Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Analyse. 4
2.1. Einordnung der Textpassagen. 4
2.2. Die Erzählsituation. 5
2.3. Die Raumdarstellung. 6
2.3.1. Straßenbahn als formale Verbindung einzelner Sequenzen. 7
2.3.2. Die Straßenbahn als Fortbewegungsmittel und abgeschlossener
Raum für die Hauptfigur Franz Biberkopf. 9
2.3.3. Die Straßenbahn als Orientierungshilfe/ Einführung für den
Leser. 10
3. Zusammenfassung der Ergebnisse. 12
Bibliographie. 13
2
1. Einleitung
Die in Deutschland verspätet, aber dafür umso rasanter einsetzende Industrialisierung lässt Städte wie Berlin, Leipzig oder München wachsen und sie zum Zentrum der modernen Welt und zum Lebensraum für viele Menschen werden. Durch ihre Unüberschaubarkeit wurde sie mit ihrer entgrenzten Wahrnehmungsfülle zu einem ungesicherten Erfahrungsraum, demgegenüber das Individuum mit seiner begrenzten Wahrnehmungsfähigkeit stand. Die Erfahrungskrise des modernen Ichs in der Erfahrungswelt der Großstadt führte in der Kunst zu einem Großstadtmythos. In der Literatur wurde dieser vom Naturalismus vorbereitet, von den Expressionisten popularisiert und bis in die 20er Jahre fortgeführt. Es entstanden Großstadtromanezuerst eher aus psychologischer Sicht des Individuums und später rückte die Stadt selbst „in ihrer Totalität und dinglichen Übermacht, [die] zu jeder Zeit präsent [war]“ 1 in den Mittelpunkt des Romangeschehens. Die Stadt „bildet die Existenzbedingung aller auftretenden Personen“ 2 , denn „jenseits der Straßen der Stadt ist das Leben der Figuren nicht denkbar“ 3 . Genau an dieser Entwicklung zum modernen Großstadtroman hat Alfred Döblin großen Anteil. Berlin Alexanderplatz ist einer der wenigen deutschen Großstadtromane „und er wurde am Ende einer Zeit geschrieben, die geradezu einem Großstadtmythos erlegen war.“ 4 Diese Hausarbeit wird sich mit der Raumdarstellung in Berlin Alexanderplatz beschäftigen und besonderes Augenmerk auf die Fragestellung legen, ob der Straßenbahn als einer Errungenschaft der Moderne eine besondere Bedeutung bei der Raumdarstellung im Roman zukommt. Einer kurzen Einordnung der ausgewählten Textpassagen folgt eine Analyse der Erzählsituation der einzelnen Passagen. Im dritten Teil der Hausarbeit wird das Motiv der Straßenbahn auf seine Funktion und Bedeutung sowohl für die Struktur des Romans, als auch für die Hauptfigur und den Leser untersucht.
Was die bereits publizierte Forschung zu Berlin Alexanderplatz angeht, so findet die Straßenbahn darin kaum Beachtung bzw. ist kein dominierender Gegenstand einer bereits existierenden Arbeit.
1 Stühler, Friedrich (1989): Totale Welten. Der moderne deutsche Großstadtroman, Regensburg, S.34.
2 Ebd.
3 Ebd.
4 Koopmann, Helmut (1983): Der klassisch-moderne Roman in Deutschland: Thomas Mann - Döblin - Broch, Stuttgart, S.77.
3
2. Analyse
2.1. Einordnung der Textpassagen
Die ausgewählten Passagen befinden sich ausschließlich in den ersten drei Büchern des Romans 5 , in welchen die Straßenbahn, im Gegensatz zu den folgenden, stärker thematisiert wird. Im Zusammenhang mit der Straßenbahn stößt man immer wieder auf Straßennamen und Namen von Haltestellen, an denen eine Figur einsteigt oder zu denen sie gelangt. Ein Beispiel dafür ist die Passage auf Seite 36, wo Franz Biberkopf „das Mädchen“ (BA, S.36) in der Nacht verlässt: „mit der 68 zum Alexanderplatz] und brütet im Lokal über einem Glas Helles.“ (BA, S.36) Bereits auf der ersten Seite des ersten Buches nutzt die Hauptfigur Franz Biberkopf die Straßenbahn, um vom Gefängnis, aus dem er gerade entlassen wurde, nach Berlin hinein zu fahren. Der erste Teil des Buches trägt schon dementsprechend die Überschrift „Mit der 41 in die Stadt“ (BA, S.15). An der Haltestelle stehend ist dies die erste Hürde, die Biberkopf nehmen muss zurück in das Leben außerhalb der Gefängnismauern. Er überwindet sich einzusteigen und „Die Strafe beginnt“ (BA, S.15). Am Rosenthaler Platz verlässt er die Straßenbahn und ist zurück in Berlin. Auf Seite 31 befindet sich eine Untergrundbahn im Bau und die damit verbundene Assoziation „muß doch Arbeit geben in Berlin“ (BA, S.31) wird gezogen. Eine weitere interessante Passage über die Straßenbahn findet sich auf Seite 56. Sie steht relativ am Anfang des zweiten Buches unter der Überschrift „Franz Biberkopf betritt Berlin“ (BA, S. 49). Hier wird anhand der Linie 68 eine Art Anleitung zum Benutzen der Straßenbahn über die Haltestellen, die Fahrpreise und Verhaltensregeln gegeben.
Ebenfalls im zweiten Buch befindet sich eine Textpassage über ein junges Mädchen, welches nicht im Zusammenhang mit der Biberkopfgeschichte steht, zumindest vorerst nicht. Die Geschichte wird eingeleitet, indem das Mädchen aus der Linie 99 aussteigt, wobei wieder die Haltestellen der Linie benannt werden:
5 Zitiert wird Alfred Döblins Berlin Alexanderplatz nach der Taschenbuchausgabe, München 2001; im Folgenden auch als BA abgekürzt.
4
Arbeit zitieren:
Nancy Reinhardt, 2007, Alfred Döblin - 'Berlin Alexanderplatz', München, GRIN Verlag GmbH
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