Dagmar Grenz beginnt ihren Aufsatz damit, dass der „Trotzkopf“ eine Art Vorreiter in der deutschen Mädchenliteratur gewesen ist. Das bedeutet, dass dieses Buch wohl offensichtlich einen so starken Einfluss auf die weibliche Leserschaft gehabt haben musste, dass sich mehrere Autorinnen Emmy von Rhodens annahmen und auf ähnliche Weise versuchten, die Mädchenwelt zu beeinflussen. Innovativ am Trotzkopf war, dass er unangepassten, noch kindlichen Mädchen eine größere Liberalität zusprach als andere Literatur. Leserinnen erkannten, dass sie trotz andersartiger Charakterzüge, wie sie auch bei Ilse Mackett auftreten, nicht gleich als unsympathisch galten. Als sympathische Identifikationsfigur zeigt Ilse, dass es durchaus natürlich war, nicht ohne Komplikationen die Schwelle von Kindheit zum endgültigen Frausein zu übertreten. Durch ihr Verhalten, welches zuvor als unsittlich und moralisch unmöglich galt, wird Ilse zum Sympathieträger junger Leserinnen. In ihrem Verhalten werden innere Ängste und Wünsche zum Ausdruck gebracht. Hinzu kam, dass aufgrund der Vielzahl an weiblichen Charakteren, die in diesem Buch auftreten, für beinahe jedes Mädchen eines dabei war, mit dem es sich identifizieren konnte.
Der „Trotzkopf“ war keine Aufforderung zur Rebellion. Aufgrund der Tatsache, dass gesellschaftliche Vorstellungen durchbrochen wurden, konnte stärker vermittelt werden, wie sich Mädchen tatsächlich zu verhalten haben. Sozusagen sollte durch Ilses aufgezeigtes Verhalten genau das Gegenteil bezweckt werden. Ilses zuvor schmerzlich dargestellte Wandlung ist demzufolge eine moralische
Beispielgeschichte, die zu einem fröhlichen Backfischleben führt. Sie selbst beschreibt ihre Wandlung (nachdem sie Fräulein Gontrau um Verzeihung gebeten hat) als befreiendes Gefühl. Durch Ilse konnten die Leserinnen erkennen, dass selbst wenn es anfangs quälend erscheint, ein Leben in Anpassung an die weibliche Rolle mit dem individuellen Glück zu vereinbaren ist und gerade die individuelle Selbstaufgabe nachhaltig glücklich macht. Ähnlich wie in modernen Soaps ist es das Erfolgsgeheimnis des Buches. Das Dargestellte widerspricht einerseits den eigenen Vorstellungen und Erfahrungen, klingt aber andererseits fabelhaft und wunderschön und ist daher so verlockend.
Diese Widersprüchlichkeit wird geradezu in der Hauptfigur Ilse aufgezeigt. Nachdem diese aufgrund ihrer Kindlichkeit und Natürlichkeit ins Pensionat muss, da es sich nicht schickt sich so zu verhalten, sind diese Charakterzüge nach ihrer Wandlung geradezu Anlass dafür, Ilse als besonderes Mädchen hervorheben.
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Ferner werden im „Trotzkopf“ sowohl die pädagogischen Ansprüche der Erwachsenen, als auch die Bedürfnisse junger Mädchen befriedigt. Dies geschieht durch die unterschwellige Vermittlung von Normen, die sich anfangs in Ilses sturköpfigem Verhalten, dem glücklichen Leben im Pensionat und letztlich der Liebesheirat äußern.
Auch heute noch besitzt der Trotzkopf an Aktualität, obwohl sich die Welt um das Buch herum komplett verändert hat. Weiterhin gibt es viele Mädchen, die von der großen Liebe träumen und die Ehe als sicheren Hafen und somit Ziel ansehen. Dafür sind sie bereit, ihr vorheriges, vermeintlich rebellisches Leben in ein an das von der Gesellschaft gefordertes Frauenideal umzuwandeln.
Im Gegensatz zu Dagmar Grenz beginnt Gisela Wilding ihren Aufsatz mit einem eher negativen Unterton, indem sie vom „Trotzkopf“ als Medium zur Verklärung psychischer Leiden von Mädchen während der Pubertät spricht und das Buch demzufolge als Tagtraum bezeichnet. Weiterhin ging es darum, sich vom Elternhaus zu lösen und nach Freud die „infantile Männlichkeit“ aufzugeben. Literatur für „höhere Töchter“ von „Tanten mit missionarischem Eifer“, die ihre „unbefriedigten erotischen Gefühle“ in ihren Büchern zu kompensieren suchen. So könnte man Mädchenbücher wie den „Trotzkopf“ nach Wilding bezeichnen. Dennoch stellt sich weiterhin die Frage, welche innerpsychischen
Auseinandersetzungen der „Trotzkopf“ für Mädchen bot, bzw. was er heute zu bieten hat.
Heute ist es sicherlich die Vergangenheitssucht, das Gefühl der Wiedervereinigung des verdorbenen Heute mit einem vernunftvollen Damals oder einem „Früher-waralles-besser“. Das unschuldige Mädchenbild fasziniert auch heute noch. Damals wurde es dazu genutzt, die wirkliche Verzerrung eines Mädchen- und Frauenlebens aufzuzeigen. Trotz des Erziehungs- und Entwicklungsklischees wurden Wachstumsschmerzen und Wünsche in Ilse verdeutlicht. Durch das Lesen des „Trotzkopfs“ konnte eine Art Katharsis (Reinigung) innerer Spannungen, die in der Kindheit begründet sind, folgen.
Ferner bezeichnet Wilding den „Trotzkopf“ als Ablösungsgeschichte und eine Art „Geschlechtsumwandlung“, in der Mädchen im Verlauf der Pubertät ihre unfemininen Eigenschaften ablegten, um jungfräuliche, sittsame und „gottähnliche“ anzunehmen. Dieser Vollzug ging aber unlängst nicht ohne psychische Belastungen der Mädchen
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Arbeit zitieren:
Claudia Waindok, 2008, Welche Zwischenräume erlaubt die Backfischliteratur für junge Mädchen? Was wird innerpsychisch von jungen Mädchen verlangt?, München, GRIN Verlag GmbH
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gül Yig
-ilse bittet nicht Fr. Gontrau um verzeihung, sondern Frl. Raimar!
am Thursday, February 25, 2010-