Inhalt
1. Einleitung: Die Idee des Films. Seite 3
2. Auf der Suche nach einer Unbekannten Seite 5
3. Meine unsterbliche Geliebte: Die Struktur Seite 6
3.1. Tod und Entdeckung des Testaments. Seite 6
3.2. Der Besuch des Hotels in Karlsbad Seite 7
3.3. Guilietta Guicciardi, Wien Seite 8
3.4. Erneuter Besuch bei Johann van Beethoven, Wien Seite 10
3.5. Gräfin Anna Maria von Erdödy, Ungarn Seite 11
3.6. Johanna van Beethoven, Baden-Baden Seite 13
4. Analyse: Citizen Kane im 19. Jahrhundert Seite 16
5. Schlusswort Seite 22
6. Bibliografie Seite 24
7. Stabangaben zum Film Seite 25
2
1. Einleitung: Historie und Film
L
udwig van Beethoven wurde am 16. Dezember 1770 in Bonn geboren und starb am 26. März 1827 in Wien. Einen Tag nach seinem Tod suchten einige seiner Freunde, darunter sein Sekretär Anton Schindler sowie sein Bruder Johann van Beethoven, nach diversen Bankpapieren in den Räumlichkeiten des Verstorbenen. Schließlich fanden sie eine Schublade, aus der ein Nagel herausragte. Beim Öffnen dieser Schublade fielen ihnen viele persönliche Dinge und ein mysteriöser Umschlag in die Hände, der bis heute die Musikwelt rätseln lässt: Es war ein Brief, der an seine „unsterbliche Geliebte“ gerichtet war. In ihm kamen Emotionen zum Ausdruck, die man von Beethoven gar nicht gewohnt war:
Fortan versuchten sich zahlreiche Gelehrte daran, zu entschlüsseln, wer diese geheimnisvolle Person war. Nach allerlei akribischen Nachforschungen stand zumindest das Datum fest, an welchem der Liebesbrief verfasst worden war: Am 6. Juli 1812, also knapp 15 Jahre vor seiner Entdeckung durch Beethovens
3
Freunde, wurde das Dokument in Teplitz geschrieben. Beethoven befand sich auf einer Reise, und seine Geliebte hielt sich aller Wahrscheinlichkeit nach zu jenem Zeitpunkt im nahe gelegenen Karlsbad auf, wo er sich auch mit ihr verabredet hat respektive sich mit ihr getroffen hat. Diese Recherchen führten jedoch nicht zu dem Namen der Gesuchten. Im Gegenteil, je mehr man die Frauenwelt des Komponisten unter die Lupe nahm, umso verwirrender und komplizierter gestaltete sich die Suche. Mehr als ein halbes Dutzend Kandidatinnen gab es, und anscheinend hat sich jeder Beethoven-Biograph seine eigene Favoritin ausgesucht. Alle waren besonders hübsch, adelig, meist um zehn Jahre jünger als Beethoven und Bewunderinnen seiner Musik. Auch Gräfin Guilietta Guicciardi, die aus einer ungarischen Adelsfamilie stammte, sowie Gräfin Anna Maria Erdödy, ebenfalls ungarische Adelige, die in dem Film Ludwig van B. - Meine unsterbliche Geliebte wesentliche Rollen spielen, kamen in die nähere Auswahl. Erstere hatte eine Liebschaft mit dem Maestro im Jahre 1801 (die Mondscheinsonate, die er in jenem Jahr komponierte, ist Guicciardi gewidmet), und Erdödy hatte von 1807 bis 1817 intensiven Kontakt mit dem Künstler (auch ihr widmete er zwei Trios, darunter das Geistertrio). Die dritte Möglichkeit, die der Film anbietet, Johanna Reiss - Beethovens verhasste Schwägerin -, entspringt jedoch der Fantasie des Autors und Regisseurs Bernard Rose. Die anderen Frauen waren die Schwestern Josephine und Therese Brunsvik, Verwandte der Guicciardi; Bettina Brentano, Tochter eines italienischen Kaufmanns, und Therese Malfatti, Tochter eines Wiener Arztes. Die Liste ist damit noch lange nicht zu Ende; fest steht allenfalls, dass man nicht präzise festlegen kann, wer die geheimnisvolle „unsterbliche Geliebte“ war.
Ein anderer Hauptaspekt des Films - Beethovens erkämpfte Vormundschaft über seinen Neffen Karl - ist ebenfalls historisch belegt: 1815 starb Caspar van Beethoven, Ludwigs jüngerer Bruder. Dessen Frau, Johanna van Beethoven, geborene Reiss, war Ludwig schon lange ein Dorn im Auge, da er sie für „unzüchtig“ hielt. In einem langen Prozess gegen Johanna gewann er schließlich und setzte damit eine persönliche Tour de Force in Gang, die ihn auch für lange Zeit am künstlerischen Schaffen hinderte, da ihn die Erziehung eines Kindes überforderte, was nicht letztendlich durch den Selbstmordversuch Karls unterstrichen wird (vgl. Marek 1970).
4
Diese Hauarbeit befasst sich mit der Struktur des Plots von Meine unsterbliche Geliebte. Warum ist der Film chronologisch gerichtet? Welche Mittel setzt er dabei ein? Wie wird die Story-Konstruktion im Kopf des Rezipienten dabei in Gang gebracht? Welche Stärken gehen mit einer solchen Reihenfolge einher? Der Film wird inhaltlich kurz vorgestellt, dann wird der Aufbau chronologisch analysiert und auf seine Funktion hin untersucht. In einem Schlusswort werden die Ergebnisse noch einmal zusammengefasst. Die Fußnoten beschäftigen sich unter anderem mit den Daten aus dem „realen Leben“ des Komponisten.
2. Auf der Suche nach einer Unbekannten
Der Film startet mit dem Tod Beethovens in Wien im Jahre 1827. Nachdem sein Freund und Sekretär Anton Schindler auf der Beerdigung eine Grabrede gehalten hat, durchsucht er zusammen mit Ludwigs Bruder Johann die Wohnung des Verstorbenen nach einem Testament. Hier findet Schindler den Brief an die „unsterbliche Geliebte“, die als Alleinerbin in Frage kommt. Sofort stellt sich Johann dagegen, ist er doch der bisherige Alleinerbe, da sein Bruder Caspar bereits tot ist. Eiligst macht sich Schindler auf den Weg nach Karlsbad, wo er sich Informationen über die Identität der Frau erhofft. Dort erfährt er in einem Hotel, dass tatsächlich eine auffällig verschleierte Frau auf Beethoven wartete und ihr der Brief überreicht wurde - was jedoch schon 15 Jahre zuvor gewesen sein muss, da der Brief bekanntlich 1812 verfasst wurde -, die aber alsbald wieder abreiste, bevor Beethoven das Hotel erreichte. Als dieser schließlich im strömenden Regen in Karlsbad eintrifft, findet er das Zimmer leer vor und gerät in Rage. Die Hotelwirtin gibt Schindler eine Unterschriftenprobe der Frau, und er reist weiter nach Wien zur van-Gallenburg-Residenz, wo sich die Gräfin Guilietta Guicciardi aufhält, die einst eine enge Freundin Beethovens war. Sie lernte ihn in Wien kennen und lieben, weil sie vor allem von seiner Musik angetan war. Schließlich erteilt Beethoven ihr Klavierunterricht und erzählt ihr von neuen Kompositionen, die er zu Papier zu bringen gedenkt. Eine Heirat scheint nicht ausgeschlossen, als sich Guiliettas Vater einmischt, der die Tochter lieber an der Seite des Grafen von Gallenburg sähe. Nachdem sich nun auch erste Anzeichen seiner Taubheit ankündigen, muss Guilietta ihn aufgeben, und sie heiratet den Grafen. Schindler trifft sich erneut mit Johann van Beethoven. Der berichtet ihm von Ludwigs Launen und von seinem Hass auf seine beiden Schwägerinnen. Die
5
nächste Station auf der Suche nach der Wahrheit liegt in Ungarn auf dem Anwesen der Gräfin Anna Maria Erdödy, die ein gutes Jahrzehnt mit dem Komponisten befreundet war. Sie lernte ihn bei einem Klavierkonzert kennen. Als Napoleon auch in Wien einmarschiert, stirbt Anna Marias Sohn im Kanonenhagel. Beethoven spendet ihr im folgenden Jahr Trost. In jener Zeit wird Schindler sein Sekretär. Als Caspar van Beethoven stirbt, prozessiert Ludwig um die Vormundschaft seines Neffen Karl und gewinnt.
Der Plan, Karl zu einem großen Virtuosen zu machen, scheitert. Fünf Jahre später sind die Konversationen zwischen Onkel und Neffe durch Wutanfälle, Vulgarität und Selbstmitleid gekennzeichnet. Karl versucht sich umzubringen, doch er überlebt.
Anna Maria Erdödy beteuert schließlich ebenfalls, nicht die „unsterbliche Geliebte“ zu sein, führt Schindler jedoch zu ihr: In Baden-Baden findet er Johanna, die Schwägerin Beethovens, die er verabscheute. Zumindest war das die öffentliche Meinung. Dennoch ist sie die „unsterbliche Geliebte“. Zu jener Zeit im Hotel in Karlsbad empfing sie den Brief, übersah ihn jedoch auf dem Tablett, das die Wirtin ihr brachte. Obwohl ihr Beethoven in späteren Jahren den Sohn wegnimmt, verzeiht sie ihm, nachdem sie der Premiere der 9. Sinfonie beigewohnt hat und Ludwig ihr den Sohn auf seinem Sterbebett zurückgibt.
3. Meine unsterbliche Geliebte: Die Struktur
3.1. Tod und Entdeckung des Testaments
Bevor überhaupt etwas zu sehen ist, spielt sich ein unsichtbares Orchester auf der Tonspur ein, quasi als auditive Einstimmung auf die Handlung. Grelle Blitze durchschlagen die Nacht zu den ersten Takten der 5. Sinfonie. Beethoven tut seinen letzten Atemzug. Bereits hier deutet sich an, dass der Film keiner linearen Chronologie folgt. Während der Sarg zum Friedhof getragen wird, hört man - als Voice-Over und Sound-Bridge aus der Zukunft - die Stimme Schindlers, der seine Grabrede hält. Die Ambivalenz von Beethovens Charakter wird hier schon vorweggenommen: „Gerade die zartesten Spitzen sind es, die sich am leichtesten abstumpfen“, so Schindler; auf der anderen Seite nannten ihn zahlreiche Menschen einen gefühllosen Rohling. Dies dient den Anwesenden als Rückblick, dem Zuschauer jedoch als Vorschau auf kommende Rückblenden.
6
Arbeit zitieren:
Michael Himpler, 2002, Der strukturelle Aufbau von Ludwig van B. - Meine unsterbliche Geliebte, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Unterrichtseinheit: Bilder einer Ausstellung von M. Mussorgsky – unter...
Unterrichtsentwurf, 26 Seiten
Pressefreiheit in der Republik Moldau
Politik - Internationale Politik - Region: Osteuropa
Seminararbeit, 22 Seiten
Die Erlebnisgesellschaft und die Konsequenzen für die Wirtschaft
Soziologie - Konsum und Werbung
Studienarbeit, 27 Seiten
Thomas Manns Buddenbrooks - Der Verfallsprozess
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 12 Seiten
Die Idee des Gesamtkunstwerks bei Karlheinz Stockhausen, dargestellt a...
Examensarbeit, 90 Seiten
Identität und Selbst: Persönlichkeits- und sozialpsychologische Aspekt...
Psychologie - Sozialpsychologie
Hausarbeit, 29 Seiten
Regeln der Gegenstandsbeschreibung - Schreiben einer Verlustanzeige (U...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Unterrichtsentwurf, 6 Seiten
Popularmusik im "Dritten Reich" - unter besonderer Berücksic...
Soziologie - Medien, Kunst, Musik
Hausarbeit (Hauptseminar), 43 Seiten
Die Ereigniskultur nach Gerhard Schulze
Kulturwissenschaften - Allgemeines und Begriffe
Hausarbeit (Hauptseminar), 14 Seiten
Immanuel Kant und sein Einfluß auf das musikästhetische Denken um 1800
Hausarbeit, 14 Seiten
Massenkultur und Propaganda - Kulturpolitik im 3. Reich
Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg
Seminararbeit, 27 Seiten
Erinnerung und Gedächtnis: Die Konzepte von Halbwachs, Assmann & C...
Hausarbeit, 29 Seiten
Immanuel Kants Analytik des Schönen
Kulturwissenschaften - Allgemeines und Begriffe
Seminararbeit, 16 Seiten
'Die Psychologie der Massen' - ein Vergleich der Erklärungsans...
Psychologie - Sozialpsychologie
Hausarbeit, 17 Seiten
"Wer Erfolg haben will, muss verrückt sein!" - Genie und Wah...
Wissenschaftlicher Aufsatz, 40 Seiten
Michael Himpler hat den Text Der strukturelle Aufbau von Ludwig van B. - Meine unsterbliche Geliebte veröffentlicht
Michael Himpler hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare