Ruhr-Universität Bochum
Fakultät für Philologie
Germanistisches Institut
Wintersemester 05/06
Hauptseminar: ,,Sprechen mit und über Tiere"
Sprechende Tiere in Literatur und Film
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Ein Überblick anhand ausgewählter Beispiele
Anne Huch
Fachsemester: 9
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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis... 2
1. Einleitung ... 3
2. Sprechende Tiere reine Fiktion? ... 3
3. Sprechende Tiere in der Literatur... 5
3.1 Kinderbücher... 5
3.3 Erwachsenenliteratur... 9
4. Sprechende Tiere im Film ... 12
4.1. Findet Nemo... 13
4.2. Shrek... 14
4.3 Zurück nach Hause Die unglaubliche Reise ... 15
5. Fazit... 17
Literaturverzeichnis:... 18
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1. Einleitung
Die Kommunikation mit Tieren ist alltäglich und omnipräsent. Allerdings ist sie ebenso
einseitig, wie sie weit verbreitet ist. Jeder Haustierbesitzer redet mit seinem Liebling und ist
auch der festen Überzeugung eine Antwort zu erhalten, wenn auch non-verbal. Sprechen
gelernt haben Tiere in der Realität noch nicht, wenn man von den Lautäußerungen der
Papageien einmal absieht, in Film und Literatur jedoch haben wir es sie lernen lassen. Über
das ,,Warum" kann man lange philosophieren. Sicher haben Tiere in unserm Leben einen
speziellen Stellenwert, dienen sie doch dazu den Mensch als Mensch zu definieren. Denn erst
das was uns vom Tier unterscheidet, macht uns zum Menschen. Umso interessanter ist es, das
der Mensch anscheinend das Bedürfnis hat, eines der Merkmale, die uns vom Tier
unterscheiden, nämlich die Sprache, auf Hunde, Katzen und Co zu übertragen. Das ,,Warum"
ist in dieser Arbeit aber eher nebensächlich, viel wichtiger ist das ,,Wie". Wie also lassen wir
Tiere sprechen? Mit dieser Frage werde ich mich im Laufe dieser Arbeit näher beschäftigen
und zwar im Hinblick auf Kinderbücher, Erwachsenenliteratur und auch sprechende Tiere in
Filmen werden näher untersucht werden.
2. Sprechende Tiere reine Fiktion?
Der Unterschied zwischen Menschen und Tieren sah Darwin darin, dass der Mensch höhere
geistige Fähigkeiten besitze, zu denen man unter anderem die Sprache zählen könnte.
Dorothee Warnecke beschäftigte mit der Frage, ob die Sprachfähigkeit wirklich eine
Einzigartigkeit des Menschen sei. Zu Grunde des Artikels lagen Versuche der
Affensprachforschung von Sue Savage-Rumbaugh, Professorin für Biologie und Psychologie,
die das Ziel hatten den ,,Ablauf des Spracherwerbs bei Menschenaffen aufzuklären und mit
dem spontanen Sprechenlernen der Menschenkinder zu vergleichen." (s. Savage-Rumbaugh,
Sue; Lewin, Roger (1995): ,,Kanzi - der sprechende Schimpanse. Was den tierischen vom
menschlichen Verstand unterscheidet.", S.75). Auf Grundlage des Yekish, einer von Ernst
von Glaserfeld erfundenen Sprache, wurde eine Tastatur erstellt, auf der Symbole,
Gegenstände oder Tätigkeiten zu finden waren, dessen Anordnung nach jeder Benutzung
verändert wurde (vgl. Warnecke, Dorothee (2000): ,,Sprachfähigkeit eine Einzigartigkeit
des Menschen?", In: Mensch und Maß, (20),
http://www.hohewarte.de/MuM/Jahr2000/
Sprachfaehigkeit0020.html
,13.07.2007, S. 1). Sue Savage-Rumbaugh arbeitete zunächst mit
zwei Schimpansen mit den Namen Sherman und Austin, die nach einiger Zeit die Tastatur
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anfingen für ihre eigenen Zwecke zu nutzen. Sie hatten verstanden, dass wenn ihnen eine
Banane gezeigt wurde und sie auf ,Banane' drückten, auch eine Banane bekamen. So fingen
sie an ihr Futter selbst zusammenzustellen, in dem sie begannen auf die jeweiligen
Leckerbissen auf der Tastatur zu drücken. Sie fingen an zu ,,fordern" (Warnecke, S.2), was
schon eine Art der Verständigung ist. Später fingen sie auch an beabsichtigte Handlungen
über die Tastatur anzukündigen, so zum Beispiel wurde die Taste ,,lustiges Gesicht" gedrückt
und danach eine Grimasse gezogen. ,,Die Ankündigung einer beabsichtigten Handlung ist
eine der ersten Arten, wie Menschenkinder Symbole verwenden" (Savage, S. 103). Dies alles
zeigte, dass Sherman und Austin durchaus eine ,,Sprachfähigkeit menschlicher Art" besaßen,
,,auch wenn sie in vielerlei Hinsicht eingeschränkt war" (Savage, S.111). Ebenfalls wurden
Versuche mit Bonobos gemacht, die dem Menschen weit aus ähnlicher sind als die
Schimpansen. So hatten ,,wild eingefangene(n) Bonobos [...] keinerlei Schwierigkeiten, den
Ausdruck [...] komplizierterer Gefühle wie Bestürzung, Verblüffung oder Dankbarkeit zu
verstehen" (Savage, S. 127) und selbst zu zeigen. Auch in anderer Hinsicht lassen sich
Parallelen zu den Menschen finden, wie z.B. bei der Sexualität und dem Umgang mit dem
Nachwuchs. Besonders tat sich Kanzi, ein Bonobo-Männchen, bei den Versuchen hervor. Das
Hauptaugenmerk lag eigentlich bei seiner Zieh-Mutter, da Kanzi noch viel zu jung war. Doch
als diese wieder in ihr Heimatinstitut zurückgeschickt wurde, legte das Bonobo-Männchen ein
sehr interessantes Verhalten an den Tag. Das, was seine Zieh-Mutter über Jahre hinweg kaum
gelernt hatte, machte er mühelos. Er hatte durch reinen sozialen Kontakt gelernt, so wie es
auch bei den Menschenkindern der Fall ist. Kanzi schien die Symbole der Tastatur zu
verstehen, bevor er sie benutzte (vgl. Warnecke, S. 7). Die Forscher waren außerdem davon
überzeugt, dass Kanzi auch gesprochene Wörter verstehen konnte, da er Worte, die im
Gespräch der Wissenschaftler vorkamen, auf der Tastatur übersetzte.
Alle Gehirnteile, die für das Verstehen und Produzieren von Sprache nötig sind, sind keine
Einzigartigkeit des Menschen, sondern auch bei Tieren zu finden (vgl. Warnecke, S. 1).
Allerdings liegt der Kehlkopf ,,bei allen Säugetiere(n) nur nicht beim Menschen [...] oben
im Hals" (s. Warnecke, S.2). So ist es ihnen zwar möglich Vokale hervorzubringen, wenn
auch unter Schwierigkeiten, aber für Konsonanten fehlt ihnen die anatomische
Voraussetzung.
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3. Sprechende Tiere in der Literatur
3.1 Kinderbücher
Sprechende Tiere in Kinderbücher könnten Kinder verwirren, lautete eine frühere Auffassung.
Doch Kinder sind durchaus fähig sprechende Tiere in Literatur und Film gegenüber realen
abzugrenzen. So sagt zum Beispiel die 3-jährige Pia auf die Frage, ob denn echte Tiere
sprechen könnten, ganz selbstbewusst: ,,Nein, der Barney kann nur wau-wau." Barney ist der
Haus- und Hofhund der Familie und auch wenn das Kind täglich mit sprechenden Tieren in
Büchern und Trickfilmen konfrontiert wird, kann sie Realität von Fiktion schon klar
unterscheiden.
Ein Klassiker der Kinderliteratur ist ,,Pu der Bär" (im Original: ,,Winnie-the- Pooh") von A.
A. Milne, der in seinen berühmten Geschichten die Stofftiere seines Sohnes Christopher
Robin zum Leben erwachen und sie kleine, absurde Abenteuer in einer idyllischen
Fantasiewelt bestehen lässt. Die erste Geschichte von Winnie-the-Pooh erschien am
Weihnachtsabend 1925 in der Evening News und wurde am 24. Dezember von allen
Radiosendern übertragen (s. Wullschläger, Jackie (1995): Inventing Wonderland, S. 184). Die
Helden seiner Geschichten sind Pu, der etwas zurückgebliebene Bär, das ängstlichen Ferkel,
der pessimistische Esel, das ordnungsvernarrte Kaninchen, das kurzsichtige Känguruh Känga
und ihr quirliges Junges Ruh und zu guter letzt die altkluge Eule mit dem Sprachfehler (vgl.
Wullschläger, S. 188). Milne versucht in seinen Büchern eine Welt zu konstruieren, wie sie
von Kindern hätte erschaffen werden können. ,,Milne versucht, die kindgemäße
Wahrnehmung zu konstruieren und die kindliche Welt als eine Welt mit eigenen Regeln und
eigener Werthaftigkeit zu gestalten" (s. Groß, Konrad (2004): A.A. Milne: Pu der Bär,
Vortrag zur Reihe: Klassiker der Kinderliteratur an der Universität in Kiel,
http://www.literaturwissenschaft-online.uni-kiel.de/veranstaltungen/
ringvorlesungen/kinderliteratur/Alan%20Alexander%20Milne.pdf, 7.9.2006 , S.4). Auch
wenn es nur ein Konstrukt einer kindlichen Welt ist, ist er dennoch maßgeblich für den Erfolg
des Buches verantwortlich. ,,Gemeinschaftssinn und Respekt vor den Eigenarten anderer"
sind die Ideale, die vermittelt werden (s. Groß, S.4). Pu der Bär kann wiederholt zugeben,
dass er ,,geistig beschränkt[en] und vergesslich[en]" ist (s. Groß, S.4) ohne das sich seine
Freunde über ihn lustig machen. So hat eines seiner vielen Gedichte zum Beispiel den Titel
,,ZEILEN, VON EINEM BÄREN MIT SEHR WENIG VERSTAND GESCHRIEBEN"
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(Milne, A.A. (1999): ,,Pu der Bär", S.102) und zu Eule sagt er ,,»[...] ich bin ein Bär von sehr
wenig Verstand, und lange Wörter jagen mir Angst ein«" (Milne, S.55). Als Erwachsener
wird man vor allem von dem ,,unnachahmlichen Umgang mit Sprache" fasziniert sein (s.
Groß, S.5). Pu der Bär wird in den Geschichten Alan Alexander Milnes zum Dichter und
verfasst zu jedem noch so trivialen Ereignis Gedichte und Lieder, wie zum Beispiel das
Wolkenlied, welches er zur Ablenkung der Bienen singt:
,,Als Wolke so im Blauen schweben,
Das ist und bleibt das wahre Leben!
Wenn ringsherum der Himmel blaut,
Singt jede schwarze Wolke laut:
>Als Wolke so im Blauen schweben,
das ist und bleibt das wahre Leben!<
Sie fühlt sich, wenn sie blaut,
Sehr wohl in ihrer Haut." (s. Milne, S. 25)
Es handelt sich hier um Verse ,,magischer Natur", mit denen Pu der Bär versucht die
Wirklichkeit zu ,,überwältigen" (s. Groß, S.5). Pu verarbeitet Alltagssituation in mehr oder
weniger sinnvollen Zeilen, verfasst sogenannte Nonsens-Verse, bei denen die Bedeutung
hinter den Sprachklang rückt. Das Spiel mit Sprache und Rhythmus drückt seine Faszination
von Laut und Klang aus:
,,Tra-la-la, tra-la-la,
Tra-la-la, tra-la-la,
Rum-tum-tiedel-um-tum,
Tiedel-diedel, tiedel diedel,
Tiedel-diedel, tiedel-diedel,
Rum-tum-tum-tiedel-dum." (s. Milne, S. 30)
Außerdem thematisiert Milne in seinen Geschichten die Macht von Sprache. ,,Wer Sprache
richtig beherrscht, ist besser als die anderen" (s. Groß, S.6). Dies hat Eule erkannt und gibt so
vor buchstabieren zu können und wird von den anderen für weise gehalten. ,,»Und wenn
irgendwer irgendwas über irgendwas weiß«, sagte sich Bär, »dann ist es Eule, die was über
was weiß« [...]" (Milne, S. 52), denn Eule kann ihren eigenen Namen ,,OILE" buchstabieren
(S.54). So kommt es in einer der Geschichten dazu, dass Pu Eule darum bittet, auf einen
Honigtopf ,,Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag" zu schreiben. Eule, die
Rechtschreibung keineswegs beherrscht, gibt dies allerdings nicht zu, sondern macht sich Pus
Unwissenheit zu Nutze. ,,HIRZ LERZ NUCKWNÜSCH UZM BUBU BUGEBU
BURZKAT" steht schließlich auf dem Honigtopf.
,,»Ich schreibe nur gerade >Herzzzlichen Glückwunsch<«, sagte Eule leichthin. »Das ist aber ganz
schön lang«, sagte Pu, der davon sehr beeindruckt war. »Na ja, in Wirklichkeit schreibe ich >Die
allerherzzzlichsssten Glück- und Segenssswünsche zzzum Geburtssstag. In Liebe, dein Pu<. Um so
etwasss langesss zzzu schreiben braucht man naturgemäßßß viel Bleistift.«" (Milne, S. 86).
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