Inhaltsverzeichnis:
1. EINLEITUNG 3
2. EINLEITENDES WERK: 300 TONEN. 4
3. SPEZIFISCHE POLITISCHE SIGNIFIKANZ. 5
4. MINIMALISTISCHE ÄSTHETIK 8
5. BEZUG ZUM KUNSTRAUM 9
6. ABSCHLIEßENDES RESÜMEE. 11
7. LITERATURVERZEICHNIS UND QUELLTEXTVERWEISE 13
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1. Einleitung
Wenn man sich die gegenwärtige Popularität eines Aktionskünstlern wie Santiago Sierra vor Augen führt, kommt man nicht umher, seine explizit politischen und sozialkritischen Ambitionen im Kontext eines globalisierten Kunstmarktest zu sehen, dessen monopolisierten Machtpositionen im bereits etablierten und kommerzialisierten Kanon der Institutionskritik nicht nur scheinbar aufgegangen, sondern hierbei gerade seine assimilierenden Fähigkeiten innerhalb einer solch ambivalenten Problematik unserer Kultur offen zulegen scheint. Man wird nur sehr schwer eine ernsthafte Eingliederung seiner Positionen in die Gegenwartskunst unternehmen können, wenn man den Bezug zum Kunstraum in seinen Arbeiten außer Acht zu lassen versucht. Auch wenn seine Auftragsarbeiten für Museen und Galerien politisch weitaus abgestumpfter gehalten sind, verfügen sie dennoch über eine eigene systemvehemente Dialektik innerhalb seiner Machtgebungs- und Sinnstiftungsproblematik. Diese gilt es ebenso zu untersuchen, wie jenes spezifisch politische Moment seiner Arbeiten, für das ihn die Welt der Kunstkritik als geradezu berüchtigt heißt, und seinen Umgang mit dem minimalistischen Ästhetikvokabular, welches uns in seiner kunstrhetorischen, analytischen Genügsamkeit als Bindeglied zwischen diesen beiden realitätsbewältigenden Polen seiner eigentlichen Impulssetzung für eine Bestandsaufnahme der Gegenwartskunst dienen soll. Seine politische Aktionskunst, mit Wurzeln in der minimalistischen Kunst, behandelt schwerpunktmäßig den Wert des Menschen und den Sinn, beziehungsweise Zweck der Arbeit. Darüber hinaus befragt er in seinen Arbeiten die Realität „Wer? Wie? Über Wen?“ verfügt und führt somit die erzwungene Beziehung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, sowie die Frage nach der durch Geldlegitimierung gehaltenen Existenzberechtigung innerhalb unserer globalisierten Gesellschaft, immer wieder ad absurdum.
Diese Seminararbeit hat zum Ziel, mit dieser schwerpunktmäßigen Interpretationssetzung eine stringente Wirkungstendenz innerhalb der zeitgenössischen Kunst im Werk von Santiago Sierra herauszuarbeiten und somit die Frage zu beantworten, ob sein Werk eine bloße kurzlebige Popularitätserscheinung innerhalb der heutigen Kunstwelt ist, oder ob es eine fundamentale Wertsetzung für die künftige Kunstentwicklung anzubieten hat. Beginnen möchte ich jedoch mit der Präsentation und Analyse einer seiner zentralen Aktionen, welche zunächst im Verlauf einer Einleitung zum Künstler zur Aufgabe hat, seine Legitimation als respektable Künstlerpersönlichkeit zu hinterfragen und seinem Werk gegebenenfalls ein entsprechendes Qualitätsmaß zuzuschreiben.
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Bevor ich beginne, möchte ich noch einige schnelle Worte zur Person einschieben, welche helfen sollen, Santiago Sierra Motivationen und Ambitionen zu politisch-, sozialkritischen Intensionen innerhalb seiner Arbeiten nachvollziehbarer zu machen. Er lebt seit über 13 Jahren in Mexiko City, Mexiko. Als gebürtiger Spanier kehrte er der europäischen Kunst- und Lebensauffassung den Rücken, weil sie ihm, nach eigenen Aussagen, bei weitem zu arrogant und selbstgerecht erschien. 1 In dieser Stadt lernte er „lauter sprechen“ 2 und der Gesellschaft mit Hilfe der Kunstwelt einen äußerst aufsehenerregenden Spiegel vorzuhalten. Seine stark realistischen Tendenzen begründen sich in einer persönlichen Ablehnung gegenüber Ausbeutung und Klassifizierung der Menschen, wie sie in unserer globalkapitalistischen Gegenwart besonders in ärmeren Regionen stark zum Vorschein treten. Die Lebensentscheidung, freiwillig aus dem europäischen Wohlstandsparadies in solche sozialen Spannungsverhältnisse überzusiedeln, scheint hierbei eine besondere Rolle zu spielen und hat in ihm einen starken Willen zur Konsequenz heranwachsen lassen, welcher sich in der Radikalität und intensiven Wirkung seiner Arbeiten bei Gönnern wie Kritikern gleichermaßen äußert.
2. Einleitendes Werk: 300 Tonen
Santiago Sierras Arbeiten bilden in ihrer Essenz eine Brücke zwischen Minimal Art, welche in der Tradition der Arte Povera anzusiedeln ist, und politischer Performance-, Konzeptkunst der 60/ 70er Jahre. Wobei sich seine starke Anlehnung zur Aktionskunst der 60/ 70er Jahre vor allem an drei Punkten gut veranschaulichen lässt. Zum einen übernimmt er von ihr stark konzeptuell minimierte Anweisungen und sachlich nüchterne, aktionsbeschreibende Arbeitstitel, zum anderen entstehen viele seiner vor allem provozierenden, politischen Aktionen außerhalb schützender Kunsträume und unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Dokumentiert werden seine Arbeiten in schwarz-weiß gehaltenen Foto- wie Videoaufnahmen und dies nicht aus einer ästhetischen Anschauungen heraus, sondern um gezielt den Anschein zu erwecken, ein Künstler der 60er Jahre zu sein. 3 Allein schon an dieser Betrachtung wird deutlich, wie professionell und intelligent Sierra es versteht mit Begriffen und Verweisen der Kunstwelt zu spielen und sich entsprechend in selbsterwählten Bezügen gegenüber Kritikern wie Gönnern zu vermarkten und positionieren.
Bei dem Werk, auf das ich nun zu Beginn eingehen möchte, handelt es sich um eine Auftragsarbeit für das Kunsthaus Bregenz im April 2004. Das österreichische Kunsthaus, welches vom Architekten Peter Zumthor nach der konsequenten Anwendung minimalistischer
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Arbeit zitieren:
Adam Rafinski, 2005, Santiago Sierra, München, GRIN Verlag GmbH
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