1. Einleitung 1
2. Hayeks Grundauffassungen 2
3. Ist die Idee der sog. sozialen Gerechtigkeit eine Utopie unserer Zeit? 5 3.1 Hayeks Freiheitsbegriff - Freiheit als Abwesenheit willkürlicher Zwänge 5 3.2 Genese und Bedeutung des Begriffs der sozialen Gerechtigkeit 6 3.3 Über die frühere Notwendigkeit einer sozialen Gerechtigkeit 9 3.4 Wo bleibt die Gerechtigkeit in einer Großgesellschaft mit freier Marktwirtschaft? 11 3.5 Die Gefahren der sozialen Gerechtigkeit 17
4. Resümee - Warum ist die soziale Gerechtigkeit eine Utopie unserer Zeit? 19
5. Literaturverzeichnis 21
1. Einleitung
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Wenn ich durch die Stadt gehe und sehe die Straßenmusiker, dann überlege ich mir fast immer, ob diese Leute denn wirklich von ihren, meist spärlichen Einnahmen, leben können. Schaue ich in ihren Geigenkasten oder ihren Hut, dann kann ich mir kaum vorstellen, dass die paar Euro und Cent wirklich reichen sollen, um damit den Lebensunterhalt finanzieren zu können. Aber trotzdem gebe ich ihnen nur sehr selten Geld. Meistens gebe ich nur den Musikern Geld, die russische Musik spielen, da ich mich freue, wieder einmal solch bekante Melodien zu hören. Obwohl ich also annehme, dass diese Menschen mein Geld wirklich nötig hätten, bin ich meistens nicht bereit ihnen etwas zu geben. Es ist nicht so, dass ich auf dieses Geld wirklich angewiesen wäre. Es ist auch nicht der Geiz der mich zurückhält. Es ist einfach eine gewisse Gleichgültigkeit, die ich gegenüber diesen Musikern habe. Ich kenne diese Leute nicht und habe meine eigenen Probleme, um die ich mich kümmern muss. Ich denke, meine Bereitwilligkeit ihnen Geld zu geben wäre größer, wenn die Musiker aus meinem Bekanntenkreis kommen würden. Aber dennoch kommt es manchmal vor, dass ich Mitleid mit, den mir unbekannten, Musikern habe, weil sie so wenig Geld bekommen und trotzdem doch eigentlich gute Musik machen, welche die Leute auf der Strasse durchaus unterhält. Was ich mir dann überlege, ist folgendes: Wenn diese Musikanten mit ihrer Musik durchschnittlich nicht soviel verdienen würden, dass es sich für sie lohnt, dann würden sie wahrscheinlich gar nicht hier stehen und Musik machen, sondern sich andere Tätigkeiten suchen. Sie mögen es wahrscheinlich, zu musizieren. Es macht ihnen sicherlich Spaß und dafür nehmen sie es auch in Kauf, dass sie nicht immens hohe Beträge damit verdienen können. Was hat eigentlich diese persönliche Stellungnahme zu den Straßenmusikern mit Hayeks Kritik an der sozialen Gerechtigkeit zu tun? Ganz einfach, es ist die Anwendung seiner Kritik auf das tagtägliche Leben. Diese, zugegebenermaßen etwas ungewöhnliche, Einleitung wird wohl erst dann vollkommen verständlich, wenn man diese Arbeit gelesen hat. Aber dennoch bietet sie, ohne unbedingt auf Hayeks Argumentationen zurückgreifen zu müssen, einen lebensrelevanten Bezug zu seiner Kritik der sozialen Gerechtigkeit. Abschließend möchte ich noch erwähnen, dass ich den Titel dieser Arbeit von der offiziellen Hayek Seite im Internet übernommen habe. Denn derzeit läuft dort ein Aufruf, in Anlehnung zu Hayek, einen Essay darüber zu schreiben, ob die soziale Gerechtigkeit eine Utopie unserer Zeit ist. Da ich mich bereits für dieses Thema entschlossen habe und mir die Formulierung dieser Fragestellung sehr gut gefiel, übernahm ich selbige zugleich als Titel für diese Arbeit.
2. Hayeks Grundauffassungen
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Bevor ich kurz die Grundauffassungen des Wirtschafts- und Sozialphilosophen Friedrich August von Hayek erläutern werde, möchte ich zunächst auf die wichtigsten Daten seiner Biographie ein. Hayek wurde am 8. Mai im Jahre 1899 in Wien geboren. Wie es in seiner Familie üblich war, schlug auch Hayek im Alter von 19 Jahren eine akademische Laufbahn ein, indem er das Studium der Rechtswissenschaft in Wien aufnahm. 1 Schon nach drei Jahren schloss er dieses mit dem Doktortitel der Rechtswissenschaft ab und vollendete zwei Jahre später das Studium der Staatswissenschaft mit der Promotion. Noch bevor er habilitierte, leitete er das Österreichische Institut für Konjunkturforschung. Eine seiner ersten Arbeiten „Preise und Produktion“, welche im Jahre 1931 erschien, war so bedeutend, dass man ihn deswegen für Forschungs- und Lehrzwecke an die London School of Economics berief. Während seiner Tätigkeit an dieser Einrichtung, war es unverkennbar, dass er zum wichtigsten Gegenspieler des bedeutenden Wirtschaftstheoretikers John Maynard Keynes wurde. Hayek blieb in Großbritannien und erhielt im Jahre 1938 die britische Staatsbürgerschaft. Zwölf Jahre später folgte er einem Angebot, an die University of Chicago zu gehen. Dort forschte und lehrte er, bis er 1962 nach Freiburg berufen wurde und schließlich 1967 auch dort mit seiner Pension die offizielle berufliche Laufbahn beendete. Aber das bedeutete noch nicht den Abschied von der Forschung. Hayek war danach noch Honorarprofessor in Salzburg und kehrte später wieder nach Freiburg zurück 2 , wo er am 23. März im Jahre 1992 starb 3 .
Wie bereits erwähnt wurde, studierte Hayek Rechtswissenschaft und Staatswissenschaft. Doch mit welchen Inhalten hat er sich nun genau beschäftigt? Zunächst einmal muss erwähnt werden, dass Hayek nicht irgendein Jurist bzw. Staatswissenschaftler war. Denn dass seine Werke außerordentlich erfolgreich waren bzw. immer noch sind, bezeugt schon, dass er 1974 - zusammen mit Gunnar Myrdal - mit dem Nobelpreis für Ökonomie ausgezeichnet wurde. Man ehrte ihn damit für seine Forschungsergebnisse im Bereich der Geld-, Kapital- und Konjunkturtheorie. Man könnte Hayeks gesamtes philosophisches System in vier Bereiche aufteilen: 1.) die Wirtschafts- und Erkenntnistheorie, 2.) die Sozialphilosophie, 3.) die politische Theorie und schließlich 4.) die Wissenschaftstheorie. Man wird dabei jedoch feststellen, dass man bei Hayek diese Bereiche nicht als voneinander losgelöst betrachten darf, sondern immer die gegenseitigen Wechselwirkungen mitdenken muss, um seine
1 vgl. http://www.hayek.de/start.html
2 vgl. Bouillon, H., Friedrich August von Hayek, in: Nida - Rümelin, J. (Hg.), Philosophie der Gegenwart in
Einzeldarstellungen von Adorno bis v. Wright, Stuttgart 1999 , S.298f.
3 vgl. http://www.hayek.de/start.html
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Theorien verstehen zu können. 4 Was zunächst als Besonderheit bei Hayek auffällt ist, dass er die Wirtschaftstheorie nicht isoliert betrachtet, sondern diese, ungewöhnlicherweise, in Verbindung mit der Erkenntnistheorie analysiert. Was heißt das? Seine erkenntnistheoretische Position sieht so aus, dass Hayek behauptete, kein System kann ein gleichwertiges oder höherwertiges anderes System erklären. Daraus schließt er, dass wir Menschen auch unser Gehirn nicht vollkommen erklären können und dass wir somit niemals behaupten können, wir seien in der Lage die gesamte Komplexität des möglichen Wissens zu erfassen. 5 Dieses Ergebnis überträgt er nun auf die Wirtschaftstheorie, indem er behauptet, wir müssen die Wirtschaft ihren eigenen Regeln überlassen. Denn das, was wir wissen, reicht nicht aus, um sich anmaßen zu können, die Wirtschaft zu planen. Wo er damit hinzielt ist klar. Es geht ihm um eine rigorose Kritik der Planwirtschaft, die zugleich einem Plädoyer für die freie Marktwirtschaft entspricht. Auch in der Sozialphilosophie schlägt sich diese Auffassung nieder. Laut Hayek entstehen Gesellschaften stets als sog. spontane Ordnungen. Dieser von Hayek häufig verwendete Begriff bedeutet, dass die Gesellschaft nicht von irgendwelchen Menschen einmal geplant und konstruiert wurde. Diese, von Menschen bewusst geschaffene, Art der Gesellschaftsordnung wird von Hayek als Taxis bezeichnet. Die Taxis, als zweckdienlich geschaffene Ordnungsform, lehnt er aber strikt ab. Denn sobald eine Ordnung künstlich hergestellt wird, ist damit auch immer die Gefahr verbunden, dass diese Ordnung willkürlich geschaffen wird. Eine Taxis birgt demnach die Gefahr in sich, für die, in ihr lebenden, Menschen unterdrückend zu sein. Dieser Kritikpunkt wird zusätzlich dadurch ergänzt, dass Hayek es für unmöglich erachtet, dass der Mensch etwas so komplexes wie eine Gesellschaftsordnung durchschauen, geschweige denn planen kann. Stattdessen plädiert Hayek dafür, alle Versuche, die Gesellschaft künstlich zu planen, aufzugeben. Stattdessen sollen die Menschen akzeptieren, dass eine förderliche Gesellschaftsordnung sich zufällig, wie eine Art Nebenprodukt, aus den verschiedenen Handlungen der Menschen entwickelt. Denn wenn die Menschen ihre eigenen Ziele erfüllen wollen, sind sie gezwungen zu handeln. Das erfolgreichste Handlungsprinzip wird Unbewussterweise beibehalten bzw. auch von anderen imitiert. Somit entstehen aus den jeweils erfolgreichsten Handlungsstrategien, über einen langen Prozess hinweg, die Verhaltensregeln einer Gesellschaft, woraus sich dann wiederum die entsprechende Gesellschaftsordnung entwickelt. Die Verhaltensregeln sind so komplex, dass die Menschen, obgleich sie nach diesen Regeln handeln, diese oft gar nicht artikulieren können. Sie bemerken meist nicht einmal, dass ihre Handlungen von derartigen
4
vgl. Bouillon, H., Friedrich August von Hayek, in: Nida - Rümelin, J. (Hg.), Philosophie der Gegenwart in
Einzeldarstellungen von Adorno bis v. Wright, Stuttgart 1999Bouillon, S.298f.
Arbeit zitieren:
Sindia Schuster, 2003, Ist die soziale Gerechtigkeit eine Utopie unserer Zeit? - Hayeks Kritik der sozialen Gerechtigkeit, München, GRIN Verlag GmbH
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