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Gliederung
1 Einleitung 1
2 Die Personen der Familie Moor 2
2.1 Karl Moor 2
2.2 Franz Moor - Karls Bruder 4
2.3 Der alte Moor - Karls Vater 6
2.4 Amalia - Karls Geliebte 7
3 Die Familienkonflikte in Schillers „Räubern“ 8
3.1 Die feindlichen Brüder Karl und Franz 8
3.2 Der Generationskonflikt zwischen Vater und Sohn 10
3.2.1 Karl und sein Vater 10
3.2.2 Franz und sein Vater 11
4 Das Räuber- Thema im Drama als Ergänzung und Widerspruch
zur Familiengeschichte 13
5 Zusammenfassung 15
6 Literatur 16
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1 Einleitung
Die Familie nimmt in dem Drama „Die Räuber“ von Friedrich Schiller (Erstausgabe 1781) eine zentrale Position ein. Ihre Konflikte prägen den gesamten Handlungsverlauf. Die Situation der Familie wirkt sich auf alle Mitglieder und deren weiteres Vorgehen im Stück aus. In dieser Arbeit soll nun die Rolle der Familie im Drama näher erläutert und ihre Konflikte und deren Auswirkungen auf das Handlungsgeschehen näher betrachtet werden. Dazu werden zunächst die Personen der Familie Moor vorgestellt und charakterisiert. Als Bezugspunkt wird dabei die zentrale Figur des Dramas Karl Moor genommen. Die nachfolgenden Unterpunkte behandeln dann seinen Bruder Franz, seinen Vater den alten Moor und seine Geliebte Amalia. Es sollen die Fragen beantwortet werden, welche Stellung Karl in diesem Drama einnimmt und wie sich dies auf die anderen Personen auswirkt. Außerdem soll die Gestalt Franz’ und seine Haltung zu Karl näher betrachtet werden. Was der Vater für eine Wirkung auf seine Söhne hat und warum Amalia in die Familie der Moors aufgenommen wurde soll ebenfalls aufgezeigt werden. Das dritte Kapitel behandelt die Familienkonflikte und deren Wirkungen auf das Handlungsgeschehen. Zuerst wird dabei auf die feindlichen Brüder Karl und Franz eingegangen und ihr Verhältnis zueinander näher analysiert. In den folgenden Unterpunkten sollen die Vater- und Sohn- Beziehungen dargestellt werden. Dazu werden die Verhältnisse der Söhne zu ihrem Vater einzeln betrachtet und ihre Bedeutung für sie gezeigt. In allen drei Punkten wird auch die Ausprägung der Konflikte auf das weitere Vorgehen der einzelnen Personen betrachtet.
Abschließend wird im vierten Kapitel noch das Räuber- Thema angesprochen, das neben der Familiengeschichte in den „Räubern“ eine Rolle spielt. Es soll dabei die Bedeutung dieses Themas für das Drama aufgezeigt werden. Außerdem werden Parallelen und Gegensätze der beiden Themen dargestellt.
Zunächst aber zu den einzelnen Personen der Familie Moor.
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2 Die Personen der Familie Moor
2.1 Karl Moor
Eine zentrale Figur im Drama „Die Räuber“ von Friedrich Schiller ist Karl Moor. Er ist der älteste Sohn des Grafen Moor und hat einen jüngeren Bruder Franz. Er selbst ist Student in Leipzig und genießt dort sein freies Studentenleben. Sein Vater, sein Bruder und seine Geliebte wohnen weit entfernt von ihm in Franken.
Wie sich schon in seinem ersten Auftritt zeigt, will er sich nicht anpassen an die Gesetze seiner Zeit, er will aus ihnen ausbrechen und sich gegen sie auflehnen. Er mag nicht mehr den „Plutarch“ lesen und er beschwert sich über das „Kastraten- Jahrhundert“ (Schiller, 2000, Erstausgabe 1781, I/2, S. 31-32) 1 , das zu nichts nütze sei: „Ich soll meinen Leib pressen in eine Schnürbrust, und meinen Willen schnüren in Gesetze. (...) Das Gesez hat noch keinen großen Mann gebildet, aber die Freyheit brütet Koloße und Extremitäten aus.“(I/2, S. 33).
Einerseits genießt er die Freiheit seines Studentenlebens, andererseits aber sehnt er sich nach der Rückkehr zu seinem Vater und seiner Geliebten: „Im Schatten meiner väterlichen Hayne, in den Armen meiner Amalia lockt mich ein edler Vergnügen.“ (I/2, S. 40). Hier wird das Heimweh Karls nach seiner Familie deutlich. Auch als er endlich den (eigentlich gefälschten) Brief von seinem Vater erhält, freut er sich und bezeichnet sich selbst als „de[n] Glücklichste[n] unter der Sonne“ (I/2, S. 41). Schon hier am Anfang wird ein Schwanken Karls zwischen der Rebellion gegen die Verhältnisse seiner Zeit und der Sehnsucht nach der Rückkehr in die Ordnung in seine Heimat deutlich (vgl. Hoffmann, 1996, S. 77).
Erst als ihn der Vater verstößt, entscheidet sich Karl bei den Räubern zu bleiben, aber er kommt mit dieser Entscheidung nicht wirklich zurecht. Er leidet sehr unter der Ablehnung seines Vaters, wie es immer wieder an seinen Aussagen deutlich wird: „(...) - aber wenn Blutliebe zur Verrätherinn, wenn Vaterliebe zur Megäre wird; o so fange Feuer männliche Gelassenheit, (...) Ist
1 Im folgenden Text werde ich, wenn ich aus dem Drama „Die Räuber“ zitiere, nur noch den jeweiligen Akt und die Szene mit der Seitenzahl in Klammer dahinter schreiben. Diese Angaben beziehen sich auf die im Literaturverzeichnis angegebene Ausgabe des Dramas.
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das Vatertreue? Ist das Liebe für Liebe?(...) Ich hab ihn so unaussprechlich geliebt! so liebte kein Sohn, (...)“ (I/2, S. 52- 53). Hier setzt das Räubermotiv ein und Karl schwört den Räubern ihr Hauptmann zu werden und zu bleiben: „Ich hab keinen Vater mehr, ich habe keine Liebe mehr, und Blut und Tod soll mich vergessen lehren, daß mir jemals etwas theuer war! (...) Nun und bey dieser männlichen Rechte! schwör ich euch hier, treu und standhaft euer Hauptmann zu bleiben bis in den Tod!“ (I/2, S. 54- 55). Durch diesen Schwur schafft er den Schritt aus der bestehenden Ordnung dieser Zeit, aber zugleich auch ein „Heraustreten aus dem Bereich menschlicher Liebe“ (Blochmann, 1951, S. 479). Er entfernt sich mit der Ernennung zum Räuberhauptmann nicht nur von den Gesetzen des Staates, sondern auch von seinem Vater und seiner Heimat und somit auch von der väterlichen Liebe und Anerkennung, die er so vermisst. Mit diesem Schwur beginnt also die eigentliche Tragödie Karls. Am Deutlichsten zeigt sich dies bei der Rückkehr Karls zu seinem Vater und seiner Geliebten, die beide durch ihn sterben müssen. Der Vater stirbt an der Wahrheit, dass Karl ein Räuberhauptmann geworden ist (V/2, S. 235). Amalia hingegen sieht keine Möglichkeit, dass Karl bei ihr bleiben kann und bittet ihn sie zu töten, weil sie es nicht erdulden kann verlassen zu werden (V/2, S. 239). So wird Karl gegen seinen Willen zum Vatermörder und Mörder seiner Geliebten.
Diese Rückkehr Karls in seine Heimat wird immer wieder in der vorangegangenen Handlung angedeutet, zum Beispiel bei einem Gespräch Karls mit seinen Räubern: „Es war ein Bubengedanke!“ (III/2, S. 137); „O all ihr Elisiums Scenen meiner Kindheit!“ (III/2, S. 140). Ein weiteres Beispiel ist die Kosinsky- Szene (III/2, S. 142- 152), in der ein junger Mann, namens Kosinsky, eine ähnliche Geschichte wie Karl sie erlebt hat erzählt. Diese Geschichte lässt ihn an Amalia und zu Hause erinnern und berührt ihn so sehr, dass er anschließend beschließt zu seinem Vater heimzugehen. Er sehnt sich nach der Ordnung zu Hause und möchte wieder zu ihr zurückkehren. Die Unterwerfung Karls, indem er sich am Ende des Stücks der Justiz stellt, zeigt, dass seine Rebellion hier keine Antwort gibt auf die Missstände jener Zeit. Ebenso wird deutlich, dass eine Welt ohne Ordnung nicht bestehen kann, weil er nur dadurch aus der Todsünde des Vatermordes wieder entkommt, wenn er sich dem Gesetz stellt: „Ich geh mich selbst in die Hände der Justiz zu
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überliefern.“ (V/2, S. 243). Am Ende befindet er sich also in eben dieser Ordnung, von der er sich am Anfang loszureißen versuchte, indem er zu den Räubern ging.
Im Folgenden sollen nun die anderen Mitglieder der Familie Moor charakterisiert und ihre Wirkung auf den Handlungsverlauf gezeigt werden. Des Weiteren sollen dadurch die in Punkt drei behandelten Familienkonflikte besser nachvollzogen werden können
2.2 Franz Moor - Karls Bruder
Franz verkörpert aufklärerische Vernunft (vgl. Hofmann, 1996, S. 72). Er will damit die Natur beherrschen, weil er sich von ihr benachteiligt fühlt: „Ich habe grosse Rechte, über die Natur ungehalten zu seyn, und bey meiner Ehre! ich will sie geltend machen. - Warum bin ich nicht der erste aus Mutterleib gekrochen?“ (I/1, S. 28). Er fühlt sich von ihr in zwei Dingen diskriminiert. Zum Einen dadurch, weil er der Zweitgeborene und nicht der Erstgeborene ist und zum Anderen, weil er sich hässlich fühlt, was er zum Beispiel mit einer „Lappländer Nase“, einem „Mohrenmaul“ und „Hottentotten Augen“ deutlich macht (I/1, S. 28).
Aber er korrigiert sich gleich danach, dass er der Natur Unrecht tue, da sie allen Menschen zu gleichen Teilen Erfindungsgeist mitgeben würde. Franz versteht unter diesem Geist der Erfindung seine geistige Kraft: „Schwimme, wer schwimmen kann, und wer zu plump ist geh unter! Sie gab mir nichts mit; wozu ich mich machen will, das ist nun meine Sache. Jeder hat gleiches Recht zum Grösten und Kleinsten, (...)“ (I/1, S. 28). Eine besondere Gabe glaubt er nicht zu haben, jedoch die Fähigkeit aus sich selbst etwas zu machen. Aus diesem Kraftglauben heraus ergibt sich Franz’ Aktivität, der als aktiver Zerstörer der Ordnung auftritt. Sein Bruder Karl dagegen stellt mehr das Opfer der gestörten Ordnung dar (vgl. Michelsen, 1979, S. 84).
Franz ist im Gegensatz zu Karl von Anfang an völlig isoliert. Er hat keinen Freund und auch sonst keine Menschen neben sich, nur bezahlte Helfer (vgl. Michelsen, 1979, S. 81).
Arbeit zitieren:
Michaela Putz, 2002, Die Rolle der Familie in Schillers "Die Räuber", München, GRIN Verlag GmbH
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