Gliederung
Seite
1. Einleitung. 3
2. Klärung des Generationenbegriffs. 4
2.1 Der genealogische Generationenbegriff. 4
2.2 Der historisch-soziologische Generationenbegriff. 4
2.3 Der pädagogische Generationenbegriff. 6
3. Eckart Liebaus These vom Wandel des
Generationenverh ältnisses. 8
3.1 Eine systematische Analyse des gegenwärtigen
Generationen - und Erziehungsverhältnisses. 8
3.2 Die Lösung der Erziehungskrise. 10
4. kritische Auseinandersetzung mit weiteren
Argumenten zum Ende der Erziehung. 12
4.1 Das Verschwinden der Kindheit. 12
4.2 Das Verschwinden der Erwachsenen. 14
4.3 Der Verlust der Überlegenheit der älteren Generation. 15
4.3.1 Der Verlust des Instrumentellen Erfahrungsvorsprungs. 15
4.3.2 Der steigende Einfluss der peer-group. 17
5. Resümee. 18
Literaturverzeichnis. 20
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1. Einleitung
„Die jüngere Generation ist der Pfeil, die ältere der Bogen“. Mit diesen Worten charakterisierte der englische Schriftsteller John Steinbeck am Anfang des 20. Jahrhunderts das Verhältnis zwischen Alt und Jung. Für ihn war es selbstverständlich, dass es die Aufgabe der Alten ist, ihr Wissen an die Nachkommen weiter zu geben, sie auf das Leben vorzubereiten und sie mit Durchsetzungskraft ins Leben zu entlassen.
Seit damals hat sich vieles geändert. Das Wissen der gesamten Menschheit wächst so schnell, dass es schon wieder veraltet ist, bis Eltern es an ihre Kinder weitergeben können. Im Bereich der neuen Medien sind Kinder ihren Eltern sogar überlegen. Das klassische Generationenverhältnis, in dem die Jungen von den Alten lernen, hat sich umgekehrt. Damit ist auch Erziehung obsolet geworden! Dies ist die zentrale These Eckart Liebaus. Ob diese Schlussfolgerung zurecht gezogen werden kann und ob der Wandel im Generationenverhältnis wirklich so dramatisch ist, werde ich im Folgenden erörtern. Dabei wird zuerst der zentrale Begriff der „Generation“ in seiner Bedeutung festgelegt (2. Teil). Diese Klärung ist notwendig, da in der Wissenschaft und im Alltag unterschiedliche Auffassungen über „Generation“ existieren. Um jedoch über ein Thema diskutieren zu können, ist es notwendig, sich auf eine konkrete Definition zu einigen. Im Hauptteil (3. Teil) werde ich die Argumentation Eckart Liebaus darlegen. In seinem Aufsatz „Überlegungen zu einer praxeologischen Bildungstheorie“ (Liebau, 1995) schildert er die aktuelle Situation der Erziehung und gibt Ratschläge zur Bewältigung der Krise. Anschließend werden weitere Thesen zum Ende der Erziehung dargestellt und kritisch durchleuchtet. Im letzten Punkt (4. Teil) werde ich die Ergebnisse zusammenfassen.
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2. Klärung des Generationenbegriffs
Generation spielt in unserer Gesellschaft unwiderlegbar eine tragende Rolle, sei es in der Erziehung, der Schule oder dem Ruhestand. All dies findet in Generationenverhältnissen statt. Menschliches Leben, und damit auch Erziehung ist ohne Generation nicht denkbar.
In Anlehnung an Eckart Liebau (Liebau, 1997, S. 20 ff) lassen sich in der Pädagogik mindestens drei wissenschaftliche Generationenbegriffe unterscheiden. Hierbei handelt es sich um den genealogischen, den historisch-soziologischen und den pädagogischen Generationenbegriff.
2.1. Der genealogische Generationenbegriff
Der genealogische Generationenbegriff ist eindeutig und einfach. Damit ist „... die Generationenfolge in der Familie bzw. der Verwandtschaft gemeint, also die Abstammungslinie im genealogischen Sinn“(Liebau, 1997, S. 25). Auch wenn die Familien- und Verwandtschaftsbeziehungen in Folge aktueller Veränderungen wie längerer Lebenserwartung und einer steigenden Anzahl an Singles, Scheidungen und Mehrfachheiraten komplizierter geworden sind, so lässt sich die genealogische Abstammung nach wie vor klar nachzeichnen.
2.2. Der historisch-soziologische Generationenbegriff
Der Geisteswissenschaftler Wilhelm Dilthey legte 1875 mit seinem Aufsatz „Über das Studium der Wissenschaften vom Menschen, der Gesellschaft und dem Staat“ den Grundstein für den historisch-soziologischen Generationenbegriff. „Diejenigen, welche in den Jahren der Empfänglichkeit dieselben leitenden Einwirkungen erfahren, machen zusammen eine Generation aus. So gefaßt, bildet eine Generation einen engen Kreis von Individuen, welche durch Abhängigkeit von den selben großen Tatsachen und Veränderungen, wie sie im Zeitalter ihrer Empfänglichkeit auftraten, trotz der Verschiedenheit anderer hinzutretender Faktoren, zu einem homogenen Ganzen verbunden sind“ (Dilthey, 1875, S. 37).
Weiterentwickelt wurde dieser Ansatz von Karl Mannheim. Sein Aufsatz „Das Problem der Generationen“ aus dem Jahre 1928 (vgl. Mannheim, 1970,
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S. 509 ff) stellt bis heute für die gesamte historisch-soziologische Generationenforschung einen zentralen Bezugspunkt dar. Mannheim beschreibt dort einen Generationenbegriff, der gekennzeichnet ist durch drei Elemente: Generationenlagerung, Generationenzusammenhang und Generationseinheit.
Angelehnt an den Klassenbegriff, findet man bei ihm objektive, subjektive und praktische Merkmale, wobei letzteres Objektivität und Subjektivität miteinander verbinden. Die Generationenlagerung ist das objektive Merkmal. Darunter versteht Mannheim die „gemeinsame Zugehörigkeit zu einer Altersgruppe im historisch diskontinuierlichen Zeitraum...“ (Liebau, 1997, S. 21), das heißt alle Mitglieder eines Geburtenjahrganges. Der Generationszusammenhang entsteht aus der gemeinsamen, praktischen Betroffenheit durch prägende historische Ereignisse oder Konstellationen. Er ist das praktische Element in Mannheims Theorie. Abgerundet wird dieser Ansatz durch das subjektive Merkmal der Generationseinheit. Mannheim versteht darunter „... gemeinsame, tendenziell interaktiv aufeinander bezogene Orientierungs- und Handlungsmuster ...“ (Liebau, 1997, S. 21). Gemäß Mannheims Theorie bilden Mitglieder einer Generation eine Erlebnisgemeinschaft, da sie in ihrer Jugendphase (zwischen dem 17. und 25. Lebensjahr) durch gemeinsam erlebte historisch-soziale
Primärerfahrungen geprägt wurden. Auf der Basis historischer Schlüsselerlebnisse entwickeln die Mitglieder einer Generation ein Weltbild, das sie ein Leben lang prägt. Da unterschiedliche Altersgruppen verschiedenen prägenden Ereignissen ausgesetzt sind, lässt sich das unterschiedliche Weltbild einzelner Generationen erklären. Entscheidend für Mannheims Generationenkonzept ist also nicht allein die Zugehörigkeit zu einem Geburtenjahrgang, sondern vielmehr auch die subjektive Zugehörigkeit zu einer Erlebnisgemeinschaft. Konsequenter Weise bedeutet dies, dass eine Generation auch immer ein Generationenbewusstsein hat! Man muss sich als Mitglied einer Generation fühlen, um zu ihr gehören zu können.
Um von einer Generation zu sprechen, reicht es jedoch nicht, dass die Mitglieder im selben Zeitraum geboren wurden (=Generationslagerung) und die gleichen prägenden Erlebnisse hatten (=Generationszusammenhang). Ob jemand den Zusammenbruch des Ostblocks als Sieg oder Niederlage
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Arbeit zitieren:
Dipl. Päd. (Univ.) Thomas Ziegler, 2001, Wandel des Generationenverhältnisses - Die postmoderne These vom Ende der Erziehung, München, GRIN Verlag GmbH
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