Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Das Barock 5
1.1 Der Begriff Barock 6
1.2 Der geschichtliche Hintergrund des Barocks 7
1.3 Das Weltbild im Barock 8
1.4 Das Sterben im Barock 9
1.5 Der Totentanz 11
1.6 Die Embleme 15
2 Die Barockmalerei 17
2.1 Das Stilleben 18
2.2 Vanitas-Symbolik im Stilleben 20
2.3 Fortuna 22
2.4 Vanitas-Stilleben 23
2.5 Gedeckte Tisch-Stilleben, Mahlzeiten-Stilleben 24
2.6 Blumen-Stilleben 32
3 Die Barockdichtung 35
3.1 Vanitas-Gedanke in der Barockdichtung 36
3.2 Neuorientierung in der deutschen Dichtung 37
3.3 Sprachgesellscha en 38
3.4 Die Lyrik im Barock 39
3.5 Das Theater im Barock 45
3.6 Der Roman im Barock 46
4 Die Barockmusik 47
4.1 Der Vanitas-Gedanke in der Barockmusik 48
4.2 Neuerungen in der Barockmusik 49
4.3 Die Oper im Barock 50
4.4 Claudio Monteverdi 51
4.5 Georg Friedrich Händel 52
4 6 Johann Sebastian Bach 53
Abb.1 Vanitas-Motiv aus dem 18. Jhd.: Hinter der Maske der Schönheit, lauert der Tod
Die folgende Betrachtung soll diesem Phänomen auf den Grund gehen und anhand einiger Beispiele herausstellen, wie es zu diesem Widerstreit von Lebensfreude und Beschä�igung mit dem Todesgedanken kam und wo es seinen Ursprung hat.
Welches Weltbild ha�en die Menschen im Zeitalter des Barock? Glaubten sie an ein Leben nach dem Tod, an Fegefeuer, Hölle oder das jüngste Gericht? Welche Rolle spielte der Tod im Leben jedes einzelnen und in welchen Bereichen wurde das Thema Tod und Sterben besonders aufgegriffen- und warum dort? Trat das Phänomen in bestimmten Ländern besonders stark auf? Was ist der sog. „Vanitas-Gedanke“ und wie und wo äußerte er sich? Die Aufforderung „memento mori“ schwang überall mit. Was bedeutete sie genau und wie wirkte sie sich auf das Leben der Menschen aus?
In vielen Bereichen, wie der Mode und Architektur, herrschte Hochsaison. Die Menschen übertrump�en sich, in prunkvolle Kleider gehüllt, auf rauschenden Festen in reichen Prachtbauten. Die Oper hielt Einzug in das gesellscha�liche Leben, prunkvoll und grandios inszeniert. Doch die Geschichten aus der antiken Mythologie wie „Orpheus und Euridike“, wunderschön, herzzerreißend beginnend und tragisch endend, zeigten dem Zuschauer letztlich wieder seine eigene Schwäche und Sterblichkeit auf. In der Malerei begegnen ähnliche Phänomene, wunderschöne Stilleben mit kostbaren Gegenständen auf den reichgedeckten Tischen, gespickt mit Symbolen und Metaphern von Tod und Verderben. Auch in der Lyrik bestimmte das Thema des Todes die Zeilen und ermahnte den Leser stets an seine Endlichkeit zu denken.
1.1 Der Begriff Barock
Der Begriff Barock leitet sich von dem portugiesischen Wort
Im Zeitalter von Rationalismus und Au�lärung war der Barock-Begriff stets negativ besetzt und stellte das Abweichende vom Standard dar. Die Formenvielfalt in ihrer extremen und o� übertriebenen Art wurde als bizarr und seltsam empfunden. Erst in der zweiten Häl�e des 19. Jahrhunderts wurde der Barock-Begriff aus stilgeschichtlicher Sicht anerkannt und aufgewertet. Er war besonders von den zwei Kunsthistorikern Cornelius Gurli� 2 und Heinrich Wölfflin 3 „als eine der Renaissance gleichwertige Form künstlerischen Ausdrucks rehabilitiert worden“ 4 . Der Schweizer Kunsthistoriker Wölfflin entwickelte 1915 in seinem Hauptwerk „Kunstgeschichtliche Grundbegriffe“ über den Vergleich von Werken der Renaissance mit Werken des Barocks fünf begriffliche Gegensatzpaare, mit denen er den Stil von Kunstwerken definieren wollte: Linear - Malerisch, Fläche - Tiefe, Geschlossen - Offen, Einheit - Vielheit, Klarheit - Unklarheit/Bewegtheit.
Sein Barock-Begriff wurde akzeptiert und manifestierte sich auch bald in den Werken der Musik, Kultur- und Literaturhistoriker. So übertrug z.B. der Literaturhistoriker Fritz Strich (1882-1963) den Begriff auf die Barockliteratur 5 . Auch später wurde der Begriff Barock wieder aufgegriffen. Wenn dynamische, schwungvolle Formen auf formlose strenge Stilphasen folgten, bezeichnete man diese als barock: Als Beispiel gelten das spätrömische Barock 6 . Gegen Ende des 17. Jahrhunderts tauchten die Ornamente und Verzierungen des Barocks besonders auf Möbeln auf.
Andere Forscher stützten sich auf die religiösen Aspekte, etwa was den Umgang mit dem Tod betri�, um den Kunststil Barock zu definieren.
-6-
1.2 Der geschichtliche Hintergrund des Barocks
Um das im Barock gespaltene Weltbild der Menschen zu verstehen, muß man sich zunächst den historischen Hintergrund und das damalige Weltgeschehen vom 16. bis zum 18. Jahrhundert bewußt machen. Die Reformation, d.h. die Abspaltung der Protestanten von der katholischen Kirche, und die Gegenreformation führten in Deutschland zum Dreißigjährigen Krieg (1618-48) und so kam es zu einem regelrechten Krä�emessen der Großmächte um das Gleichgewicht in Europa. Dadurch geriet der Hauptschauplatz Deutschland auf einen wirtscha�lichen und kulturellen Tiefpunkt. Das Land war zerrü�et und nur knapp ein Dri�el der deutschen Bevölkerung ha�e den Krieg überlebt. Zusätzlich wurden viele der Überlebenden durch Krankheiten und Seuchen, allen voran die Pest, dahingera�.
Aufgrund der verzweifelten Lage im eigenen Land orientierten sich die deutschen Fürsten an Frankreich, dem Zentrum absolutistischer Macht und Repräsentation. Von dort übernahm man den Gedanken einer von Go� gewollten Ordnung, geregelt durch einen von Go� gewollten alleinigen Herrscher zur Disziplinierung des Volkes (Go�esgnadentum). Er regierte losgelöst von den Gesetzen „legibus absolutus“ und hob die Anfänge einer Gewaltenteilung in Exekutive, Legislative und Judikative zu seinen Gunsten auf und vereinigte alle Gewalten in seiner Person. Der Absolutismus basierte o� auf der Koalition des Königs mit dem Bürgertum zur Zähmung des Geburtsadels. Die Macht lag nun nicht mehr beim Adel, sondern mehr beim “selbstbewußten aristokratischen Mann“ (höfische Beamte, Offiziere, Würdenträger); er übernahm die Gesellscha�sführung und präsentierte sein neues Selbstbewußtsein in allen Lebensbereichen in formvollendeter Weise.
So kam es auch in Deutschland zum Territorialabsolutismus, d.h. Territorialfürsten versuchten, sich immer mehr Rechte zu verschaffen. Der Staat nahm immer mehr Einfluß auf das wirtscha�liche und gesellscha�liche Leben in allen Bereichen, also auch in der Bildung, Erziehung und Kirche. Innere Konflikte, wie Bauernkriege, Juden- und Hexenverfolgung erschwerten zusätzlich die Lage im deutschen Reiche 7 .
Ludwig der XIV. (1638-1715), absoluter Alleinherrscher über Frankreich wurde zum großen Vorbild in Europa. Er ließ seiner Vorstellung entsprechend Künstler einstellen und Au�ragsarbeiten ausführen, wodurch der sog. „Louis-quatorze-Stil“ geprägt wurde 8 . Die Kunst wurde zur öffentlichen Angelegenheit gemacht und zu Repräsentationszwecken eingesetzt, zur Demonstration und Bestätigung des Machtanspruches. In der Baubranche herrschte ein regelrechter Boom: Barockschlösser und Kirchen wurden nach französischem Vorbild (besonders Versailles) in den deutschen Territorialstaaten errichtet (zum Beispiel Schloß Nymphenburg in München). Versailles stand als Sinnbild für die Macht und Bedeutung seines Besitzers. In dem Schloß und seinen riesigen Gartenanlagen fand das höfische Leben in grandiosen Formen sta�.
-7-
1.3 Das Weltbild im Barock
Angesichts solcher Fakten läßt sich bereits der Zwiespalt der barocken Gesellscha� erahnen. So war sie einerseits geprägt von enormer Machtfülle und entsprechender Repräsentation der Fürsten, andererseits von Armut großer Bevölkerungsschichten angesichts der vielen Abgaben, Kriege und Seuchen. Wenn der Mensch dem Tod in Form von Krieg oder Pest gerade noch entkommen war, lebte er einerseits in einem ständigen Todesbewußtsein, andererseits in einem daraus resultierenden extremen Hunger nach Leben. Der barocke Mensch fühlte sich nicht mehr wie in der Renaissance in einem in sich geschlossenen und einheitlichen Weltbild geborgen, es wurde gesprengt durch die neuen physikalischen, mathematischen und astronomischen Entdeckungen. Aus der Erkenntnis, daß die Erde eine Kugel und nicht eine Scheibe ist (Kopernikus 9 ), ergaben sich völlig neue Perspektiven für den Menschen in damaliger Zeit. Das Weltall, und „was die Welt zusammenhält“ wurden erforscht, es ist der „Beginn einer analytischen Naturforschung auf dem Hintergrund einer Gesamtschau, deren Spitze Go� ist: Galilei, Kepler, Newton.“ 10 Galilei (1564-1642) bekam Probleme bei der Verteidigung der kopernikanischen These von einem heliozentrischen System, in dem die Erde um die Sonne als Mi�elpunkt kreist 11 . Schon Kepler (1571-1630) ha�e zuvor versucht, das Prinzip der Bewegung der Himmelskörper herauszufinden, und damit eine Basis für Newtons Theorien geschaffen. Isaac Newton (1643-1727), schon wegen seiner Allongeperücke 12 als Barockmensch erkennbar, Experte auf den Gebieten der Mathematik, Physik und Astronomie, entdeckte, daß das Sonnenlicht aus Spektralfarben besteht, und stellte das Gravitationsgesetz auf, welches bisher unbekannte Phänomene erklärte, wie Ebbe und Flut.
Das Leben der Menschen im Barock basierte wie in der Zeit zuvor und später noch auf einer von Go� gewollten Ordnung. Jedem Menschen war eine für ihn bestimmte Rolle im Leben zu gedacht. Sowohl dem Be�ler, als auch dem König war ein Platz in der Welt zugeteilt. Um zu verhindern, Spielball des Schicksals zu werden und nur von Fortuna und Go�es Gnade abhängig zu sein, gab es vereinzelte Versuche des barocken Menschen, seiner Lebenssituation Herr zu werden. Als Ausgangspunkt aller Erkenntnis wurde das Selbstbewußtsein zum Mi�elpunkt des Denkens: „cogito ergo sum - ich denke, also bin ich“. Diese Philosophie wurde von René Descartes (1596-1650) 13 formuliert, der damit dem Geist mehr Bedeutung verlieh als der Materie. Dem Menschen gelang es, das Äußere und Wahrnehmbare sehr wohl zu beeinflussen und zu formen: in Bereichen wie der Mode, Kunst, Musik und besonders der Architektur übertraf der Mensch sich selbst. Nach Außen hin herrschte vollkommene Einheit, und doch war der Mensch innerlich zerrissen, in dem ständigen Bewußtsein, sein Leben nicht bis in alle Ewigkeit weiterführen zu können. Seine eigene Sterblichkeit und den Tod aufzuhalten war er nicht im Stande. Das Innere re�ete sich nach Außen in das Wahrnehmbare und Repräsentative.
Daher floß in allen Bereichen das Thema der Vergänglichkeit o� unterschwellig, aber unweigerlich mit ein und läßt sich auch unter noch so großer Pracht und Herrlichkeit nicht verbergen. So wurde der Mensch stets auch in allen Bereichen des öffentlichen Lebens, in der Kunst, Musik und Literatur an seine Sterblichkeit erinnert und ermahnt, das Leben, die Vorstufe des Todes, nach besten Vorsätzen zu gestalten.
-8-
1.4 Das Sterben im Barock
Das Thema „Tod“ beschä�igte seit jeher die Menschheit und läßt sich in jeder Kultur von der Vorzeit ausgehend bis zur Gegenwart nachweisen. Während Tiere erst kurz vor ihrem Tod ihr Ableben zu erahnen scheinen, ist der Mensch das einzige Wesen, das sich längerfristig reflektierend seiner eigenen Sterblichkeit bewußt ist. Und gerade diese Gewißheit des eigenen Todes prägte den Menschen des barocken Zeitalters nachhaltig und so intensiv, daß er sich schon zu Lebzeiten immer wieder mit dem Thema des Sterbens auseinandersetzte.
Aufgrund der Spaltung Europas durch die Reformation
Abb.2 Abraham a Sancta Clara, Kupferstich: Ablaßkauf aus dem Fegefeuer
-9-
Die Reformation zielte darauf ab, allmählich entstandene Mißbräuche, wie das Erkaufen eines Ablasses der Sünden, und den Glauben an die Existenz des Fegefeuers zu kritisieren. Die Rolle der Kirche beim Sterben verlor an Bedeutung, und überschwängliche Trauer sowie die Inszenierung des Begräbnisses mit Pomp wurden abgelehnt.
Doch in allen Konfessionen herrschte eine Ideal-
Abb.3
Diese Mi�el der Abschreckung erwiesen sich als
Abb.4 Kupferstich: schlechter Tod
-10-
1.5 Der Totentanz
Die aus dem Spätmi�elalter bekannte Darstellung des
Abb.5 Kupferstich nach Michael Rentz
Totentänze wurden auf Kirchen- und Friedhofsmauern, in Kapellen, Kreuzgängen und Beinhäusern dargestellt. An solchen Orten sollten die Angehörigen an die eigene Sterblichkeit erinnert und zu einer moralischen Lebensführung aufgefordert werden. Das Interesse der barocken Gesellscha� an den Darstellungen von Totentänzen, die durch den gesteigerten Buchdruck auch unter das einfache Volk gebracht wurden, läßt sich mit der Unruhe und Unsicherheit des dreißigjährigen Krieges und dem wiederholten Wüten der Pest erklären und findet sich als dankbares Motiv in zahlreichen Bereichen der Skulptur, Malerei, in Kupferstichen, in der Musik und Literatur wieder:
Der Hofprediger Abraham a Sancta Clara stellte als Oberhaupt der Totenbruderscha� von St.-Augustin eine Chronik über die Pestepidemie 1679 in einem 400 Seiten starken Buch zusammen, versehen mit acht beeindruckenden Kupferstichen, in denen er den „Tanz des Todes“ schilderte. Ein weiterer Zyklus von Totentänzen befand sich in der Loretokapelle in der Wiener Ho�irche, die Abraham a Sancta Clara nach eigenen Entwürfen anfertigen ließ.
-11-
Abb.6 Bleibacher Totentanz
Abb.7 Bleibacher Totentanz, Fresko
-12-
Arbeit zitieren:
Julia Heiduk, 2006, Das barocke Leben in der Spannung zwischen "memento mori" und "carpe diem", München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Arthur Schopenhauers: Die Welt als Wille und Vorstellung erster Band -...
Philosophie - Philosophie des 19. Jahrhunderts
Magisterarbeit, 138 Seiten
Shakespeares Frauenfiguren in Komödie und Tragödie - Merchant of Venic...
Hausarbeit, 35 Seiten
Wiener Aktionismus: Die frühen Aktionen von Günter Brus
Körperbemalung der Ana, Selbst...
Kunst - Installationen, Aktionskunst, 'moderne' Kunst
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Catharina von Georgien. Untersuchung des Trauerspiels von Andreas Gryp...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 19 Seiten
Eine Geschichte des Körpers im Schmerz - Theorien von Elaine Scarry un...
Seminararbeit, 34 Seiten
Die Entdeckung und Förderung künstlerischer Begabung im Grundschulalte...
Examensarbeit, 87 Seiten
Bedeutung und Wirksamkeit des Martyriums in Andreas Gryphius‘ Trauers...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 21 Seiten
Soziale Ungleichheit und Geschlecht
Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter
Hausarbeit (Hauptseminar), 27 Seiten
(Massen-) Medien und Politik als Gegenstände des Sozialkundeunterricht...
Politik - Didaktik, politische Bildung
Hausarbeit (Hauptseminar), 33 Seiten
Die Rolle des Körpers in den frühen Videoperformances Bruce Naumans
Hausarbeit (Hauptseminar), 28 Seiten
Interkulturelles Lernen zwischen Migration und Integration
Hausarbeit, 16 Seiten
Female Characters in "Macbeth", "Othello" and &quo...
Hausarbeit (Hauptseminar), 19 Seiten
Virtuelle und fotografische Realität im heutigen Fernsehen. Das Weltbi...
Seminararbeit, 13 Seiten
Vermittlung gestalterischer Techniken im Kunstunterricht
Hinterfragung eines traditione...
Examensarbeit, 73 Seiten
Shakespeare's Historical Background and the World Picture of the E...
Hausarbeit (Hauptseminar), 23 Seiten
Körper als Gegenstand in den Werken aktueller Künstlerinnen
Kunst - Uebergreifende Betrachtungen
Examensarbeit, 99 Seiten
Biografiearbeit als ästhetischer Prozess?
Von der ästhetischen Spurensuc...
Magisterarbeit, 150 Seiten
The (Mis?)-Representation of Women in Shakespeare's Comedies
Seminararbeit, 14 Seiten
Julia Heiduk hat den Text Das barocke Leben in der Spannung zwischen "memento mori" und "carpe diem" veröffentlicht
Julia Heiduk hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare