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Inhalt
0. Einleitung
1. Die medizinische Terminologie
2. Die vier Tantras (rGyud bźi)
3. Einflüsse in die tibetische Medizin
4. Die Körperstruktur und -funktion
4.1. Anatomie
4.2 Die fünf Elemente
4.3 Die Körpersäfte rluń (Wind), mkhris pa (Galle) und bad kan (Schleim)
4.4. Die sechs Geschmackrichtungen und acht Wirkungen
5. Das heiß/ kalt - Konzept
6. Pathologie
7. Diagnose
7.1. Die Anamnese (dri pa)
7.2. Die Palpation (reg pa)
7.2.1. Die Pulsdiagnose
7.3. Die Inspektion (blta)
7.3.1. Die Urinanalyse
7.3.2. Die Zungendiagnose
8. Therapeutische Techniken
8.1. Ernährung (zas)
8.2. Lebensweise (spyod)
8.3. Arzneimittel (sman)
8.4. Externe Therapie (dpyad)
9. Die tibetische Medizin und der Westen
10. Bibliographie
0. Einleitung
„suffering is attached to a being even in good health,
just as a shadow follows a bird,
even when flying in the sky.“ (Meyer 1996: 128)
Diesen Satz zitiert Meyer aus der wichtigsten tibetischen Abhandlung der Medizin - den vier
B üchern des rGyud bźi. Der Satz sagt im wesentlichen ein besonderes Merkmal der
tibetischen Medizin aus: sowohl Gesundheit als auch Krankheit sind im Menschen selbst
verankert. So wie der „Schatten dem Vogel folgt“, so ist Krankheit untrennbar mit dem
K örper und Geist des Menschen verbunden, da sie im Menschen selbst entsteht. Die tibetische
Medizin ist also eine Konstitutionslehre. Meyer fasst das wesentliche der tibetischen Medizin
im folgenden Satz zusammen:
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„Tibetan medicial theory is based on a series of philosophical presuppossitions shared by all Buddhist traditions concerning the nature of a phenomenal world, the fabric of the material environment, the physical components and psychic factors which constitute the beings inhabiting it.“ (Meyer 1996: 120)
In dieser Hausarbeit fasse ich die Grundlagen der tibetischen Medizin zusammen und konzentriere mich dabei auf die Körpersäfte, die Diagnose und die Therapie. Ich beziehe mich dabei vor allem auf Autoren, die sich wissenschaftlich mit den Büchern des rGyud bźi auseinandergesetzt haben. Zuerst aber gebe ich einen kurzen Einblick in die Problematik der medizinischen Terminologie und weiter eine kurze Beschreibung über die Bedeutung der vier Tantras. Es folgen Zusammenfassungen über die Einflüsse in die tibetische Medizin und über die Grundlagen der tibetischen Medizin im Bereich der Physiologie, Diagnose und Therapie. Der letzte Teil handelt über die tibetische Medizin im Westen und die Möglichkeit in ihrer Anwendung in diesem Bereich. Ich werde Überlegungen anstellen, ob die tibetische Medizin im Westen überhaupt anwendbar ist. Meine Beschreibungen sollen einen Einblick in die Grundlagen der tibetischen Medizin geben und sind daher sehr zusammenfassend gehalten und unvollständig.
1. Die medizinische Terminologie
Die medizinische Terminologie, ohne die wir die tibetische Medizin nicht untersuchen können, muss besonders in Betracht gezogen werden. (Finckh 1978: 12) Die tibetische Terminologie der Medizin kann nicht äquivalent genug in unsere Sprache übersetzt werden. Daher ist es sinnvoll die tibetischen Begriffe zu übernehmen und sie so zu erklären, dass sie für unsere Wahrnehmung verständlich sind. Man sollte diese Begriffe so einsetzen, dass sie sich mit der Zeit auch im Westen etablieren. Wenn man tibetische medizinische Begriffe möglichst annähernd übersetzten will, so ist die beste Methode das Vergleichen von tibetischen Texten mit sanskritischen Texten. In der tibetischen Medizin wurde vieles aus der frühen indischen Medizin übernommen. Grundbegriffe aus der frühen indischen Medizin bilden zumindest einen Umriss in der tibetischen Medizin. (Finckh 1978: 12) Tibetische Konzepte können nur mit Hilfe von tibetischen Gelehrten beschrieben werden. Außerdem ist der erste Schritt zur Beschreibung von tibetischen Begriffen der Weg zu den Hauptquellen tibetischer Texte. Der wichtigste Text
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der tibetischen Medizin - rGyud bźi - ist für alle tibetischen Ärzte ein Standartwerk, das man als Arzt besitzen muss. (Finckh 1978: 12)
2. Die vier Tantras (rGyud bźi)
Das Studium der tibetischen Medizin muss mit den vier Tantras - rGyud bźi 1 beginnen. Es bildet die Basis der tibetischen Medizin. (Finckh 1978: 13, 23, Finckh 1985: 113) Finckh hat dieses Werk teilweise übersetzt und sich u. a. mit tibetischen Terminologien näher auseinandergesetzt. (Finckh 1978: 13) Rechung Rinpoche beschreibt in seiner Arbeit „Tibetan Medicine“ hauptsächlich das zweite und das vierte Buch des rGyud bźi. (Rinpoche 1973)
3. Einflüsse in die tibetische Medizin
Auf die tibetische Medizin haben prä- buddhistische Einflüsse, tibetischer Buddhismus, frühe indische Medizin und frühe chinesische Medizin eingewirkt. (Finckh 1978: 14) Aus dem Ayurveda stammen die meisten Theorien der Physiologie, Pathologie und Therapie. (Meyer 1996: 122) Die tibetische Medizin hat sich im Vergleich zu anderen südasiatischen Medizinsystem relativ spät entwickelt. In Tibet wurde im 7. Jahrhundert die tibetische Schrift erfunden. Zur gleichen Zeit entwickelte sich ein eigenständiges Medizinsystem in Tibet, das von vielen Einflüssen geprägt wurde, aber auch typische tibetische Merkmale der tibetischen Medizin entwickelte.
4. Die Körperstruktur und - funktion
4.1. Anatomie
Die tibetische Anatomie ist mit der westlichen nicht vergleichbar. Daher ist es hier schwierig tibetische Begriffe genau zu übersetzen. Bei den Tibeter bedeutet z. B. „rća“ - „Arterien, Venen und Nerven“. Übersetzt wird „rća“ als „Gefäß“, obwohl dies nicht die ideale Übersetzung ist. Bei subtilen Begriffen wird die Übersetzung noch schwieriger, da die Tibeter subtile Bereiche haben, die es im westlichen Verständnis nicht gibt. (Finckh 1985: 18)
1 Der gebräuchliche Titel dieses medizinischen Werkes ist in abgekürzter Form. Den vollständigen Titel findet man bei Finckh (1978: 13). Übersetzt wird es in gekürzter Form als die „vier Tantras“. (Finckh 1978: 13)
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Es gibt festgelegte Mengen von Wind (rluń 2 ), Galle (mkhris pa), Schleim (bad kan), Blut, Kot, Urin, Serum, Fett, Samen, Gehirn und Muskeln. Der Körper besteht aus 360 Knochen, 12 großen Gelenken, 210 kleinen Gelenken, 16 Arten von Sehnen, 900 Fasern, 21000 Haaren und 11 Millionen Haarporen. Es gibt fünf Vollorgane (don): Herz, Leber, Lungen, Milz und Nieren sowie sechs Hohlorgane (snod): Dickdarm, Gallenblase, Dünndarm, Magen, Harnblase und basm sehu 3 . (Finckh 1985: 18)
Der Körper hat 96 kritische oder vitale Punkte, die bei Verletzungen so gefährlich sind, dass der Tod eintritt. 49 vitale Punkte sind gefährlich, können aber von einem erfahrenen Arzt geheilt werden. 157 verletzte vitale Punkte können geheilt werden. Insgesamt gibt es 302 vitale Punkte. Die 13 inneren Öffnungen sind Lebenswind, sieben Grundstoffe des Körpers, drei Unreinheiten, Wasser und Nahrung. Die neun äußeren Öffnungen sind zwei Nasenlöcher, zwei Ohren, zwei Augen, Mund, After und Harnblase. Bei der Frau kommen drei weitere Öffnungen dazu: zwei Brüste und Vagina. Durch falsche Diät oder verkehrtes Verhalten werden die natürlichen Wege blockiert und Öffnungen verstopft, so dass Krankheiten entstehen. (Finckh 1985: 20) Rinpoche gibt eine ausführlich Beschreibung der Physiologie der tibetischen Medizin. (Rinpoche 1973: 37 - 42)
4.2. Die fünf Elemente
Jede physische oder biologische Substanz (subtil) besteht aus einer Kombination der fünf grundlegenden Elemente: Raum (Äther), Wind (Luft), Feuer, Wasser und Erde. Der Raum ist in allen anderen Elementen enthalten, weshalb in der Medizin nur die anderen vier Elemente erscheinen. (Meyer 1996: 120)
Der menschliche Körper ist der Kosmos im Kleinen, da er sich aus den Elementen formt. (Asshauer 1999: 13) Das heißt, er ist ein komplexes und variiertes Aggregat aus den fünf grundlegenden Elementen. Die Elemente sind feinstofflich. Sie treten nur in zusammengesetzter Form grobstofflich-materiell auf und sind oft nur an ihren Auswirkungen zu erkennen. Jedes Element hat bestimmte Eigenschaften wie heiß oder kalt, feucht oder trocken, leicht oder schwer usw. In jedem Element sind die Eigenschaften verschieden gemischt, manche wirken gleichsinnig (führt zu Vermehrung), andere gegensätzlich (führt zu Verminderung). (Meyer 1996: 120/122, Asshauer 1999: 13-14) Das Leben ist wie Gesundheit
2 In der Transkription von „ Wind“ muss über dem „n“ von „rluń“ in richtiger Form ein Punkt stehen anstatt eines Akzentes. Aus technischen Gründen schreibe ich auf allen „n“, auf denen eigentlich ein Punkt stehen sollte, einen Akzent.
3 Finckh lässt den Begriff bsam sehu unübersetzt, da er nicht ganz klar definierbar ist (Finckh 1985: 54).
Arbeit zitieren:
Marion Zimmermann, 2002, Grundlagen der klassischen tibetischen Medizin: Körpersäfte, Diagnostik, Therapie, München, GRIN Verlag GmbH
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