tive Element ist, wonach jedermann durch eigene Anstrengung höchste Positionen (Managerposten) in der Wirtschaft erreichen kann. Kohlenberg und Uchatius veranschaulichen, dass sich in der deutschen Wirtschaftselite Personen von ähnlicher Herkunft und Bildung, vergleichbaren Karrieren und sich gleichenden Lebensstilen etabliert haben 2 . Es stellt sich insofern die Frage, inwieweit sich die Wichtigkeit des Prinzips Leistung in den verschiedenen Formen der sozialen Kontrolle der ökonomischen Eliten in Deutsch-land und Großbritannien unterscheidet und wie sich dies in den „Elitenetzwerken“ und deren Stabilität widerspiegelt.
Institutioneller Kapitalismus
Zunächst ist festzuhalten, dass sich nach dem Zweiten Weltkrieg das Bild einer grundsätzlich heterogen zusammengesetzten und vernetzten Wirtschaftselite entwickelte, die die großen Unternehmen kontrolliert, einen merklichen Einfluss auf Wirtschaft und Gesellschaft ausübt und deshalb als Machtelite begriffen werden kann. Windolf, der im „institutionellen Kapitalismus“ Deutschlands einen besonderen Typus feststellt („kooperativer Kapitalismus“), beschreibt, dass mit der Internationalisierung der Finanzmärkte der Markt für Unternehmenskontrolle seit den 70er Jahren expandierte. Für Unternehmen und deren Manager zog dies Veränderungen in der sozialen Organisati-onsform der ökonomischen Elite nach sich. Die Unternehmen selbst mutierten zur Ware. Demnach betreffen die Veränderungen die Art des Eigentümers, die Konzentration von Eigentum und die Liquidität des Eigentums.
Allgemein sind im institutionellen Kapitalismus private Eigentümer, die Kontrollchancen ausüben können, seltener geworden. An ihrer Stelle stehen heute Unternehmen, die als Eigentümer auftreten und von Managern geleitet werden. Windolf führt dies auf den hohen Preis für Unternehmen zurück, der von Einzelpersonen, selbst wohlhabenden Familien nicht mehr aufgebracht werden kann, weshalb Unternehmen Eigentum in Form anderer (nun abhängiger) Firmen erwerben. Oft sind sie selbst im Besitz anderer Unternehmen, wodurch Netzwerke von Unternehmen entstehen, die untereinander durch Anteilsrechte und Personal verflochten sind und den institutionellen Rahmen für ökonomische Herrschaft bilden. Diesen Rahmen untersucht Windolf. Zwar erhöht sich, bezüglich der Aktiengesellschaft (breiter Streubesitz), die Macht der „Eigentü- 2 Vgl.Röhrich, Wilfried 1991: Eliten und das Ethos der Demokratie, Verlag C.H.Beck, S. 21
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mer“, aber zugleich steigt die Macht der Manager, die die „Eigentümer“ repräsentieren und über große Informationsvorsprünge verfügen. Dem deutschen Phänomen des kooperativen oder korporativen Kapitalismus steht der vor allem in angelsächsischen Ländern (in dieser Betrachtung Großbritannien) verbreitete Konkurrenzkapitalismus oder Managerkapitalismus gegenüber. Hierbei fußt die Macht der Manager auf einer breiten Streuung des Eigentums, das auf etliche Kleinaktionäre verteilt ist, die wiederum ihre Interessen nicht oder nur schwerlich koordinieren können, im Gegensatz der mit einem Informationsmonopol ausgestatteten kleinen Managergruppe. Anders als Kleinaktionäre streben Unternehmen strategische Ziele mit ihrem Eigentum an, die sie auch verwirklichen können, weil die Manager der herrschenden Firmen den abhängigen Firmen gegenüber als „Eigentümer“ auftreten und mit Steuerungsinstrumenten, wie Verkaufsdrohungen, arbeiten können. Der Handel mit Unternehmen zwischen Unternehmen führt zur Entstehung von Netzwerken zwischen diesen Firmen, die mehr oder weniger stark personell und finanziell verwoben sind. Hinsichtlich der Liquidität von Eigentum verlautbart Windolf, dass Netzwerke durch den Kauf und Verkauf von Firmen flexibel werden, weil sie somit auf wechselnde Marktbedingungen reagieren können (z.B. Verkauf unrentabler Unternehmen). Dementsprechend sieht der Autor im Markt für Unternehmenskontrolle ein wirksames Kontrollinstrument über die internen Bürokratien, zumal die Manager der herrschenden Firmen mit Ausschluss von Firmen aus dem Netzwerk drohen können. Infolge der neuen Organisationsformen veränderte sich die Managerherrschaft, in Bezug auf Machtressourcen und Herrschaftslegitimation. Eine Trennung von Eigentum und Kontrolle ist für Windolf nicht mehr vorhanden, stattdessen sind diese in den Kernbereichen der Wirtschaft heute miteinander verbunden. Deshalb ist die bürokratische Macht der Manager, gekennzeichnet anhand ihrer Position in der hierarchischen Unternehmensordnung, durch die Macht des Eigentums, das sie vertreten, ergänzt. Insofern ist ihre Legitimation von Herrschaft zweigliedrig, im Unternehmen ist sie durch die Positionsmacht gegeben, bei abhängigen Firmen erwächst sie aus der Eigentumsmacht. Mit seiner Analyse untersucht der Autor weiter, inwiefern sich in den Elitenetzwerken Herrschaft und Eigentum sowie exekutive und kontrollierende Funktionen verbinden, was er als charakterisierend für die Herrschaft von Managern im institutionellen Kapitalismus ausmacht. Außerdem blickt er auf die formalen Strukturen und die Stabilität der Netzwerke im längeren zeitlichen Ablauf.
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Für seine Analyse zieht er eine Liste der 694 größten (west)deutschen Unternehmen und der 520 größten britischen Firmen heran. Auf deutscher Seite wurden hierfür sämtliche Mitglieder in Vorständen und Aufsichtsräten einbezogen, wohingegen alle britischen Mitglieder der sogenannten Board of Directors aufgenommen wurden, bei denen allerdings zwischen executive (ausführende) und non-executive (kontrollierende) Direktoren unterschieden wurde. Zwar hinkt der Vergleich aufgrund der unterschiedlichen Institutionen, aber laut Windolf können deutscher Vorstand und britische executive-Manager sowie deutscher Aufsichtsrat und britische non-executive-Manager verglichen werden, da sie sich in der Funktion stark ähneln.
Arbeitshypothesen
Der Analyse stellt Windolf vier Hypothesen voran, die im Folgenden überprüft werden. Deutsche und britische Firmen sind institutionell unterschiedlich strukturiert. In Großbritannien gibt es für exekutive und kontrollierende Funktionen nur den Board of Directors, in Deutschland finden sich hierfür zwei Organe: Vorstand (exekutiv) und Aufsichtsrat (kontrollierend). Zudem ist gesetzlich geregelt, dass man nicht gleichzeitig Mitglied in Aufsichtsrat und Vorstand des gleichen Unternehmens sein kann. Windolf nimmt an, dass es in Deutschland eine Trennung von exekutiven und kontrollierenden Funktionen gibt und damit eine Spezialisierung auf die jeweiligen Funktionen erfolgt, denn hierfür bestehen schließlich zwei verschiedene Organe. In Großbritannien vermutet er mehr Macht auf Seite der Manager, als bei den deutschen Kollegen, da exekutive und kontrollierende Funktionen oftmals in Personalunion ausgeführt werden. Die Ergebnisse zeigen, dass diese erste These nicht bestätigt werden kann. Die empirischen Befunde präsentieren, dass auch in Deutschland keine wirkliche Arbeitsteilung bzw. Spezialisierung entstanden ist, die multiplen Manager sind in der Regel im Aufsichtsrat und im Vorstand vertreten. In Großbritannien in Personalunion im Board of Directors und in Deutschland, aufgrund der gesetzlichen Regelungen, zumindest in verschiedenen Unternehmen (z.B. Vorstandsmitglied in Firma A und zeitgleich Aufsichtsratsmitglied in Firma B). Dementsprechend ist eine Unterscheidung von kontrollierenden und ausführenden Managern auf der Ebene des gesamten Netzwerkes nicht mehr möglich, denn
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Arbeit zitieren:
Ferid Giebler, 2008, Literaturbericht zu Paul Windolf "Elite Networks in Germany and Britain", München, GRIN Verlag GmbH
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