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Gliederung
Gliederung. 2
1 Soziale Probleme und soziologische Chancen 3
2 Der Forschungsstand zum Problem des Heimeintrittes 4
2.1 Institutionalisierungsquote und Institutionalisierungsrate 4
2.2 Subjektive Umzugsgründe 5
2.3 Objektive Umzugsgründe 7
3 Zusammenfassung und Lösungsansätze. 11
8 Literatur 19
Über den Autor: 23
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1 Soziale Probleme und soziologische Chancen
Die demographische Alterung der bundesdeutschen Gesellschaft wird in den nächsten Jahren weiter voranschreiten. In der Sozialpolitik ist diese Entwicklung bereits eines der beherrschenden Themen. So sollen politische Maßnahmen in den verschiedensten Bereichen die Rahmenbedingungen schaffen, um die prognostizierte Entwicklung bewältigen zu können. Die Neuregelung der Vormundschaft und der Gebrechlichkeitspflegschaft durch das Betreuungsgesetz (BtG), die Implementierung der Sozialen Pflegeversicherung, die Neufassung des Heimgesetzes (HeimG) und staatliche Modellprogramme wie etwa die Seniorenbüros seien exemplarisch genannt. In der Folge ist in den letzten Jahren seitens politischer und anderer Institutionen die Nachfrage nach geeigneter wissenschaftlicher Forschung zu diesem Problemfeld gestiegen. Hierbei handelt es sich zu einem großen Teil um genuin soziologische Fragestellungen. Und: Die Soziologie hat die Theorie- und die Methodenkompetenz, diese Fragestellungen anzugehen. Vor diesem Hintergrund kann die zunehmende Bedeutung dieses ex-pandierenden Arbeitsfeldes für Sozialwissenschaftler nicht genug betont werden.
Ein wichtiger Bereich innerhalb dieses Problemfeldes ist der Umzug älterer Menschen in ein Alten- und Pflegeheim. Trotz der zunehmenden Bedeutung dieses Themas ist - anders als in den USA - für die BRD bis dato ein gravierendes Forschungsvakuum zu bemängeln. So fehlt ein umfassendes theoretisches Modell zum Prozeß des Heimeintrittes - bis auf einige ökonomische Modelladaptionen (z. B. der moral-hazard-Ansatz) - bislang völlig (Schulz-Nieswand 1990). Auch empirische Forschungsarbeiten zu den Gründen oder Determinanten des Heimeintritts finden sich in der BRD bislang vor allem wegen des Mangels an repräsentativem Datenmaterial nur vereinzelt. Der vorliegende Beitrag gibt einen Überblick über die vorliegende empirische Forschung zum Thema des Heimeintrittes älterer Menschen. 1 Unter soziologischer Perspektive läßt sich diese Bevölkerungsgruppe (Aussagegesamtheit) in zwei Subgruppen 2 unterteilen: einmal in Personen, die in Privathaushalten leben, und zum anderen in die sog. Heimbevölkerung, in die Personen also, die in Institutionen (bspw. in Altenheimen, Altenpflegeheimen und mehrgliedrigen Einrichtungen) untergebracht sind.
1 Einzelheiten zur Operationalisierung der Aussagegesamtheit “ältere Menschen” finden sich in Abb. 1.
2 Die Gruppensoziologie differenziert zwischen sozialen Gruppen und sozialen Kategorien. Soziale Gruppen
unterscheiden sich von sozialen Kategorien v.a. durch die Existenz dauerhafter face-to-face-Interaktionen.
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Nun ist die Zugehörigkeit zu einer der beiden Gruppen kein unveränderliches Merkmal wie etwa das Geschlecht. Vielmehr kann die Zugehörigkeit zu einer der beiden Gruppen “Heimbewohner / Nichtheimbewohner” als ein reversibler Prozeß betrachtet werden. Dieser Prozeß kann von der betreffenden Person im Lebensverlauf (auch mehrfach) in die eine und andere Richtung durchlaufen werden: Personen siedeln von Privatwohnungen in Heime um oder ziehen vom Heim aus in Privathaushalte (zurück). Dieser Beitrag befaßt sich mit der erstgenannten Prozeßrichtung: Welche Ursachen und Lebensumstände bewegen einen alten Menschen zu dem Entschluß, in ein Heim zu ziehen und welche subjektiven Beweggründe geben alte Menschen dabei an? Lassen sich Prädiktoren ausmachen, anhand derer sich die Bevölkerungsgruppen in Privathaushalten und in Heimen unterscheiden lassen?
2 Der Forschungsstand zum Problem des Heimeintrittes
2.1 Institutionalisierungsquote und Institutionalisierungsrate
Relativ zur über 60jährigen Gesamtbevölkerung stagniert der Anteil an Heimplätzen für diese Bevölkerungsgruppe seit Jahren. Dieser gemeinhin als Institutionaliserungsquote interpretierte Quotient bewegt sich seit 1984 zwischen 3,8 und 4,0 Prozent (Statistisches Bundesamt 1996, BMFuS 1993, Hinschützer/Momber 1984, Klein et al. 1997). Allerdings besagt die Institutionalsierungsquote nichts über die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens in ein Heim umzuziehen. Zwischen Institutionalisierungsquote und der Institutionalisierungsrate ist also zu unterscheiden (Klein et al. 1997). Ebenso verborgen bleiben die der Institutionalisierungsquote zugrundeliegenden absoluten Populationsgrößen. Bei einem Zeitvergleich von Heimplatzzahlen mit der Zahl der Gesamtbevölkerung über 60 Jahre zeigt sich nämlich, daß mit der Altenpopulation auch die absolute Platzzahl in Alteneinrichtungen seit Jahren kontinuierlich ansteigt. Mitte 1994 existierten in der Bundesrepublik 682.220 Heimplätze in derartigen stationären Einrichtungen (Statistisches Bundesamt 1996) 3 . Betrachtet man die aktuellen Institutionalisierungsquoten bestimmter Altersgruppen, ergibt sich folgendes Bild (Abbildung 1).
Siehe Abbildung 1 im Anhang.
Strenggenommen wird in der Folge der Begriff ‘Gruppe’ also im Sinne einer sozialen Kategorie verwendet.
3 Auch wenn diese Heimplatzzahlen nicht ohne weiteres mit institutionalisierten Personen gleichgesetzt werden
können (Schneider 1998a).
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Bemerkenswert sind dabei die hohen Institutionalisierungsquoten in den beiden oberen Altersgruppen. Von bundesweit 0,5 Prozent der 60-65jährigen verdoppelt sich die Institutionalisierungsquote fast exakt alle 5 Jahre auf schließlich 34% bei den über 90jährigen (Abbildung 1).
Bei der Untersuchung der Gründe für einen Heimeintritt gibt es grundsätzlich zwei unterschiedliche Möglichkeiten der methodischen Herangehensweise: Die Erfassung subjektiver Heimeintrittsgründe durch die direkte Befragung des Heimbewohners und die multivariate Analyse nach objektiv meßbaren Variablen, die den Heimeintritt determinieren.
2.2 Subjektive Umzugsgründe
Zunächst zur direkten Befragung der Heimbewohner selbst nach ihren Beweggründen für die Heimübersiedlung. Das Ergebnis besteht aus retrospektiven Angaben, bei denen mögliche Verzerrungen durch nachträgliche Rationalisierungen des oft schon Jahre zurückliegenden Entscheidungsprozesses bedacht werden müssen (Tews 1979: 332). 4 Abbildung 2 (im Anhang) liefert eine Übersicht zu Erhebungen, in denen Heimbewohner ex post nach den Gründen für den zurückliegenden Umzug befragt wurden. Dabei fällt zunächst auf, daß zu subjektiven Heimeintrittsgründen bis auf eine Ausnahme bislang überhaupt keine für die Gesamt-BRD repräsentativen Angaben existieren. Die aktuellste und umfangreichste Erhebung ist in diesem Zusammenhang eine bundesweite Repräsentativbefragung von über 1560 Heimbewohnern (Gesamtstichprobenumfang N = 3.144) in insgesamt 101 stationären Alteneinrichtungen im Rahmen der Erhebung des Altenheimsurveys aus dem Jahre 1996 (Klein/Gabler 1996).
In der Synopse fallen gesundheitliche Beeinträchtigungen als die wichtigsten Umzugsgründe auf (Abbildung 2). Über die Hälfte der Heimbewohner geben ex post akute Erkrankungen oder daraus resultierenden Hilfe- und Pflegebedarf als Eintrittsgrund an (Beske 1960, Blume 1962, Falk 1978, Schmitz-Scherzer et al. 1978, Hirschfeld 1994, Schneider 1998a). Die bei Schneider (1998a) am häufigsten genannten gesundheitlichen Gründe waren Unfallfolgen, die Folgen eines Sturzes oder Behinderungen. Bei letzteren wurden am häufigsten Geh-, am
4 Einer anderen sehr interessanten Herangehensweise bedienen sich die wenigen existierenden ex-ante-
Arbeit zitieren:
Privatdozent Dr. Sven Schneider, 1998, Warum ziehen ältere Menschen in ein Heim? Ein Überblick über den aktuellen Forschungsstand, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
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DOI
Zweite Moderne oder Postmoderne?
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Sven Schneider's Text Warum ziehen ältere Menschen in ein Heim? Ein Überblick über den aktuellen Forschungsstand ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Sven Schneider hat den Text Warum ziehen ältere Menschen in ein Heim? Ein Überblick über den aktuellen Forschungsstand veröffentlicht
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