Inhalt
1 Einleitung / Begründung der Thematik-------------------------------------------------------- 2
2 Fünf Phasen der Entwicklung: Von der Ausländerpädagogik zur Interkulturellen
Erziehung und Bildung--------------------------------------------------------------------------------- 3
2.1 Ausländerpädagogik --------------------------------------------------------------------------------- 3
2.2 Kritik an der Ausländerpädagogik---------------------------------------------------------------- 4
2.3 Differenzierung von Förderpädagogik und Interkultureller Erziehung ------------------ 5
2.4 Erweiterung des Blicks auf ethnische Minderheiten ------------------------------------------ 6
2.5 Interkulturelle Erziehung und Bildung als Bestandteil von Allgemeinbildung---------- 6
3 Entwicklungen in anderen Ländern------------------------------------------------------------ 7
4 Begriffsbestimmungen im Zusammenhang mit Interkulturellem Lernen---------------- 8
4.1 Community Education------------------------------------------------------------------------------- 8
4.2 Multikulturelle Erziehung / Multicultural Education----------------------------------------- 8
4.3 Intercultural education / Interkulturelle Erziehung------------------------------------------- 9
4.4 Multi-ethnische Erziehung-------------------------------------------------------------------------- 9
4.5 Antirassistische Erziehung-------------------------------------------------------------------------- 9
4.6 Zwischenkulturelle / Transkulturelle Pädagogik ---------------------------------------------- 9
4.7 Bikulturelle / Bilinguale Erziehung --------------------------------------------------------------10
4.8 Interkulturelles Lernen/ Interkulturelles Training / Interkulturelle Kommunikation /
Interkulturelles Handeln -------------------------------------------------------------------------------------10
5 Interkulturelle Erziehung - Versuch einer Definition ------------------------------------- 10
6 Interkulturelles Lernen als Schulprofil - ein Beispiel-------------------------------------- 11
7 Literatur-------------------------------------------------------------------------------------------- 13
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1 Einleitung / Begründung der Thematik
Bereits Nieke stellt sich in seinem Buch Interkulturelle Erziehung und Bildung (2000) die Frage „Wie [man] zu einem verantwortlichen und vernünftigen Umgang … [mit den] Angehörigen von Mehrheit und Minderheit in einer Gesellschaft angeleitet werden“ (Nieke, 2000, S. 9) kann.
Er stellt für sich zwei Dimensionen dieser Thematik fest. Zum einen geht es ihm um die Besprechung der Frage von Ungleichheit zwischen Mehrheit und Minderheit. Für ihn besteht aufgrund dieser Ungleichheit ein Machtgefälle, welches sich auf den Umgang mit anderen Kulturen auswirkt. Zum anderen sieht er eine Differenz in der Selbst- und Fremddefinitionen vom Mehrheiten und Minderheiten. Nieke stellt dazu fest, dass „Mehrheit und Minderheit [sich] jeweils selbst und in Abgrenzung dazu die jeweils anderen bestimmen und identifizieren“ (ibid).
Faktisch sind Macht und die Definition von Unterschieden sehr eng miteinander verflochten. Verbunden mit dieser Konstellation stellt sich sogleich die Frage, ob es legitim ist, dass die Mehrheit automatisch Macht über die Minderheit ausübt. Darüber hinaus stellt sich die Frage mit welchem Recht Minderheiten ihre Lebensweise verwirklichen und ob sie sich der Mehrheit unterordnen muss oder auch nicht.
Bevor allerdings diese Dinge geklärt werden können muss zunächst der Blick darauf gerichtet werden, wie die historische Entwicklung von Interkultureller Erziehung und Bildung in Deutschland aussieht. Es stellt sich die Frage, ob diese Thematik eine rein deutsche ist oder ob es Parallelen zu anderen (europäischen) Ländern gibt.
Um dies besser beurteilen zu können, wird im Folgenden zunächst dem Gedankengang von Nieke (2000) gefolgt, welcher fünf Schritte der Entwicklung bis zur heutigen Form der Interkulturellen Erziehung und Bildung ausmacht. Im weiteren Verlauf dieser Ausarbeitung wird dann versucht werden, die derzeit im Zusammenhang mit Interkulturellem Lernen gebräuchlichsten Begrifflichkeiten trennscharf voneinander abzugrenzen. Zuletzt wird das Beispiel einer Grundschule aufgegriffen, welche Interkulturelles Lernen als ihr Schulprofil gewählt hat.
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2 Fünf Phasen der Entwicklung: Von der Ausländerpädagogik zur Interkulturellen Erziehung und Bildung
Ich werde an dieser Stelle den Überlegungen Niekes (2000) folgen, welcher fünf Phasen der Entwicklung von der Ausländerpädagogik bis zur Interkulturellen Erziehung und Bildung manifestiert. Diese Phasenstruktur findet sich auch bei Auernheimer (1990) wieder.
2.1 Ausländerpädagogik
Die Diskussion über eine notwendige Ausländerpädagogik entstand in Deutschland vor dem Hintergrund der nachkommenden Kinder der Gastarbeiter. Waren die Gastarbeiter in den 1960er Jahren nach Deutschland geholt worden, so holten diese in den 1970er Jahren ihre Familien nach Deutschland, da sich der Aufenthalt in Deutschland länger gestaltete als ursprünglich vorgesehen. Mit dem Aufenthalt der Kinder in Deutschland wurde auch die Diskussion der Schulpflicht für Kinder der Wanderarbeitnehmer ins Leben gerufen. Diese wurde in den 1970er Jahren für alle in Deutschland dauerhaft lebenden Kinder festgeschrieben. Vornehmliches Ziel der Ausländerpädagogik wurde es dadurch, die ausländischen Kinder möglichst schnell in das bestehende Schulsystem eingliedern zu können. Vor dieser Ausgangssituation manifestierte sich das Problem der mangelnden Deutschkenntnisse der Gastarbeiterkinder. Die Kinder mussten möglichst schnell so viel deutsch lernen, dass sie dem Unterricht folgen konnten. Gedanken über die Pflege der eigenen Heimatkultur und Sprache standen zu diesem Zeitpunkt noch im Hintergrund, da immer davon ausgegangen wurde, dass die Kinder der Gastarbeiter nach einigen Jahren mit ihren Eltern wieder in ihre Heimatländer zurückkehren würden. Die Rückkehrfähigkeit der Kinder wurde immer betont und war selbstverständliche Basis jeglicher Überlegungen.
In einem ersten Schritt wurde zunächst auf den didaktischen Konzepten des Deutschen als Fremdsprache aufgebaut. Es wurde jedoch schnell deutlich, dass dieser Ansatz nur unzureichend für die Problematik der Gastarbeiterkinder war. An Stelle der Fremdsprachendidaktik wurde daher bald eine spezielle Didaktik des Deutschen als Zweitsprache gesetzt. Zu diesem Zweck wurden spezielle Vorbereitungsklassen eingeführt, in denen vornehmlich deutsch allerdings auch einige zentrale Sachfächer in der jeweiligen Heimatsprache der Kinder unterrichtet wurde. Letzteres hatte den Hintergrund, dass die Schülerinnen und Schüler den Anschluss an das Curriculum nicht verpassen sollten, welches für sie sowieso schon schwieriger zu erreichen war als für einheimische Kinder.
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Betrachtet man die Kategorisierungen der Pädagogik ist die Ausländerpädagogik eine an einer bestimmten Zielgruppe orientierte pädagogische Ausrichtung. In der Zeit der Etablierung der Ausländerpädagogik grenzte sich diese Orientierungsrichtung der Pädagogik von früheren Ansätzen ab, welche nach den Institutionen schauten, in welchen Pädagogik durchgeführt wurde. So verschiebt sich die Sichtweise von einer institutionell ausgerichteten Pädagogik, wie die Schul- oder Sozialpädagogik in Richtung einer Ausrichtung an den Zielgruppen wie Erwachsenenbildung oder Ausländerpädagogik.
Der Begriff der Ausländerpädagogik war etwa bis Ende der 1970er Jahre geläufig.
2.2 Kritik an der Ausländerpädagogik
Die Kritik an der Ausländerpädagogik setzte um 1980 ein. Diese Zeit war geprägt von der einsetzenden wirtschaftlichen Rezession. Die Probleme, welche mit den Kindern der Gastarbeiter entstanden wurden nun mehr und mehr zu Problemen vor einem politischen und gesellschaftlichen Hintergrund. Zu der pädagogischen Dimension gesellten sich also - verstärkt in dieser Zeit - auch eine politische und eine gesellschaftliche hinzu. Trotzdem wurde versucht mit der (Ausländer-)Pädagogik die Problemstellung zu beheben, was jedoch nicht funktionierte. Bereits Nieke zitiert Hamburger u.a., welche von der „Unmöglichkeit, Politik durch Pädagogik zu ersetzten“ sprechen (Nieke, 2000 S. 16). Alle stellen übereinstimmend fest, dass die pädagogischen Hilfen, die für die Ausländerkinder bereitgestellt wurden, nur die Auswirkungen bekämpfen können, die von der Politik und der Gesellschaft geschaffen wurden. Anders ausgedrückt: Die Pädagogik kann die Symptome bekämpfen allerdings nicht die Ursachen beheben.
Ein weiterer Kritikpunkt an der Ausländerpädagogik wurde in der Stigmatisierung der Zielgruppe gesehen: Wenn Ausländer zum Gegenstand besonderer Hilfen und einer eigenen Pädagogik gemacht werden, dann werden sie automatisch als andersartig stigmatisiert. Es entsteht eine Differenzierung zwischen ’Nicht Ausländern’, also Einheimischen (= Deutschen) und Zugereisten beziehungsweise Ausländern. Die Forderung nach einer „Pädagogik des Ausgleichs von Benachteiligungen“ (Nieke, 2000, S. 16) wurde laut. Gefordert wurden Bemühungen um Chancengleichheit für sozialstrukturell Benachteiligte. Diese Forderung richtete sich allerdings in erster Linie an die Politik und nicht an die Pädagogik. Ebenfalls kritisiert wurde, dass die bisherige Ausländerpädagogik Assimilation und Akkulturation impliziere. Als Assimilation wurde dabei die Angleichung der Lebensweise der Zu-wanderer an die Lebensweise der Deutschen angesehen. Unter Akkulturaltion wurde die Ü-
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Arbeit zitieren:
Martina Vögele, 2007, Interkulturelles Lernen in der Schule, München, GRIN Verlag GmbH
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