Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis 5
Tabellenverzeichnis 6
TEIL I - Einleitung
1. Problemstellung und Zielsetzung 9
2. Vorgehensweise 11
TEIL II - Theoretische Grundlagen
1. Die Bedeutung des Destinations-Images im Reiseentscheidungsprozess 13
1.1. Der Image-Begriff 13
1.1.1. Abgrenzung zum Begriff Stereotyp 16
1.1.2. Abgrenzung zum Begriff Einstellung 16
1.2. Imagearten 18
1.2.1. Das Destinations-Image 20
1.2.1.1. Zusammensetzung des Destinations-Images 20
1.2.1.2. Aufbau des Destinations-Images 22
1.3. Das Destinations-Image im Reiseentscheidungsprozess 22
1.3.1. Die Reiseentscheidung 23
1.3.2. Modelle und Ansätze 24
2. Erstellung einer Destinations-Image Analyse 30
2.1. Allgemeines 30
2.2. Die Image-Messmethoden 30
2.2.1. Inhaltsanalyse 31
2.2.2. Befragung 32
2.2.2.1. Projektive Verfahren 32
2.2.2.2. Skalierende Verfahren 33
2.2.2.2.1. Imagery Skalierung 34
2.2.2.2.2. Polaritätenprofil 34
2.2.2.2.3. Semantisches Differential 35
2.2.2.2.4. Imagedifferential 36
2.2.2.2.5. Mehrdimensionale Skalierung 40
2.3. Evaluierung der Imagemessmethoden 41
1
3. Segmentierung 44
3.1. Begriffsklärung 44
3.1.1. Marktsegmentierung als Prozess der Marktaufteilung 44
3.1.2. Marktsegmentierung als Marketingstrategie 45
3.2. Nutzen der Marktsegmentierung 47
3.3. Vorrausetzungen für die Marktsegmentierung 47
3.4. Der Marktsegmentierungsprozess 49
3.4.1. Geographische und Demographische Segmentierung 50
3.4.2. Sozioökonomische Variablen 51
3.4.3. Psychographische Segmentierung 52
3.4.4. Segmentierung nach Käuferverhalten 53
3.5. Urlaubertypologien 54
4. Methoden für eine mögliche Imagerepositionierung 60
4.1. Ursachen eines negativen Image 60
4.2. Korrektur eines negativen Image 61
4.2.1. Negatives in Positives verwandeln 61
4.2.2. Ikonmarketing 61
4.2.3. Beseitigung des Negativen 62
4.3. Branding und Imagerepositionierung 62
4.3.1. Was ist ein Brand bzw. was ist Branding? 62
4.3.2. Destinationsbranding 64
4.3.3. Herausforderungen des Destinationsbranding 66
4.4. Die Entwicklung des Destinations-Images 67
4.4.1. Identifikation des Zielpublikums und dessen Verhalten 69
4.4.2. Techniken und Instrumente zur Imagemodifikation 69
4.4.2.1. Werbung 69
4.4.2.2. Direktmarketing 71
4.4.2.3. Verkaufsförderung 72
4.4.2.4. Public Relations 73
4.4.2.5. Persönlicher Verkauf 74
4.4.2.6. Sonstige Instrumente 75
4.4.3. Die Verbreitung eines Images 76
4.4.3.1. Slogans, Themen und Positionen 76
4.4.3.2. Visuelle Symbole 77
2
4.4.3.3. Veranstaltungen und Aktionen 77
TEIL III - Praxisbeispiel Russland
1. Die Destination Russland 81
1.1. Allgemeines zum Land 81
1.2. Die Entwicklung des Tourismus in Russland 82
1.2.1. Tourismus zur Zeit der Sowjetunion 83
1.2.2. Die heutige tourismuspolitische Situation 84
1.3. Aktuelle touristische Probleme Russlands 88
1.3.1. Einreise 89
1.3.2. Hotels 90
1.3.3. Infrastruktur und Transportwesen 91
1.3.4. Image 91
1.3.5. SWOT-Analyse 92
1.4. Blick in die Zukunft 92
2. Empirische Untersuchungen 94
2.1. Vorgehensweise und Methodik 94
2.1.1. Konstruktion der Skalen und Selektion der Items 94
2.1.2. Entwicklung der offenen Fragen 95
2.3. Datenanalyse 97
2.3.1. Analyse der geschlossene Fragen 97
2.3.3. Analyse der offenen Fragen 98
2.4. Ergebnisse der Untersuchung 98
2.4.1. Komponenten des Images Russlands 98
2.4.2. Demographisches Profil der Stichprobe 103
2.4.3. Allgemeines Reiseverhalten 104
2.4.4. Gewährleistete Sicherheit 106
3. Generierung und Überprüfung der Hypothesen 107
3.1. Hypothese 1 107
3.2. Hypothese 2 110
3.3. Hypothese 3 112
3.4. Hypothese 4 113
3.5. Hypothese 5 117
3
4. Illustration des derzeitigen Images Russlands 119
4.1. Analysen anhand der allgemeinen Image-Items 120
4.1.1. Das allgemeine Gesamtimage 120
4.1.2. Allgemeines Russlandimage und Russlandbesuch 122
4.1.3. Allgemeines Russlandimage und Traumdestination 124
4.2. Analysen anhand der spezifischen Image-Items 125
4.2.1. Das spezifische Gesamtimage 125
4.2.2. Spezifisches Russlandimage und Russlandbesuch 126
4.2.3. Spezifisches Russlandimage und Traumdestination 127
4.3. Ergänzende Aspekte zum Image Russlands 128
4.4. Zusammenfassung zum Image Russlands 130
5. Ansätze zur Marktsegmentierung und Imagerepositionierung 131
5.1. Marktsegmentierung in Russland 131
5.2. Korrektur des Images Russlands 133
TEIL IV - Resümee und Ausblick
Resümee und Ausblick 137
TEIL V - Literaturverzeichnis
Literaturverzeichnis 141
TEIL VI - Anhang
Fragebogen 147
4
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1 Imagemodell 16
Abbildung 2 Die Komponenten des Destinations-Images 21
Abbildung 3 A Cognitive-Processing Model of Consumer Behaviour 25
Abbildung 4 A Generic Model of Consumer Problem Solving 26
Abbildung 5 A tourist’s holiday decision 27
Abbildung 6 Factors affecting tourists’ choice of a destination 28
Abbildung 7 Der Segmentierungsprozess 49
Abbildung 8 Einreiseströme aus den Nicht-GUS Staaten von 1994 2000 87
Abbildung 9 Attribut - holistische und psychologisch - funktionelle Komponenten
des Images Russlands 101
Abbildung 10 Allgemein - einzigartige und psychologisch - funktionelle Komponenten
des Images Russlands 102
Abbildung 11 Attribut - holistische und allgemein - einzigartige Komponenten
Des Images Russlands 103
Abbildung 12 Imagevergleich anhand allgemeiner Attribute in Abhängigkeit vom
politischen Interesse 115
Abbildung 13 Imagevergleich anhand spezifischer Attribute in Abhängigkeit
vom politischen Interesse 116
Abbildung 14 Das Image Russlands (allgemeine Attribute) 121
Abbildung 15 Image Russlands und Russlandbesuch (allgemeine Attribute) 123
Abbildung 16 Vergelich Russlandimage - Traumdestination (allgemeine Attribute) 124
Abbildung 17 Das Image Russlands (spezifische Attribute) 126
Abbildung 18 Image Russlands und Russlandbesuch (spezifische Attribute) 127
Abbildung19 Vergelich Russlandimage - Traumdestination (spezifische Attribute) 128
5
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1 Image Arten 19
Tabelle 2 Gegenüberstellung von Imagedifferential und Semantischen
Differential 40
Tabelle 3 Die wichtigsten Segmentierungsvariablen 54
Tabelle 4 Allgemeine Urlaubertypologien 56
Tabelle 5 Spezielle Urlaubertypologien 57
Tabelle 6 Touristische Nachfrage nach Romeiß-Stracke 58
Tabelle 7 Touristische Nachfrage nach Hahn 59
Tabelle 8 Nutzen von Branding 64
Tabelle 9 Messung der Wirksamkeit eines Destinations-Brands 66
Tabelle 10 Entwicklung von Urlaubs , beruflichen und privaten Reisen nach
Russland in einer Dreijahresperiode 86
Tabelle 11 Ankünfte ausländischer Staatsbürger in Russland 86
Tabelle 12 SWOT-Analyse Russlands als touristische Destination 92
Tabelle 13 Liste der Image-Attribute 95
Tabelle 14 Meistgenannte Antworten zu den offenen Fragen bezüglich des
Images Russlands 99
Tabelle 15 Mittelwertstabelle der allgemeinen Image-Items 100
Tabelle 16 Mittelwertstabelle der spezifischen Image-Items 100
Tabelle 17 Mittelwertvergleich der Einflussfaktoren 105
Tabelle 18 Häufigkeitsverteilung der Variablen „Besuchsabsicht“ 107
Tabelle 19 Mittelwertstabelle der Bewertung der Risikofaktoren und der
Erwartung für dieselben in Russland 108
6
Tabelle 20 Neubewertung der Differenzwerte und die Benennung der
Ausprägung 109
Tabelle 21 Häufigkeitsverteilung der Variablen „generelle Reiseneigung“ 111
Tabelle 22 Kreuztabellen - Besuchsabsicht / Reiseneigung und Mittelwerte 111
Tabelle 23 Begriffsnennungen bezüglich russischer touristischer Attraktivitäten
und Produkte in Verbindung mit einem Russlandbesuch 113
Tabelle 24 Begriffsnennungen bezüglich russischer touristischer Attraktivitäten
und Produkte in Verbindung mit politischem Interesse 114
Tabelle 25 Mittelwertstabelle zu den Aussagen 116
Tabelle 26 Kreuztabelle - Besuchsabsicht / Alter und Mittelwerte 118
Tabelle 27 Häufigkeiten der Aussagen 129
7
1. Problemstellung und Zielsetzung
Russland war lange Zeit für den internationalen Tourismus schwer zugänglich, hatte aber schon zur Zeit der Sowjetunion einen ausgeprägten staatlich dirigierten und finanzierten inländischen Massentourismus. Dieses Land, das größte der Erde, birgt ein immenses touristisches Potential, das es gilt auch der westlichen Bevölkerung zugänglich zu machen.
Betrachtet man aber die heutzutage gängige Meinung, die viele Leute von und über Russland haben, so scheint eine schnelle und problemlose Entwicklung in dieser Richtung und eine erfolgreiche Vermarktung dieses Angebotes in ferner Zukunft zu liegen.
Man hört kaum jemanden sagen, dass er seinen lange ersehnten Urlaub in Russland verbringen möchte. Viele haben nicht mal den Wunsch dieses Land jemals kennen zu lernen. Es werden vielmehr jene Länder als Urlaubsziel gewählt, die allseits bekannt und touristisch schon erschlossen sind; wo also der Gast schon aus eigener Erfahrung weiß, oder guten Glaubens ist, dass seine Erwartungen erfüllt werden.
Diese Erwartungshaltungen an das Urlaubsland werden durch eine strategisch vorteilhafte Positionierung des Landes und an eine erfolgreiche Vermarktung der Ziele am Tourismusmarkt hervorgerufen. Die potentiellen Urlauber entwickeln in ihren Köpfen ein ganz spezifisches Image der Destinationen. Dieses spielt eine wesentliche Rolle im Reiseentscheidungsprozess und beeinflusst daher sehr die Wahl der Destination, in welcher der Urlaub verbracht werden soll. Das Urlaubsbild wird bewusst oder unbewusst bei der Entscheidungsfindung herangezogen, um das empfundene Risiko bei der zu treffenden Entscheidung zu mindern.
Ein solches Image kann positive oder negative Aspekte besitzen, und wird durch Informationen generiert, die die potentiellen Urlauber erhalten, oder die sie sich selber angeeignet haben bzw. denen sie eventuell schon ausgesetzt waren. Daher kann das Image einer Destination von Person zu Person unterschiedlich sein.
Im Falle Russlands enthält das Image dieser Destination als Urlaubsland besonders viele negative Aspekte. Dies liegt unter anderem an der politischen und wirtschaftlichen Instabilität, dem Mangel an Infrastruktur und Organisation bzw. an kompetitiver
9
Preisgestaltung. In den meisten Fällen wissen die potentiellen Reisenden aber nicht mal über diese eben genannten Aspekte bescheid, sondern orientieren sich einzig und allein an allgemein gängigen Ideen oder Vorurteilen die über Russland verbreitet werden.
Ein solch negatives Image hat auf die Tourismuswirtschaft Russlands, trotz der Größe und Macht des Landes einen signifikanten Einfluss. Denn eine erfolgreiche Vermarktung einer Destination wird erst dann möglich, wenn das Image derselben positiv und unverwechselbar ist.
Es muss also daran gearbeitet werden, die Wahrnehmung, die Reisende von Russland generell, und von Russland als Reiseziel haben zu verbessern. Das Image Russlands muss korrigiert und neu positioniert werden.
Ähnliche Fälle wie Russland gibt es viele auf der Welt. Daher ist es heutzutage, im Zeitalter der Globalisierung, von vorrangiger Wichtigkeit, eine Destination am Tourismusmarkt richtig zu positionieren und für sie ein attraktives Image zu kreieren. Die Destination soll sich dadurch von anderen Angeboten differenzieren und eine eigene Identität haben.
Diese Diplomarbeit wird sich daher mit dem Problem befassen, das entsteht, wenn ein bestehendes negatives Image korrigiert werden muss. Nur ein klar definiertes Image einer Destination kann die Grundlage für anschließend zu erstellende Imagestrategien sein.
Daher ist eine der Zielsetzungen dieser Arbeit, das derzeitige Image Russlands als touristisches Zielland zu definieren. Dies soll anhand einer Destinations-Image-Analyse erfolgen. Weiters werden anhand dieser Analyse Segmentgruppen definiert, die für Russland potentielle Besucher darstellen können. Es soll also klar dargelegt werden, an wen die späte vorzunehmenden Maßnahmen zur Imagekorrektur und Imagerepositionierung zu richten sind.
10
2. Vorgehensweise
Die vorliegende Arbeit umfasst neben diesem einleitenden Teil I, noch zwei Hauptbereiche.
Teil II beschäftigt sich mit den theoretischen Grundlagen. Dort werden zunächst die unterschiedlichen Definitionen für ein Image, sowie für ein Destinations-Image dargelegt. Im Anschluss werden in einem ersten Schritt verschiedene Mess- und Analyseverfahren für die Durchführung von Destinations-Image-Analysen erarbeitet. Diese werden dann einer Bewertung bezüglich ihrer Effektivität und Fähigkeit das Image einer Destination so ganzheitlich wie möglich darzustellen unterzogen.
Im nächsten Schritt wird der Begriff der Segmentierung abgesteckt. Die gängigsten Segmentierungsmethoden mit ihren theoretischen Grundlagen werden in einem Überblick dargestellt.
Anschließend werden Theorien, Strategien und Methoden erarbeitet, welche im Bereich der Imagerepositionierung bzw. Imagekorrektur eine Rolle spielen. Außerdem soll hier auch ein Einblick in die Begriffswelt des Branding bzw. des Destinationsbranding gegeben werden.
Teil III behandelt die Anwendung der in Teil II erarbeiteten Theorien. Es handelt sich hier um das Praxisbeispiel Russland. Eine eigenst durchgeführte empirische Erhebung wird Daten liefern, die eine möglicht detailliert und ganzheitliche Darstellung des Destinations-Images ermöglicht und die Anhaltspunkte für eine Segmentbildung liefert.
Nach Erhebung und Auswertung des Datenmaterials wird das Image Russlands illustriert. In der Folge werden Ansätze hinsichtlich der Segmentierungsstrategie sowie der Imagekorrektur gemacht, die eine bessere Vermarktung des Tourismus in Russland erlauben sollen.
Teil IV der Arbeit besteht aus einem Resümee, das nochmals die Hauptpunkte zusammenfasst und einem Ausblick, mit Denkanstößen.
11
TEIL II
Theoretische Grundlagen
12
1. Die Bedeutung des Destinations-Images im Reiseentscheidungsprozess
Egal in welcher Branche man sich umsieht, und egal ob für Unternehmen, Holdings, oder einzelne Regionen bzw. Destinationen im Tourismus, ist immer die Differenzierung gegenüber den Konkurrenten am jeweiligen Markt ein wesentlicher Faktor, der das Überleben des Unternehmens entscheidend mitbestimmt. Die Abgrenzung im Image gegenüber der Konkurrenz wird zu einem immer wichtigeren Bestandteil des Konkurrenzkampfes am Markt.
„Das Ziel der Markentechnik ist die Sicherung einer Monopolstellung in der Psyche der Verbraucher.“ 1 Diese Aussage unterstreicht sehr gut die Bedeutung von Einzigartigkeiten in den Köpfen von Kunden und Konsumenten.
1.1. Der Image-Begriff
„Image“ (lat. „imago“ = Bild) ist ein Begriff, den, und dessen verwandte Begriffe man im täglichen Leben, und nicht nur im wirtschaftlichen Bereich immer wieder hört und verwendet. Jeder scheint zu wissen, wovon er spricht, wenn er den Begriff „Image“ anwendet. Meist ist dabei Image als ein Synonym für Ruf, Vorstellung, Bild, Einstellung oder Meinung angesehen. Zu diesen Begriffen steht der des „Image“ in einem Verwandtschaftsverhältnis, sie werden auch ähnlich gebraucht, sind jedoch nicht deckungsgleich mit ihm. Der Begriff wird also of verwendet, aber keiner weiß so recht, was er wirklich bedeutet, wie das oft mit Fremdwörtern ist. Daher soll im folgenden zunächst eine Begriffsklärung stattfinden.
Der Image-Begriff hat seine Ursprünge eigentlich in den Kommunikationswissenschaften, wo er Ende der fünfziger Jahre von der Psychologie und der Soziologie übernommen und somit eingeführt, bekannt gemacht und auch in den Wirtschaftswissenschaften integriert wurde. Heute begegnet man diesem Begriff nur noch in speziellen Feldern, und kommt oft auch ganz ohne ihn aus, was unter anderem darauf zurückzuführen ist, dass eine starke inhaltliche Überlappung des Bedeutungsgehaltes von „Image“ mit Facetten des Begriffs der Einstellung oder des Stereotyps bzw. des „stereotypen Systems“ festzustellen ist. 2
1 Domizlaff, H., 1992, in: Schölnhammer, C., 2000
2 vgl. Meyer, W., in: Hahn, H.; Kagelmann, H.J., 1993, S. 321und Schölnhammer, C., 2000, S. 7 ff.
13
Auf wissenschaftlicher Ebene aber herrscht noch immer Uneinigkeit darüber, wie dieser Begriff nun allgemein definiert werden soll. Es lassen sich eine große Anzahl an Definitionen finden, wovon im folgenden einige dargelegt werden sollen, um einen Überblick über die Variationen derselben zu geben:
Grundsätzlich versteht man unter Image die Gesamtheit der Vorstellungen, Einstellungen, Gefühle usw., die eine Person oder Gruppe im Hinblick auf etwas Spezifisches wie beispielsweise einen Markenartikel, einen Parteiführer, ein Nachbarvolk bzw. ein anderes Land etc. hat. 3
Eine andere Definition beschreibt das Image als die Ganzheit aller Einstellungen, Kenntnisse, Erfahrungen, Wünsche etc., die mit einem bestimmten Meinungsgegenstand (z.B. Marke, Firma, Destination) verbunden sind. 4 Auch wird Image als der Gesamteindruck beschrieben, den ein Subjekt von einem anderen Subjekt oder einem Objekt hat oder der bei ihm hervorgerufen wird, sobald ein sinnesmäßiger Kontakt stattgefunden hat. 5
Kotler beschreibt Image als eine Serie von Vorstellungen, Ideen und Eindrücken, die eine Person bezüglich eines Objektes hat.
Es kann allgemein festgehalten werden, dass das Image ein mehrdimensionales Bild ist, welches sich eine Person von einem beliebigen Meinungsgegenstand macht. Dieses beruht auf objektiven und subjektiven, eventuell auch falschen oder stark emotional gefärbten Vorstellungen, Ideen, Gefühlen, oder Erfahrungen. 6 Es handelt sich bei einem Image jedoch nicht um nur eine Vorstellung, sondern bildet sich aus einem ganzen Bündel davon. 7
Images sind Bilder: Sie informieren, sie übermitteln Bedeutungsinhalte, sie quantifizieren, sie grenzen ab, sie schränken ein und positionieren. Der Image-Begriff bedeutet nicht nur das übergeordnet-kollektive Produkt- und Markenverständnis, sondern umfasst auch Produktleistung, Anwendung, materiell-realen Nutzen und das emotional-geistige Umfeld, also das Produkt, wie es erlebt wird. 8
3 vgl. Scheuch, E., in Wellhoener, B., 1992, S. 13
4 vgl. Johannsen, U., 1971, S. 19
5 Schlüter in Schöpf, F., 2000, S. 10
6 vgl. http:www.marketing.ch/lexika/marketing_old/lexikon%20marketing%20208.htm abgerufen am 27.2.2001
7 vgl. Kotler, P., 1994, S. 179
8 vgl. hierzu und im folgenden Huber, K., 1987, S. 12 ff.
14
Auch ist ein Image nicht nur ein einfaches Abbild von etwas real Vorhandenem oder bloß ein Produkt einer visuellen Wahrnehmung. Image ist mehr, und viel komplexer. Es meint mehr ein Verhältnis zwischen dem Subjekt und dem Objekt eines Bildes. Außerdem ist ein Image nie etwas Festes, Statisches. Es bedeutet immer etwas sich Veränderndes, Entwickelndes und Vergehendes. In einem zentralen Sinne bedeutet es ein Stück Beziehung.
Das Image bietet trotz seiner Komplexität ein prägnantes Bild eines Beurteilungsgegenstandes und ist dabei hilfreich, komplexe Objekte zu beurteilen, Vereinfachungen vorzunehmen und unterstützt damit die Wirklichkeitskonstruktion, sowie den Konsum. Somit erleichtert das Image den Entscheidungsprozess, da objektiv nachprüfbare Eigenschaften immer weniger Anhaltspunkte zur Unterscheidung von Leistungen bieten. Der Konsument orientiert sich im Kaufentscheidungsprozess am Gesamtbild der Leistung, und Anmutungsinformationen ersetzten dabei Produktwissen. Für den Konsumenten erscheint in diesem Prozess Produkttechnologie oft als unwichtig oder undurchschaubar, und es werden emotionale Kriterien herangezogen. 9 Ein Image kann sogar dann entstehen, wenn gar kein faktisches Wissen vorhanden ist. 10
Das folgende Imagemodell zeigt auf, welche Elemente das Image beeinflussen, bzw. ihm vorangehen und welche Reaktionen daraus folgen. Dabei sind Emotionen, die mit einem Gegenstand verbundenen Gefühle und Werte, die Motive sind die Eignung des Gegenstandes zur Bedürfnisbefriedigung, und als Ersatz für fehlendes Produktwissen dient die Markenbekanntheit. Von diesen drei Konstrukten hängt schließlich die positive oder negative Bewertung eines Objekts ab. Von dieser Bewertung hängt dann im nächsten Schritt ab, ob ein spezifisches Produkt anderen Produkten vorgezogen wird, also ob eine Präferenz gebildet wird, oder ob das Produkt generell für den Kauf in Erwägung gezogen wird (Kaufabsicht). Präferenz und Kaufabsicht sind dabei jene Konstrukte, die dem Image nachgelagert sind, und fast ausschließlich vom Image des betreffenden Objekts beeinflusst werden. Bei diesem Modell sind für die eher emotionale Kaufentscheidung Konnotationen als Wissensersatz ausschlaggebend. 11
9 vgl. Schölnhammer, C., 2000, S. 9
10 vgl. Mazanec, J.A., in: Witt, S.F.; Moutinho, L., 1989, S. 66
11 Schweiger, G.; Schrattenecker, G., 1986, S. 83 ff.
15
Abbildung 1: Imagemodell
Quelle: Schwaiger, G.; Schrattenecker, G., 1986, S. 85
Jedoch ist der Begriff des Images abzugrenzen von anderen, oft im täglichen Sprachgebrauch als gleichwertig verwendeten Begriffen, wie dem oben schon erwähnten Stereotyp, und der Einstellung.
1.1.1. Abgrenzung zum Begriff Stereotyp
Oft wird der Image-Begriff mit dem des „Stereotyp“ verwechselt, oder fälschlich mit diesem gleichgesetzt. Als Stereotyp bezeichnet man ein Konstrukt, das eher Vorurteile gegenüber Menschen beschreibt. Es unterscheidet sich vom Image dahingehend, dass letzters weniger extreme Werturteile beinhaltet und individueller ist. Der Stereotyp spiegelt ein verzerrteres Bild vom Bezugsobjekt wider, als das Image es tut. Dieses ist eher individuell und festigt sich erst im laufe der Zeit, wohingegen der Stereotyp von Anfang an starr ist, und dabei innerhalb einer sozialen Gruppe eine gewisse Übereinstimmung festzustellen ist. 12
1.1.2. Abgrenzung zum Begriff Einstellung
Die Überlappungen zwischen den Begriffen „Image“ und „Einstellung“ sind zahlreich, und führen daher, genauso wie beim Begriff „Stereotyp“, zu einer irrtümlichen Gleichstellung dieser Begriffe im Sprachgebrauch.
12 vgl. Johannsen, U., 1971, S. 45 f.
16
Auch für den Begriff der Einstellung gibt es eine Reihe variierender Definitionen, wobei aber die meisten davon von einer dauerhaften Reaktionsbereitschaft gegenüber spezifischen Aspekten des jeweiligen Umfeldes ausgehen. Diese Bereitschaft zur Reaktion kann sich in der Art zu denken, fühlen und verhalten in Hinsicht auf einen bestimmten Aspekt wiederspiegeln. 13
Eine Definition bezeichnet die Einstellung als die dauerhaften aufgenommenen, wissensbasierten, evaluierenden und aktionsorientierten Prozesse eines Individuums bezüglich eines Objektes oder eines Phänomens. 14
Allerdings kann auch eine Variation derselben gefunden werden, welche besagt, dass eine Einstellung eine gelernte, relativ stabile Bereitschaft in einer bestimmten Situation mit einer spezifischen Intensität und Richtung zu reagieren ist, wobei periodisch Bewertungen vorgenommen werden. 15 Vereinfacht ausgedrückt kann unter Einstellung also eine gelernte Reaktionsbereitschaft des Individuums verstanden werden, auf ein bestimmtes Objekt in konsistenter positiver und negativer Weise zu reagieren.
Aufgrund der schwierigen Fassbarkeit des Image-Begriffs wird manchmal vorgeschlagen diesen durch den der Einstellung zu ersetzten, da in der einschlägigen Literatur klarere Definitionen für diesen gefunden werden können, als für den Begriff des Images. Doch ist hier einzuwenden, dass mit einer solchen Vorgehensweise zwar die Komplexität verringert wird, die Vielfalt und Tragweite des Image-Begriffs aber verloren geht. „Schließlich kann dem wissenschaftlichen Erfolg dadurch gedient sein, dass vielschichtige Phänomene als solche nicht akzeptiert werden und infolge des pragmatischen Anspruchs von Begriffreduktion und -vereinfachung in ihrer Reichhaltigkeit beschnitten werden.“ 16
Um also diese beiden Begriffe richtig trennen zu können sollen ihre Unterschiede als auch ihre Gemeinsamkeiten nochmals näher betrachtet werden.
Das Image eines Gegenstandes, genauso wie die Einstellung dazu dienen der Orientierung und der Anpassung des Individuums an die Umwelt. Auch geht es bei beiden um die
13 vgl. McDougall, G.H.G.; Munro, H., in: Ritchie, J.R.B.; Goeldner, C.R., 1994, S.124
14 vgl. Kinnear, T.C., Taylor, J.R., 1991, S. 241
15 vgl. Schwaiger, G.; Wusst, Ch., in Schweiger,G., 1988
16 Schölnhammer, C., 2000, S. 12
17
Reduktion der Unsicherheit und um die klischeehafte Strukturierung der Kognition des Rezipienten. Ein weitere Gemeinsamkeit dieser beiden Begriffe ist der bewertende, soziale und gleichzeitig personale Charakter. In ihnen schwingt ein gewisses persönliches Urteil mit, das sich auf ein soziales Konstrukt bezieht. 17
Bei den Unterschieden zwischen den zwei Begriffen können drei verschiedene Bereiche festgehalten werden, in denen unterschieden wird:
1. Dimensionalität: Während beim Image die verschiedenen Eigenschaftsdimensionen des zu beurteilenden Gegenstandes erkennbar bleiben, bündeln sich diese bei der Einstellung zu einem eindimensionalen Urteil.
2. Trägerschaft: Wird das Image einem gewissen Gegenstand zugeordnet, so bezieht sich die Einstellung auf das zu urteilende Individuum.
3. Verbindlichkeit: Ein Image kann dem urteilenden Individuum bekannt sein, ohne dass es dessen Inhalt zustimmt, wohingegen die Einstellung stark vom Individuum abhängig ist. Dies gilt jedoch nur für Fälle, in denen es nicht um die Bewertung eines Selbstimages geht.
Außerdem sind dem Individuum Einstellungen bewusster als Images, was darauf zurückzuführen ist, dass Einstellungen sachhaltiger und weniger von persönlichen Einflüssen abhängig sind und rationalere Gebiete umfassen als Images.
Als ein weiterer wesentlicher Unterschied kann genannt werden, dass Einstellungen einen stärkeren Verhaltensbezug aufweisen als Images. 18
1.2. Imagearten
Dem Konstrukt des Images begegnet man im täglichen Leben in mehreren Formen. Dies unterstreicht nur die Bedeutungsvielfalt dieses Begriffs, und bietet auch eine Erklärung für das Fehlen einer eindeutigen Definition desselben.
Eine mögliche Klassifizierung von Images ist in der folgenden Tabelle aufgeführt.
17 vgl. hierzu und im folgenden Schölnhammer, C., 2000, S. 13
18 vgl. Meyer, W., in: Hahn, H.; Kagelmann, H.J., 1993, S. 321
18
SOLL-Image Bei Veränderung des IST-Images wird das SOLL-Image zum zukünftigen
Image Eigen-Image z.B. Selbstbild einer Person Fremd-Image Vorstellungsbild von Außenstehenden Transfer-Image Eine internationale Marke wird auf ein artfremdes Produkt angewendet Umbrella-Image Art Überimage, das über einzelne Marken und Teilbereiche gespannt wird Firmen-Image Drückt Erscheinungsbild des Unternehmens aus Produkt-Image Vorstellungen des Verbrauchers in Zusammenhang mit einem gesamten Produktbereich Marken-Image Brand-Image ist die bekannteste Image-Art
Quelle: Schöpf, F., 2000, S. 12
Es können allgemein auch andere Unterscheidungen von Imagearten gemacht werden. Wie beispielsweise das Produktgruppenimage, welches eine Produktgattung unter Einbeziehung diverser Marken beschreibt, oder das Firmenimage, also die Bewertung eines Unternehmens, sowie die Länder-, Regionen- bzw. Städteimages, welche die Bilder und Assoziationen zu geographischen Gebieten beinhalten. In dieser Arbeit wird eine solche Art von Image im weiteren wichtig sein, nämlich das Destinations-Image. 19
In Bezug auf diese geographischen Images ist die wichtige Unterscheidung zwischen Selbst-und Fremdimage zu machen. Das Bild, das man sich über sich selbst macht (im Hinblick auf eine Region, sind die Bewohner dieser Region gemeint) ist das Selbstimage, wohingegen die Meinung derjenigen, die nicht der Betroffenengruppe angehören durch das Fremdimage erfasst wird. Ein weiterer Begriff ist „Weltimage“, welcher angewendet wird, wenn das Bild über ein Land in der ganzen Welt konsistent ist.
19 vgl. hierzu und im folgenden Schölnhammer, C., 2000, S. 19 ff
19
1.2.1. Das Destinations-Image
Das Destinations-Image kann in drei Grundkategorien eingeteilt werden. Dies ist zunächst das organische Image, womit die Eindrücke, die Touristen von einer bestimmten Destination haben, ohne diese je besucht zu haben, gemeint ist. Zweitens das induzierte Image, das durch den persönlichen Besuch der jeweiligen Destination gebildet wird. Die dritte Dimension ist das komplexe Image, das durch mit der Destination bereits gemachten Erfahrungen entsteht. 20
Auf den vorangegangenen Definitionen des Image-Begriffs aufbauend kann nun das Destinations-Image als das Urteil definiert werden, das sich ein Individuum aufgrund der Bewertung von Attraktionen, möglichen Aktivitäten und möglichen Störfaktoren über eine Destination bildet, wobei die genannten Wahrnehmungen positiv als auch negativ sein können. 21
1.2.1.1. Zusammensetzung des Destinations-Images
Bei der Bildung von Images kommt es in der Vorstellung des Individuums zur Bündelung von Meinungen über Ferienziele zu mehr oder weniger ausgeprägten Imageprofilen. Dabei bestehen diese in der Regel aus einer Kombination von: 22
Emotionalen Komponenten: Dies sind diffuse Sympathien, Antipathien oder Vorurteile gegenüber Land und Leuten. Sie gehen aus von Imagespuren, die durch eigene Reiseerfahrungen, durch traditionelle Denkmuster, durch die Ansichten anderer Menschen oder durch die Medien vermittelt werden. Motivationalen Komponenten: Hierunter versteht man die subjektiven Vorstellungen und Erfahrungen darüber, inwieweit die eigenen Urlaubsbedürfnisse in einem Land zu erfüllen sind.
Kognitiven Komponenten: Dies ist das sachliche Wissen über eine Region bzw. Destination , ihren Freizeitwert und ihre touristischen Charakteristika.
Im Laufe der Zeit schichten sich diese Teilaspekte bei einem Individuum zu einem komplexen Imageprofil eines Landes oder einer Destination übereinander. Es soll hier nochmals darauf
20 vgl. Gunn (19972) und Fakeye/Crompton (1991), in: Chen/Hsu, in: JTR, Vol. 38, Mai 2000, S. 411
21 vgl. Illiewich, S., 1998, in Schölnhammer, C., 2000, S. 21
22 vgl. hierzu und im folgenden Wellhoener, B., 1992, S. 13 f.
20
hingewiesen werden, dass die in den Köpfen von potentiellen Urlaubern existierenden Bilder von Reiseländern nicht zwingend mit der Realität in den betreffenden Regionen bzw. Destinationen übereinstimmen müssen. Auch unrealistische Vorstellungen üben einen positiven sowie negativen Einfluss auf das Bild eines Individuums von einem Urlaubsland aus. Für ein Urlaubsland stellen solche Vorstellungen, selbst wenn diese nicht der Wirklichkeit entsprechen, ein Kapital dar, welches sowohl erfreulich aber andererseits auch ein „vernichtendes“ Hindernis sein kann. 23
Eine weitere Darstellung der Komponenten des Destinations-Images stellen Echtner und Ritchie (1993) vor. Sie sehen die Einteilung des Images in drei Komponenten:
Holistische und attribut-basierte Komponente
Funktionelle und psychologische Komponente Universelle, allgemeine und individuelle, einzigartige Komponente
Diese drei Teilbereiche des Destinations-Images müssen in einer Gesamtheit und in Zusammenhang miteinander gesehen werden. Diese dreidimensionale Gestaltung soll in der folgenden Darstellung in Grundzügen demonstriert werden.
Abbildung 2: Die Komponenten des Destinations-Images
Quelle: Echtner, C. M., Ritchie, J.R.B., 1993, S. 4
23 vgl. Wellhoener, B., 1992, S. 14
21
1.2.1.2. Aufbau des Destinations-Images
Das Destinations-Image muss für eine Zielgruppe wirkungsvoll sein. Dies wird auch von Kotler et al. 24 unterstrichen, welche auch die folgenden fünf Kriterien, welche den Erfolg eines Destinations-Images bestimmen, identifizieren:
Gültigkeit: Ein Destinations-Image muss Gültigkeit besitzen, und darf nicht überzogen sein. Dies bedeutet, dass es nicht zu stark von der Realität abweichen darf, da sonst die Chancen auf Erfolg minimal ausfallen. Glaubwürdigkeit: Gültigkeit muss nicht automatisch auch Glaubwürdigkeit bedeuten. (Eine Destination behauptet beispielsweise, dass es doppelt so schön ist, wie eine andere. Dies kann zwar wahr sein, muss deshalb aber nicht gleich von jedem geglaubt werden.)
Einfachheit: Neben den obigen Kriterien zeichnet sich ein wirkungsvolles Image dadurch aus, dass es einfach ist. Versucht eine Destination mehrere, verschiedene Images zu kommunizieren, so kann das den Konsumenten verwirren. Reiz: Das Image einer Destination muss reizvoll sein, und muss darlegen, warum Individuen gerne einen Ort besuchen, dort leben oder in ihn investieren wollen etc. Abgrenzung: Letztendlich muss sich ein wirkungsvolles Image abgrenzen. Dies bedeutet, dass es von anderen üblichen Themen unterscheidbar ist.
Um den Rahmen dieser Arbeit nicht zu sprengen, sei für weitere und genauere Ausführungen im Zusammenhang mit dem Aufbau von Images auf die Arbeit von Schöpf (2000) verwiesen.
1.3. Das Destinations-Image im Reiseentscheidungsprozess
Wie in den vorangehenden Kapiteln erkannt werden konnte, sind Images Konstrukte, die Individuen helfen, sie leiten, ihnen Halt und Sicherheit geben. Sie stellen eine wichtige Orientierungshilfe für Konsumenten dar.
Wie bereits angedeutet, müssen Images, die Individuen von Destinationen besitzen, nicht unbedingt der Wirklichkeit entsprechen. Trotzdem stellen sie für den Konsumenten sehr
24 Kotler, P.; Haider, D.; Rein, I., 1994, S. 188 ff.
22
kräftige Motivatoren in Freizeit- und Urlaubsentscheidungen dar. Dieser Einfluss auf das Kaufverhalten des Konsumenten begründet auch die Bedeutung des Images.
Es wird davon ausgegangen, dass eine konsistente Relation zwischen dem Image bzw. der Einstellung zu einem Meinungsgegenstand und dem Verhalten eines Individuums besteht, und dass das Verständnis dieser Zusammenhänge es erlaubt das Verhalten von Individuen vorauszusagen. 25
1.3.1. Die Reiseentscheidung
Zunächst soll noch festgelegt werden, was unter der Reiseentscheidung konkret verstanden wird. Eine Entscheidung involviert immer eine Auswahl zwischen zwei oder mehreren alternativen Aktionen. Sie setzt voraus, dass es mehrere Verhaltensmöglichkeiten gibt, zwischen denen ausgewählt werden kann. 26
Mit dem Begriff der Reiseentscheidung ist die Entscheidung bzw. die Summe aller Teilentscheidungen gemeint, welche ein Individuum im Vorfeld des Reiseantritts trifft. Es fallen darunter sowohl die Urlaubsreiseentscheidungen als auch die
Geschäftsreiseentscheidungen. 27 Für den Zweck dieser Arbeit aber, soll im folgenden nur die Urlaubsreiseentscheidung von Relevanz sein. Die Determinanten, die diese Reiseentscheidung beeinflussen sind:
Gesellschaftliche Rahmenbedingungen (z.B. soziale Zugehörigkeiten, Einkommens-und Besitzmerkmale und Konjunkturlagen)
Persönliche Reisemotive (Werthaltungen, Erwartungen, Interessen, Neigungen, Wünsche, etc.) Reiseerfahrungen Soziale Normen Verfügbarkeit von Informationen Attraktivität des Urlaubsziels Image des Urlaubsziels
25 vgl. McDougall, G.H.G.; Munro, H.: “Scaling and Attitude Measurement in Travel and Tourism Research”, in: Ritchie, J.R.B.; Goeldner, C.R., 1994, S.117 und Kinnear, T.C., Taylor, J.R., 1991, S. 241
26 vgl. Peter, J.P.; Olson, J.C.; Grunert, K.G., 1999, S. 142
27 vgl. hierzu und im folgenden Braun, O.L.: „Reiseentscheidung“, in: Hahn, H.; Kagelmann, H.J., 1993, S. 302
23
Wie gesehen werden kann, gibt es viele verschiedene Gründe für die Reisezielwahl. Es ist aber unbestritten, dass das Image oder das Bild, das der potentielle Tourist von verschiedenen Destinationen besitzt , zu den ausschlaggebenden Beweggründen für die Wahl des Ziels der Reise zählt. Somit ist die Imageforschung auch in der Tourismusbranche ein wesentlicher Zweig im Instrumentarium der marktpsychologischen Forschung. 28
1.3.2. Modelle und Ansätze
In der Literatur können die unterschiedlichsten Modelle und Erklärungsansätze zur Darstellung des Prozesses der Entscheidungsfindung gefunden werden. Dabei reichen die Variationen von mathematischen und volkswirtschaftlichen Modellen bis hin zu Modellen, welche die Charakteristiken des Individuums als ausschlaggebend ansehen. 29
Eines dieser Modelle ist das „Cognitive-Processing-Model of Consumer Decision Making“ 30 , welches die prinzipiell drei wichtigsten kognitiven Prozesse der Konsumentenentscheidungen hervorhebt.
Der Konsument muss zunächst relevante Informationen aus seiner Umwelt interpretieren, um persönliche Bedeutungen und Wissen über diese Umwelt und seinen Platz in ihr zu entwickeln. Interpretationsprozesse setzen voraus, dass das Individuum der Information ausgesetzt ist und verbinden zwei zusammenhängende kognitive Prozesse, Aufmerksamkeit und Verständnis. Die Aufmerksamkeit bestimmt wie Konsumenten die Informationen selektieren, welche sie interpretieren, und welche ignoriert werden sollen. Das Verständnis bezieht sich darauf, wie Konsumenten die subjektive Bedeutung von Informationen bestimmen und somit persönliches Wissen kreieren. Anschließend muss dieses Wissen kombiniert und integriert werden, um Produkte und mögliche Aktionen zu evaluieren und zwischen alternativen Verhaltensmöglichkeiten zu entscheiden. Drittens muss der Konsument aus seinem Gedächtnis Produktkenntnisse abrufen, um diese im Integrations- und Interpretationsprozess anwenden zu können. Diese drei Prozesse sind im Endeffekt in allen Entscheidungssituationen zu finden. Dieses Modell ist im folgenden graphisch dargestellt.
28 vgl. Wellhoener, B., 1992, S. 15
29 vgl. Schöpf, F., 2000, S. 25
30 Peter, J.P.; Olson, J.C.; Grunert, K.G.,1999, S. 44 ff.
24
Abbildung 3: A Cognitive-Processing Model of Consumer Decision Making
Quelle: Peter, J.P.; Olson, J.C.; Grunert, K.G., 1999, S. 45
Ein anderes, generelleres Modell betrachtet die Entscheidungsfindung von Konsumenten als Problemlösung, und geht davon aus, dass diese ein Ziel haben, das erreicht werden soll. Der Konsument erkennt also ein Problem, wenn diese erwünschten Konsequenzen (also das Ziel) nicht erreicht worden sind, und trifft eine Entscheidung darüber, welches Verhalten ausgeführt werden soll, um dieses Ziel zu erreichen, und löst somit das Problem. Damit kann gesagt werden, dass Entscheidungsfindungen von Konsumenten zielgerichtete Problemlösungsprozesse sind. 31 Die dazugehörige graphische Darstellung ist die folgende:
31 vgl. Peter, J.P.; Olson, J.C.; Grunert, K.G., 1999, S. 143 f.
25
Abbildung 4: A Generic Model of Consumer Problem Solving
Quelle: Für dieses generelle Modell lassen sich viele Quellen finden. Siehe Engel, J.; Blackwell, R.D.: Consumer Behavior, 4. Ausgabe, Hinsdale, IL: Dryden Press, 1982, in Peter, J.P.; Olson, J.C.; Grunert, K.G., 1999, S. 45, vgl. hierzu auch Wilkie, W.L., in: Schöpf, F., 2000, S. 26
Es wurden soeben zwei Modelle vorgestellt, welche allgemein und generell die Konsumentenentscheidung zu erklären versuchen. Sie stellen die grundsätzlichen Zusammenhänge und Abhängigkeiten dar. Nun sollen im folgenden zwei weitere Modelle vorgestellt werden, die jedoch speziell die Reiseentscheidung betreffen.
Das erste dieser Modelle, das „tourist’s holiday decision“-Modell 32 , das hier besprochen wird, ist von Goodall und Ashworth entwickelt worden, und hebt vor allem die verhaltensorientierte Perspektive hervor. Hier wird davon ausgegangen, dass die Reiseentscheidung normalerweise ein langwieriger Prozess ist. Die Images, die ein Individuum auf der Basis seiner Erwartungen, Präferenzen und Wahrnehmungen bildet, stehen im Mittelpunkt dieses Modells. Images werden als Konstrukt subjektiver Erwartungen, Präferenzen und Wahrnehmungen, und als zentrale Entscheidungsgrundlage im Prozess der Reiseentscheidung angesehen.
32 vgl. hierzu und im folgenden Goodall, B.; Ashworth, G., in: Schöpf, F., 2000, S. 28 f.
26
Die Wünsche und Bedürfnisse eines Individuums stehen am Beginn dieses Konzeptes, aus welchen sich dann die Motivation zum Urlaub ergibt. Das individuelle Image der Destination wird erst dann gebildet, wenn sich das Individuum den Entschluss Urlaub zu machen schon gefasst hat. Es entsteht das „preferential image“, also die Wunschvorstellungen der Destination. Diese wird dann mit den wirklich zur Verfügung stehenden Alternativen verglichen. Dieser Vergleich führt dann zur Bildung eines „factual image“, also eines Images im herkömmlichen Sinne, jeder der Urlaubsalternativen, die für das jeweilige Individuum in Frage kommen. Das „opportunity set“ ist der Teil aller möglichen Urlaubsziele und Urlaubsalternativen, der von dem Individuum wahrgenommen wird. Im folgenden werden diese dann bewertet und es wird für eine der Möglichkeiten entschieden, und zwar diejenige Destination, die der Erwartung am ehesten entspricht. Die aus dem Urlaub resultierende Ausprägung der Zufriedenheit beeinflusst wiederum die Präferenzen, Motivationen und Wahrnehmungen für spätere Entscheidungen.
Abbildung 5: A tourist’s holiday decision
Quelle: Goodall, B.; Ashworth, G., 1988, S. 4
27
Der andere Ansatz, der in diesem Zusammenhang näher betrachtet werden, soll ist jener von Meidan, der dem Image nicht mehr diese zentrale Position und Bedeutung zuteilt, wie es Goodall und Ashworth getan haben. Bei ihm sind es drei Komponenten, die das Individuum bei der Reiseentscheidung beeinflussen. Diese sind erstens die sozialen und persönlichen Determinanten des Touristenverhaltens, zweitens die Tourismusstimuli, die aus dem Marketing stammen, und aufgrund der zunehmenden Bedeutung der Medien miteinbezogen wurden, und drittens die Destinationserwägungen. Das Destinations-Image ist eine der destinationsbezogenen Variablen, die neben sozialen und persönlichen Kriterien eine große Rolle im Prozess der Reiseentscheidung spielen. 33
Abbildung 6: Factors affecting tourist’s choice of a destination
Quelle: Meidan, A., 1985, S. 171, in Schöpf, F., 2000, S. 31
Zusammenfassend kann also gesagt werden, dass die Wichtigkeit des Studiums der Images im Endeffekt in der Beziehung zwischen Wahrnehmung und Verhalten liegt. Das heißt die zentrale Frage, ist ob die Ideen und Eindrücke, die man über eine Destination hat, also das Image das man sich macht, einen Einfluss auf die Reiseentscheidung hat.
Dazu ist anzumerken, dass das Image letztendlich nur eine von vielen beeinflussenden Variablen im Reisentscheidungsprozess darstellt. Es ist demnach ein Stimulus, der die Bedürfnisse, Wünsche und Motivationen des Individuums beeinflusst, und damit die Entscheidung bezüglich der Destination mitbestimmt.
33 vgl. Meidan, A.: „The Marketing of Tourism“, London, 1985, in Spiegl, C., 1995, S. 70
28
Abschließend zum ersten Kapitel des theoretischen Teils dieser Arbeit sei darauf hingewiesen, dass es auch im Rahmen dieser Arbeit eine wichtige Rolle spielt, zu erkennen und zu verstehen, welchen Stellenwert das Konzept des Images im Entscheidungsprozess, genauer im Reiseentscheidungsprozess, einnimmt. Nachdem dies hier genau analysiert wurde, und somit eine Basis für die Diskussionen in den weiteren Teilen der Arbeit geschaffen wurde, widmet sich das folgende Kapitel der Erstellung einer Destinations-Image-Analyse. Es werden verschiedene Messmethoden und Modelle vorgestellt, welche anschließend in Bezug auf ihre Effektivität evaluiert werden, so dass ein Verfahren ausgewählt werden kann, welches im empirischen Teil der Arbeit herangezogen wird.
29
2. Erstellung einer Destinations-Image-Analyse
2.1. Allgemeines
Es konnte bereits erkannt werden, dass das Image in vieler Hinsicht, auch für Destinationen, von vorrangiger Bedeutung ist. Es wurde auch dargestellt, welch wichtige Rolle die Idee und die Eindrücke, die eine Person über eine Destination hat, kurz deren Bild davon, im Reiseentscheidungsprozess spielt.
Noch ein weiterer Aspekt ist zu beachten, wenn man Images von Destinationen evaluieren will. Dies ist die Frage nach der Art und Weise bzw. der Methode, die zur Messung und Darstellung des Images angewendet werden soll. Im Endeffekt ist die Messung von Images das Grundproblem im Studium von Images. Sie sind schwer auszudrücken, extrem subjektiv, und manchmal sogar unterbewusst. Somit sind sie nicht sehr leicht quantifizierbar. 34 Außerdem darf auch nicht vergessen werden, dass es sich bei einem Image um ein mehrdimensionales und dynamisches Konstrukt handelt, welches das gesamte Vorhaben einer Messung desselben nochmals erschwert.
Im Laufe der Zeit wurden jedoch eine Anzahl von unterschiedlichen Methoden und Techniken entwickelt, welche es erlauben Images von Antworten auf bestimmte Messinstrumente abzuleiten und darzustellen. Diese ermöglichen es auch die hoch subjektiven Daten zu quantifizieren.
Im folgenden sollen einige dieser Messmethoden vorgestellt werden. Anschließend wird eine daraus, in Bezug auf die Problemstellung der Arbeit ausgewählt. Diese soll später die Technik darstellen mit Hilfe derer das Image Russlands gemessen und dargestellt werden soll.
2.2. Die Image-Messmethoden
Ganz allgemein können die entwickelten Methoden in die einfachste Formen der Messung, nämlich der Rangordnungstechnik, und die weiterführenden Methoden mit offenen Fragen und Interviews eingeteilt werden. Eine Reihe von projektiven Techniken stellt eine weitere Auswahl an Methoden zur Datenkollektion für Imagestudien dar, die jedoch sehr selten für
34 vgl. Telisman-Kosuta, N.: „Tourist destination image“, S. 559, in: Witt, S.F., Moutinho, L., 1989
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Arbeit zitieren:
Alexandra Zopf, 2002, Imagerepositionierung von Destinationen - dargestellt am Beispiel Russland, München, GRIN Verlag GmbH
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