
i) Das erste Problemkomplex: Die Datengrundlage 36
ii) Das zweite Problemkomplex: Die Ausgangsvariablen 38
iii) Das dritte Problemkomplex: Die Methodik und technische Verfahren 39
iv) Das vierte Problemkomplex: Die Etikettierung und Interpretation 40
d) Der praktische Nutzen von faktorialökologischen Untersuchungen 40
4. Zusammenfassendes Fazit 42
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1. Einleitung
Die Bevölkerung einer beliebigen Raumeinheit setzt sich aus Individuen, die bestimmte angeborene, ererbte oder erworbene Merkmale tragen, zusammen. Wählt man als Raumeinheit beispielsweise eine Stadt, so können sich diese Merkmalsträger, also Menschen, auf unterschiedlichster Weise innerhalb dieser Stadt räumlich verteilen. Dabei kommt es nicht selten vor, daß gerade solche Individuen, die durch gleiche oder ähnliche Merkmale charakterisiert sind, sich zufällig oder bewußt gruppieren und somit die soziale Gliederung der Stadt, die sich auch im räumlichen Anordnungsmuster dieser unterschiedlichen Gruppen ausdrückt, beeinflussen. Damit allerdings die sozialräumliche Gliederung einer Raumeinheit erfaßt werden kann, ist es unabdingbar, die Struktur der Bevölkerung, die in ihr lebt, genau zu erfassen. Der Gegenstand dieser Arbeit setzt genau an dieser Stelle an: Denn das Ziel dieser Arbeit ist es, einerseits theoretische und praktische Ansätze aus der Sozialökologie vorzustellen und andrerseits zu zeigen, daß diese Ansätze dazu dienen können, die Bevölkerungsstruktur in einem kleinräumigen Rahmen zu analysieren und damit die sozialräumliche Gliederung einer räumlichen Untersuchungseinheit zu bestimmen.
Im ersten Teil werden hinführend auf den Hauptteil dieser Arbeit, die wichtigsten Merkmale einer Bevölkerung, die ihre Struktur bestimmen, vorgestellt. Dazu gehören demographische, rassische, ethnisch-kulturelle und sozio-ökonomische Merkmale, deren Grundlage Daten aus Volkszählungen und anderen Erhebungen bilden. Im Hauptteil dieser Arbeit wird zunächst eine historisch geleitete Einführung in die sozialökologische Forschung geliefert. Dabei geht es um die Entwicklung der Sozialökologie von der klassischen Sozialökologie, über die neo-klassischen Richtungen, zu den zwei bedeutendsten Ansätzen - die Sozialraumanalyse und die Faktorialökologie. Da mit dem klassischen Ansatz auch drei schematischen Stadtmodelle von Burgess, Hoyt und Harris und Ullman einher gehen, soll ebenso auf deren Inhalte skizzenhaft eingegangen werden. Der eigentliche Schwerpunkt dieses Hauptteils liegt allerdings auf der kritischen Erörterung der Sozialraumanalyse und der Faktorialökologie. Dabei sollen zwei empirische Untersuchungen, die in Hamburg (1977) und München (1993) durchgeführt wurden, die Anwendung dieser beiden Ansätze zur kleinräumige Analyse der Bevölkerungsstruktur exemplifizieren. Diese Arbeit wird mit einer Diskussion über den praktischen Nutzen von sozialökologischen Analysen für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft abgeschlossen.
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2. Strukturmerkmale der Bevölkerung
Die Zusammensetzung der Bevölkerung kann in Anlehnung an Bähr (1992) nach demographischen, rassischen bzw. ethnisch-kulturellen und sozio-ökonomischen Merkmalen charakterisiert werden.
2.1 Die demographischen Merkmale
Die demographischen Merkmale umfassen im wesentlichen das Geschlecht und das Alter, sowie die Familien- und Haushaltsstruktur:
Grundsätzlich kann die Bevölkerung, sofern aktuelle und verlässliche Daten aus Volkszählungen und anderen Erhebungen vorliegen, ohne Probleme nach dem Geschlecht gegliedert und in Form der Sexual- oder Geschlechterproportion dargestellt werden. Diese Kennziffer bringt die Relation der männlichen Bevölkerung pro 100 oder 1.000 Personen des weiblichen Geschlechts (oder vice versa) zum Ausdruck. Es ist also ein Maß zur Feststellung der Ausgeglichenheit beider Geschlechter bzw. zur Ermittlung von geschlechterspezifischen Überschüssen oder Defiziten. Der Altersaufbau der Bevölkerung zählt so wie die Sexualproportion zu den fundamentalen Strukturmerkmalen der Bevölkerung. Denn die Altersstruktur dient z.B. als Basis für die Bewertung des Arbeitskräftepotentials, für die Beurteilung der Tragfähigkeit des Sozialversicherungssystems oder des Bedarfs an öffentlichen Versorungseinrichtungen. Aus praktischer Notwendigkeit werden zur Charakterisierung der Alterstruktur bestimmte Altersjahrgänge zu Gruppen klassiert. So können z.B. alle Kinder und Jugendlichen in die Gruppe der „0- bis 14-jährigen“, die Personen im erwerbsfähigen Alter in die Gruppe der „15- bis 64-jährigen“ und die alten Menschen in die Gruppe der „65-jährigen und älter“ eingeordnet werden. Außer den Kennziffern, die auf dieser Einteilung fußen können - wie z.B. der Abhängigkeitsindex, der die Relation zwischen der Summe aus Kindern und Alten zu den Personen im erwerbsfähigen Alter angibt - hat vor allem die Verwendung von Alterspyramiden zur graphischen Veranschaulichung der Altersstruktur breite Anerkennung gefunden. 1 Für die Bevölkerungsstruktur nach demographischen Merkmalen ist neben dem Geschlecht und Alter, auch die Familienstandsgliederung von Bedeutung. Dabei geht es letztlich um die Stellung des Einzelnen in seinem Lebenszyklus. 2
1 Vgl. Bähr, J. (1992, S.174ff.)
2 Die Stellung im Lebenszyklus kann in Anlehnung an das Lebenszykluskonzept von Glick aus dem Jahre 1947 ermittelt werden. In diesem Konzept werden die wesentlichen Phasen des Lebens schematisch eingeteilt, wobei die Determinanten jeder einzelnen Phase analysiert und beschrieben werden. Vgl. Goller (1997, S. 21).
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Grundsätzlich kann der Familienstand der Bevölkerung nach Ledigen, Verheirateten, Verwitweten und Geschiedenen differenziert werden. Die Familienstandsgliederung ist in einem engen Verhältnis zur Zusammensetzung von Familien und Haushalten zu sehen. „Die Familie wird heute im allgemeinen primär als soziobiologische Einheit gesehen, deren Zusammensetzung im Regelfall auf verwandtschaftliche Beziehungen der zusammenwohnenden Mitglieder beruht, während der Haushalt eine sozio-ökonomische Einheit bildet, als deren Merkmal neben der gemeinsamen Wohnung vor allem die gemeinsame Haushaltsführung hervorgehoben wird“ (Bähr 1992, S.240). Daraus folgt also, daß in einem Haushalt nicht notwendigerweise auch eine Familie leben muß, wie z.B. in einer (studentischen) Wohngemeinschaften. Bei der Analyse der Bevölkerungsstruktur sind unter anderem die Zahl der Familien- und Haushaltsmitglieder, ihre Geschlechter, ihr Alter und ihre beruflichen Stellungen bzw. ihr Einkommen relevante Meß- bzw. Beobachtungsgrößen.
2.2 Die rassischen und ethnisch-kulturellen Merkmale
Für die Analyse der Bevölkerungsstruktur nach rassischen Merkmalen, die sowohl angeboren als auch geerbt sein können, werden hauptsächlich Gliederungsvorschläge aus der Anthropologie genutzt. Diese kennt nach der jeweiligen Hautfarbe, die europide, die mongolide und die negride Großrassen. 3
In einem bevölkerungsgeographischen Kontext ist allerdings den ethnisch-kulturellen Merkmalen eine weitaus wichtigere Rolle beizumessen. Hierzu zählen insbesondere die Religion, die Sprache, die Staatsangehörigkeit und das kulturelle Erbe der Merkmalsträger. Das räumlich enge Zusammenleben von Menschen unterschiedlichster konfessioneller Zugehörigkeiten oder von Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen war nicht nur in der Vergangenheit, sondern ist auch in der Gegenwart stark von - mehr oder weniger gewaltsamen - Konflikten geprägt. Deshalb sind die ethnisch-kulturellen Merkmale bei der Analyse der Bevölkerungsstruktur von besonderem Interesse, welches durch die Vielzahl von empirischen Arbeiten in diesem Bereich belegt werden kann. Gegenstand dieser Untersuchungen ist in vielen Fällen das Phänomen der Segregation, welches an dieser Stelle im Rahmen eines Exkurses - wegen ihrer Wichtigkeit für die kleinräumige Analyse der Bevölkerungsstruktur - näher erläutert werden soll.
3 Vgl. Bähr (1992, S.267ff.)
6
2.3 Exkurs: Das Phänomen der Segregation
Der Begriff der Segregation (lat. segregatio: Absonderung, Trennung) wird je nach Kontext und Perspektive sehr unterschiedlich verwendet. Auf einer abstrakten Ebene bezieht sich die Segregation darauf, „wie gleich bzw. ungleich bestimmte Elemente über Teileinheiten einer übergreifenden Einheit verteilt sind“ (Vaskowics 1983, S.5). Aus einer ethnisch-kulturellen und räumlichen Perspektive sind unter diesen Elementen ethnische oder religiöse Gruppen zu verstehen, welche über spezifische Teilgebiete (z.B. Wohnbezirke) einer übergreifenden Einheit (z.B. eine Stadt) ungleichmäßig verteilt sind. Aus einer übergeordneten (bevölkerungsgeographischen) Perspektive können unter diesen Elementen aber auch andere Bevölkerungsgruppen als ethnisch-kulturell wie z.B. Rentner, Sozialhilfeempfänger, Arbeitslose oder Reiche subsumiert werden. Also greifen bei der Segregation nicht nur ethnisch-kulturelle Merkmale, sondern ebenso demographische und sozio-ökonomische. Das Ausmaß der räumlichen Ungleichverteilung einer bestimmten (ethnischen) Bevölkerungsgruppen (z.B. Farbige) über Teilgebiete eines Gebietes (z.B. Harlem in New York) kann durch Segregationsindizes berechnet werden. Dabei gehören der Dissimilaritäts- und der Segregationsindex zu den am weitesten verbreiteten Maßzahlen. 4 Ersterer dient dem Vergleich der Verteilung von zwei Bevölkerungsgruppen über städtische Teilgebiete, während der Segregationsindex die Verteilung einer Gruppe im Bezug auf die Gesamtbevölkerung quantitativ erfaßt. 5
5
Die beiden Maßzahlen werden vereinfacht folgendermaßen zusammengesetzt:
K
- D i x 100 / D Disimilaritätsindex = ½ x A i x 100 / A
-Segregationsindex = ½ x A i x 100 / A G i x 100 / G
i=1
A: Beliebige Bevölkerungsgruppe in einer Stadt, z.B. Arbeitslose in Nürnberg
Ai: beliebige Bevölkerungsgruppe im i-ten Teilgebiet der Stadt, z.B. Arbeitslose in Gostenhof, Stein, Erlenstegen
D: Vergleichsgruppe in einer Stadt, z.B. alle Spitzensteuerzahler in Nürnberg
Di: Vergleichsgruppe im i-ten Teilgebiet der Stadt, z.B. Spitzensteuerzahler in Gostenhof, Stein, Erlenstegen, etc.
G: Gesamte Bevölkerung einer Stadt, z.B. alle Einwohner der Stadt Nürnberg
Gi: Gesamte Bevölkerung im i-ten Teilgebiet der Stadt, z.B. Anzahl der Einwohner von Gostenhof, Stein, etc. Vgl. Forrest u. Johnston (2001, S.47ff.)
6 Die Analyse auf der Basis der Segregationsindizes hat jedoch den großen Nachteil, daß sie nur die relative Ähnlichkeit zwischen zwei Gruppen vergleicht und dabei die Gruppengröße vernachlässigt. Der sog. Isolationsindex (auch Lieberson-Index der Isolation genannt) soll diesem Nachteil entgegenwirken, indem er die Gruppengröße mitberücksichtigt und zugleich eine asymmetrische
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Beide Maßzahlen geben letztlich an, wie hoch der Prozentsatz der betrachteten Bevölkerungsgruppe ist, der von seinem gegenwärtigen Wohngebiet umziehen müßte, um zu erreichen, daß über alle Teilgebiete der Stadt hinweg eine gleichmäßige Verteilung dieser Gruppe erreicht werden kann.
Auch wenn diese Indizes einen räumlichen Bezug besitzen, ist es wichtig, hervorzuheben, daß diese Werte nicht als räumliche Distanz, ausgedrückt in Längenmaßen, mißverstanden werden dürfen, weil methodologisch gesehen zwei benachbarte städtische Teilgebiete gleich behandelt werden wie zwei voneinander entfernte. Dennoch kann man - ohne auf die analytische Simplizität dieser Kennzahlen verzichten zu müssen - Aussagen über solche räumliche Distanzen treffen, indem die Werte dieser Maßzahlen mit einer kartographischen Darstellung, welche die Entfernung der Teilgebiete untereinander ebenfalls berücksichtigt, in Verbindung gebracht werden. Um auf die ethnisch-kulturellen Gruppen zurück zukommen sollte es nicht unerwähnt bleiben, daß diese Gruppen nicht notwendigerweise gezwungen werden, seggregiert zu leben, sondern auch selbst den Wunsch bekunden können, bewußt von anderen Gruppen, die über andere Denkmuster und Lebensstile verfügen, räumlich getrennt leben zu wollen. Vor allem in Bezug auf die Religion kann dieser Wunsch ein außerordentliches Ausmaß finden, wie es die Ungleichverteilung der ultra-orthodoxen Juden in Jerusalem zum Ausdruck bringt. 6
2.4 Sozio-ökonomische Merkmale
Die dritte Gruppe von Strukturmerkmalen beinhaltet eine Reihe von sozioökonomisch bedingte Eigenschaften, die zur Charakterisierung der Zusammensetzung der Bevölkerung geeignet sind. Hierzu gehören unter anderem Lebens-formgruppen, die „die Anteile einer Gesellschaft, die entsprechend einheitliche Lebensäußerungen hervorbringen, gruppenspezifisch handeln und den von ihnen bewohnten Raum prägen“ umfassen (Bähr 1992, S. 296). Dabei ist die nichtseßhafte, also wandernde Lebensform, von der seßhaften zu unterscheiden. Während die erstere Lebensformgruppe im Rahmen dieser Arbeit fast bedeutungslos ist, darf die seßhafte Bevölkerung, die in ländlich und städtisch unterteilt werden kann, nicht ohne weiteres ausgeblendet werden. Es sei darauf hingewiesen, daß vor allem die
Betrachtungsweise zweier Gruppen ermöglicht. Konkret drückt der Isolationsindex die Wahrscheinlichkeit der Interaktion eines zufällig ausgewählten Mitglieds einer Gruppe in einem städtischen Teilraum mit einem Mitglied aus der gleichen oder einer anderen Gruppe aus. Vgl. Glebe, G. (1984; S.102)
6 Vgl. Hershkowitz (1987, S.47ff.)
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städtische Bevölkerung und ihre Struktur die Grundgesamtheit bilden, mit der sich sozialökologische Ansätze zur Analyse der kleinräumigen Bevölkerungsstruktur schwerpunktsmäßig beschäftigen. Deshalb erscheint es an dieser Stelle sinnvoll zu sein, auf einzelne Begriffe, die im Zusammenhang mit der städtischer Lebensform stehen, beschreibend einzugehen:
Das Leben in der Stadt ist geprägt durch spezifische Verhaltensweisen, welche die Struktur der Stadtbevölkerung maßgeblich beeinflussen. Ist beispielsweise die ländliche Bevölkerung hauptsächlich im primären Wirtschaftssektor, also in der Landwirtschaft beschäftigt, so liegen die Haupterwerbsquellen der städtischen Bevölkerung im Industrie- bzw. zunehmend im Dienstleistungssektor. Der Begriff der Urbanisierung, der als ein Vorgang zu verstehen ist, versucht die Ausbreitung und Verstärkung genau dieser spezifischen städtischen Lebens-, Wirtschafts- und Verhaltensweisen zu erfassen. Streng genommen ist die Urbanisierung von dem Begriff der Verstädterung zu unterscheiden.
Denn die Verstädterung ist ein Prozeß, der sich auf die Vermehrung und Vergrösserung von Städten im Hinblick auf Fläche und Einwohnerzahl bezieht. Je stärker die Intensität der Verstädterung ist, um so stärker werden die typischen Muster der städtischen Lebens- und Verhaltensweise verbreitet bzw. das typische ländliche Muster verdrängt. Hierzu sei die Verdrängung der für den ländlichen Raum charakteristischen Mehrpersonen- und Mehrgenerationenfamilien durch Einpersonenhaushalte als Beispiel erwähnt.
Neben der Urbanisierung ist die Gliederung der Bevölkerung nach der Erwerbstätigkeit und der beruflichen Stellung der einzelnen Individuen ein wesentliches sozioökonomisches Strukturmerkmal der Bevölkerung. Hierbei stehen „die Lebensunterhaltsquellen einer Bevölkerung, Umfang ihrer Erwerbstätigkeit und Arbeitslosigkeit, die Wirtschaftszweige (Branchen) ihrer Erwerbstätigkeit, die Stellung im Beruf, sowie die sozialen Zusammenhänge von beruflicher Tätigkeit mit Ausbildung und er-zieltem Einkommen“ im Vordergrund (Bähr 1992, S. 317). Da die Voraussetzung für das Erreichen einer bestimmten beruflichen Position vor allem von dem Bildungsstand und der Ausbildung des einzelnen abhängt, ist in die sozial-ökonomischen Strukturmerkmale auch das Bildungsniveau der Bevölkerung mit einzubeziehen.
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Arbeit zitieren:
Ender Erat, 2003, Sozialräumliche Segregation, München, GRIN Verlag GmbH
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