Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis....................................................................................................................... 2
I. Einleitung. 3
II. Julians philosophische und theologische Denkweise 4
II. 1. Kindheit und Jugend. 4
II. 2. Der Zusammenhang zwischen Philosophie und Religion - Die neuplatonische
Theosophie 6
III. Julians Maßnahmen nach seinem Regierungsantritt 8
III. 1. Die Reformierung am Beispiel der Hofreformen sowie der Städteförderung und der
Erneuerung der städtischen Ratsversammlungen. 8
III. 1.1. Die Hofreformen 8
III. 1.2. Die Förderung der Städte und die Erneuerung der Ratsversammlungen 10
III. 2. Wiederherstellung des alten Götterglaubens. 12
IV. Fazit. 16
V. Literatur- und Quellenverzeichnis. 18
V. 1. Quellen 18
V. 2. Literatur 18
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I. Einleitung
Flavius Claudius Julianus wurde in einer Zeit geboren, in der man den alten Göttern abgesagt hatte, der sogenannten „konstantinischen Ära.“1 Sein Onkel Konstantin der Große war es, der mit seiner „konstantinischen Wende (...) das Christentum zur offiziellen Religion“2 erklärte und dessen Sohn Constantius II., Julians Vorgänger, führte diese Politik fort, indem er jede Verehrung des alten Götterglaubens unter Strafe verboten hatte.3
Julian dagegen gilt als „Repräsentant des spätantiken Heidentums“4 und er unterstellte sein Regierungsprogramm dem großen Vorhaben die konstantinische Wende rückgängig zu machen und den alten Götterkult wieder zur „Staatsreligion“5 zu erklären.
Kaiser Julian war ein vielseitig begabter und gebildeter Mensch6, der Missstände im Römischen Reich ausmachte und eine ungeheure Reformtätigkeit entfaltete, um den Staat vollständig und von Grund auf zu restaurieren. Er ist, trotz seiner kurzen Regierungszeit von nicht einmal zwei Jahren, sowohl einer der bekanntesten als auch einer der umstrittensten Kaiser der Spätantike. Dies liegt mitunter an der außergewöhnlich guten Quellenlage, denn „kein römischer Kaiser hat in seinen Selbstzeugnissen mehr von sich preisgegeben als Julian, und kaum einer hat bei der Mit- und Nachwelt so unterschiedliche Reaktionen ausgelöst (...).“7 Polymnia Athanassiadi sieht in Julian eine Persönlichkeit, die schon zu Lebzeiten legendenhaft wurde: „Even before the end of his brief life Julian had become a legendary figure, and all these writers had their share in the fostering of his myth.“8
Kaiser Julian übt aus den oben genannten Gründen eine große Faszination aus. Ein spätantiker Kaiser, dessen Hauptanliegen es war die Geschichte umzukehren, um dem Römischen Staat sein altes Fundament, den Götterglauben, zurückzugeben.
1 Giebel, Marion: Kaiser Julian Apostata. Die Wiederkehr der alten Götter. Patmos Verlag, Düsseldorf, Zürich 2002: Seite 8 2 ebd.: Seite 8
3 Bringmann Klaus (Hrsg.: Clauss, Manfred): Kaiser Julian, der letzte heidnische Kaiser. Primus Verlag, Darmstadt 2004: Seite 83 4 Giebel Marion (2002): Seite 8 5 Bringmann, Klaus (2004): Seite 85 6 ebd.: Seite 25 7 ebd.: Seite 11
8 Athanassiadi, Polymnia: Julian. An intellectual Biography. Redwood Press Limited, Melksham, Wiltshire 1992: Seite XVII
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Die vorliegende Hausarbeit geht in einem ersten Teil der Frage nach, warum gerade Julian, der als Christ erzogen wurde, so einen großen Hass auf die Christen entwickelt hat und sie als Schuldige im Römischen Reich ansah. Schließlich ergibt sich aus seinen Vorbehalten gegenüber dem Christentum auch seine Politik. In einem zweiten Schritt soll anhand seiner Religionspolitik aufgezeigt werden, dass Julian keinesfalls sinnlose Gesetze erlassen hat, um sein Ziel zu erreichen, sondern dass er zumindest die Maßnahmen traf, die eine Chance des Gelingens ermöglicht hätten, wenn er nicht schon nach zwei Jahren als Kaiser gestorben wäre.
II. Julians philosophische und theologische Denkweise
II. 1. Kindheit und Jugend
„Es scheint mir angebracht jedermann die Gründe darzulegen, die mich überzeugt haben, dass die trügliche Lehre der Galiläer eine aus Bosheit angestiftete Erfindung der Menschen ist. Trotzdem nichts in ihr von Gott ist, hat sie es durch Ausnutzung der fabelsüchtigen, kindischen und unverständlichen Seite der Seele zuwege gebracht, dass ihre Wundererzählung als Wahrheit geglaubt wird.“ 9 Mit diesen Worten beginnt Julian seine Kampfschrift gegen das Christentum und verdeutlicht damit, dass er die christliche Religion für gottlos und illusorisch hält. Um jedoch seine Abneigung gegen die Christen verstehen zu können, ist es zunächst nötig Julians Kindheit und Jugend zu betrachten.
Julian wurde 331 n. Chr. als letzter männlicher Nachkomme der konstantinischen Dynastie geboren. 10 Eine enge Verwandtschaft mit dem Herrscherhaus bedeutete für Julian „nicht nur die Chance des Aufstiegs zur Kaiserwürde [sondern] zugleich eine latente Lebensgefahr.“ 11 In Julians Fall liegt der Verdacht nahe, „dass der Tod seines Vaters Julius Constantius, der 337 von Soldaten ermordet [wurde]“ 12 von oberster Stelle - womöglich sogar durch seinen eigenen Cousin, Constantius II. - veranlasst wurde, da dieser den größten Nutzen von der Mordtat hatte. 13 Diese Annahme lässt sich schwer beweisen, aber es war damals nicht unüblich „sich vor allem gegen Nebenbuhler auf kürzestem Wege zu sichern.“ 14 Gegen
9 Kaiser Julians Bücher gegen die Christen. Nach einer Wiederherstellung übersetzt von K. J. Neumann, Druck und Verlag von B. G. Teubner, Leipzig 1880: Seite 3
10 Demandt, Alexander: Die Spätantike. Römische Geschichte von Diocletian zu Justinian 284-565 n. Chr., C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung (Handbuch der Altertumswissenschaften Abteilung 3, Teil 6), München 1989: Seite 94
11 Bringmann, Klaus (2004): Seite 17
12 Leipoldt, Johannes: Der römische Kaiser Julian in der Religionsgeschichte, Akademie-Verlag (Sitzungsberichte der sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, Philologisch-historische Klasse, Band 10, Heft 1), Berlin 1964: Seite 6
13 Bringmann, Klaus (2004): Seite 21
14 Leipoldt, Johannes (1964): Seite 6
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Constantius spricht außerdem „die Tatsache, dass er die Morde faktisch billigte und sanktionierte“ 15 , d. h. die Täter erhielten keinen Prozess oder wurden bestraft. Julian war offensichtlich von einem Mord überzeugt, zumindest beschuldigte er seinen Cousin später auch offen der Tat. 16
Die Ermordung seines Vaters muss für den nicht einmal sechsjährigen Julian ein traumatisches Erlebnis gewesen sein. Auch wenn nicht geklärt ist, ob er dabei war, so hat ihn doch „die Erinnerung an das schreckliche Erlebnis (...) sein Leben lang nicht in Ruhe gelassen.“ 17 Johannes Leipoldt schreibt hierzu: (...) „durch solche Geschehnisse wird Julians Urteil über die ersten christlichen Herrscher beeinflusst und damit zugleich seine Vorstellung vom Christentume.“ 18
Seine gesamte Kindheit und Jugend über, hat Constantius Julian überwachen lassen. Er schickte ihn in die Verbannung und ordnete seine christliche Erziehung an. Julian erhielt allerdings auch schon sehr früh einen tiefen Einblick in die klassische griechische Bildung, Literatur, Philosophie und Religion. Zu Beginn des vierten Jahrhunderts war es jedoch nicht unüblich, dass man neben einer christlichen Erziehung auch weiterhin heidnisch erzogen wurde. 19 An dieser Stelle sei Julians Lehrer Mardonios erwähnt, der „ihm mit Homer, Hesoid, Platon [schon sehr früh] eine geistige Heimat schuf, mit der Schönheit der Poesie, aber auch mit festen (...) Lebensgrundsätzen.“ 20 Julians Interesse an der klassischen Philosophie und Religion schien geweckt. Im Laufe seiner Jugend hörte und las er viele heidnische Philosophen. Von einigen besorgte er sich heimlich die Nachschriften ihrer Vorlesungen, so zum Beispiel die seines späteren Freundes Libanios oder die Werke neuplatonischer Philosophen. 21 Constantius gestattete Julian die philosophischen Studien, da er wahrscheinlich dachte, er könne ihn so aus der Politik heraushalten. 22 So wurde Julian „ein Bücherfreund, geradezu ein Bibliomane.“ 23
15 Bringmann, Klaus (2004): Seite 22
16 Bringmann, Klaus (2004): Seite 21
17 Browning, Robert (1977): Seite 59
18 Leipoldt, Johannes (1964): Seite 6
19 Browning, Robert (1977): Seite 62
20 Giebel, Marion (2002): Seite 25
21 Demandt, Alexander (1989): Seite 95
22 ebd.: Seite 95
23 Giebel, Marion (2002): Seite 38
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Die ständige Überwachung hinderte Julian daran, sich an heidnischen Kulten und Ritualen zu beteiligen 24 , obwohl er sich mit Sicherheit schon stark zu der alten Religion hingezogen fühlte. Julian selbst hat „seine Rückkehr zum Götterglauben ins Jahr 351 verlegt.“ 25 Erst in diesem Jahr wurde seine Verbannung gelöst. Fest steht, dass er bis zum Tode Constantius, der am 3. November 361 einem Fieberleiden erlag 26 , seinen eigentlichen Glauben nie preisgegeben hat und er nach außen hin weiterhin vorgab ein Christ zu sein. 27
II. 2. Der Zusammenhang zwischen Philosophie und Religion - Die neuplatonische Theosophie
Julians Hauptziel war die „Erneuerung der Götterverehrung, [welches eng verbunden war mit] einer umfassenden Wiederherstellung der inneren und äußeren Stabilität des [Römischen] Reiches.“ 28 Er wollte „einen neuartigen heidnischen Staat schaffen“ 29 , so Karl-Leo Noethlichs und somit die Umkehrung der konstantinischen Wende herbeiführen. Aber worauf basierte Julians religiöse Restauration?
Wie eingangs erwähnt gibt es einen außergewöhnlich gut erhaltenen und umfangreichen schriftlichen Nachlass von Julian. Kurz nach seinem Amtsantritt, im November 361 bis zum April 362 verfasste er „insgesamt vier [seiner] größeren Werke“ 30 , unter anderem die „menippeische Satire“, die Kaiser oder Caesares, eine Untergattung der Satire, die sich vor allem mit gesellschaftskritischen Inhalten befasst. 31 Julian fällte in dieser Satire ein komplett vernichtendes Urteil über seinen Onkel, Konstantin d. Großen, dem es immer nur um den Ausbau von Macht und Reichtum gegangen sei. 32 Marc Aurel dagegen, den Philosophenkaiser, hat er als sein Vorbild betrachtet, da dieser nicht als „Verfechter vom Macht- und Lustprinzip“ 33 galt. Wie am einleitenden Zitat in Kapitel II. 1. deutlich wurde, waren die Christen in Julians Augen götterlos und er sah es als sein höchstes Ziel an „die Menschheit vom Schmutz der Götterlosigkeit zu befreien“ 34 , wie er sich ausdrückte. Vor allem sein Onkel, der als Verbreiter des Christentums gilt, hatte sich gegen die wahre
24 Demandt, Alexander (1989).: Seite 96
25 ebd.: Seite 96
26 Giebel, Marion (2002): Seite 115
27 Bringmann, Klaus (2004): Seite 79
28 ebd.: Seite 83
29 Noethlichs, Karl-Leo: Die gesetzgeberischen Maßnahmen der christlichen Kaiser des 4. Jahrhunderts gegen Häretiker, Heiden und Juden, Dissertation, Köln 1971: Seite 74
30 Bringmann, Klaus (2004): Seite 106
31 ebd.: Seite 107
32 ebd.: Seite 109
33 ebd.: Seite 109
34 ebd.: Seite 109
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Stephanie Felsmann, 2007, Die Religions- und Reichspolitik Kaiser Julians zur Erneuerung der alten Götterverehrung, München, GRIN Verlag GmbH
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